Die Vergiftung

Die Vergiftung

Taschenbuch
3.75
Expressionistischer RomanWiener Literatur1920ErÖsterreich Vor 1914

Durch das Verwenden dieser Links unterstützt du READO. Wir erhalten eine Vermittlungsprovision, ohne dass dir zusätzliche Kosten entstehen.

Beschreibung

Lazars 1920 erstmals erschienener Debütroman ist eine eigentümlich faszinierende Mischung aus Sittenroman und autobiographischer Familiengeschichte. Zugleich ist es eine Tour de Force literarischer Selbstbehauptung. In dreizehn, zyklisch angeordneten Kapiteln umkreist der Roman das Leben der zwanzigjährigen Protagonistin Ruth, erzählt von ihren Ängsten, Hoffnungen und Unzulänglichkeiten, von ihrer zerstörerischen Liebe zu einem namenlosen, älteren Mann und ihrem mit brutaler Vehemenz ausgetragenen Kampf gegen die Vereinnahmungsversuche der überdominanten Mutter. Lazar schrieb ihn 1915, als sie gerademal zwanzig Jahre alt war, in einer mächtigen, vernichtenden Wendung gegen die moralisierend-restaurative Lebenswelt des Wiener Großbürgertums vor Beginn des Ersten Weltkriegs; eine Welt, die sie als das jüngste Kind einer vermögenden, jüdischen Wiener Familie bestens kannte, in der sie sich aber niemals wirklich heimisch fühlte. "Man fragt sich, warum und wie das Werk ein Jahrhundert lang der Aufmerksamkeit entgehen konnte." – Sandra Kerschbaumer in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' „Eine so eigenwillige und eine so starke Sprache hat man lange nicht mehr vernommen, und wie hier erzählt wird, das verrät Souveränität, Gestaltungsvermögen und auch literarisches Selbstbewusstsein - dreizehn Kapitel, die eigentlich kleine Erzählungen sind, die sich im Laufe der Lektüre allmählich zu einem Ganzen zusammenschließen. Man vergisst bei dieser eindringlichen Bilderfolge schnell alle Versuche einer literaturhistorischen Einordnung (‚Expressionismus’ oder ‚Impressionismus’), aber wenn man die Nachbarschaften dieses außergewöhnlichen kleinen Romans benennen will, dann sind das große Namen wie Ernst Weiss, Hermann Ungar oder Veza Canetti - kurz: es handelt sich um eine kleine Sensation.“ – Michael Rohrwasser in der 'Wiener Zeitung' „Ein Antibürgerbuch. Ausdrucksstark, expressionistisch […]“ – Peter Pisa, Kurier

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
169
Preis
17.90 €

Autorenbeschreibung

Maria Lazar (1895–1948) entstammte einer jüdisch-großbürgerlichen Wiener Familie. Sie absolvierte das berühmte Mädchengymnasium der Eugenia Schwarzwald, in deren Salon Oskar Kokoschka sie 1916 porträtierte und in dem sie mit zahlreichen prominenten Figuren der damaligen Wiener Kulturszene zusammentraf, darunter Adolf Loos, Hermann Broch und Egon Friedell. Seit den frühen 20er Jahren war sie als Übersetzerin tätig und schrieb für renommierte österreichische, skandinavische und Schweizer Zeitungen. Erst als sie 1930 zum nordischen Pseudonym Esther Grenen greift, stellt sich quasi über Nacht ihr verdienter literarischer Ruhm ein; ein Erfolg, der allerdings durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten ein jähes Ende findet. Aufgrund des repressiven Klimas verlässt sie schon 1933 mit ihrer Tochter Österreich und geht zuerst, gemeinsam mit Bertolt Brecht und Helene Weigel, ins Exil nach Dänemark. 1939 flüchtet sie nach Schweden und scheidet 1948 nach einer langwierigen, unheilbaren Krankheit freiwillig aus dem Leben. Ihr breitgefächertes und wagemutiges literarisches Oeuvre geriet schon vor 1945 völlig in Vergessenheit.

Beiträge

2
Alle
4

Wie kann so ein Werk nur fast 100 Jahre missachtet worden sein? Seit 2014 ist es wieder verlegt, zum Glück möchte ich sagen.

Ruth ist 20 Jahre alt und lebt in einer Welt voller Geheimnissen und Doppelmoral. Die großbürgerliche Familie mit ihren Dramen, Prestigestreben und Versteckungen - Ruth reagiert auf diese Widersprüche auf pathetischste Weise. Sie lügt, betrügt, versucht auszubrechen. Selbst- und fremdzerstörerisch. Lazars Schreibstil muss dem Expressionismus zugeordnet werden. Ein Paradebeispiel, für die Schullektüre geeignet, so expressiv. Die gerade erst 20-Jährige Lazar verfasste es 1915, das erste Mal verlegt wurde es 1920. Die Vergiftung wird mich noch eine Weile begleiten, das merkte ich schon beim Lesen. Die Konstruktion verlangt nach großer Aufmerksamkeit, ich werde es wieder lesen, da bin ich mir sicher, hier lässt sich noch viel entdecken.

3

Manche Geschichten sind mir bissel zu verwirrend aber sonst ein ganz nettes Buch

Beitrag erstellen