
13 Follower
"Indigo" war mein erster Roman des Büchner-Preisträgers Clemens J. Setz und danach ist sofort der nächste bei mir eingezogen. Setz ist ein uuunglaublicher Erzähler und wartet in Indigo mit feinem, morbiden Humor, außergewöhnlicher Sprachkunst und einer wahnsinnigen Schöpfungskraft auf. Fokus des Romans sind die sogenannten Indigo-Kinder, die von einer gewissen Aura umgeben sind, der "Zone". Wer in die Zone tritt, wird in kürzester Zeit von Schwindel, Übelkeit und Ohnmacht befallen. Daher gibt es ein eigens für diese Kinder eingerichtetes Institut, die "Helianau", in der sie wohnen und unterrichtet werden. Immer wieder werden einzelne Kinder jedoch abtransportiert, ohne zu wissen warum und wohin. In zwei Handlungssträngen verfolgen wir einerseits den Journalisten Clemens J. Setz, der aufgrund einer vergangenen Erfahrung dem Geheimnis der Indigo-Kinder nachspüren will und andererseits Robert Tätzel, der früher selbst als Indigo-Kind im Helianau-Institut Zeit verbrachte. Das Buch ist wie eine lose Recherche-Mappe aufgebaut, eine Ansammlung von Materialien (Zeitungsausschnitten, "Kopien" aus Fachbüchern, Briefen, etc.), die der fiktive Clemens Setz mit Berichten über seine Recherche versieht. Dazwischen schlüpfen wir in Robert Tätzels Leben, in seinen entrückt wirkenden Alltag, seine Gewaltfantasien und grenzwahnsinnigen Gedanken. Das Ganze ist ein spannendes und - wenn man versucht die einzelnen Fakten zu recherchieren - auch wahnsinnig machendes Spiel mit Fiktion und Realität, eine Spurensuche, die aufgrund der Unverlässlichkeit der beiden Protagonisten gar nicht gelingen kann. Wer Antworten sucht, wird hier enttäuscht. Wer sich aber auf für Düsteres, Bedrückendes und Absurdes faszinieren kann, der wird es lieben. Im Foyer der Bank hingen eine Menge schlechter abstrakter Gemälde, an denen sich Robert festhielt, um nicht in Panik zu geraten. Sie waren die eigentlichen Bewohner dieser Räumlichkeiten. Die ganze Nacht über hingen sie hier, unförmige Gebilde, die niemand wollte. Er nippte ein paar Mal am Schaumwein, der nach verrückt gewordenen Trauben schmeckte, und machte sich daran, die Bilder im Geiste umzumalen. (S. 178-179)
9. Mai 2023
"Indigo" war mein erster Roman des Büchner-Preisträgers Clemens J. Setz und danach ist sofort der nächste bei mir eingezogen. Setz ist ein uuunglaublicher Erzähler und wartet in Indigo mit feinem, morbiden Humor, außergewöhnlicher Sprachkunst und einer wahnsinnigen Schöpfungskraft auf. Fokus des Romans sind die sogenannten Indigo-Kinder, die von einer gewissen Aura umgeben sind, der "Zone". Wer in die Zone tritt, wird in kürzester Zeit von Schwindel, Übelkeit und Ohnmacht befallen. Daher gibt es ein eigens für diese Kinder eingerichtetes Institut, die "Helianau", in der sie wohnen und unterrichtet werden. Immer wieder werden einzelne Kinder jedoch abtransportiert, ohne zu wissen warum und wohin. In zwei Handlungssträngen verfolgen wir einerseits den Journalisten Clemens J. Setz, der aufgrund einer vergangenen Erfahrung dem Geheimnis der Indigo-Kinder nachspüren will und andererseits Robert Tätzel, der früher selbst als Indigo-Kind im Helianau-Institut Zeit verbrachte. Das Buch ist wie eine lose Recherche-Mappe aufgebaut, eine Ansammlung von Materialien (Zeitungsausschnitten, "Kopien" aus Fachbüchern, Briefen, etc.), die der fiktive Clemens Setz mit Berichten über seine Recherche versieht. Dazwischen schlüpfen wir in Robert Tätzels Leben, in seinen entrückt wirkenden Alltag, seine Gewaltfantasien und grenzwahnsinnigen Gedanken. Das Ganze ist ein spannendes und - wenn man versucht die einzelnen Fakten zu recherchieren - auch wahnsinnig machendes Spiel mit Fiktion und Realität, eine Spurensuche, die aufgrund der Unverlässlichkeit der beiden Protagonisten gar nicht gelingen kann. Wer Antworten sucht, wird hier enttäuscht. Wer sich aber auf für Düsteres, Bedrückendes und Absurdes faszinieren kann, der wird es lieben. Im Foyer der Bank hingen eine Menge schlechter abstrakter Gemälde, an denen sich Robert festhielt, um nicht in Panik zu geraten. Sie waren die eigentlichen Bewohner dieser Räumlichkeiten. Die ganze Nacht über hingen sie hier, unförmige Gebilde, die niemand wollte. Er nippte ein paar Mal am Schaumwein, der nach verrückt gewordenen Trauben schmeckte, und machte sich daran, die Bilder im Geiste umzumalen. (S. 178-179)
9. Mai 2023






