Der 12-jährige Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Théos Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt. Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. Um ihren Sohn müssen sie sich keine Sorgen machen. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon. Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo. Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, wie aber soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, allerdings ist Théo sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch demjenigen in den Rücken fallen, der den Minderjährigen den Alkohol besorgt. Und der ist es, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt.
Wer möchte nicht denen gegenüber loyal sein, die er liebt? In ihrem neuen Roman erzählt Delphine de Vigan von der manchmal gefährlichen Komplexität unserer Beziehungen. Dabei erweist sie sich einmal mehr als unbestechliche Chronistin zwischenmenschlicher Missstände.
Sehr schnell zu lesen, aber sehr schweres bedrückendes Thema.
Dieses Buch lässt sich trotz des schweren Themas sehr schnell lesen. Es ist aus vier sichten geschrieben aber jede Sicht ist gleich wichtig und lässt sich gut auseinanderhalten. Es fühlt sich sehr bedrückend an und man merkt wie es immer mehr zu einer Katastrophe hinaus läuft, weshalb es eine starke sog Wirkung hat.
9. Mai 2026
5,0
Sehr schnell zu lesen, aber sehr schweres bedrückendes Thema.
Dieses Buch lässt sich trotz des schweren Themas sehr schnell lesen. Es ist aus vier sichten geschrieben aber jede Sicht ist gleich wichtig und lässt sich gut auseinanderhalten. Es fühlt sich sehr bedrückend an und man merkt wie es immer mehr zu einer Katastrophe hinaus läuft, weshalb es eine starke sog Wirkung hat.
Es gibt Bücher, die einen sprachlos machen.
Loyalitäten gehört für mich eindeutig zu dieser Kategorie.
Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass dies keine leichte Lektüre werden wird. Delphine de Vigan erzählt keine Geschichte voller Hoffnung oder Trost. Sie hält dem Leser vielmehr einen Spiegel vor und zeigt, wie viel Leid entstehen kann, wenn Erwachsene nicht hinsehen, nicht zuhören oder zu sehr mit ihren eigenen Verletzungen beschäftigt sind.
Besonders erschüttert hat mich Theo.
Nicht nur wegen dessen, was ihm widerfährt, sondern weil sein Leid für viele Menschen sichtbar sein müsste. Während des Lesens fragte ich mich immer wieder, wie Eltern die Veränderungen ihres Kindes übersehen können. Wie Warnsignale unbemerkt bleiben. Wie ein Kind so sehr mit seinen Problemen allein gelassen werden kann.
Mindestens genauso schockierend empfand ich jedoch die Dynamik seiner Eltern.
Die Mutter, die ihren Hass auf den Vater nicht überwinden kann und Theo in einen Loyalitätskonflikt zwingt, den kein Kind jemals tragen sollte. Ihre Strenge und ihre Erwartung, dass Theo den Vater ebenso verurteilen müsse wie sie selbst, wirkten auf mich stellenweise erschreckend tyrannisch.
Auf der anderen Seite steht ein Vater, der immer weiter zerfällt. Seine Depression, seine Einsamkeit und sein langsamer Verfall haben mich tief getroffen. Nicht weil er perfekt wäre, sondern weil seine Hilflosigkeit so greifbar dargestellt wird.
Zwischen diesen beiden Welten steht Theo.
Ein Kind, das versucht zu überleben.
Und genau das macht das Buch so schwer auszuhalten.
Delphine de Vigan schreibt mit einer Klarheit und Präzision, die beinahe schmerzhaft ist. Sie benötigt keine dramatischen Effekte und keine großen Inszenierungen. Gerade die nüchterne Art, mit der sie die Ereignisse schildert, macht vieles noch bedrückender.
Mehrmals musste ich beim Lesen pausieren.
Nicht weil das Buch langatmig wäre.
Sondern weil ich das Gefühl hatte, das Gelesene erst verarbeiten zu müssen.
Jede Seite trägt eine Schwere in sich. Eine Beklemmung, die sich langsam aufbaut und den Leser kaum wieder loslässt.
„Loyalitäten“ ist kein Buch, das man liest, um sich gut zu fühlen. Es ist ein Buch, das einen zwingt hinzusehen – auf die Verletzlichkeit von Kindern, die Blindheit von Erwachsenen und die Folgen eines Schweigens, das viel zu lange anhält. 💔
15. Juni 2026
5,0
Zwischen Schweigen und Wegsehen 💔
Es gibt Bücher, die einen sprachlos machen.
Loyalitäten gehört für mich eindeutig zu dieser Kategorie.
Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass dies keine leichte Lektüre werden wird. Delphine de Vigan erzählt keine Geschichte voller Hoffnung oder Trost. Sie hält dem Leser vielmehr einen Spiegel vor und zeigt, wie viel Leid entstehen kann, wenn Erwachsene nicht hinsehen, nicht zuhören oder zu sehr mit ihren eigenen Verletzungen beschäftigt sind.
Besonders erschüttert hat mich Theo.
Nicht nur wegen dessen, was ihm widerfährt, sondern weil sein Leid für viele Menschen sichtbar sein müsste. Während des Lesens fragte ich mich immer wieder, wie Eltern die Veränderungen ihres Kindes übersehen können. Wie Warnsignale unbemerkt bleiben. Wie ein Kind so sehr mit seinen Problemen allein gelassen werden kann.
Mindestens genauso schockierend empfand ich jedoch die Dynamik seiner Eltern.
Die Mutter, die ihren Hass auf den Vater nicht überwinden kann und Theo in einen Loyalitätskonflikt zwingt, den kein Kind jemals tragen sollte. Ihre Strenge und ihre Erwartung, dass Theo den Vater ebenso verurteilen müsse wie sie selbst, wirkten auf mich stellenweise erschreckend tyrannisch.
Auf der anderen Seite steht ein Vater, der immer weiter zerfällt. Seine Depression, seine Einsamkeit und sein langsamer Verfall haben mich tief getroffen. Nicht weil er perfekt wäre, sondern weil seine Hilflosigkeit so greifbar dargestellt wird.
Zwischen diesen beiden Welten steht Theo.
Ein Kind, das versucht zu überleben.
Und genau das macht das Buch so schwer auszuhalten.
Delphine de Vigan schreibt mit einer Klarheit und Präzision, die beinahe schmerzhaft ist. Sie benötigt keine dramatischen Effekte und keine großen Inszenierungen. Gerade die nüchterne Art, mit der sie die Ereignisse schildert, macht vieles noch bedrückender.
Mehrmals musste ich beim Lesen pausieren.
Nicht weil das Buch langatmig wäre.
Sondern weil ich das Gefühl hatte, das Gelesene erst verarbeiten zu müssen.
Jede Seite trägt eine Schwere in sich. Eine Beklemmung, die sich langsam aufbaut und den Leser kaum wieder loslässt.
„Loyalitäten“ ist kein Buch, das man liest, um sich gut zu fühlen. Es ist ein Buch, das einen zwingt hinzusehen – auf die Verletzlichkeit von Kindern, die Blindheit von Erwachsenen und die Folgen eines Schweigens, das viel zu lange anhält. 💔
Überraschend vielschichtig und aufwühlend, inklusive Sogwirkung. Großartig 👌🏻✨
„Loyalitäten“ von Delphine de Vigan erzählt von Menschen unterschiedlicher Generationen, die Verletzungen aus ihrer Kindheit mit sich tragen. Im Zentrum steht Théo, ein Scheidungskind, das zwischen seinen Eltern aufgerieben wird. Über ihn erfährt man sehr genau, wie das Zusammenleben mit den einzelnen Elternteilen aussieht, wie viel Druck auf ihm lastet und wie wenig Raum ihm bleibt. Gleichzeitig wird die Geschichte aus weiteren Perspektiven erzählt. Dadurch wird sichtbar, wie ein System entsteht, in dem Verantwortung verschoben wird und Wegsehen zur Normalität wird. Hélène, Théos Lehrerin, spürt, dass es ihm nicht gut geht, und versucht einzugreifen, stößt dabei aber an die Grenzen einer Institution und an Kolleg:innen, die nicht hinschauen wollen.
Théo zu verfolgen, war für mich schmerzhaft. Er ist keine Figur, der man sofort nahe ist, und dennoch hat Delphine de Vigan bei mir viel Empathie ausgelöst. Man versteht, wie sehr er zwischen den Fronten steht, ohne einen sicheren Ort zu haben. Seine Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, ohne die Folgen für ihr Kind mitzudenken. Und um ihn herum gibt es Erwachsene, die Hinweise erkennen, sie aber nicht konsequent ernst nehmen. Ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen und habe mir gleichzeitig gewünscht, jemand würde Théo endlich schützen. Für mich ist Loyalitäten ein aufwühlendes und zugleich unglaublich starkes Buch.
17. Jan. 2026
4,5
Überraschend vielschichtig und aufwühlend, inklusive Sogwirkung. Großartig 👌🏻✨
„Loyalitäten“ von Delphine de Vigan erzählt von Menschen unterschiedlicher Generationen, die Verletzungen aus ihrer Kindheit mit sich tragen. Im Zentrum steht Théo, ein Scheidungskind, das zwischen seinen Eltern aufgerieben wird. Über ihn erfährt man sehr genau, wie das Zusammenleben mit den einzelnen Elternteilen aussieht, wie viel Druck auf ihm lastet und wie wenig Raum ihm bleibt. Gleichzeitig wird die Geschichte aus weiteren Perspektiven erzählt. Dadurch wird sichtbar, wie ein System entsteht, in dem Verantwortung verschoben wird und Wegsehen zur Normalität wird. Hélène, Théos Lehrerin, spürt, dass es ihm nicht gut geht, und versucht einzugreifen, stößt dabei aber an die Grenzen einer Institution und an Kolleg:innen, die nicht hinschauen wollen.
Théo zu verfolgen, war für mich schmerzhaft. Er ist keine Figur, der man sofort nahe ist, und dennoch hat Delphine de Vigan bei mir viel Empathie ausgelöst. Man versteht, wie sehr er zwischen den Fronten steht, ohne einen sicheren Ort zu haben. Seine Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, ohne die Folgen für ihr Kind mitzudenken. Und um ihn herum gibt es Erwachsene, die Hinweise erkennen, sie aber nicht konsequent ernst nehmen. Ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen und habe mir gleichzeitig gewünscht, jemand würde Théo endlich schützen. Für mich ist Loyalitäten ein aufwühlendes und zugleich unglaublich starkes Buch.
17. Jan. 2026
3 von 44 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Delphine Vigan
DELPHINE DE VIGAN, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Zuletzt erschien bei DuMont ihre Romane ›Dankbarkeiten‹ (2019) und ›Das Lächeln meiner Mutter‹ (2020). Die Autorin lebt mit ihren