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Die letzten Tage der Menschheit

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Über das Buch

Karl Kraus komponierte sein Hauptwerk "Die letzten Tage der Menschheit" als Mosaik unterschiedlichster Bilder aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, verbunden einzig und allein durch die schonungslose Offenlegung der Wirklichkeit. In seinen aus Zeitungsausschnitten, militärischen Tagesbefehlen, Gerichtsurteilen oder kommerziellen Anzeigen montierten Episoden blickt Kraus in Kanzleien wie in Kasernen, in Hinterhöfe wie in großbürgerliche Wohnungen, auf die Front wie in Lazarette.

(Laufzeit: 3h 25)

Editionen (14)

ISBN9783844506815
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum13.08.02

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    „Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus, publiziert 1918 – ein Kaleidoskop der Zeit des Ersten Weltkriegs.

    Mit „Die letzten Tage der Menschheit" hat Karl Kraus ein einzigartiges Werk geschaffen. Wir werden Beobachter des Ersten Weltkriegs in all seinen Facetten – und genau das macht diese Lektüre so einzigartig. Wir erfahren die Geschehnisse nicht, wie üblich, durch eine einzige, sich anknüpfende Geschichte, sondern lesen aus Fragmenten des Kriegsalltags: Schulkindern, Normalbürgern, Kirchenbediensteten, Unternehmern und Militärangehörigen werden Stimmen gegeben, unzensiert, brutal und erschreckend. Kraus zeigt: Aus „Du darfst nicht töten" wird „Du hast das Recht, gar die Pflicht dazu, deinen Feind zu töten". Aus „Zivilisten sind keine Kriegsteilnehmer" wird „Die Institution Schule indoktriniert den Kindern das Ideal des Krieges". Aus „Nach den Schrecken des Krieges, die wir erlebt haben, wollen wir den Frieden" wird „Welche Schrecken des Krieges? Wir führen gerade den nächsten Weltkrieg, allen geht's wunderbar". Und was sagen die bis dato ungeborenen Generationen? „Wir, die Untat spätere Zeugen, bitten euch, uns vorzubeugen. Lasset nimmer uns entstehn! Wären eurer Schmach Verräter. Woll'n nicht solche Heldenväter. Ruhmlos möchten wir vergehn! Wehlust irdischen Getues! Liebend hinterläßt die Lues mir mein Vater, dieser Schuft. Ruft uns nicht in diese Reiche! Wir entstammen einer Leiche. Ungesund ist hier die Luft." (V. Akt, 11. Szene) Karl Kraus verstand sein Handwerk hervorragend. Mit dieser Art der Gestaltung des Dramas gewinnen wir, als Außenstehende, einen Blick darauf, was der Krieg wirklich ist, jenseits kämpferischen Gefechten. Krieg ist das massenhafte Sterben von Individuen wie du und ich. Krieg ist der Moment, in dem man merkt, dass sein Leben den Interessen anderer geopfert wird. Wenn Krieg herrscht, merkt man, dass man nie mehr einfach nur ordinär existieren kann. Deshalb ist „Die letzten Tage der Menschheit" mehr als ein Antikriegsdrama. Es ist eine schonungslose Anklage gegen Nationalismus, Propaganda und gesellschaftliche Mechanismen, die den Krieg erst möglich gemacht haben. Ein Drama, das in heutigen Zeiten eventuell aktueller ist, als man sich wünschen würde.

    6 Tage vor

Autorin / Autor

Über Karl Kraus

Karl Kraus, geboren 1874 in Böhmen, gehört zu den bedeutendsten österreichischen Schriftstellern des beginnenden 20. Jahrhunderts. Kraus machte sich als Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker und Dramatiker einen Namen. Vor allem galt er als scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus. Er starb 1936 in Wien.

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