Blick ins Buch

Romane

Vladimir

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Über das Buch

Sie ist Ende fünfzig, Literaturprofessorin an einem kleinen College an der amerikanischen Ostküste und beliebt bei ihren Studentinnen. Seit dreißig Jahren ist sie mit John verheiratet, der am selben College unterrichtet. Sie war immer stolz darauf, mit John eine offene Beziehung zu führen, intellektuell, finanziell und emotional unabhängig zu sein. Als John jedoch seine Suspendierung fürchten muss, weil eine der vielen Studentinnen, mit denen er im Laufe der Jahre eine Affäre hatte, ein Verfahren gegen ihn angestrengt hat, gerät das Wertesystem der Ich-Erzählerin ins Wanken: Ihre Studentinnen und ihre Tochter fordern sie auf, sich zu trennen, die Fakultät möchte sie beurlauben. In dieser Situation trifft sie Vladimir Vladinski - ein 20 Jahre jüngerer Kollege und gefeierter Romanautor - und entwickelt für ihn eine folgenschwere Obsession.

Editionen (4)

ISBN9783896677310
VerlagBlessing
Erscheinungsdatum08.03.22
Seitenzahl352

Rezensionen & Bewertungen

175 Bewertungen

32 Rezensionen

3,5

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  • hergen
    hergen

    148 Follower

    5,0

    Erwischt mich zum Ende unerwartet. Alles in allem großartiges Buch.

    Julia May Jonas behandelt mit ihrem Roman Vladimir gleich mehrere spannende gesellschaftspolitische Fragen und Debatten. Dabei gelingt es ihr, trotz konstanter Erzählung aus der ersten Person, einzelne Themen auch aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten. Die Storyline handelt überwiegend im amerikanischen Literaturwissenschaftsbetrieb einer mittelgroßen, aber in der Nische renommierten, Universität. Durch ein, zwei Aufhänger habe ich auch die Gelegenheit genutzt, mich mit meinem eigenen Blick auf Literatur, auf Erzählweise auseinanderzusetzen und konnte vorangegangene Romane nochmal auf einer anderen Ebene betrachten. Mit der Erzählweise hat mich Jonas sofort in ihren Bann gezogen. Ich war durch die Protagonistin gebannt und konnte mich total gut auf die Handlung einlassen. Diese gipfelt in total unerwartetem Chaos, das mich unvorbereitet von den Beinen gehauen hat. Well played. Ganz runtergebrochen geht es zum Beispiel um solche und ähnliche Fragen: -Welches Beziehungsmodell ist gesellschaftlich anerkannt? -Sollten Dozenten und Studentinnen körperliche Beziehungen eingehen dürfen? Können die Studentinnen das nicht jede für sich selbstbestimmt entscheiden? Sollte es eine grundsätzliche Regelung geben? -Wer darf schreiben? Alle und jeder oder nur „Wer was zu sagen hat?“ -Warum sind alle so besessen von der Autofiktion? Ist es, weil alle im Internet-Zeitalter schon von klein auf damit beschäftigt ist, einen Avatar von sich selbst zu gestalten? -Kann ein Roman nur gut sein, wenn man die Protagonist:innen als moralisch und ethisch „gute Menschen“ bewerten kann? Soll jedes Stück Literatur nur noch ein „Wälzer über Fairness sein“? Und so könnte es auch noch ausgiebig weiter gehen. Also: wer Blut geleckt hat greife zu. Autorin: Julia May Jonas Übersetzung aus dem Amerikanischen von Eva Bonné Verlag: Blessing

    15. Apr. 2026

  • lini_catmom
    lini_catmom

    42 Follower

    4,5

    Holte mich aus einer Leseflaute raus!

    Normal lese ich im Durchschnitt 5-8 Bücher monatlich. Irgendwie lief es die letzten Wochen eher schleppend. Als ich auf Netflix gesehen habe, dass eine Serie "Vladimir" erscheinen soll in welcher meine absolute Lieblingsschauspielerin Rachel Weisz die Hauptrolle (zusätzlich executive producer) spielt musste das Buch her! Zugegeben, das Cover gefällt mir persönlich überhaupt nicht, und mit dem Schreibstil musste ich auch erst "warm" werden. Doch die Art wie die namenlose Protagonistin uns an ihren Gedanken teilhaben ließ war so authentisch, fesselnd und unterhaltsam dass ich über das Cover hinwegsehen konnte. Stellenweise brachten mich manche Passagen auch etwas zum schmunzeln. Es enthält auch einen kleinen Plot mit welchem ich nicht rechnete. Ich kann das Buch definitiv empfehlen und werde heute noch mit der Serie starten!

    8. März 2026

  • lostori83
    lostori83

    72 Follower

    3,0

    Ich hatte ehrlich gesagt etwas ganz anderes erwartet!

    Die namenlose Protagonistin ist Ende fünfzig, gebildet, emanzipiert und arbeitet als Literaturprofessorin an einem College. Sie führt mit ihrem Ehemann John, der ebenfalls dort tätig ist, eine offene Ehe. Doch diese gerät ins Wanken, als gegen ihn mehrere Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe von Studentinnen erhoben werden und ihm eine Suspendierung droht – ein handfester Skandal auf dem Campus. Parallel dazu lernt die Protagonistin den etwa 20 Jahre jüngeren Juniordozenten Vladimir kennen. Schnell entwickelt sie eine regelrechte Obsession und ist davon besessen, ihn zu verführen. Als Leserin bzw. Leser erwartet man zunächst, dass sich zwischen den beiden tatsächlich etwas entwickelt. Stattdessen bleibt vieles in ihrem Kopf: unverblümte, teils verstörende Fantasien und Gedanken dominieren die Handlung. Diese Obsession nimmt zunehmend problematische Züge an und steuert schliesslich auf ein grosses Desaster zu. Wer hier – so wie ich – ein „spicy“ Buch erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen stehen andere Themen im Vordergrund: weibliche sexuelle Selbstbestimmung Machtverhältnisse Drogen- und Alkoholkonsum Begierde und das Älterwerden Besonders gefallen haben mir die klugen, oft zynischen und provokanten Gedanken der Protagonistin. Gleichzeitig ist ihr Verhalten stellenweise schwer nachvollziehbar, teils sogar verstörend. Fazit: Ein Buch, das interessante Themen anspricht und zum Nachdenken anregt, mich insgesamt aber nicht vollständig überzeugen konnte. Ich würde es nicht unbedingt weiterempfehlen – als Lektüre für zwischendurch ist es jedoch in Ordnung.

    19. März 2026

3 von 32 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Julia May Jonas

Julia May Jonas hat an der Columbia University Literarisches Schreiben studiert. Sie ist Dramatikerin und unterrichtet Schauspiel am Skidmore College in Saratoga Springs, New York. Jonas lebt mit ihrer Familie in New York.

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