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Über einen wirklichen Ort
Ich lasse mich gern auf Bücher ein, die vom Himmel zu fallen scheinen, mich anziehen oder die ich irgendwo einfach finde. Kaum habe ich erlebt, dass die so entdeckten Werke nicht in meine derzeitige Lebenssituation passten. Wir sind in Japan, die Zeit nach dem Tsunami 2011, der über 15000 Todesopfer forderte. Deshalb sind wir auch im Thema Trauerarbeit und -bewältigung und so, wie dies Ereignis mehr als einschneidend und wirklich für die Menschen in Japan und darüber hinaus ist, so ist auch der Ort, der eine ganz besondere Art der Trauerarbeit ermöglicht, wirklich existent. Es steht eine Telefonzelle mit einem Telefon ohne Anschluss in einem Garten eines Hauses in der Nähe der Stadt Ōtsuchi. Umgeben von diesem wunderschönen Garten, der den Raum für Ruhe und Frieden gibt, kann hier jeder kommen, der den Verlust eines Menschen zu beklagen hat und das Wort an die so schmerzlich vermissten Menschen richten. Wir erleben, was die Protagonisten zum Kommen bewegte, wie sie sich der Herausforderung der Kontaktaufnahme stellen und was danach mit ihnen passiert. Auf typisch japanische Art wirkt die Geschichte nicht überfrachtet oder künstlich dramatisiert, die Atmosphäre ist eher zurückhaltend, dezent, respektvoll. Kurze Kapitel, die die Geschichte erzählen werden abgewechselt durch hauchzarte, liebevolle Kapitel mit Zusatzinformationen, mal eine Playlist, Listen von Süssigkeiten oder gegebenen Geschenken. So schafft es die Autorin Laura Imai Messina das Thema Verlust und Trauer derart aufzulockern, dass es ein Vergnügen ist, sich damit zu befassen. Die Autorin, die ursprünglich aus Italien stammt aber seit Jahren in Japan lebt, beweist hier ein Fingerspitzengefühl, das wohl auf eigene, schmerzliche Erfahrungen zurückzuführen ist. Die Tatsache, dass jemand auf seinem eigenen Grund und Boden einen Ort schafft, der es Menschen ermöglicht, ihre Trauer mitzubringen, finde ich derart grossartig, dass mich die Vorstellung wohl noch länger wärmen wird. Ein Beispiel, was Menschen in Mitgefühl für Menschen tun können. Am Ende des Buches gibt es die Homepage-Adresse für diesen wirklichen Ort
5. Sept. 2025
Über einen wirklichen Ort
Ich lasse mich gern auf Bücher ein, die vom Himmel zu fallen scheinen, mich anziehen oder die ich irgendwo einfach finde. Kaum habe ich erlebt, dass die so entdeckten Werke nicht in meine derzeitige Lebenssituation passten. Wir sind in Japan, die Zeit nach dem Tsunami 2011, der über 15000 Todesopfer forderte. Deshalb sind wir auch im Thema Trauerarbeit und -bewältigung und so, wie dies Ereignis mehr als einschneidend und wirklich für die Menschen in Japan und darüber hinaus ist, so ist auch der Ort, der eine ganz besondere Art der Trauerarbeit ermöglicht, wirklich existent. Es steht eine Telefonzelle mit einem Telefon ohne Anschluss in einem Garten eines Hauses in der Nähe der Stadt Ōtsuchi. Umgeben von diesem wunderschönen Garten, der den Raum für Ruhe und Frieden gibt, kann hier jeder kommen, der den Verlust eines Menschen zu beklagen hat und das Wort an die so schmerzlich vermissten Menschen richten. Wir erleben, was die Protagonisten zum Kommen bewegte, wie sie sich der Herausforderung der Kontaktaufnahme stellen und was danach mit ihnen passiert. Auf typisch japanische Art wirkt die Geschichte nicht überfrachtet oder künstlich dramatisiert, die Atmosphäre ist eher zurückhaltend, dezent, respektvoll. Kurze Kapitel, die die Geschichte erzählen werden abgewechselt durch hauchzarte, liebevolle Kapitel mit Zusatzinformationen, mal eine Playlist, Listen von Süssigkeiten oder gegebenen Geschenken. So schafft es die Autorin Laura Imai Messina das Thema Verlust und Trauer derart aufzulockern, dass es ein Vergnügen ist, sich damit zu befassen. Die Autorin, die ursprünglich aus Italien stammt aber seit Jahren in Japan lebt, beweist hier ein Fingerspitzengefühl, das wohl auf eigene, schmerzliche Erfahrungen zurückzuführen ist. Die Tatsache, dass jemand auf seinem eigenen Grund und Boden einen Ort schafft, der es Menschen ermöglicht, ihre Trauer mitzubringen, finde ich derart grossartig, dass mich die Vorstellung wohl noch länger wärmen wird. Ein Beispiel, was Menschen in Mitgefühl für Menschen tun können. Am Ende des Buches gibt es die Homepage-Adresse für diesen wirklichen Ort
5. Sept. 2025







