Blick ins Buch

Romane

Liebes Arschloch

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Über das Buch

Mit der ihr eigenen Verve und Sprachgewalt nimmt sich Despentes der Themen unserer Zeit an – #MeToo und Social Media, Drogen, Machtmissbrauch, Feminismus. Ungeschönt, aber nicht unversöhnlich hält Despentes unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Rebecca, Schauspielerin, über fünfzig und immer noch recht gut im Geschäft. Oscar, dreiundvierzig, Schriftsteller, der mit seinem zweiten Roman hadert, und Zoé, noch keine dreißig, Radikalfeministin und Social-Media-Aktivistin. Diese drei, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen nach einem verunglückten Instagram-Post Oscars aufeinander. Wie? Digital. Und so entsteht ein fulminanter Briefroman des 21. Jahrhunderts, in dem alle wichtigen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit verhandelt werden. Rebecca, Oscar, Zoé, alle drei sind vom Leben gezeichnet, voller Wut und Hass auf andere – und auf sich selbst. Aber sie müssen erkennen, dass diese Wut sie nicht weiterbringt, sondern nur einsamer macht, dass Verständnis, Toleranz und sogar Freundschaft erlernbar und hin und wieder sogar überlebenswichtig sind.

Editionen (4)

ISBN9783742427298
VerlagDer Audio Verlag
Erscheinungsdatum16.02.23

Rezensionen & Bewertungen

143 Bewertungen

31 Rezensionen

3,5

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  • lisa.liebtlesen
    lisa.liebtlesen

    70 Follower

    4,0

    Ein guter gesellschaftskritischer Roman mit ehrlichen Worten über das 21. Jahrhundert

    Rebecca ist über 50 und eine sehr bekannte Schauspielerin. Oscar ist Mitte 40, Schriftsteller und gerät in einen Shitstorm, weil er die junge Frau Zoé auf der Arbeit sexuell belästigt hat. Sie ist noch keine 30, Feministin und Social-Media-Aktivistin. Das Buch ist ein digitaler Briefroman, in dem sich die drei begegnen. Es werden alle gesellschaftlichen Themen behandelt, die uns im 21. Jahrhundert beschäftigen. „Sie haben recht, die jungen Dinger, eure Männlichkeit ist fragil.“ Die drei sind voller Hass und Wut. Auf die Gesellschaft, auf sich, auf ihre Familie. Es beginnt alles mit dem Post von Zoé über Oscar wegen der sexuellen Belästigung. Oscar und Rebeca kennen sich wiederum von früher. Die Beiden schreiben/unterhalten sich hauptsächlich in dem Buch. Es geht um Oscar‘s Fehler, Ängste, seine Familienprobleme und Alltagssituationen. Es geht sehr viel um die Abhängigkeit von Drogen - vorallem Rebecca hat viele Jahre harte Drogen genommen. Und dann kommt Corona in Paris. Beide werden clean und merken, dass ihre Wut und Hass sie nur einsam macht. Sie lernen neue Seiten am Leben und den Menschen kennen. Sie schätzen Verständnis und wie wichtig Freundschaft ist. Ein gutes Buch, manchmal etwas ausschweifend, aber bei vielen Themen gut auf den Punkt gebracht. Ein sehr guter gesellschaftskritischer Roman. „Heute sind Kinder zum wesentlichen Accessoire für das gute Image ihrer Erzeuger geworden.“

    3. Apr. 2026

  • ricos
    ricos

    36 Follower

    4,5

    Virginie Despentes' Roman "Liebes Arschloch" ist ein fulminanter digitaler Briefroman, der #MeToo, Sucht, Feminismus, Corona, Midlife-Crisis, den erstarkenden Rechtspopulismus aber auch die GenZ in einer rauen, zeitgenössischen Form verhandelt.

    Drei unterschiedliche Figuren – die Schauspielerin Rebecca, der Schriftsteller Oscar und die Aktivistin Zoé – geraten nach einem viralen Instagram-Post in einen Konflikt, der sich per Mail zu einer intensiven Auseinandersetzung auswächst. Nach einer unsäglichen Beleidigung von Rebecca brodelt die Wut auf Oscars toxische Männlichkeit, wie es auch sein Verhalten gegenüber Zoé verkörpert. Oscar versinkt im Selbstmitleid, er ist ja unschuldig, in seiner Vorstellung. Aber zwischen Unschuld und Opferrolle liegt eine Grauzone, die Despentes brillant beleuchtet: "Es gibt noch etwas zwischen ‚ich bin komplett unschuldig‘ und ‚ein Opfer des Feminismus‘ – ich fühle mich wie ein Vergewaltiger. Du hast dich aufgeführt wie ein ganz normales Arschloch." Die Form des Mail-Romans spiegelt perfekt die Pandemie-Zeit wider, in der Isolation zu roher Ehrlichkeit führt – teils therapeutisch, teils zerstörerisch. Zoés Radikalfeminismus stößt auf Oscars Selbstmitleid, und Rebeccas Midlife-Crisis verbindet sie letztlich in der Entzugssuche. Despentes erfasst brillant, was Sucht so verführerisch macht: Was wir am Trinken lieben, lieben wir auch am Rauchen, an Romanzen oder gut bezahlten, aber seelenzerstörenden Jobs – die Illusion, stärker zu sein als unsere Abhängigkeiten. Oscars und Rebeccas E-Mail-Korrespondenz enthüllt diese Wahrheit roh, während sie um Nüchternheit ringen. Der Roman endet nicht versöhnlich, sondern mit offenen Wunden, die die Komplexität der gegenwärtigen gesellschaftlicher Debatten zeigen. Besonders beeindruckt die Sprache: bissig, humorvoll, pointiert, bis zur Schmerzgrenze. Sandra Hüller empfiehlt das Buch. Na, dann: Ich auch. Lesenswert.

    28. Nov. 2025

  • bea777
    bea777

    482 Follower

    4,0

    Ein wichtiges, aber nicht ganz einfaches Buch.

    Rebecca und Oscar kennen sich aus ihrer Kindheit und treffen sich Jahrzehnte später in den sozialen Medien wieder. Sie beginnen einen schriftlichen Austausch und die Lesenden werden Zeug*innen der Veränderungen, die sich aus äußeren Umständen (Corona) und eigenen Verhaltensweisen ergeben. Rebecca ist erfolgreiche Schauspielerin, die aufgrund ihres Alters nicht mehr die besten Rollen angeboten bekommt und darunter zumindest am Anfang des Briefwechsels leidet. Oscar ist erfolgreicher Schriftsteller, der sich mit einer me-too Debatte konfrontiert sieht. Vor langer Zeit hat er Zoe, seine ehemalige Pressereferentin belästigt und ist ihr nachgestiegen. Sie ist zwischenzeitlich feministische AktivistIn im Netz und stellt ihn dort an den Pranger. Für Oscar beginnt eine Verwandlung, die auch mit seiner Abkehr vom Alkohol und anderen Drogen einhergeht. Das Buch ist interessant zu lesen und biete unterschiedliche Blickwinkel auch auf feministische Strömungen.

    Ein wichtiges, aber nicht ganz einfaches Buch.

    28. Juli 2024

3 von 31 Rezensionen

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