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Alex Beer entführt den Leser wieder ins Wien der Zwischenkriegszeit, atmosphärisch dicht, historisch fesselnd, aber spannungstechnisch mit Durchhängern. Wer Lokalkolorit schätzt, wird belohnt, wer knackige Krimispannung sucht, muss Geduld mitbringen.
Als ich die erste Seite von „Die rote Frau” aufschlug, war es, als würde ich durch ein altes Tor in ein Wien treten, das längst vergangen ist und doch erschreckend nah wirkt. Die Gassen der Zwischenkriegszeit, die Schatten an den Hauswänden, die Stimmen einer Stadt im Umbruch. Alex Beer hat mich wieder in ihre Welt gezogen. Ich bin gerne mit Kommissar Emmerich durch dieses Wien gestreift. Im zweiten Band der Reihe begleitete ich ihn durch einen neuen Fall, der mich tiefer in die Abgründe der 1920er Jahre geführt hat. Die Atmosphäre ist greifbar, das Lokalkolorit sitzt wie ein maßgeschneiderter Mantel. Beer versteht es, historische Details so einzuweben, dass man das Kopfsteinpflaster unter den Füßen spürt und den Rauch der Kaffeehäuser riecht. Der Fall selbst ist vielschichtig konstruiert, die Spannung baut sich behutsam auf manchmal vielleicht etwas zu behutsam. Die Stärke des Buches liegt eindeutig in seiner Atmosphäre und den historischen Bezügen. Beer schafft es, das Wien der 1920er Jahre lebendig werden zu lassen, ohne in bloße Geschichtsstunden zu verfallen. Emmerich bleibt eine facettenreiche Figur, deren innere Konflikte nachvollziehbar sind. Besonders beeindruckend ist die Verbindungen zur Gegenwart. Themen wie politische Radikalisierung, gesellschaftliche Spaltung und die Mechanismen von Propaganda fühlen sich beklemmend aktuell an. Man liest Geschichte und denkt unweigerlich an heute. So atmosphärisch das Buch ist, so sehr fehlt ihm stellenweise der Biss. Die Handlung plätschert über weite Strecken dahin, die Spannung kommt erst spät in Fahrt. Manche Wendungen waren vorhersehbar, andere wirkten etwas konstruiert. Auch die Nebencharaktere bleiben teilweise blass, Schatten statt vollständiger Personen. Für einen Krimi hätte ich mir mehr Tempo und schärfere Kontraste gewünscht. Am Ende fühlte sich „Die rote Frau” an wie ein Spaziergang durch ein Museum bei Dämmerlicht, faszinierend in seiner Detailtreue, aber nicht immer packend genug, um einen vollständig in den Bann zu ziehen. Trotzdem ist es ein solides, atmosphärisches Wiedersehen mit Emmerich, das vor allem durch seine historischen Parallelen zum Nachdenken anregt.
20. Nov. 2025
Alex Beer entführt den Leser wieder ins Wien der Zwischenkriegszeit, atmosphärisch dicht, historisch fesselnd, aber spannungstechnisch mit Durchhängern. Wer Lokalkolorit schätzt, wird belohnt, wer knackige Krimispannung sucht, muss Geduld mitbringen.
Als ich die erste Seite von „Die rote Frau” aufschlug, war es, als würde ich durch ein altes Tor in ein Wien treten, das längst vergangen ist und doch erschreckend nah wirkt. Die Gassen der Zwischenkriegszeit, die Schatten an den Hauswänden, die Stimmen einer Stadt im Umbruch. Alex Beer hat mich wieder in ihre Welt gezogen. Ich bin gerne mit Kommissar Emmerich durch dieses Wien gestreift. Im zweiten Band der Reihe begleitete ich ihn durch einen neuen Fall, der mich tiefer in die Abgründe der 1920er Jahre geführt hat. Die Atmosphäre ist greifbar, das Lokalkolorit sitzt wie ein maßgeschneiderter Mantel. Beer versteht es, historische Details so einzuweben, dass man das Kopfsteinpflaster unter den Füßen spürt und den Rauch der Kaffeehäuser riecht. Der Fall selbst ist vielschichtig konstruiert, die Spannung baut sich behutsam auf manchmal vielleicht etwas zu behutsam. Die Stärke des Buches liegt eindeutig in seiner Atmosphäre und den historischen Bezügen. Beer schafft es, das Wien der 1920er Jahre lebendig werden zu lassen, ohne in bloße Geschichtsstunden zu verfallen. Emmerich bleibt eine facettenreiche Figur, deren innere Konflikte nachvollziehbar sind. Besonders beeindruckend ist die Verbindungen zur Gegenwart. Themen wie politische Radikalisierung, gesellschaftliche Spaltung und die Mechanismen von Propaganda fühlen sich beklemmend aktuell an. Man liest Geschichte und denkt unweigerlich an heute. So atmosphärisch das Buch ist, so sehr fehlt ihm stellenweise der Biss. Die Handlung plätschert über weite Strecken dahin, die Spannung kommt erst spät in Fahrt. Manche Wendungen waren vorhersehbar, andere wirkten etwas konstruiert. Auch die Nebencharaktere bleiben teilweise blass, Schatten statt vollständiger Personen. Für einen Krimi hätte ich mir mehr Tempo und schärfere Kontraste gewünscht. Am Ende fühlte sich „Die rote Frau” an wie ein Spaziergang durch ein Museum bei Dämmerlicht, faszinierend in seiner Detailtreue, aber nicht immer packend genug, um einen vollständig in den Bann zu ziehen. Trotzdem ist es ein solides, atmosphärisches Wiedersehen mit Emmerich, das vor allem durch seine historischen Parallelen zum Nachdenken anregt.
20. Nov. 2025






