Blick ins Buch

Romane

Landgericht

4,2(31)
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Über das Buch

Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt? Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch 'Shanghai fern von wo' geht Ursula Krechel mit ihrem neuen großen Roman 'Landgericht' noch einmal auf Spurensuche. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaas’schen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt 'Landgericht' den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. 'Landgericht', der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

Editionen (5)

ISBN9783990270240
VerlagJung u. Jung
Erscheinungsdatum31.08.12
Seitenzahl496

Rezensionen & Bewertungen

31 Bewertungen

7 Rezensionen

4,2

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  • fruggielicious
    fruggielicious

    2618 Follower

    4,0

    Deutscher Buchpreis 2012

    Dieses Buch ist tatsächlich gehypt 🤭, auch wenn es nicht so aussieht und vom Inhalt her nicht so rüberkommt. Das war mein erstes Buch von Ursula Krechel und darum geht es: Richard Kornitzer ist Richter und muss vor den Nazis nach Havanna flüchten. Als er 1947 zurückkehrt, hat sich sein Leben komplett verändert und seine alte Heimat will ihn eigentlich gar nicht mehr haben. Ich finde das Buch sehr lesenswert, auch wenn es einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Das Thema ist wichtig und die Autorin hat einen zwar eher distanzierten, aber dennoch einnehmenden Schreibstil. Es gab keine Seite, auf der ich nicht weiterlesen wollte. Die Geschichte entfaltet sich insgesamt aber anders als man evtl. erwartet. Die größte „Ungereimtheit“ in meiner Gefühlswelt (nicht im Buch) war, dass ich erwartet hatte, mit Richard mitzuleiden und dass er mir automatisch (als klares Opfer der Nationalsozialismus) sympathisch sein und ich mit ihm Mitgefühl haben würde. Dem war nur bedingt so, also Mitgefühl natürlich schon, aber Frau Krechel hat ihren Protagonisten schwer zugänglich gezeichnet und ihn Dinge tun lassen, die ihn nicht so toll dastehen lassen. Das klingt etwas komisch, weil ich nichts spoilern möchte. Findet es gern selbst heraus. Etwas kritisch / übertrieben fand ich die Aussagen der Autorin selbst bzgl. dessen was sie mit dem Buch vorhatte. Das ist wohl nämlich die größte Frage, die am Ende offen bleibt. Für wen ist das Buch? Sie sagte wohl, es wäre eine Wiedergutmachung, was schon etwas hoch gegriffen ist. Eine einzelne Person kann das gar nicht leisten. Viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Deshalb mag ich solche Bücher sehr gern. Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4/5⭐️⭐️⭐️⭐️

    Deutscher Buchpreis 2012

    21. Sept. 2025

  • ladyslovebooks
    ladyslovebooks

    675 Follower

    4,0

    Das Leben der Familie Kornitzer von 1933-1970. Dr.Richard Kornitzer - Jude - emigriert nach Kuba Claire Kornitzer - nicht jüdisch- bleibt in Deutschland Kinder Selma und Georg kommen mit dem Kindertransport für 10 Jahre nach England Alle überleben- die Familie ist nie wieder eine richtige Familie.

    Das Buch berührt sehr, obwohl es gar nicht so wahnsinnig emotional geschrieben ist. Es ist sehr gut recherchiert und besonders die Bürokratie , die Gesetze, die Rechtsprechung vor dem Krieg- aber auch danach - macht deutlich, wie schnell es ging, alles zu verlieren und dann fast nichts zurück zu bekommen. Verlust der Kinder, des Partners, des Berufes, des Landes, des ganz normalen Lebens. Besonders auch nach dem Krieg habe ich oft beim Lesen gedacht- das kann doch nicht wahr sein- das muss doch anders laufen- hätte doch anders laufen müssen… Der Roman entlässt einen nicht mit einem erhobenen Zeigefinger- aber sehr nachdenklich!

    14. Feb. 2024

  • flocean
    flocean

    20 Follower

    4,5

    Ein monumentales Werk. Ursula Krechels Landgericht hat mich tief beeindruckt. Der Roman verbindet auf eindrucksvolle Weise literarische Erzählkunst mit dokumentarischer Genauigkeit. Besonders bewegend fand ich den verzweifelten Kampf der Hauptfigur gegen die Ohnmacht – nicht nur während der NS-Zeit, sondern auch im zähen Ringen um Gerechtigkeit nach dem Krieg. Die psychische Belastung und der schwierige Umgang mit den eigenen Kindern sind beklemmend und realistisch geschildert. Trotz der unchronologischen Erzählstruktur blieb das Buch für mich gut nachvollziehbar – sie unterstreicht sogar die Zerrissenheit der Lebensläufe in dieser Zeit. Landgericht ist ein wichtiges, bewegendes Buch, das Geschichte spürbar macht. 9/10

    7. Juni 2025

3 von 7 Rezensionen

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