Blick ins Buch

Lyrik & Dramen

Die letzten Tage der Menschheit

3,6(7)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Die Menschheit im Vernichtungsrausch: ein Panorama des Schreckens, ein literarisches Fanal, Mahnmal und Monument.
Einem »Marstheater« hat Karl Kraus seine Weltkriegstragödie zugedacht – weil sie mit ihren über 200 Szenen nicht nur im Umfang über jede menschliche Vorstellung hinausgeht. Die Tragödie findet hier nicht nur auf dem Theater statt, sie ist eine Katastrophe von apokalyptischen Dimensionen. Der Krieg, gegen den Karl Kraus mit satirischem Furor und moralischer Beschämung Krieg geführt hat, endet hier nicht mit einem Frieden, denn: »Er hat sich nicht an der Oberfläche des Lebens abgespielt, sondern im Leben selbst gewütet. Die Front ist ins Hinterland hineingewachsen. Sie wird dort bleiben.« Und Kraus spürt ihrem Verlauf nach, in der Presse wie im Militärkommando, im Café wie am Schlachtfeld, und gestaltet aus Erfundenem wie Gefundenem ein großes Panorama des Schreckens.

Editionen (14)

ISBN9783990274293
VerlagJung u. Jung
Erscheinungsdatum17.07.25
Seitenzahl832

Rezensionen & Bewertungen

7 Bewertungen

1 Rezensionen

3,6

Tippen zum Filtern

  • vicinbetween
    vicinbetween

    45 Follower

    5,0

    „Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus, publiziert 1918 – ein Kaleidoskop der Zeit des Ersten Weltkriegs.

    Mit „Die letzten Tage der Menschheit" hat Karl Kraus ein einzigartiges Werk geschaffen. Wir werden Beobachter des Ersten Weltkriegs in all seinen Facetten – und genau das macht diese Lektüre so einzigartig. Wir erfahren die Geschehnisse nicht, wie üblich, durch eine einzige, sich anknüpfende Geschichte, sondern lesen aus Fragmenten des Kriegsalltags: Schulkindern, Normalbürgern, Kirchenbediensteten, Unternehmern und Militärangehörigen werden Stimmen gegeben, unzensiert, brutal und erschreckend. Kraus zeigt: Aus „Du darfst nicht töten" wird „Du hast das Recht, gar die Pflicht dazu, deinen Feind zu töten". Aus „Zivilisten sind keine Kriegsteilnehmer" wird „Die Institution Schule indoktriniert den Kindern das Ideal des Krieges". Aus „Nach den Schrecken des Krieges, die wir erlebt haben, wollen wir den Frieden" wird „Welche Schrecken des Krieges? Wir führen gerade den nächsten Weltkrieg, allen geht's wunderbar". Und was sagen die bis dato ungeborenen Generationen? „Wir, die Untat spätere Zeugen, bitten euch, uns vorzubeugen. Lasset nimmer uns entstehn! Wären eurer Schmach Verräter. Woll'n nicht solche Heldenväter. Ruhmlos möchten wir vergehn! Wehlust irdischen Getues! Liebend hinterläßt die Lues mir mein Vater, dieser Schuft. Ruft uns nicht in diese Reiche! Wir entstammen einer Leiche. Ungesund ist hier die Luft." (V. Akt, 11. Szene) Karl Kraus verstand sein Handwerk hervorragend. Mit dieser Art der Gestaltung des Dramas gewinnen wir, als Außenstehende, einen Blick darauf, was der Krieg wirklich ist, jenseits kämpferischen Gefechten. Krieg ist das massenhafte Sterben von Individuen wie du und ich. Krieg ist der Moment, in dem man merkt, dass sein Leben den Interessen anderer geopfert wird. Wenn Krieg herrscht, merkt man, dass man nie mehr einfach nur ordinär existieren kann. Deshalb ist „Die letzten Tage der Menschheit" mehr als ein Antikriegsdrama. Es ist eine schonungslose Anklage gegen Nationalismus, Propaganda und gesellschaftliche Mechanismen, die den Krieg erst möglich gemacht haben. Ein Drama, das in heutigen Zeiten eventuell aktueller ist, als man sich wünschen würde.

    6 Tage vor

Autorin / Autor

Über Karl Kraus

geboren 1874 in Gitschin (Jičín), Böhmen, Publizist und Schriftsteller, einer der bedeutendsten Sprach- und Kulturkritiker, Satiriker und Essayisten, Aphoristiker und Dichter deutscher Sprache. Er starb 1936 in Wien.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick