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Romane

Die Ungetrösteten

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Über das Buch

Der berühmte Pianist Ryder ist auf Konzertreise. Bei seiner Ankunft im Hotel möchte er sich am liebsten sofort zurückziehen, wird aber vom Hotelpagen in Beschlag genommen, der ihn um einen ungewöhnlich persönlichen Gefallen bittet. Ryder sagt zu und macht daraufhin eine ganze Reihe sonderbarer Bekanntschaften, die ihn in tiefe Verwirrung stürzen, lauter Ungetröstete, die sich von dem Künstler Hilfe oder gar Erlösung erhoffen. Ryder versucht, auf jeden Einzelnen einzugehen und merkt zu spät, dass er sich dabei selbst immer mehr abhanden kommt.

Editionen (7)

ISBN9783896677013
VerlagBlessing
Erscheinungsdatum15.03.21
Seitenzahl784

Rezensionen & Bewertungen

20 Bewertungen

4 Rezensionen

3,9

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  • zarko
    zarko

    53 Follower

    5,0

    Diese Welt wird aufgebaut und man schmunzelt mal, mal findet man etwas absurd. Und man taucht in diese Welt findet sich dort immer mehr und mehr zurecht, nur dann kommt alles anders als man es erwartet, als man es sich wünscht und auf einmal fühlt man. Das ganze Buch ist meiner Meinung nach ein Meisterwerk. Es folgt keiner Logik, keinem Erzählstrang, es ist Traumlogik. Ishiguro spielt mit der Unwissenheit der Leser und man wünscht sich eine Auflösung. Seitenlange Monologe voller Wiederholungen, Raum und Zeit die nach Belieben gedehnt werden, verständlich das dieses Buch nicht jedem gefällt. Es will auch gar nicht gefallen. Es verstört, es bringt auf den Punkt und lässt gleichzeitig alle Sicherheit verschwimmen. Für mich persönlich:5/5

    15. März 2025

  • fred.k
    fred.k

    106 Follower

    4,0

    783 Seiten surrealer Fiebertraum.

    Für mich der bisher schwächste Roman Ishiguros, wenngleich üblich hochklassig geschrieben, phasenweise wirklich meisterhaft. Wir begleiten Mr. Ryder, einen der besten Pianisten der Welt auf einer Konzertreise in einer nicht näher genannten mittelgroßen Stadt, sehr vermutlich irgendwo in Süddeutschland, Österreich oder der Schweiz. Wie üblich für Ishiguros Bücher lebt der Roman vom Ungesagten, vom Angedeuteten und, stärker als in seinen anderen Werken, werden die Leser im Unklaren gelassen - so ziemlich über alle tiefergreifenden Motive. Ich könnte nicht einmal so richtig beschreiben, was die Handlung eigentlich ist. Ryder ist der klassische People Pleaser und hat, wieso auch immer, den Anspruch und die Autorität (teilweise eingebildet - würde ich sagen), die Stadt aus einer tiefen, nicht näher definierten Identitätskrise zu holen. Für diesen Zweck angereist (?) läuft er von einer Situation in die nächste, um den Menschen ihre Wünsche zu erfüllen. Da der Roman im Wesentlichen aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, bekommen wir dabei einige Interessante Einblicke in sein Seelenleben, das sich doch sehr stark von seinem äußeren, gefassten Auftreten unterscheidet. Man hat häufig das Gefühl, dass Ryder als eine Art Heiland empfangen und behandelt wird, etwas, das in starkem Kontrast zu seiner eigenen Unsicherheit steht. Vom Protagonisten einmal abgesehen, ist dieses Buch ein beeindruckendes Psychogramm der menschlichen Gesellschaft und legt dieser einen sehr eindrucksvollen Spiegel vor, es behandelt Themen wie Gruppendynamiken (Stimmungsmache gegen Schwächere, Verleumdung, Rechtfertigung, fehlende Zivilcourage), überzeichnet Berufsgruppen wie Journalisten, die als dreist und heuchlerisch dargestellt werden (aus Perspektive eines berühmten Mannes). In dieser Hinsicht zeigt sich der Roman fast wie ein Dürrenmatt. Das Buch liest sich wie ein sehr langer Fiebertraum (oder von einer Person erzählt, die psychisch äußerst labil ist oder an einer Krankheit wie Alzheimer leidet?) und weist auch einige Merkmale eines solchen auf: Teils enorme Logik-"fehler", widersprüchliche Zeitlinien, sprunghafte Szenenwechsel, Personen, die eigentlich nicht vorkommen dürften, fehlende Informationen, einem wie unsichtbar behandelten Protagonisten (Leute reden in seiner Anwesenheit, als wäre er nicht da) etc. Wie auf einen Traum schaut man als Leser, trotz der gewählten Ich-Perspektive (die in einigen Schlüsselszenen verlassen wird) mit großer emotionaler Distanz auf die Charaktere und die Handlung - u. a. verstärkt durch die beinahe komplette Abwesenheit von Vornamen. Der Titel der Buches ist perfekt gewählt, denn im Prinzip werden nahezu sämtliche in diesem Buch angedeuteten Konflikte nicht oder nur sehr unbefriedigend gelöst und der von Ryder erhoffte Trost wird den Leuten nicht gespendet - einzige Ausnahme der Sohn des Hoteldirektors, in dem Ryder glaube ich sehr viel von sich selber sieht und für den es das vermeintlich "tröstendste" Ende gibt. Vor allem in der Mitte hat das Buch wirklich extreme Längen, man ist, ähnlich wie der Protagonist, komplett verloren in der sich teilweise widersprüchlichen Handlung. Ich verstehe es so, dass dieses Gefühl genauso geplant war und finde das eine wirklich eindrucksvolle Wahl, aber das Buch zieht sich dadurch phasenweise leider.

    2. März 2025

  • pj.jedi.1410
    pj.jedi.1410

    395 Follower

    5,0

    Verloren, geführt, verwirrt – und tief beeindruckt

    Nach fast vier Wochen habe ich Die Ungetrösteten beendet – und ich weiß: Dieses Buch wird mir lange im Kopf bleiben. Kazuo Ishiguro entwirft hier eine traumähnliche Welt voller räumlicher Verschiebungen, endloser Ablenkungen und scheinbar absurder Umwege. Es ist verwirrend, ja. Anstrengend manchmal. Aber auf eine Art, die bewusst gemacht ist – und genau darin liegt die Meisterschaft. Ich war oft orientierungslos, genauso wie der Protagonist Ryder. Und doch konnte ich mich nicht entziehen. Ishiguro führt einen durch Gänge, Plätze, Gedanken – baut immer neue Hürden, neue Fragen, neue Richtungswechsel. Und hinter all dem spürt man: Es geht um viel mehr als um Raum oder Handlung. Es geht um Erwartungen, um Druck, um Versäumnisse und das tiefe Bedürfnis nach Sinn. Ein ungewöhnlicher, fordernder Roman. Und ein literarisches Kunstwerk, das Grenzen verschiebt – in Raum, Zeit und Wahrnehmung. 5 von 5 Sternen – weil ich selten so verloren war beim Lesen. Und selten so fasziniert. #DieUngetrösteten #KazuoIshiguro #Traumlogik #VerlorenUndGeführt #LiteraturDieFordert

    17. Aug. 2025

3 von 4 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.

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