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Romane

Der eiserne Gustav

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Über das Buch

Berlin, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise 1928: Gustav Hartmann, einst Fuhrunternehmer, kann als Droschkenkutscher seine Familie nicht mehr ernähren. Automobile Taxen werden von den Kunden bevorzugt. Vor seiner Frau verheimlicht er diese Situation, indem er sich vom Gastwirt Fietzke Geld leiht. Als Sicherheit verpfändet er das Grundstück mit dem Wohnhaus darauf. Durch Zufall erfährt seine Familie davon und will ihn für unzurechnungsfähig erklären lassen. Nach einer Vorladung vor Gericht verlässt er mit seiner Droschke die Stadt ohne bestimmtes Ziel. Ein Zeitungsreporter spürt ihn auf und verspricht ihm 500,- Mark für eine Fahrt nach Paris und begleitet ihn dorthin. Durch den Zeitungsreporter erfährt nun die breite Öffentlichkeit von seinem Vorhaben. Die Information darüber dringt bis in die kleinsten Gemeinden vor, die dem Durchreisenden nun jeweils einen begeisterten Empfang bescheren. Als er endlich in Paris ankommt, interessiert sich die Öffentlichkeit jedoch zunächst nicht für ihn, da Charles Lindbergh gerade seinen ersten Flug über den Atlantik beendet hat und somit Gustav mit seiner Droschkenfahrt in den Schatten des öffentlichen Interesses stellt. Entmutigen lässt er sich dadurch aber nicht. Er tritt die Heimreise von Paris nach Berlin an und als er dort erfolgreich seine Rückreise beendet, wird er vom wartenden Publikum begeistert empfangen. Er versöhnt sich mit seiner Familie und beschließt, das auf der Reise erworbene Geld in eine Automobilwerkstatt mit Tankstelle zu investieren.

Editionen (14)

ISBN9783966620307
VerlagBoer Verlag
Erscheinungsdatum31.12.19
Seitenzahl648

Rezensionen & Bewertungen

10 Bewertungen

2 Rezensionen

4,4

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  • leselicht78
    leselicht78

    201 Follower

    4,5

    Untergang einer Epoche

    Gustav Hackendahl ist ein Überbleibsel aus der Kaiserzeit. Die deutschen, preußischen Tugenden wie Fleiß, Zähigkeit und ein unbeugsamer Wille sind ihm zu eigen. Aber so, wie auch das Kaiserreich vor dem ersten Weltkrieg dem Untergang geweiht ist, ist auch "der eiserne Gustav" ein Auslaufmodell. Seine knallharten wilhelminischen Erziehungsmethoden beugen zwar die Kinder. Geliebt wird er jedoch von ihnen nicht, und sie kommen entweder auf Abwege, fallen im ersten Weltkrieg (Sohn Otto dient auf seinen Wunsch hin) oder verlassen schnellstmöglich das Elternhaus. Gustavs' Zeit ist gekommen. Die Droschkenfahrten werden durch die elektrische Straßenbahn überflüssig, und er gerät in eine Existenz- und Identitätskrise. Ein letztes Mal will er es noch wissen. Mit seiner Kutsche fährt er von Berlin nach Paris und lässt sich als rüstigen 70-Jährigen, der sich nicht unterkriegen lässt, feiern. Er verbindet die feindlichen Länder Deutschland und Frankreich mit seiner Reise, aber auch dieser Freundschaftsdienst ist durch den Versailler Vertrag schnell unterbunden. Sein Triumph hält nicht lange an und er wird von der modernen Zeit abgelöst. Ich liebe Hans Fallada. Seine Themen sind einfach immernoch aktuell. Ersetzen wir die Drosche durch einen Dieselmotor und die Straßenbahn durch ein E-Auto. Nehmen wird Werte und Anstand und ersetzen diese durch TikTok- Videos und die Zerrissenheit, die überall auf der Welt herrscht. Heutzutage wird alles zu Tode diskutiert und jeder hat seine Plattform. Vielfalt ist gut, bietet aber keine Orientierung mehr. Ein eiserner Gustav hätte es heute schwer...oder vielleicht auch gerade nicht.

    18. Nov. 2024

  • saszito
    saszito

    28 Follower

    5,0

    Wie jeder Fallada ein mächtiges, daa Leben wie es ist, abbildendes Werk. Schnörkellos und rotzig, aber daher um so liebevoller. Ein intensives Zeitzeugnis, auch aufgrund der verwirrenden editorialen Geschichte des Buchs.

    28. März 2026

Autorin / Autor

Über Hans Fallada

1893-1947

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