Blick ins Buch

Romane

Der eiserne Gustav

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Über das Buch

Die legendäre Droschkenfahrt des Gustav Hartmann im Jahr 1928 von Berlin nach Paris sollte den Stoff für einen Film hergeben, in dem Emil Jannings die Hauptrolle spielen wollte. Hans Fallada bekam 1937 den Auftrag von der Filmgesellschaft Tobis, das Drehbuch zu schreiben. Doch statt eines Exposés entstand ein Roman. „Ich kann nur erfinden, wenn ich schildern, wenn ich in die Breite gehen darf. Ich mußte den Leuten einen voll ausgewachsenen Roman schreiben“, notierte Fallada in seinen Erinnerungen von 1944. Doch Goebbels war mit dem Text nicht einverstanden. Ihm fehlte die Propagandawirkung, Fallada sollte umschreiben. Er tat es, und der Roman erschien 1938 im Rowohlt-Verlag, mit dem „Nazischwanz“, wie Fallada es nannte. Für die Edition Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, die ab 1962 im Aufbau-Verlag erschien, rekonstruierte der Herausgeber Günter Caspar das ursprüngliche Manuskript. Da die Originalfassung nicht mehr existierte, musste sich die Arbeit auf Falladas Notizen und andere Quellen stützen. Entstanden ist die bestmögliche Rekonstruktion des Romans im Sinne Falladas. Unsere Ausgabe folgt dieser Fassung.

Editionen (14)

ISBN9783841220813
VerlagAufbau digital
Erscheinungsdatum14.10.10
Seitenzahl749

Rezensionen & Bewertungen

10 Bewertungen

2 Rezensionen

4,4

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  • leselicht78
    leselicht78

    201 Follower

    4,5

    Untergang einer Epoche

    Gustav Hackendahl ist ein Überbleibsel aus der Kaiserzeit. Die deutschen, preußischen Tugenden wie Fleiß, Zähigkeit und ein unbeugsamer Wille sind ihm zu eigen. Aber so, wie auch das Kaiserreich vor dem ersten Weltkrieg dem Untergang geweiht ist, ist auch "der eiserne Gustav" ein Auslaufmodell. Seine knallharten wilhelminischen Erziehungsmethoden beugen zwar die Kinder. Geliebt wird er jedoch von ihnen nicht, und sie kommen entweder auf Abwege, fallen im ersten Weltkrieg (Sohn Otto dient auf seinen Wunsch hin) oder verlassen schnellstmöglich das Elternhaus. Gustavs' Zeit ist gekommen. Die Droschkenfahrten werden durch die elektrische Straßenbahn überflüssig, und er gerät in eine Existenz- und Identitätskrise. Ein letztes Mal will er es noch wissen. Mit seiner Kutsche fährt er von Berlin nach Paris und lässt sich als rüstigen 70-Jährigen, der sich nicht unterkriegen lässt, feiern. Er verbindet die feindlichen Länder Deutschland und Frankreich mit seiner Reise, aber auch dieser Freundschaftsdienst ist durch den Versailler Vertrag schnell unterbunden. Sein Triumph hält nicht lange an und er wird von der modernen Zeit abgelöst. Ich liebe Hans Fallada. Seine Themen sind einfach immernoch aktuell. Ersetzen wir die Drosche durch einen Dieselmotor und die Straßenbahn durch ein E-Auto. Nehmen wird Werte und Anstand und ersetzen diese durch TikTok- Videos und die Zerrissenheit, die überall auf der Welt herrscht. Heutzutage wird alles zu Tode diskutiert und jeder hat seine Plattform. Vielfalt ist gut, bietet aber keine Orientierung mehr. Ein eiserner Gustav hätte es heute schwer...oder vielleicht auch gerade nicht.

    18. Nov. 2024

  • saszito
    saszito

    28 Follower

    5,0

    Wie jeder Fallada ein mächtiges, daa Leben wie es ist, abbildendes Werk. Schnörkellos und rotzig, aber daher um so liebevoller. Ein intensives Zeitzeugnis, auch aufgrund der verwirrenden editorialen Geschichte des Buchs.

    28. März 2026

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