Blick ins Buch

Lyrik & Dramen

Die letzten Tage der Menschheit

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Über das Buch

Das einem Marstheater zugedachte Drama, mit dem Karl Kraus Wesen und Wirklichkeit des Ersten Weltkriegs einzufangen suchte, bildet ungeachtet seines Umfangs, der jedes Theatermaß sprengt, die bündigste Darstellung dieser ersten Katastrophe der europäischen Kultur im 20. Jahrhundert. Im Rückblick sind aber auch die Bedingungen der Möglichkeit des zweiten Weltkriegs zu erkennen.

Editionen (14)

ISBN9783518457153
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum02.11.05
Seitenzahl284

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    „Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus, publiziert 1918 – ein Kaleidoskop der Zeit des Ersten Weltkriegs.

    Mit „Die letzten Tage der Menschheit" hat Karl Kraus ein einzigartiges Werk geschaffen. Wir werden Beobachter des Ersten Weltkriegs in all seinen Facetten – und genau das macht diese Lektüre so einzigartig. Wir erfahren die Geschehnisse nicht, wie üblich, durch eine einzige, sich anknüpfende Geschichte, sondern lesen aus Fragmenten des Kriegsalltags: Schulkindern, Normalbürgern, Kirchenbediensteten, Unternehmern und Militärangehörigen werden Stimmen gegeben, unzensiert, brutal und erschreckend. Kraus zeigt: Aus „Du darfst nicht töten" wird „Du hast das Recht, gar die Pflicht dazu, deinen Feind zu töten". Aus „Zivilisten sind keine Kriegsteilnehmer" wird „Die Institution Schule indoktriniert den Kindern das Ideal des Krieges". Aus „Nach den Schrecken des Krieges, die wir erlebt haben, wollen wir den Frieden" wird „Welche Schrecken des Krieges? Wir führen gerade den nächsten Weltkrieg, allen geht's wunderbar". Und was sagen die bis dato ungeborenen Generationen? „Wir, die Untat spätere Zeugen, bitten euch, uns vorzubeugen. Lasset nimmer uns entstehn! Wären eurer Schmach Verräter. Woll'n nicht solche Heldenväter. Ruhmlos möchten wir vergehn! Wehlust irdischen Getues! Liebend hinterläßt die Lues mir mein Vater, dieser Schuft. Ruft uns nicht in diese Reiche! Wir entstammen einer Leiche. Ungesund ist hier die Luft." (V. Akt, 11. Szene) Karl Kraus verstand sein Handwerk hervorragend. Mit dieser Art der Gestaltung des Dramas gewinnen wir, als Außenstehende, einen Blick darauf, was der Krieg wirklich ist, jenseits kämpferischen Gefechten. Krieg ist das massenhafte Sterben von Individuen wie du und ich. Krieg ist der Moment, in dem man merkt, dass sein Leben den Interessen anderer geopfert wird. Wenn Krieg herrscht, merkt man, dass man nie mehr einfach nur ordinär existieren kann. Deshalb ist „Die letzten Tage der Menschheit" mehr als ein Antikriegsdrama. Es ist eine schonungslose Anklage gegen Nationalismus, Propaganda und gesellschaftliche Mechanismen, die den Krieg erst möglich gemacht haben. Ein Drama, das in heutigen Zeiten eventuell aktueller ist, als man sich wünschen würde.

    6 Tage vor

Autorin / Autor

Über Karl Kraus

Karl Kraus wurde am 28. April 1874 im nordböhmischen Gitschin / Österreich-Ungarn (heute: Jicín / Tschechien) als Sohn eines jüdischen Papierfabrikanten geboren. In Wien studierte er seit 1877 Jura, Philosophie und Germanistik, schloß das Studium jedoch nicht ab. Schon während der Studienzeit veröffentlichte er literaturkritische Beiträge u.a. in der Zeitschrift Die Gesellschaft. Daneben betätigte er sich als Dramatiker, Lyriker und Vortragskünstler und hatte Kontakt zu Mitgliedern der Gruppe "Jung-Wien", u.a. Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal, von denen er sich aber 1897 in der Satire Die demolierte Literatur distanzierte. 1899 gründete er die Zeitschrift Die Fackel. Sie war zeitlebens die wichtigste Veröffentlichungsplattform für seine kulturkritischen Beiträge. Er starb am 12. Juni 1936 in Wien.

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