Dieser Briefwechsel dreht sich um ein zentrales, beharrlich wiederkehrendes Motiv: "daß Sie vertrauensvoll und geduldig die großartige Einsamkeit an sich arbeiten lassen". Hier wird eindeutig der notwendigen Stärkung des Selbstvertrauens der Vorrang vor jeder literarischen "Erziehung" eingeräumt. Rilke bemüht sich, das Eigene und das Mögliche seines Gesprächspartners und seines Lesers herauszustreichen. Darin besteht zum Großteil der Erfolg dieser Briefe. Es sind vor allem Briefe über das Leben. Es ist ein kleines Buch voller Lebensweisheit, Ermunterungen und Verhaltensregeln, in dem das Leichtsinnige abgelehnt und der Ernst des Lebens betont wird. Die Entschlußkraft und innere Sicherheit seines Lesers soll gefördert, seine Selbständigkeit, seine Unabhängigkeit und sein Mut sollen gestärkt werden. Damit wurde es zu einer wertvollen kleinen Abhandlung, in der es vorrangig um Einsamkeit, Geduld, Liebe und Dichtung - für Rilke die vier Hauptkomponenten des menschlichen Lebens - geht. Deshalb ist es gewiß auch nicht sinnvoll, bei diesen Briefen zwischen Anleitungen für das Leben und das Schreiben zu unterscheiden. Es geht dabei um ein und dieselbe Erfahrung, die entscheidende Frage von Schicksal und Seelenheil, um das, was ein Dichter über das Leben auszusagen hat und den Platz, den die Dichtung darin einnimmt. Wie Philippe Jaccottet, einer der bedeutendsten Rilke-Übersetzer schreibt, "muß man verstehen, daß das, was bei ihm eigentlich ein Modell fürs Dichten ist, immer ein Lebensmodell ist. Im Gegensatz zu den vergeistigten Bildern, die man gemeinhin mit seiner Person verbindet, hat Rilke immer wieder "seine Menschensehnsucht nach dem leibhaftest Wirklichen" ausgerichtet. Immer wieder hat er sich dagegen verwehrt, daß die Kunst eine Welt für sich darstellt.
Poetisch, zeitlose Gedanken über Kreativität, Geduld und Selbstfindung
Ermutigt dazu, den eigenen Weg zu gehen, statt sich von äußerer Anerkennung abhängig zu machen. Viele interessante Gedanken, vor allem wenn man bedenkt, aus welcher Zeit die Briefe stammen.
Teilweise anstrengend zu lesen – Sprache oft sehr philosophisch.
3 Tage vor
4,0
Poetisch, zeitlose Gedanken über Kreativität, Geduld und Selbstfindung
Ermutigt dazu, den eigenen Weg zu gehen, statt sich von äußerer Anerkennung abhängig zu machen. Viele interessante Gedanken, vor allem wenn man bedenkt, aus welcher Zeit die Briefe stammen.
Teilweise anstrengend zu lesen – Sprache oft sehr philosophisch.
Das Büchlein beinhaltet ein Vorwort, eine Einleitung des "jungen Dichters" Kappus und 10 Briefe von Rilke an Kappus. Ich hatte mir irgendwie mehr davon erhofft, aber das kann ich dem Buch schlecht vorwerfen. Es geht um sehr viele verschiedene Themen, nicht nur ums Schreiben. Es finden sich hier auf jeden Fall viele schöne Sätze und Gedanken und seine Briefe zeigen Rilke als sehr sympathischen Menschen.
8. März 2025
Das Büchlein beinhaltet ein Vorwort, eine Einleitung des "jungen Dichters" Kappus und 10 Briefe von Rilke an Kappus. Ich hatte mir irgendwie mehr davon erhofft, aber das kann ich dem Buch schlecht vorwerfen. Es geht um sehr viele verschiedene Themen, nicht nur ums Schreiben. Es finden sich hier auf jeden Fall viele schöne Sätze und Gedanken und seine Briefe zeigen Rilke als sehr sympathischen Menschen.
Auch die Kunst ist nur eine Art zu leben, und man kann sich, irgendwie lebend, ohne es zu wissen, auf sie vorbereiten; in jedem Wirklichen ist man ihr näher und benachbarter als in den wirklich halbartistischen Berufen, die, indem sie eine Kunstnähe vorspiegeln, das Dasein aller Kunst praktisch leugnen und angreifen, wie etwa der ganze Journalismus es tut und fast alle Kritik und dreiviertel dessen, was Literatur heißt und heißen will.
Ich freue mich, mit einem Wort, dass Sie die Gefahr, dahinein zu geraten, überstanden haben und irgendwo in einer rauen Realität einsam und mutig sind. Möchte das Jahr, das bevorsteht, Sie darin erhalten und bestärken.
Immer
Ihr:
R.M. Rilke
- Zitat, aus dem 10. Brief "Paris, am zweiten Weihnachtstage 1908"
Sollte man wirklich mit dem Ende beginnen? - Aber in dem Fall passen diese letzten Zeilen des berühmten Lyrikers so gut in die Jahreszeit und läuten auch gleichzeitig das "Rilke-Jahr" ein.
Denn Rainer Maria Rilke wurde am 04. Dezember 1875 geboren, sein 150. Geburtstag also, und im kommenden Jahr 2026, auch im Dezember jährt sich der Todestag des Dichters zum 100. Mal.
Was macht die Faszination dieser Zusammenstellung von Briefen des Dichters an einen jungen und hilfesuchenden Kollegen aus?
Eine Begeisterung, die bis in unsere Tage anhält.
Die Künstlerin Lady Gaga hat sich gar ein ein Rilke Tattoo stechen lassen und spricht mit Leidenschaft die Worte des Briefeschreibers nach: "Dieses vor allem: Fragen Sie sich in der stillsten Stunde der Nacht: muss ich schreiben?"
Ganz so regelmäßig geschrieben hat das große Vorbild seinem ergebenen Herr Kappus nicht, aber wenn er ihm schreibt - aus Paris, Pisa, Bremen, Rom oder Schweden - haben die Briefe Gewicht, sprechen existenzielle und elementare Themen an.
An Schicksal glaubt der Meister: "Die Zukunft steht fest, lieber Kappus, wir aber bewegen uns im unendlichen Raume.
Wie sollten wir es nicht schwer haben?"
Schwer sollte einem auch die Lektüre nicht fallen, auch wenn man zu den angesprochenen Themenfeldern andere Gedanken haben mag.
Gerade für Lesende, die mit Lyrik bzw dem reinen Gedichtelesen so ihre Schwierigkeiten haben, bietet dieses schlanke Büchlein einen guten Einstieg in Rilkes Gedankenwelt. Und wer sich selbst mit dem Gedanken trägt, das Schreiben zum Beruf zu machen oder vielleicht schon ab und an an einem eigenen Text gearbeitet hat, der findet hier kleine Anregungen und liebevoll formulierte Hinweise.
Die Briefe haben insgesamt so einen warmen Tonfall, der niemand kalt lassen könnte. Sie sprechen von der Großherzigkeit dem Empfänger gegenüber und machen sich nicht nur durch Brief- sondern auch Buchsendungen bemerkbar. Ist dieser ausgewählte Briefschluss nicht einfach wunderbar:
"Ich weiß meine Bücher gerne bei Ihnen." ?!
Wer gerne noch ergänzend visuell in das Rilke-Jahr einsteigen möchte, dem sei außerdem die aktuelle Doku von arte "Rilke - du musst Dein Leben ändern" empfohlen.
FAZIT
Diese Briefe von Rilke, die er zwischen den Jahren 1903 - 1908 geschrieben hat, waren für mich eine passende Lektüre, um in das Jubiläum zu starten.
Obwohl mich die Lektüre teilweise traurig gestimmt hat, weil der Dichter von einer "einsamen und hilflosen" Kindheit spricht, die in ihm die feste Überzeugung manifestierte, dass der Mensch zur Einsamkeit bestimmt ist.
Anderseits hatte er eine vage Vermutung "und vielleicht sind die Geschlechter verwandter als man meint, ..."
Ganz viel Liebe und eine große Leseempfehlung!
3. Dez. 2025
4,0
Auch die Kunst ist nur eine Art zu leben, und man kann sich, irgendwie lebend, ohne es zu wissen, auf sie vorbereiten; in jedem Wirklichen ist man ihr näher und benachbarter als in den wirklich halbartistischen Berufen, die, indem sie eine Kunstnähe vorspiegeln, das Dasein aller Kunst praktisch leugnen und angreifen, wie etwa der ganze Journalismus es tut und fast alle Kritik und dreiviertel dessen, was Literatur heißt und heißen will.
Ich freue mich, mit einem Wort, dass Sie die Gefahr, dahinein zu geraten, überstanden haben und irgendwo in einer rauen Realität einsam und mutig sind. Möchte das Jahr, das bevorsteht, Sie darin erhalten und bestärken.
Immer
Ihr:
R.M. Rilke
- Zitat, aus dem 10. Brief "Paris, am zweiten Weihnachtstage 1908"
Sollte man wirklich mit dem Ende beginnen? - Aber in dem Fall passen diese letzten Zeilen des berühmten Lyrikers so gut in die Jahreszeit und läuten auch gleichzeitig das "Rilke-Jahr" ein.
Denn Rainer Maria Rilke wurde am 04. Dezember 1875 geboren, sein 150. Geburtstag also, und im kommenden Jahr 2026, auch im Dezember jährt sich der Todestag des Dichters zum 100. Mal.
Was macht die Faszination dieser Zusammenstellung von Briefen des Dichters an einen jungen und hilfesuchenden Kollegen aus?
Eine Begeisterung, die bis in unsere Tage anhält.
Die Künstlerin Lady Gaga hat sich gar ein ein Rilke Tattoo stechen lassen und spricht mit Leidenschaft die Worte des Briefeschreibers nach: "Dieses vor allem: Fragen Sie sich in der stillsten Stunde der Nacht: muss ich schreiben?"
Ganz so regelmäßig geschrieben hat das große Vorbild seinem ergebenen Herr Kappus nicht, aber wenn er ihm schreibt - aus Paris, Pisa, Bremen, Rom oder Schweden - haben die Briefe Gewicht, sprechen existenzielle und elementare Themen an.
An Schicksal glaubt der Meister: "Die Zukunft steht fest, lieber Kappus, wir aber bewegen uns im unendlichen Raume.
Wie sollten wir es nicht schwer haben?"
Schwer sollte einem auch die Lektüre nicht fallen, auch wenn man zu den angesprochenen Themenfeldern andere Gedanken haben mag.
Gerade für Lesende, die mit Lyrik bzw dem reinen Gedichtelesen so ihre Schwierigkeiten haben, bietet dieses schlanke Büchlein einen guten Einstieg in Rilkes Gedankenwelt. Und wer sich selbst mit dem Gedanken trägt, das Schreiben zum Beruf zu machen oder vielleicht schon ab und an an einem eigenen Text gearbeitet hat, der findet hier kleine Anregungen und liebevoll formulierte Hinweise.
Die Briefe haben insgesamt so einen warmen Tonfall, der niemand kalt lassen könnte. Sie sprechen von der Großherzigkeit dem Empfänger gegenüber und machen sich nicht nur durch Brief- sondern auch Buchsendungen bemerkbar. Ist dieser ausgewählte Briefschluss nicht einfach wunderbar:
"Ich weiß meine Bücher gerne bei Ihnen." ?!
Wer gerne noch ergänzend visuell in das Rilke-Jahr einsteigen möchte, dem sei außerdem die aktuelle Doku von arte "Rilke - du musst Dein Leben ändern" empfohlen.
FAZIT
Diese Briefe von Rilke, die er zwischen den Jahren 1903 - 1908 geschrieben hat, waren für mich eine passende Lektüre, um in das Jubiläum zu starten.
Obwohl mich die Lektüre teilweise traurig gestimmt hat, weil der Dichter von einer "einsamen und hilflosen" Kindheit spricht, die in ihm die feste Überzeugung manifestierte, dass der Mensch zur Einsamkeit bestimmt ist.
Anderseits hatte er eine vage Vermutung "und vielleicht sind die Geschlechter verwandter als man meint, ..."
Ganz viel Liebe und eine große Leseempfehlung!