Blick ins Buch

Biografien

Das können wir uns nicht leisten

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Über das Buch

Davoudvandi erzählt von ihrem Aufwachsen in Armut und liefert die Fakten dazu. Denn Armut betrifft alle Lebensbereiche: Geburt, Bildung, Liebe & Dating, Gesundheit, Kriminalisierung, Tod etc.

»In Deutschland heißt es, ich sei in relativer Armut aufgewachsen. Hineingeboren in eine Familie, die noch ärmer aufgewachsen ist als ich, habe ich vor allem eines gelernt: Beschwer dich nicht, dir geht’s relativ gut.«

Nach ihrem ersten Kuss hat sie erst einmal geweint, denn Miriam Davoudvandi wusste, dieser Typ muss irgendwann ihr Elternhaus von innen sehen: den schäbigen Sozialbau inmitten von Einfamilienhäusern, die vollgestellten Zimmer, das zerschlissene Bad. Inzwischen hat sie es geschafft, ist sozial aufgestiegen und verdient mehr als ihre Eltern jemals. Ihr Fazit: Geld macht sehr glücklich. Aber zu welchem Preis?

So entwaffnend wie berührend erzählt Miriam Davoudvandi, was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein. Dabei ist Armut etwas, was sich – theoretisch – leicht beseitigen ließe. Dass wir das nicht hinbekommen, ist peinlich – für uns alle.

Ungekürzte Lesung mit Miriam Davoudvandi
5h 25min

Editionen (2)

ISBN9783844555714
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum16.03.26

Rezensionen & Bewertungen

182 Bewertungen

36 Rezensionen

4,4

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  • readingisdreaming
    readingisdreaming

    357 Follower

    66/2026 📖

    Ich sag’s direkt vorweg: ich werde dieses Buch nicht bewerten. Ich finde einfach nicht, dass man sich anmaßen sollte, das Leben und Schicksal eines Menschen in Sterne zu packen. Dieses Buch hat mich wirklich auf so vielen Ebenen wütend gemacht. Und traurig. Und irgendwie auch hilflos. Ich habe beim Lesen so viel Mitgefühl gespürt für jeden einzelnen Menschen, der in solchen Umständen aufwachsen musste. Manche Passagen haben mich richtig getroffen. Und gleichzeitig gab es Momente, in denen ich mich selbst wiedererkannt habe und ich glaube, da ist es letztlich egal, in welchen finanziellen Verhältnissen man aufgewachsen ist. „Im Kindergarten war ich immer die Erste, die hingebracht wurde, und die Letzte, die abgeholt wurde.“ Das hat direkt etwas in mir ausgelöst. Ich glaube wirklich, dass sich jeder irgendwo in diesem Buch wiederfindet. Egal ob arm, Mittelschicht oder privilegierter aufgewachsen. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen und jedes Problem hat seine Daseinsberechtigung. Was mich auch richtig beschäftigt hat, ist dieses Bild von Armut, das man so oft vermittelt bekommt. Dieses „selbst schuld“ oder „die sind einfach zu faul“. Wenn man mit sowas wie Mitten im Leben oder Hartz und herzlich groß wird, dann brennt sich genau dieses Bild halt ein. Man sieht die Oberfläche dieser Menschen und denkt, man hätte alles verstanden. Welche schlimmen Schicksale wirklich dahinterstecken, ist für viele erstmal zweitrangig. Aber dieses Buch zeigt halt das komplette Gegenteil. So viele Studien, so viele Hintergründe, die klar machen, dass Armut in den meisten Fällen eben kein selbstgemachtes Problem ist. Sie zieht sich über Generationen und da rauszukommen ist für viele beinahe unmöglich. „Armut schränkt nicht nur extrem ein, sondern kann einen mal langsam, mal schnell töten.“ Diese Aussage ist mir extrem hängen geblieben. Und ich weiß, dass manche darüber wahrscheinlich nur den Kopf schütteln würden, gerade in Deutschland, wo immer gesagt wird, hier haben doch alle die gleichen Chancen. Aber genau das stimmt halt einfach nicht. Und genau das zeigt Miriam hier sehr deutlich. „Haste was, biste was, haste nix, biste nix“. Ich würde hier gern noch so viel mehr loswerden, aber das könnte dann wohl etwas zu politisch werden. An dieser Stelle grüße ich einfach nur mal Herrn Friedrich Merz. Inhaltlich war vieles für mich nicht komplett neu, aber trotzdem hat es die Sicht auf meine eigene Kindheit irgendwie verändert. Ich bin ehrlich einfach unglaublich dankbar, dass ich nie Angst haben musste, nichts im Kühlschrank zu haben oder dass meine Eltern die Miete nicht zahlen konnten. Dass ich mit zwei Elternteilen aufgewachsen bin, auch wenn mir einer davon viel zu früh genommen wurde. Auch wenn natürlich jeder trotzdem seine Probleme hat, egal aus welcher Schicht man kommt. Puh, diese Rezension war irgendwie persönlich. Ich wünsche Miriam wirklich von Herzen nur das Beste. Und dass sie irgendwann diesen inneren Frieden findet, den sie verdient. 🫶 Und allen anderen, die diese Rezension wirklich bis hier gelesen haben: Auch euch wünsche ich alles Glück der Welt. Seid lieb zueinander. Verurteilt nicht. Ihr kennt nie die ganze Geschichte. 🫶

    12. Apr. 2026

  • 4,0

    "Armut zieht sich durch das ganze Leben. Sie findet nicht nur an den offensichtlichen Schauplätzen statt. Oft heißt es ja: Solange man ein Dach über dem Kopf hat und nicht verhungert, ist alles okay. Aber Armut ist immer relativ. Sie steht in Relation zum Land, in dem du lebst, sogar zum Ort. Sie steht in Relation zum Umfeld, in dem du aufwächst und in dem du dich bewegst. Und sie steht in Relation zu deinen ganz persönlichen Bedürfnissen und zu dem, was du brauchst, um glücklich werden zu können." [S. 13]  Miriam Davoudvandi, Kind aus Rumänien eingewanderter Eltern, schildert in ihrem Buch, wie sie die Armut ihrer Familie in Deutschland erlebt und empfunden hat.  In Beispielen, den Alltag betreffend/beschreibend macht sie deutlich, wie sich der Klassenunterschied auswirkt, wenn man sozial benachteiligt aufwächst, wie es sich für ein Kind anfühlt, wenn die Eltern "malochen" und es am Ende doch nie für die gewünschten Nikes reicht. Doch auch wenn ihre Kindheit durch manche Entbehrung und Ausgrenzung sicher nicht einfach war, drückt sie in ihrem Buch nie auf die Tränendrüse und redet immer wohlwollend und liebevoll über ihre Eltern. Das Armut sichtbar ist, nicht nur an Kleidung, sondern auch an Wohnraum/-ort und Bildungsstand, ... und warum das so ist, erklärt sie nicht belehrend und mit erhobenem Zeigefinger, sondern anschaulich, einleuchtend und einfühlsam. Klischees und Vorurteile werden genauer in Augenschein genommen- aus meiner Sicht sehr wirkungsvoll und zum Nachdenken anregend. Sollte zur Pflichtlektüre an Schulen gehören.

    11. Apr. 2026

  • nordfrau_liest
    nordfrau_liest

    123 Follower

    5,0

    Ich kann gar nicht anders, als dieses Buch aus vollem Herzen weiterzuempfehlen – eine absolute Herzensempfehlung! 🩷🩷🩷

    Das können wir uns nicht leisten von Miriam Davoudvandi hat mich tief berührt, aufgerüttelt und gleichzeitig beeindruckt zurückgelassen. Die Autorin schreibt mit einer bemerkenswerten Klarheit und Reflexion über ihr eigenes Leben – über ihre Geschichte, wie sie aus Rumänien nach Deutschland kam, getragen von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Und genau diese Hoffnung zieht sich wie ein leiser, aber kraftvoller Faden durch das gesamte Buch. Was ich besonders großartig finde, ist die schonungslose und gleichzeitig unglaublich kluge kritische Auseinandersetzung mit unserem politischen System und den gesellschaftlichen Stigmata. Dieses Buch ist so viel mehr als eine Autobiografie: Es ist eine eindringliche Verbindung aus persönlicher Geschichte und analytischem Blick auf strukturelle Ungleichheit. Davoudvandi schafft es, die rohen Ängste, Sorgen und die oft lähmende Ausweglosigkeit von Armut greifbar zu machen – nicht abstrakt, sondern zutiefst menschlich. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, nicht nur zu verstehen, sondern wirklich zu fühlen. Und genau deshalb ist dieses Buch so unfassbar relevant in unserer heutigen Zeit. Die Mittelschicht bröckelt, die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter – und wird politisch eher verstärkt als geschlossen. Dieses Buch hält uns den Spiegel vor, ohne belehrend zu sein, sondern mit einer eindringlichen Ehrlichkeit, die lange nachhallt. Ein Buch, das bleibt. Ein Buch, das bewegt. Und eines, das eigentlich jede*r lesen sollte.

    Ich kann gar nicht anders, als dieses Buch aus vollem Herzen weiterzuempfehlen – eine absolute Herzensempfehlung! 🩷🩷🩷

    12. Apr. 2026

3 von 36 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 114%
solisoli
solisoli21. März 2026

“ Armut schränkt nicht nur extrem ein, sondern kann einmal langsam, mal schnell töten“ Einfach Stich ins Herz.

Seite 135%

1 Kommentar verdeckt

Seite 10541%

1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Miriam Davoudvandi

Miriam Davoudvandi wurde 1992 in Bukarest als Tochter einer Rumänin und eines Iraners geboren und wuchs in einer Kleinstadt in Süddeutschland auf. Sie ist freie Journalistin, Moderatorin und Autorin, wurde mehrfach ausgezeichnet und ist Host des WDR-Podcasts »Danke, gut«, in dem sie mit Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, über psychische Gesundheit spricht. Ihre journalistische Laufbahn begann sie mit Texten über Rap. Später war sie Chefredakteurin eines Hip-Hop-Magazins. Heute erscheinen ihre Beiträge über Popkultur, Politik und Psyche u.a. im Spiegel und der Zeit. Außerdem hat sie Texte fürs Theater (»It’s Britney, Bitch!«, Berliner Ensemble) verfasst. In der Bestseller-Anthologie »Unlearn Patriarchy II« erschien ihr Text »Unlearn Mental Health«.

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