Blick ins Buch

Romane

Nemesis

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Über das Buch

Newark 1944. In der Stadt bricht eine schreckliche Polioepidemie aus. Die meisten Betroffenen sind Kinder, denen Lähmung oder gar der Tod droht. Bucky, ein junger Sportlehrer, bewahrt die Ruhe, während in den Familien Panik herrscht. Als er seine Freundin Marcia in ein Kinderferienlager begleitet, scheint der Fluch der Seuche in der idyllischen Landschaft gebannt. Doch wenige Tage nach Buckys Ankunft erkranken auch hier zwei Jungen an Polio und ihn beschleicht ein schrecklicher Verdacht ...

Editionen (5)

ISBN9783867177108
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum15.02.11

Rezensionen & Bewertungen

42 Bewertungen

8 Rezensionen

4,0

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  • semjon.pfalz
    semjon.pfalz

    38 Follower

    2,0

    Das war ziemlich enttäuschend. Bislang hatte ich noch nichts von Philip Roth gelesen, und daher war ich auf die oft gepriesene Erzählkunst des Dauergeheimtipps für den Nobelpreis gespannt. Ich konnte hier aber weder stilistisch, konzeptionell oder sprachlich etwas Besonderes erkennen. Die Geschichte der Polio-Epidemie im Jahr 1944 an der Ostküste der USA wird aus Sicht des 23-jährigen Sportlehrers Bucky Cantor erzählt, der in der ersten Hälfte des Buchs für die Betreuung der Gemeindesportplätze in den Sommerferien und im dritten Viertel für Summercamp-Betreuung in den Wäldern verantwortlich ist. Roth schreibt über ihn: Bucky war weder hochintelligent […] noch im Entferntesten unbekümmert. Er war ein weitgehend humorloser Mann, der sich zwar ausdrücken konnte, aber nicht geistreich war, der nie etwas Satirisches oder Ironisches sagte und kaum je einen Witz machte oder im Scherz sprach.” Dieser letzte Satz beschreibt nicht nur Bucky, sondern auch mein Eindruck vom Buch generell. Es ist in klassischer amerikanischer Art erzählt, auf einer Erzählebene, nett ausgedrückt, aber wenig reflektiert oder geistreich, chronologisch wie ein Katastrophenschutzbericht. Außerdem störte mich die Vielzahl an Wiederholungen und unnötigen Informationen zum Beschreiben eines Sachverhalts, wie in dem oben stehenden Satz (Satire, Ironie, Witz, Scherz! Alla hopp, ich hab’s kapiert, der Typ war ne Spaßbremse). Der erste Geschlechtsakt mit seiner Freundin geschah dann vor Jahren im Spätsommer “an einem Samstag um kurz vor Vier in dem Bett, mit den vier gedrechselten Pfosten und dem Baldachin mit Blumenmuster”. Das hört sich für mich mehr wie eine Bildbeschreibung aus einem IKEA-Katalog an. Inhaltlich habe ich nicht verstanden, was Roth mit dieser Geschichte eigentlich sagen wollte. Bucky ist ein Anti-Hiob. Buckys Vorstellung von Gott war nicht die “von einem allmächtigen Wesen, das keine Dreifaltigkeit war im Christentum, sondern eine Zweifaltigkeit - die Vereinigung eines perversen Arschlochs mit einem bösartigen Genie”. Wirklich kein sehr geistreiche Ausdrucksweise. Reihenweise fallen die Kinder in diesem Sommer dem Poliovirus zum Opfer und der Pratogonist setzt am Ende alles dran, die Tragödie in seine Schuld umzuwandeln. Ein von mir geschätzter Kritiker lobte das Buch als tröstend. Ich habe selten so etwas trostloses gelesen, wenn es um die Frage geht, wie man als Mensch dem übermächtigen Elend in der Welt gegenüberstehen soll. Mir hat das Buch nicht gefallen.

    14. Apr. 2024

  • Unknown User
    Unknown User

    4 Follower

    3,0

    DER FATALISMUS EINER KRANKHEIT UND SCHULD Das sind die großen Themen, mit denen Philip Roth 220 Seiten füllt. In seinem Roman "Nemesis" begegnen wir einem jüdischen Viertel in den USA, in dem die Polio/Kinderlähmung epidemische Ausmaße annimmt. Wir begleiten während den Wirren des Zweiten Weltkrieges einen jungen Sportlehrer, der versucht zu verstehen, warum der Mensch so machtlos gegenüber einer Krankheit ist. Drückende Hitze und letzte paradiesische Sommertage wechseln einander ab und können nicht verbergen, wie das Leid das Leben eines einzelnen Menschen und letztlich das Tausender zerstört. Zu Beginn wirkt das Buch so leicht und galant erzählt und lässt Hoffnung aufkommen, um sie letztlich zu nehmen. Das Ende hat mich gleichsam deprimiert und auch erleichtert. Sprachlich hätte ich mir gern noch etwas mehr gewünscht - insgesamt aber ein wunderbares Buch.

    1. Sept. 2022

  • 4,0

    Ein tiefgehendes, sehr einfühlsames Psychogramm über einen Mann, der mit den besten Absichten unaufhaltsam und unbeirrt auf seinen Untergang zusteuert. Wieder mal eine Geschichte, die mich sehr nachdenklich zurücklässt. "Wenn doch nur..." und "Hätte er bloß...", "Warum konnte er nicht einfach..." waren ständige Begleiter in meinem Kopf während des Lesens in diesem Buch. Am Ende kann aber niemand aus seiner eigenen Haut heraus.

    14. Juni 2023

3 von 8 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Philip Roth

Philip Roth (1933–2018) trat durch seinen Skandalroman "Portnoys Beschwerden" (1969) in die Öffentlichkeit. Ab den 1970er Jahren verfasste er eine Trilogie um die Figur David Kepesh, einen jüdischen Literaturwissenschaftler, sowie zwei Trilogien und mehrere Einzelromane um die Figur Nathan Zuckerman. 1998 wurde er für "Amerikanisches Idyll" mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Seine literarischen Werke wurden vielfach mit Preisen geehrt und einige seiner Romane hochkarätig verfilmt. Ab 2012 zog er sich von seiner Autorentätigkeit zurück.

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