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Wir waren nicht das Volk des Waldes, sondern Gartenmenschen. - Zitat, Seite 352
Arendal ist ein Ort - und jetzt steht diese Bezeichnung auch für einen Roman. Genauer gesagt, für den 5. Band im "Morgenstern Kosmos" aus der Feder des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgård. Denn von einer Reihe zu sprechen, wäre in diesem Fall zu kurz gefasst. Das große Mysterium, welches der Autor mit dem Erscheinen des Morgensterns am sommerlichen Himmel zu umkreisen begann, führt uns vor und zurück in der Historie der Figuren und Orte. Immer dabei sind die großen Fragen des Lebens, oder sollte man besser von den Rätseln der Existenz sprechen?! In diesem Roman, der in den 1970er Jahren spielt, begegnen wir dem Ich-Erzähler Syvert, der auf dem Heimweg zu Frau und Kindern eine Autopanne hat und dabei ausgerechnet im Ort wichtiger Kindheitserinnerungen strandet - Arendal. Schon bald sind wir völlig im Bewußtseinsstrom des Ich-Erzählers gefangen, dessen Gedanken sich weit über dessen Dilemma zwischen seiner Rolle als Familienvater und seiner Sehnsucht nach einer fernen Liebe hinaus dehnen. "Das einzig existierende Mysterium war jedoch das, in dem sie sich unablässig befanden, will sagen die Zeit. Nicht der Tod, nicht das Leben, sondern die Zeit war es, worüber sie lieber nachgrübeln sollten." Seite 24 Hat Knausgård hier das Thema dieses Bandes definiert? In der Nacht begegnet er dann einer mysteriösen Gestalt, die ihm seltsam vertraut vorkommt. Ist er dem Mann bereits in seinen Träumen begegnet? Als er sich in einer Kneipe niederlässt, sieht er den Mann in einem Buch mit dem Titel "Das Geheimnis des Parmenides" lesen. Spätestens jetzt wird klar: diese eiskalte, sternenklare Nacht wird auf mehreren Ebenen bedeutsam sein. Dem Sog der Sprachmelodie von Karl Ove Knausgård, dessen Roman auch diesmal wunderbar geschmeidig von dem Übersetzer Paul Berf zum Klingen gebracht wurde, kann man sich schwerlich entziehen. Hier ein Beispiel von Seite 96: "Der Himmel über ihnen war voller Sterne. Einige von ihnen zitterten ein wenig, und es fiel mir schwer, nicht zu denken, dass sie es wegen der Kälte taten." Knausgård nutzt nicht nur die Intertextualität als Stilmittel, sein Roman regt dazu an, diesen als interaktive Fläche zu benutzen, um geographische Darstellungen anzusehen oder sich Musik zu Gehör zu bringen. Zur Musik im Text sei hier vor allem das Wagner Motiv genannt. Obwohl die Bezüge zum Morgenstern Kosmos ganz klar angezeigt werden, kann man diesen Roman auch als eigenständiges Werk lesen. Ist dieser Roman also ein philosophisches Meisterwerk, eine Geschichte über die Liebe und das Leben, oder doch nur ein innerer Monolog eines Mannes am Scheideweg zwischen Sein und Nichtsein? - Oder wie Knausgård es auf Seite 352 ausdrückt: "Das Nichts. Das war die Geschichte. Das Nichts." FAZIT Wieder einmal ist die ungeduldige Leserin in mir erwacht. Denn obwohl ich selbst einen BuddyRead mit vernünftigen Leseabschnitten eingerichtet habe, bin ich geschwind durch das Buch gerauscht. Dieser Fließtext ohne Kapiteleinteilung war zu verführerisch. Meine Mitlesenden werden mir hoffentlich verzeihen und natürlich bleibe ich der Leserunde treu und freue mich auf weiteren Austausch. Begleitend zur Lektüre hörte ich mir die Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" an und habe mich gefragt, ob es nicht nur mir, sondern auch dem Autor selbst ein Rätsel ist, warum es Frauen gibt, die Männer wie Syvert lieben. Er mag ja ein attraktiver Mann sein, aber er raucht wie ein Schlot, säuft sich den Kragen ab und zu allem Übel betrügt er seine Ehefrau, mit der er zwei Kinder hat. Und der Ich-Erzähler selbst bemerkt zur Wagner-Oper: "Selbst damals glaubte wohl keiner, dass die Liebe einer Frau die Rettung sein könnte (Seite 294)." Die Lektüre dieses Romans habe ich genossen, aber zwei Fragen bleiben offen: Warum hat man dies Buch, dessen Atmosphäre von der Kälte des Winters geprägt ist, hierzulande Mitte Mai 2026 (Original erschien bereits 2024) veröffentlicht? Und hat jemand auch beim ersten Blick auf das Cover die ausgestreckte Tatze eines Raubtieres erblickt - und nicht die Rückansicht eines weiblichen Körpers?! Unbedingt lesenswert. Wenn es passt, schau gern beim BuddyRead vorbei.
1. Juni 2026
Wir waren nicht das Volk des Waldes, sondern Gartenmenschen. - Zitat, Seite 352
Arendal ist ein Ort - und jetzt steht diese Bezeichnung auch für einen Roman. Genauer gesagt, für den 5. Band im "Morgenstern Kosmos" aus der Feder des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgård. Denn von einer Reihe zu sprechen, wäre in diesem Fall zu kurz gefasst. Das große Mysterium, welches der Autor mit dem Erscheinen des Morgensterns am sommerlichen Himmel zu umkreisen begann, führt uns vor und zurück in der Historie der Figuren und Orte. Immer dabei sind die großen Fragen des Lebens, oder sollte man besser von den Rätseln der Existenz sprechen?! In diesem Roman, der in den 1970er Jahren spielt, begegnen wir dem Ich-Erzähler Syvert, der auf dem Heimweg zu Frau und Kindern eine Autopanne hat und dabei ausgerechnet im Ort wichtiger Kindheitserinnerungen strandet - Arendal. Schon bald sind wir völlig im Bewußtseinsstrom des Ich-Erzählers gefangen, dessen Gedanken sich weit über dessen Dilemma zwischen seiner Rolle als Familienvater und seiner Sehnsucht nach einer fernen Liebe hinaus dehnen. "Das einzig existierende Mysterium war jedoch das, in dem sie sich unablässig befanden, will sagen die Zeit. Nicht der Tod, nicht das Leben, sondern die Zeit war es, worüber sie lieber nachgrübeln sollten." Seite 24 Hat Knausgård hier das Thema dieses Bandes definiert? In der Nacht begegnet er dann einer mysteriösen Gestalt, die ihm seltsam vertraut vorkommt. Ist er dem Mann bereits in seinen Träumen begegnet? Als er sich in einer Kneipe niederlässt, sieht er den Mann in einem Buch mit dem Titel "Das Geheimnis des Parmenides" lesen. Spätestens jetzt wird klar: diese eiskalte, sternenklare Nacht wird auf mehreren Ebenen bedeutsam sein. Dem Sog der Sprachmelodie von Karl Ove Knausgård, dessen Roman auch diesmal wunderbar geschmeidig von dem Übersetzer Paul Berf zum Klingen gebracht wurde, kann man sich schwerlich entziehen. Hier ein Beispiel von Seite 96: "Der Himmel über ihnen war voller Sterne. Einige von ihnen zitterten ein wenig, und es fiel mir schwer, nicht zu denken, dass sie es wegen der Kälte taten." Knausgård nutzt nicht nur die Intertextualität als Stilmittel, sein Roman regt dazu an, diesen als interaktive Fläche zu benutzen, um geographische Darstellungen anzusehen oder sich Musik zu Gehör zu bringen. Zur Musik im Text sei hier vor allem das Wagner Motiv genannt. Obwohl die Bezüge zum Morgenstern Kosmos ganz klar angezeigt werden, kann man diesen Roman auch als eigenständiges Werk lesen. Ist dieser Roman also ein philosophisches Meisterwerk, eine Geschichte über die Liebe und das Leben, oder doch nur ein innerer Monolog eines Mannes am Scheideweg zwischen Sein und Nichtsein? - Oder wie Knausgård es auf Seite 352 ausdrückt: "Das Nichts. Das war die Geschichte. Das Nichts." FAZIT Wieder einmal ist die ungeduldige Leserin in mir erwacht. Denn obwohl ich selbst einen BuddyRead mit vernünftigen Leseabschnitten eingerichtet habe, bin ich geschwind durch das Buch gerauscht. Dieser Fließtext ohne Kapiteleinteilung war zu verführerisch. Meine Mitlesenden werden mir hoffentlich verzeihen und natürlich bleibe ich der Leserunde treu und freue mich auf weiteren Austausch. Begleitend zur Lektüre hörte ich mir die Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" an und habe mich gefragt, ob es nicht nur mir, sondern auch dem Autor selbst ein Rätsel ist, warum es Frauen gibt, die Männer wie Syvert lieben. Er mag ja ein attraktiver Mann sein, aber er raucht wie ein Schlot, säuft sich den Kragen ab und zu allem Übel betrügt er seine Ehefrau, mit der er zwei Kinder hat. Und der Ich-Erzähler selbst bemerkt zur Wagner-Oper: "Selbst damals glaubte wohl keiner, dass die Liebe einer Frau die Rettung sein könnte (Seite 294)." Die Lektüre dieses Romans habe ich genossen, aber zwei Fragen bleiben offen: Warum hat man dies Buch, dessen Atmosphäre von der Kälte des Winters geprägt ist, hierzulande Mitte Mai 2026 (Original erschien bereits 2024) veröffentlicht? Und hat jemand auch beim ersten Blick auf das Cover die ausgestreckte Tatze eines Raubtieres erblickt - und nicht die Rückansicht eines weiblichen Körpers?! Unbedingt lesenswert. Wenn es passt, schau gern beim BuddyRead vorbei.
1. Juni 2026






