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Hier war alles dabei für mich. Von Humor, trotz schwerer Themen, bis zu kurzfristiger Ödnis, um dann voller Spannung den Horror der Krankengeschichte zu folgen. Witzig, kämpferisch, blutig, bleiern und trotzdem hoffnungsvoll. Eine komische Zimmernachbarin im Krankenhaus, die durch ihre skurrile Art, die traurige Geschichte der Protagonistin mit Humor würzt. Empathielose Ärzt*innen, die ohne große Anteilnahme und sehr nüchtern Diagnosen übermitteln. Kaputtes Gesundheitssystem, das Kranke und ihre Angehörigen verloren und hilflos fühlen lässt. Eine junge Frau, die schon von Kind auf mit ihrer Rechenschwäche zu kämpfen hat und dann kurz vor der Matura einige schwere Diagnosen erhält. Ein Freund, der sie kurz vor der großen OP verlässt. Eine Mutter, die zwischen Scheidung und neuer Ehe, allein mit einem Kind total überfordert ist und nicht immer alles richtig macht, aber genügend Liebe schenkt und für Lilli kämpft. Depressionen, die einen nach so viel Härte im Leben, erwischen können. Ich bin sehr gut in die autofiktionale Geschichte reingekommen, ein geschmeidiger Schreibstil, der es mir einfach gemacht hat dieses Buch zu lesen. Zwischendrin gibt es Rückblicke der Schul- und Kindergartenzeit, die zwar unschön waren, aber meiner Meinung nach nicht besonders ungewöhnlich. Die Erinnerungen waren etwas spannungslos, aber ich hab ziemlich schnell gemerkt, dass es die berühmte Ruhe vor dem Sturm war. Kaum waren die nicht chronologisch erzählten Kindheitserinnerungen erzählt, kam der blutige Horror. Ziemlich bildhaft und intensiv wurde der medizinische Notfall von Lilli beschrieben. Ich hatte das Blut gesehen und gerochen und musste das Buch kurz weglegen. Ich habe mitgefühlt, hatte Angst um Lillis Leben, habe mich über das marode Gesundheitssystem aufgeregt und über die Tatsache, dass die Genesung im Krankenhaus nicht immer leicht ist. Habe Lilli für ihren Kampf und ihre Kraft bewundert. Hätte Lilli so gerne in den Arm genommen. Es ist keine Story, die chronologisch erzählt wird, sonder zwischen verschiedenen Ereignissen springt und einige einschneidende Erlebnisse und psychische Verletzungen von Lilli aufzeigt. Sehr intensiv und authentisch. Ein wirklich gutes Debüt, macht Lust auf mehr. S.70 „Natürlich schämte ich mich, und es war mir peinlich, auf ein Gerät angewiesen zu sein. Natürlich war es mir unangenehm, eine Narbe auf meinem Schlüsselbein zu haben, die darauf hinwies, dass an dieser Stelle meines Körpers ein Fremdkörper eingesetzt worden war. Natürlich war es schmerzhaft, die Geschichte zu erzählen, wie ich mit meinen zwanzig Jahren zu so einem Hilfsmittel gekommen war.“ S. 156 „Wie ein schwerer Stein, der sich dem Meeresgrund nähert, sinke ich in diesen Schlaf, fühle ihn in seiner ganzen Wucht, fühle, wie er mich in seine Umarmung schließt, wie er mich umhüllt, bis ich nicht mehr weiß, ob ich überhaupt noch existiere.“ S.172 „Es fühlt sich an, als wäre mein Körper aus feinem Porzellan, und als stünde dieses Porzellan auf einer Klippe, und als würde jeder Windstoß das Porzellan um wenige Millimeter weiter in Richtung Kante schieben, bis es irgendwann fällt und auf den erbarmungslosen Untergrund trifft und dort in Millionen Teile zerschellt.“ S.178 „Der Arzt ist nicht sonderlich freundlich, er beachtet mich kaum. Er begrüßt mich nicht und verabschiedet sich auch nicht, als die Untersuchung zu Ende ist, sondern drückt den kühlen Ultraschallstab so tief in meine Eingeweide, dass ich kurz Angst habe, mich zu übergeben, und ich denke, dass die Wunde gleich aufplatzt, dass die Stelle auf meiner Haut, wo jetzt eine frische Narbe sitzt, niemals diesen Widerstand aushalten kann.“
18. Nov. 2024
Hier war alles dabei für mich. Von Humor, trotz schwerer Themen, bis zu kurzfristiger Ödnis, um dann voller Spannung den Horror der Krankengeschichte zu folgen. Witzig, kämpferisch, blutig, bleiern und trotzdem hoffnungsvoll. Eine komische Zimmernachbarin im Krankenhaus, die durch ihre skurrile Art, die traurige Geschichte der Protagonistin mit Humor würzt. Empathielose Ärzt*innen, die ohne große Anteilnahme und sehr nüchtern Diagnosen übermitteln. Kaputtes Gesundheitssystem, das Kranke und ihre Angehörigen verloren und hilflos fühlen lässt. Eine junge Frau, die schon von Kind auf mit ihrer Rechenschwäche zu kämpfen hat und dann kurz vor der Matura einige schwere Diagnosen erhält. Ein Freund, der sie kurz vor der großen OP verlässt. Eine Mutter, die zwischen Scheidung und neuer Ehe, allein mit einem Kind total überfordert ist und nicht immer alles richtig macht, aber genügend Liebe schenkt und für Lilli kämpft. Depressionen, die einen nach so viel Härte im Leben, erwischen können. Ich bin sehr gut in die autofiktionale Geschichte reingekommen, ein geschmeidiger Schreibstil, der es mir einfach gemacht hat dieses Buch zu lesen. Zwischendrin gibt es Rückblicke der Schul- und Kindergartenzeit, die zwar unschön waren, aber meiner Meinung nach nicht besonders ungewöhnlich. Die Erinnerungen waren etwas spannungslos, aber ich hab ziemlich schnell gemerkt, dass es die berühmte Ruhe vor dem Sturm war. Kaum waren die nicht chronologisch erzählten Kindheitserinnerungen erzählt, kam der blutige Horror. Ziemlich bildhaft und intensiv wurde der medizinische Notfall von Lilli beschrieben. Ich hatte das Blut gesehen und gerochen und musste das Buch kurz weglegen. Ich habe mitgefühlt, hatte Angst um Lillis Leben, habe mich über das marode Gesundheitssystem aufgeregt und über die Tatsache, dass die Genesung im Krankenhaus nicht immer leicht ist. Habe Lilli für ihren Kampf und ihre Kraft bewundert. Hätte Lilli so gerne in den Arm genommen. Es ist keine Story, die chronologisch erzählt wird, sonder zwischen verschiedenen Ereignissen springt und einige einschneidende Erlebnisse und psychische Verletzungen von Lilli aufzeigt. Sehr intensiv und authentisch. Ein wirklich gutes Debüt, macht Lust auf mehr. S.70 „Natürlich schämte ich mich, und es war mir peinlich, auf ein Gerät angewiesen zu sein. Natürlich war es mir unangenehm, eine Narbe auf meinem Schlüsselbein zu haben, die darauf hinwies, dass an dieser Stelle meines Körpers ein Fremdkörper eingesetzt worden war. Natürlich war es schmerzhaft, die Geschichte zu erzählen, wie ich mit meinen zwanzig Jahren zu so einem Hilfsmittel gekommen war.“ S. 156 „Wie ein schwerer Stein, der sich dem Meeresgrund nähert, sinke ich in diesen Schlaf, fühle ihn in seiner ganzen Wucht, fühle, wie er mich in seine Umarmung schließt, wie er mich umhüllt, bis ich nicht mehr weiß, ob ich überhaupt noch existiere.“ S.172 „Es fühlt sich an, als wäre mein Körper aus feinem Porzellan, und als stünde dieses Porzellan auf einer Klippe, und als würde jeder Windstoß das Porzellan um wenige Millimeter weiter in Richtung Kante schieben, bis es irgendwann fällt und auf den erbarmungslosen Untergrund trifft und dort in Millionen Teile zerschellt.“ S.178 „Der Arzt ist nicht sonderlich freundlich, er beachtet mich kaum. Er begrüßt mich nicht und verabschiedet sich auch nicht, als die Untersuchung zu Ende ist, sondern drückt den kühlen Ultraschallstab so tief in meine Eingeweide, dass ich kurz Angst habe, mich zu übergeben, und ich denke, dass die Wunde gleich aufplatzt, dass die Stelle auf meiner Haut, wo jetzt eine frische Narbe sitzt, niemals diesen Widerstand aushalten kann.“
18. Nov. 2024







