Blick ins Buch

Romane

Nemesis

4,0(42)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Eine schwere Polio-Epidemie erschüttert 1944 Newark, Kindern droht Lähmung oder der Tod. Nur der junge Sportlehrer Bucky bewahrt die Ruhe und kümmert sich als Ausgemusterter hingebungsvoll um seine Schüler. Doch das Gefühl der Vergeblichkeit wächst so stetig wie das Verlangen nach privatem Glück. Als Bucky dem Wunsch seiner Freundin Marcia nachgibt und sie in ein Kinderferienlager begleitet, scheinen Krieg und Seuche in weite Ferne gerückt …

Editionen (5)

ISBN9783499259906
VerlagROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum01.11.12
Seitenzahl222

Rezensionen & Bewertungen

42 Bewertungen

8 Rezensionen

4,0

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  • semjon.pfalz
    semjon.pfalz

    38 Follower

    2,0

    Das war ziemlich enttäuschend. Bislang hatte ich noch nichts von Philip Roth gelesen, und daher war ich auf die oft gepriesene Erzählkunst des Dauergeheimtipps für den Nobelpreis gespannt. Ich konnte hier aber weder stilistisch, konzeptionell oder sprachlich etwas Besonderes erkennen. Die Geschichte der Polio-Epidemie im Jahr 1944 an der Ostküste der USA wird aus Sicht des 23-jährigen Sportlehrers Bucky Cantor erzählt, der in der ersten Hälfte des Buchs für die Betreuung der Gemeindesportplätze in den Sommerferien und im dritten Viertel für Summercamp-Betreuung in den Wäldern verantwortlich ist. Roth schreibt über ihn: Bucky war weder hochintelligent […] noch im Entferntesten unbekümmert. Er war ein weitgehend humorloser Mann, der sich zwar ausdrücken konnte, aber nicht geistreich war, der nie etwas Satirisches oder Ironisches sagte und kaum je einen Witz machte oder im Scherz sprach.” Dieser letzte Satz beschreibt nicht nur Bucky, sondern auch mein Eindruck vom Buch generell. Es ist in klassischer amerikanischer Art erzählt, auf einer Erzählebene, nett ausgedrückt, aber wenig reflektiert oder geistreich, chronologisch wie ein Katastrophenschutzbericht. Außerdem störte mich die Vielzahl an Wiederholungen und unnötigen Informationen zum Beschreiben eines Sachverhalts, wie in dem oben stehenden Satz (Satire, Ironie, Witz, Scherz! Alla hopp, ich hab’s kapiert, der Typ war ne Spaßbremse). Der erste Geschlechtsakt mit seiner Freundin geschah dann vor Jahren im Spätsommer “an einem Samstag um kurz vor Vier in dem Bett, mit den vier gedrechselten Pfosten und dem Baldachin mit Blumenmuster”. Das hört sich für mich mehr wie eine Bildbeschreibung aus einem IKEA-Katalog an. Inhaltlich habe ich nicht verstanden, was Roth mit dieser Geschichte eigentlich sagen wollte. Bucky ist ein Anti-Hiob. Buckys Vorstellung von Gott war nicht die “von einem allmächtigen Wesen, das keine Dreifaltigkeit war im Christentum, sondern eine Zweifaltigkeit - die Vereinigung eines perversen Arschlochs mit einem bösartigen Genie”. Wirklich kein sehr geistreiche Ausdrucksweise. Reihenweise fallen die Kinder in diesem Sommer dem Poliovirus zum Opfer und der Pratogonist setzt am Ende alles dran, die Tragödie in seine Schuld umzuwandeln. Ein von mir geschätzter Kritiker lobte das Buch als tröstend. Ich habe selten so etwas trostloses gelesen, wenn es um die Frage geht, wie man als Mensch dem übermächtigen Elend in der Welt gegenüberstehen soll. Mir hat das Buch nicht gefallen.

    14. Apr. 2024

  • Unknown User
    Unknown User

    4 Follower

    3,0

    DER FATALISMUS EINER KRANKHEIT UND SCHULD Das sind die großen Themen, mit denen Philip Roth 220 Seiten füllt. In seinem Roman "Nemesis" begegnen wir einem jüdischen Viertel in den USA, in dem die Polio/Kinderlähmung epidemische Ausmaße annimmt. Wir begleiten während den Wirren des Zweiten Weltkrieges einen jungen Sportlehrer, der versucht zu verstehen, warum der Mensch so machtlos gegenüber einer Krankheit ist. Drückende Hitze und letzte paradiesische Sommertage wechseln einander ab und können nicht verbergen, wie das Leid das Leben eines einzelnen Menschen und letztlich das Tausender zerstört. Zu Beginn wirkt das Buch so leicht und galant erzählt und lässt Hoffnung aufkommen, um sie letztlich zu nehmen. Das Ende hat mich gleichsam deprimiert und auch erleichtert. Sprachlich hätte ich mir gern noch etwas mehr gewünscht - insgesamt aber ein wunderbares Buch.

    1. Sept. 2022

  • 4,0

    Ein tiefgehendes, sehr einfühlsames Psychogramm über einen Mann, der mit den besten Absichten unaufhaltsam und unbeirrt auf seinen Untergang zusteuert. Wieder mal eine Geschichte, die mich sehr nachdenklich zurücklässt. "Wenn doch nur..." und "Hätte er bloß...", "Warum konnte er nicht einfach..." waren ständige Begleiter in meinem Kopf während des Lesens in diesem Buch. Am Ende kann aber niemand aus seiner eigenen Haut heraus.

    14. Juni 2023

3 von 8 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Philip Roth

Philip Roth war Träger der wichtigsten US-amerikanischen Literaturpreise und hoch geehrt von der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. 1998 erhielt Philip Roth für ‹Amerikanisches Idyll› den Pulitzerpreis. Im gleichen Jahr wurde ihm im Weißen Haus die National Medal of Arts verliehen, und 2001 erhielt er die höchste Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters, die Gold Medal, mit der unter anderem John Dos Passos, William Faulkner und Saul Bellow ausgezeichnet worden sind. Er hat zweimal den National Book Award und den National Book Critics Circle Award erhalten und dreimal den PEN/Faulkner Award und außerdem den PEN/Nabokov Award und den PEN/Saul Bellow Award. 2011 wurde ihm der Man Booker International Prize verliehen. Der 1933 in Newark, New Jersey, geborene Autor mit europäisch-jüdischem Hintergrund schrieb unermüdlich, schonungslos und in drastischer Sprache über seine Landsleute. Das erste Buch mit Short Storys erschien 1959. Die folgenden Romane und Erzählungen über die jüdische Mittelklasse der Nachkriegszeit, über ihre Beziehungen, Zwänge und Neurosen, lösten oft Skandale aus. Bis 1992 unterrichtete Roth an verschiedenen Universitäten. Liebe, Sexualität und Tod waren bis zuletzt die Themen seines Werks. Philip Roth ist 2018 gestorben.

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