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"Sommer 1988: Der zwanzigjährige Ronni und die Mittzwanzigerin Sabine lernen sich an Bord der MS Arkona kennen, einem Kreuzfahrtschiff der DDR. Sie ist Jurastudentin und reist in der gehobenen Klasse, er ist ein einfacher Steward. Sie lebt in Frankfurt am Main, er stammt aus Dresden. Ihre Reise führt sie nach Skandinavien, die großen Hafenstädte der Ostsee entlang, mit ausnahmslos westdeutschen Gästen, ostdeutscher Besatzung – und der Stasi an Bord." Dieser Auszug aus dem Klappentext verkürzt dem Inhalt des neuesten Buchs des von mir sehr geschätzten Ralf Günther erheblich. Was da als Liebesgeschichte auf einem Kreuzfahrtschiff nach dem Muster der unsäglichen "Traumschiff-Serie angepriesen wird, hat doch viel mehr Tiefgang. Wichtiger als die Liebesgeschichte scheint dem Autor der Blick hinter die Kulissen des abgewirtschafteten DDR-Staats mit seinem krampfhaften Bemühen um Devisenbeschaffung zu sein. Der Spagat beginnt schon mit der Beschaffung des Kreuzfahrtschiffs vom (zu Recht) verteufelten Apartheidregime Südafrikas. Hier gingen KoKo-Chef Alexander Schalck-Golodkowski, dem im Roman quasi eine Gastrolle als Ronnis Onkel Alex eingeräumt wurde (incl. spektakulärer Hubschrauberlandung auf dem Schiff), und der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel eine unsägliche Liaison ein. Einen breiten Raum nehmen hierbei auch die Spekulationen um den nach wie vor ungeklärten Tod Barschels ein. Der Spagat findet seine Fortsetzung im Bemühen um die Wahrung der Distanz von (DDR-) Personal und (BRD-) Gästen, die nur durch intensive MfS-Bespitzelung erreicht werden kann. Diese politischen Aspekte bringt Ralf Günther präzise auf den Punkt, wodurch aber die durch den Klappentext geköderten Leserinnen und Leser auf eine Geduldsprobe gestellt werden. Die dort in den Vordergrund gestellte Liebesgeschichte hat mich nicht nur deswegen nicht gepackt. Beide Akteure blieben mir fremd. Die Drogenabhängigkeit Sabines taucht vor allem dann auf, wenn sie jeden Alkoholkonsum ablehnt. Ihrem erfolgreichen Studienabschluss steht sie dagegen nicht im Weg, auch nicht als ihr Ex-Dealer und -Freund ebenso plötzlich und unerwartet auftaucht wie er folgenlos wieder verschwindet. Ronnis Sinneswandel vom braven DDR-Bürger zum Republikflüchtling bleibt wenig überzeugend, weil seine inneren Konflikte zu sehr an der Oberfläche bleiben. Das Ende schließlich ist vorhersehbar und unspektakulär. Im Bemühen, ein kitschiges Happyend à la "Traumschiff" zu umgehen, die Geschichte aber doch mit einer positiven Perspektive enden zu lassen, löst der Autor den Plot auf 1 1/2 Seiten nüchtern auf. Unter dem Strich hinterlässt mich das Buch mit gemischten Gefühlen. Meine Bewertung: 3,5/5 Sternen.
2. Sept. 2025
"Sommer 1988: Der zwanzigjährige Ronni und die Mittzwanzigerin Sabine lernen sich an Bord der MS Arkona kennen, einem Kreuzfahrtschiff der DDR. Sie ist Jurastudentin und reist in der gehobenen Klasse, er ist ein einfacher Steward. Sie lebt in Frankfurt am Main, er stammt aus Dresden. Ihre Reise führt sie nach Skandinavien, die großen Hafenstädte der Ostsee entlang, mit ausnahmslos westdeutschen Gästen, ostdeutscher Besatzung – und der Stasi an Bord." Dieser Auszug aus dem Klappentext verkürzt dem Inhalt des neuesten Buchs des von mir sehr geschätzten Ralf Günther erheblich. Was da als Liebesgeschichte auf einem Kreuzfahrtschiff nach dem Muster der unsäglichen "Traumschiff-Serie angepriesen wird, hat doch viel mehr Tiefgang. Wichtiger als die Liebesgeschichte scheint dem Autor der Blick hinter die Kulissen des abgewirtschafteten DDR-Staats mit seinem krampfhaften Bemühen um Devisenbeschaffung zu sein. Der Spagat beginnt schon mit der Beschaffung des Kreuzfahrtschiffs vom (zu Recht) verteufelten Apartheidregime Südafrikas. Hier gingen KoKo-Chef Alexander Schalck-Golodkowski, dem im Roman quasi eine Gastrolle als Ronnis Onkel Alex eingeräumt wurde (incl. spektakulärer Hubschrauberlandung auf dem Schiff), und der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel eine unsägliche Liaison ein. Einen breiten Raum nehmen hierbei auch die Spekulationen um den nach wie vor ungeklärten Tod Barschels ein. Der Spagat findet seine Fortsetzung im Bemühen um die Wahrung der Distanz von (DDR-) Personal und (BRD-) Gästen, die nur durch intensive MfS-Bespitzelung erreicht werden kann. Diese politischen Aspekte bringt Ralf Günther präzise auf den Punkt, wodurch aber die durch den Klappentext geköderten Leserinnen und Leser auf eine Geduldsprobe gestellt werden. Die dort in den Vordergrund gestellte Liebesgeschichte hat mich nicht nur deswegen nicht gepackt. Beide Akteure blieben mir fremd. Die Drogenabhängigkeit Sabines taucht vor allem dann auf, wenn sie jeden Alkoholkonsum ablehnt. Ihrem erfolgreichen Studienabschluss steht sie dagegen nicht im Weg, auch nicht als ihr Ex-Dealer und -Freund ebenso plötzlich und unerwartet auftaucht wie er folgenlos wieder verschwindet. Ronnis Sinneswandel vom braven DDR-Bürger zum Republikflüchtling bleibt wenig überzeugend, weil seine inneren Konflikte zu sehr an der Oberfläche bleiben. Das Ende schließlich ist vorhersehbar und unspektakulär. Im Bemühen, ein kitschiges Happyend à la "Traumschiff" zu umgehen, die Geschichte aber doch mit einer positiven Perspektive enden zu lassen, löst der Autor den Plot auf 1 1/2 Seiten nüchtern auf. Unter dem Strich hinterlässt mich das Buch mit gemischten Gefühlen. Meine Bewertung: 3,5/5 Sternen.
2. Sept. 2025







