Und alle so still
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Beschreibung
Buchinformationen
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Neue Weltordnung?
In dem Buch begleiten wir drei ganz unterschiedliche Menschen in ihrem Alltag. Alle haben ihr eigenes Päckchen zu tragen. Als Frauen eines Tages beginnen, sich einfach auf die Straße zu legen und nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr zu funktionieren, nicht mehr bis zur Selbstaufgabe alles zu regeln, müssen die drei sich fragen, wohin sie eigentlich möchten und in welch einem System sie leben wollen. Den Beginn der Geschichte fand ich schwer zugänglich, ich war nicht sofort drinnen, sondern war erst mal befremdet. Nach einiger Zeit wurde es aber besser und dann hat die Geschichte mich so richtig eingesogen. Sie wird immer intensiver und lässt die Gefühle der Protagonist*innen sehr gut rüberkommen. Wut, Verzweiflung, Ohnmacht, Resignation, Erschöpfung. Ich habe alles gefühlt. Mitunter ist das Setting dystopisch und es werden einfach so viele wichtige Themen integriert. An einigen Stellen ist das Buch schon sehr plakativ und überzogen, gleichzeitig provoziert es damit aber auch und regt zu einer Auseinandersetzung mit den Themen an. Sehr gewaltig und intensiv!
Dieses Buch will nicht nur unterhalten, es will aufrütteln.⚡Und genau das schafft es auch. Was würde passieren, wenn Frauen einfach aufhören würden, zu funktionieren? Wenn sie sich weigern würden, all die unsichtbaren Aufgaben zu erledigen, die sonst als selbstverständlich gelten. Putzen 🧹, pflegen 🏥, organisieren 📅, sich kümmern. Genau dieses Gedankenexperiment steht im Mittelpunkt des Romans, in dem Frauen plötzlich still auf den Straßen liegen und nichts mehr tun. Ein leiser Protest, der alles erschüttert. Besonders gut gefallen hat mir, dass man mehrere Figuren begleitet, die alle ganz unterschiedliche Lebensrealitäten haben. Elin, die Influencerin 📱✨, die nach außen ein perfektes Leben zeigt, innerlich aber mit eigenen Erfahrungen kämpft. Nuri 🚲, der sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hält. Und Ruth 👩⚕️, die im Pflegebereich arbeitet und jeden Tag über ihre Grenzen geht. Ihre Geschichten zeigen, wie unterschiedlich Lebenswege sein können und wie sehr sie trotzdem durch gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbunden sind. Sprachlich fand ich den Roman wieder sehr typisch für Fallwickl. Direkt, emotional und schmerzhaft ehrlich. 📖✨

An einem Sonntag legen sich Frauen auf den Boden und sind still…. An diesem Tag überschneiden sich die Leben von Ruth ( Mitte 50, Krankenpflegerin mit Herz und Seele), Nuri (19 Jahre, Schulabbrecher, Fahrradkurier,Reiniger von Clubtoiletten, Bettenschubser im Krankenhaus,Reiniger von stinkenden Fässern in einer Fabrik) und Elin ( 20 Jahre,erfolgreiche Influencerin).
Alle drei schließen sich auf ihre Art den Protest an. Mit laufender Handlung steigt die Spannung und auch die Sorge, wie der Protest enden wird. Wie Elin, Ruth und Nuri in dieser Situation klarkommen , da vieles keine leichte Kost ist und Entscheidungen fürs eigene Leben getroffen werden müssen. Mareike Fallwickl gelingt es einen deutlich , die Augen zu öffnen. Und das Buch lässt einen auch nach der letzten Seite nicht los.
Der Einstieg in „Und alle so still“ fiel mir schwer, und auch mit dem Schreibstil hatte ich anfangs immer wieder Probleme, was das Lesen für mich stellenweise mühsam machte. Dennoch entwickelt das Buch eine große Wucht, weil es ein extrem wichtiges, gesellschaftlich relevantes und emotional packendes Thema behandelt. Je weiter ich las, desto mehr hat mich der Inhalt beschäftigt und mitgenommen. Insgesamt schwanke ich bei der Bewertung zwischen 3 und 5 Sternen: sprachlich für mich nicht immer überzeugend, in seiner Aussage und Dringlichkeit aber sehr stark.
Überspitzt und doch wahr.
Nicht ganz so wie Die Wut, die bleibt, aber trotzdem ein wichtiges Buch mit einer kraftvollen Botschaft. Ich bin leider nur schwer in die Geschichte hineingekommen und wurde beim Lesen auch immer wieder rausgerissen. Die wechselnden Perspektiven bieten zwar interessante Gedankenanstöße und wertvolle Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten, haben mich in diesem Fall aber eher verwirrt als mitgezogen. Vieles wirkt bewusst überspitzt, doch gerade in der zweiten Hälfte finden sich unglaublich viele markierwürdige Passagen Sätze, die man teilen möchte, die bleiben, die berühren. Die nicht überspitzt sind sondern echt. Trotz der Einstiegshürden hat mich das Buch emotional mitgenommen. Es ist ein starkes Werk, das ich definitiv weiterempfehlen würde auch wenn ich persönlich nicht ganz hineingefunden habe.
Ein Roman, in dessen Mittelpunkt der Widerstand der Frauen steht, die sich solidarisieren, sich nicht mehr als „Gegnerinnen“ wahrnehmen, sondern begreifen, dass sie mit gemeinsam und in Verbundenheit gegen ein System ankommen können, das getragen wird von der schlechtbezahlten Carearbeit der typischen „Frauenberufe“. Die Autorin zeigt aber auch auf, dass dieses System nicht nur hochgradig misogyn ist, sondern dass auch Männer in diesem System schlecht wegkommen, vor allem auch Männer / Frauen sowieso mit Migrationsgeschichte. Denn das System funktioniert auf dem Rücken der Frauen und derjenigen, die man „ausnutzen“ kann. Erst der Widerstand macht deutlich, wie fragil dieses System auf dem Rücken bestimmter Gruppen ausgetragen wird.
Bei diesem Buch konnte ich nicht aufhören zu lesen. Am Anfang noch ein wenig ratlos, so wurde ich doch beim Weiterlesen immer wütender. Die Autorin schildert die Zustände im Pflegebereich so drastisch und ehrlich, dass es mir kalt den Rücken runterlief. Und nicht nur das, sondern die ganzen prekären Arbeitsverhältnisse und rechtlichen Stellungen der Frauen in unserem System zeigt sie hier schonungslos auf. Es wird von den zuständigen Stellen immer weiter versucht, auf Kosten derjenigen, die das System am Laufen halten, Profit zu erwirtschaften, ohne Rücksicht auf Verluste. Das Buch sollte Pflichtlektüre für jeden Politiker sein. Absolute Leseempfehlung !!
Nichts für zwischendurch
Es tut weh lange hab ich nicht mehr so viel geweint. Aber es macht auch wütend und gibt dir das Gefühl nicht allein zu sein mit dem Gedanken „So kann es nicht weitergehen“ oder „Ich kämpfe diesen Kampf in der Hoffnung das ihn meine Tochter nicht mehr kämpfen muss“. Aber ohne das Umdenken von Männern können wir es nicht schaffen. Deswegen sollte dieses Buch vor allem Männer lesen die unsere Wut verstehen wollen und vielleicht wird es dann auch zu ihrer Wut und wir können gemeinsam etwas verändern.
Schullektüre
Diese Buch und auch "die Wut die bleibt" sollten beide Schullektüre sein. Ich liebe diese beiden Bücher, da sie bei mir viele Emotionen ausgelöst haben. Danke, dass du uns mit in die Berufe genommen hast, die hier angesprochen wurden. Beim lesen wollte ich mich selbst zu den Frauen legen. Ich verspürte so stark die Sehnsucht nach dieser Gemeinschaft! Wir werden wirklich so auferzogen, keine andere Frau zu vertrauen. Vielleicht, weil wir sonst gemeinsam das System ändern würden? Ich fühlte den Schmerz, die Freude, die Überlastung und Einsamkeit so intensive in diesem Buch! Ich spüre die Wut und die Hoffnung. Und ja, du hast Recht Mareike. Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass das Gesundheitssystem zusammen bricht und es ändert sich rein gar nichts! Ich finde es passiert Grad sehr viel in den Frauen und um so wichtiger sind dann solche Bücher! Dieses Buch ist für Frauen und Männer und jeder kann davon lernen.
"Und alle so still" ist eine Fortsetzung zu "Die Wut, die bleibt", was mir erst während des Lesens klar wurde. Der Roman beschreibt, was geschehen könnte, wenn Menschen beginnen sich zu verweigern und keine Carearbeit mehr leisten. Eindrücklich und etwas überzogen wird dargestellt, wie sich der gewaltfreie Protest entwickelt und welche drastischen Folgen daraus entstehen. Es wird klar, dass es keine Lösung für eine funktionierende Gesellschaft sein kann, wenn Menschen aufhören sich zu kümmern. Man bekommt beim Lesen eine Idee vom Wert von Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Eine theatrale Inszenierung eines kollektiven Burnouts: Die Frauen liegen einfach da, alle, still auf dem Boden in der Öffentlichkeit und ... Sie tun einfach all das nicht mehr, was sie sonst tun. Ein sprachgewaltiges Gedankenspiel, bei dem allerdings wirklich alle Ehemänner sehr schlecht wegkommen und nur wenige junge Männer zur Solidarität und Erkenntnis in der Lage sind. Wie alles in Hass umschlägt und zum Erliegen kommt, ist hoffentlich ein Gedankenspiel... Was wäre, wenn wirklich?
Ein schmerzhaftes, trauriges Buch, aber nicht ganz ohne Optimismus, dass sich vielleicht doch (endlich) etwas ändern könnte. Ein stilles Aufbegehren der Erschöpften das darin besteht schlicht nicht mehr all das zu tun, was sie bisher getan haben - (schlecht) bezahlt oder unbezahlt. „Die Frauen heben den Kopf, eine nach der anderen oder alle zugleich. Sie heben den Kopf und öffnen den Mund, kein Laut kommt aus ihren Kehlen, kein Geräusch dringt in die Luft, so viele Frauen, die Gesichter zum Himmel gereckt, die Augen geschlossen, und alle so still.“
Beeindruckende Utopie
Es beginnt leise: Frauen machen nicht mehr ihre (Care) Arbeit. Sie legen sich auf den Boden und tun nichts mehr. Es werden immer mehr und dann geht gar nichts mehr. Der Nahverkehr bricht zusammen, die Krankenhäuser verwandeln sich in Katastrophengebiete, Alles verdreckt, die Betriebe schließen, die Kapitalmärkte kollabieren. Und die Männer rasten aus und werden gewalttätig. Werden die Frauen es schaffen, ein besseres System aufzubauen? Ich finde die Fragestellung des Romans sehr spannend und die unbezahlte Care Arbeit ist ein wichtiger Knackpunkt. Das Buch ist sehr spannend geschrieben, ich konnte es kaum weglegen. Ein gutes und wichtiges Buch, das mich allerdings wegen des Schwarzweiss-Denkens (fast alle Frauen gut, fast alle Männer schlecht) ein wenig anpiekst und das für mich die Frage, was passiert oder passieren soll, wenn die Macht bei den Frauen liegt - im Gegensatz z.B. zu "Die Gabe" - nicht beantwortet. Trotzdem - tolles Buch!!
Intensive, spürbare Wut, die mich sehr bewegt hat
„Und alle so still“ von Mareike Fallwickel ist eine unbequeme, aber wichtige Geschichte über den Widerstand gegen gesellschaftliche Zwänge. Die Erzählung wirkt wie ein Brennglas auf die alltäglichen Ungerechtigkeiten, denen Frauen ausgesetzt sind, mich zog sie in eine emotional aufgeladene Atmosphäre hinein. Im Mittelpunkt stehen Elin, Nuri und Ruth, die während eines Care-Streiks gegen die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit kämpfen. Besonders eindrucksvoll ist Fallwickels Entscheidung, nicht nur den Frauen, sondern z.B. auch einer Waffe und einer Gebärmutter eine Stimme zu geben –Das gibt dem Buch eine fast surrealistische Dimension und hebt die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Strukturen und individuellem Empfinden eindrucksvoll hervor. Was mich besonders bewegt hat, ist die spürbare Wut, die in der Geschichte mitschwingt. Diese Wut wird oft unterdrückt, aber hier bekommt sie Raum, explizit und greifbar. „Und alle so still“ ist ein intensiver, nachdenklicher Roman, der unbequeme Fragen stellt und dazu einlädt, über die eigene Rolle im System der Care-Arbeit nachzudenken. Trotzdem hat mich das Buch „Die Wut die bleibt“ noch mehr berührt und aufgerüttelt.
Wenn Stille so unendlich laut und wütend ist
Ich wüsste gerade nicht einmal ob ich eine Dystopie oder eine Utopie gelesen habe. Aber wie nennt man denn eine Mischung die beides in sich trägt. Denn so drängend wie dieses Buch zeigt, wie die Gesellschaft in sich zerbricht ohne die Carearbeit von Frauen. So eindringlich zeigt es auch, was eigentlich aus Solidarität unter Frauen, unter Schwestern für eine wunderbare Gemeinschaft zwischen diesen entstehen könnte. Es ist sicher kein leichtes Buch, es macht wütend, es macht traurig. Aber es wichtig und für mich richtig gut geschrieben.
Mareike Fallwickl entwirft in ihrem neuesten Roman ein Szenario, wie es aussehen konnte, wenn Frauen die Care-Arbeit niederlegen würden. Insbesondere wird die Situation im Gesundheitswesen und im Niedriglohnsektor unter die Lupe genommen und anhand vieler persönlichen Geschichten und gut gekennzeichneter Charaktere sehr bildlich dargestellt. Der Roman ist äußerst eindringlich und aufrüttelnd. Er lässt einen stellenweise erschaudern, weil die entworfenen Szenen z. T. verstörend sind, doch in der Solidarität der Frauen schwingt auch die Hoffnung auf eine bessere, selbstbestimmte Zukunft mit.
Eine packende Utopie-Erzählung
Eine Gesellschaftskritik, die sich spannend liest, durch verschiedene Handlungsstränge verknüpft, und dabei reale Abgründe unserer Gesellschaft aufmacht. Die Geschichten derer erzählt, die die Arbeit machen, die unser System am Laufen hält. Und das sind häufig Frauen. Diesen Einblick fand ich sehr wertvoll. Gleichzeitig erzählt das Buch eine fiktive Protestbewegung in der alle Frauen ihre Arbeit niederlegen und das System einstürzt und das Militär gegen Frauen vorgeht. Hier fingen für mich Stellen an, die ich stark zugespitzt und nicht mehr realistisch nachvollziehen konnte. Schnell wurde es hier relativ schwarz weiß. Männer sind der Feind (und würden vor allem von Abtreibung profitieren) und alle Frauen stehen am Ende hinter der Bewegung, verstehen sich blind und treffen organisch die richtigen alle Entscheidungen. Aber vielleicht fehlt mir auch nur die richtige Vorstellungskraft.
UND ALLE SO STILL Mareike Fallwickl ist eine Autorin, die ganz viel in mir auslöst. Bis heute sind "Die Wut die bleibt" oder auch "Dunkelgrün fast schwarz" Bücher die in meinem Kopf bleiben, die etwas ändern, die den Finger unangenehm in die Wunde legen. I N H A L T: An einem Sonntag im Juni gerät die Welt aus dem Takt: Frauen liegen auf der Straße. Reglos, in stillem Protest. Hier kreuzen sich die Wege von Elin, Nuri und Ruth. Elin, Anfang zwanzig, eine erfolgreiche Influencerin, der etwas zugestoßen ist, von dem sie nicht weiß, ob es Gewalt war. Nuri, neunzehn Jahre, der die Schule abgebrochen hat und versucht, sich als Fahrradkurier, Bettenschubser und Barkeeper über Wasser zu halten. Ruth, Mitte fünfzig, die als Pflegefachkraft im Krankenhaus arbeitet und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint. M E I N U N G: Ohne Care-Arbeit bricht das System zusammen. Was passiert, wenn die lauten Proteste der Frauen plötzlich ganz still werden. Wenn sie aufhören Teil des Systems zu sein? Wenn sie ihre Arbeit niederlegen, sich verweigern? Der Hauptteil Sorgearbeit obliegt immer noch den Frauen und Mareike Fallwickl macht in ihrem gesellschaftskritischen Roman genau darauf aufmerksam. Der Roman wird immer wieder durch kurze Kapitel von der "Gebärmutter" und der "Pistole" unterbrochen. Vor allem die ein oder andere Information haben in mir wirklich lange gearbeitet! Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Personen: Nuri - ein Einwandererkind im Niedriglohnsektor der so gerne den Aufstieg schaffen möchte, Ruth - die aufopferungsvoll und mit viel Hingabe privat und beruflich den Job der Krankenschwester ausübt (ohne Anerkennung), Elin - eine glatte, wunderschöne Influencerin, die sich innerlich komplett verloren und leer fühlt. Auf die ein oder andere Weise berühren sich ihre Leben miteinander, sie verschwimmen. Nach und nach hören die Frauen auf den Tisch abzuputen, das Essen zu kochen, die Kranken in den Betten zu schieben oder einzukaufen. Sie protestieren ganz still, ganz leise. Sie legen sich hin. Doch gerade dieser stille Protest rollt mit einer lauttönenden, wabbernden Intention auf mich ein. Ich kann da definitiv nicht weghören. Besonders den Arbeitsalltag von Ruth fand ich persönlich sehr beklemmend, umso mehr, wenn man das Nachwort liest. Für mich gehören Fallwickls Romane definitiv zu den must-reads! Intensiv, wortgewaltig und einfach so wahr. In meinem Kopf arbeitet es, Wut und Unverständnis mischen sich mit Ratlosigkeit und Tatendrang.

Hatte es lange auf meinem TBR aber mich nie stark genug gefühlt, mich damit auseinander zusetzen, weil ich wusste, dass es kein einfacher Read wird. Ich weiß nicht, wie Fallwickl es geschafft hat, trotz der ganzen belastenden Thematik, mich trotzdem noch mit einem Gefühl von Hoffnung zurück zu lassen. Alles in allem hat mich das Buch sehr stark bewegt und vieles wird auch lange in meinen Gedanken kreisen.
Mit " Und alle so still" hat Mareike Fallwickl einen gesellschaftskritischen, feministischen und zeitgenössischen Roman geschrieben, der unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Kernthema: Was passiert, wenn auf einmal alle Frauen einfach streiken - weder ihrer Care-Arbeit, noch ihrer regulären und zumeist schlecht bezahlter Arbeit nachkommen - und sich hinlegen – ganz leise, ohne großen Aufstand und ohne Gewalt? Genau dieser Frage ist die Autorin in ihrem aktuellen Roman nachgegangen. Dabei erzählt sie die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Elin (einer Influencerin, mit der ich einfach nicht warm geworden bin), Nuri (Sohn einer sri-lankischen Mutter und einem deutschen Vater, der in einer sehr prekären Lebenssituation steckt) und Ruth (einer bis ans Limit aufopferungsvollen Krankenschwester). Sehr authentisch weist die Autorin auf die wichtige Schwachstelle in unserem aktuellen System in der Pflege und dem restlichen sozialen Bereich hin: damit das System aufrechterhalten bleibt, wird gespart und auf den Rücken der vorrangig weiblichen Mitarbeitenden dennoch die Arbeitslast erhöht.
Wichtiges Thema aber für mich etwas überspitzt
Der neue Roman von Mareike Fallwickl mit einer sehr wichtigen Botschaft. Was wäre, wenn alle Frauen aufhören nur noch zu funktionieren? Wie gehen die Männer damit um? Wer kümmert sich um die Kinder und kranken Menschen? Genau darum geht es hier. Ein wichtiges Buch mit einer wichtigen Botschaft an alle! Wie gewohnt von der Autorin lässt sich das Buch gut lesen, einige sprachlich wunderschöne Passagen gibt es aber mir ist der Roman auch manchmal etwas zu direkt und für mein Empfinden etwas zu viel. Die Story war in Ordnung aber auch sehr fiktional. Wenn es diese Solidarität zwischen Frauen geben würde wäre das ganz wunderbar aber leider gibts da auch so diverse Charaktere, dass diese Verbundenheit für mich fast an ein Wunder grenzen würde. Wunderbar geschrieben ist ein Abschnitt über einen behinderten Sohn von einer Protagonistin. Das hat mich unheimlich berührt.
Mareike Fallwickl wagt in ihrem Roman „Und alle so still“ ein Gedankenexperiment. Was würde passieren, wenn Frauen nicht mehr das tun, was sie seit Jahrzehnten getan haben? Aus Sicht von Evi, einer Influencerin, Ruth, eine Pflegekraft Mitte Fünfzig und Nuri, einem neunzehnjährigen Schulabbrecher und Multijobber erzählt Fallwickl von einem Sommer in dem eine Revolte startet. Ich finde dieses Buch so wichtig. Es regt zum Nachdenken an und berührt durch die beschriebenen Einzelschicksale sehr. Eine absolute Leseempfehlung!
Was passiert, wenn die Frauen sich verweigern und alles niederlegen
Wow, Mareike Fallwickl schafft es wieder den Nerv der Zeit zu treffen aber mit einem messerscharfen Auge. Sie beschreibt in diesem Buch die Ereignisse, Gedanken und Gefühle dreier Personen, Nuri - Ruth - Elin - deren Geschichten sich durch leichte Fäden verbindet, als die Welt der Frauen still steht, diese sich einfach hinlegen vor Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen und nichts mehr machen. Es beschreibt die Geschichte von Zusammenhalt, von Entschlossenheit, von der Müdigkeit des Daseins als Frau und deren Auswirkung, wenn es sie nicht mehr gibt, keine Mutter, keine Arbeiterin, das System bricht zusammen - es wird mit rotem Pfeil darauf gezeigt, was wir leisten und wofür. Ein absolut wichtiger Roman, lesenswert und wirklich auch im Stil extrem gut geschrieben - zwischen den Kapiteln spricht dann einmal die Pistole, die Gebärmutter, die Berichterstattung- ein wunderbarer Stil. Lehrreich, wütend, hoffnungsvoll. Mega!

Dystopie oder Utopie? Für mich klar eine Utopie! Und eins der besten Bücher, die ich je gelesen hab.
Rezi folgt, wenn ich all das Gute & Verstörende, all das Wichtige & Beängstigende und all das Schöne aus diesem Buch etwas für mich sortiert habe und in Worte fassen kann ohne zig Seiten zu schreiben 😄😊

Elin, Ruth und Nuri sind drei unterschiedliche Menschen, die unter dem patriarchalen System leiden. Und auf einmal legen alle Frauen ihre Arbeit ab und verweigern diese. Was dann geschieht ist Chaos. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich möchte es allen ans Herz legen, die etwas in unserer Gesellschaft etwas verändern möchten.
Und manchmal ist man müde. Und möchte sich nur noch Verweigern. Ein stiller, friedlicher Protest - sich einfach auf den Boden zu legen. Denn was sonst, wenn alle Worte schon zu tausenden gesprochen wurden?!
Ich muss die Gedanken zu dem Buch immer noch sortieren. Es wirk nach…. Bis zur Hälfte habe ich gebraucht um es wirklich zu verstehen und reinzukommen. Auch durch Abschnitte wie „Die Gebärmutter“, „Berichterstattung“, „Die Pistole“. Am Ende fügte sich alles und wurde ein klares Bild. Alles ergibt einen Sinn. Toll geschrieben und miteinander „verwoben“. Auch das ich eine Frau bin. Und das ich mit anderen Frauen zusammenhalten möchte und nicht gegeneinander agieren will. Auch, dass ich mir meiner Rolle im Care- Bereich nur all zu bewusst bin. Aber dank des Buchs, nicht mehr so sicher meiner Rolle im patriarchalischen System bin. Denn das ist das, was M. Falwickl mit dem Buch erreichen möchte: Zeigen WIE es sein könnte. 🫶🏻👍🏻 Sein könnte, wenn wir aufhören zu funktionieren. Aufhören das System am Leben zu halten wie wir es als Frauen seit Jahrhunderten tun. Aufhören gegeneinander zu arbeiten. Den Machthabenden zeigen, WIR SIND MEHR. Ohne uns Frauen - gäbe es nichts und niemanden auf dieser Welt. 🙏🏻
Setzt Energie frei
Meine Begeisterung für die Romane von Mareike Fallwickl ist Liebe auf den zweiten Blick. Am Anfang hatte ich durchaus meine Schwierigkeiten mit ihren feministischen Forderungen doch ich muss sagen, ich bin jetzt voll und ganz überzeugt, dass ihr Weg auch mein Weg ist. Im Grunde genommen wollen wir das gleiche, wir kommunizieren es eventuell nur unterschiedlich. Vorweg schreibe ich direkt einmal, dass das Buch packend und anspruchsvoll geschrieben ist. Dann haben wir das abgehakt, denn im Kern geht es für mich hier um ein sehr persönliches Thema und den möchte ich mich intensiver widmen. Mit diesem Roman, der die Care Arbeit in Bezug zur Rolle der Frau in der Gesellschaft stellt, hat Fallwickl für mich voll ins Schwarze getroffen. Von 3 Personen wird aus unterschiedlichen Perspektiven eine kleine Revolution mit ungewissem Ausgang erzählt. Elin ist eine erfolgreiche Influenzerin, die aber trotz ihres Ruhms eine innere Lehre verspürt, die sie mit flüchtigen sexuellen Abenteuern zu füllen versucht. Dass das nicht glückt ist vorprogrammiert. Erst als viele Frauen in einen Liegend-Streik treten, Care Arbeit plötzlich nicht mehr erledigt wird und das System, das von Frauen getragen wird, kippt, solidarisiert sie sich mit diesen und fühlt sich gesehen und gebraucht. Ruth arbeitet als Krankenpflegerin und wird zunehmend allein gelassen. Die Erwartungen steigen ins Unermessliche, der Lohn ist unangemessen und die Arroganz des Wirtschaftssystems „Krankenhaus“ grenzenlos. Durch den Streik der Frauen werden ihr immer mehr Aufgaben übertragen. Zunehmend muss sie Männer verarzten, die sich mit den ungewohnten Aufgaben so wenig auskennen, dass sie Blessuren davon tragen. In Ruths Kopf vermischen sich die Erinnerungen an sie als pflegende Mutter eines todkranken Sohnes, und ihre Gedanken zu ihrer Rolle als unersetzliche doch ungesehene Pflegekraft, die aus der Motivation heraus helfen zu müssen, mehrfach ihre physischen und psychischen Grenzen überschreitet. Nuri hält sich mit mehreren Jobs über Wasser. Er hat eine Vorstellung davon, wie es ist sorglos zu leben, getan hat er es noch nie! Er hadert mit seinem Vater, seiner Rolle als Mann, seiner Sexualität und seinem prekären Leben. Für mich eine der Schlüsselrollen in diesem Buch, wenn man das vermutlich auch nur auf den zweiten Blick sieht. Er fällt aus vielen Klischees heraus, er ist kein Macher, mit Frauen hatte er auch noch nie etwas, er sieht die Nöte anderer weiblicher Personen in seinem Umfeld und fühlt mit ihnen. Dafür erntet er bei anderen Geschlechtsgenossen negative Reaktionen. Die drei Komponenten, die zu einem Vorwärtskommen feministischer Strömungen wichtig sind, hat die Autorin hier gut miteinander verbunden. Das Helfersyndrom, die (mangelnde) Solidarität von Frauen, sowie Männer, die bereit sind weibliche Attribute als positive Eigenschaften anzuerkennen. Dass unser System kollabiert, wenn die gering (oder gar nicht) bezahlte und vor allen Dingen auch nicht wertgeschätzt Arbeit von Frauen im wahrsten Sinne des Wortes liegen bleibt, wird hier gut herausgearbeitet. Wie sehr habe ich mir beim Lesen gewünscht, dass wir diesem Ruf einmal folgen. Und doch stoße ich gerade in meinem Beruf immer wieder auf Kolleginnen, Vorgesetzte oder Eltern, die genau das von mir einfordern, was ich nicht mehr einfach so hergeben sollte: Wärme, Fürsorge und vor allen Dingen Verständnis für deren Situation. Denke ich logisch, klar und rational so werde ich abwertend als kühl und unnahbar gelabelt. Daraus leitet sich dann für die meisten die Selbstverständlichkeit ab über meine Dienstzeit und vor allem über meine Kräfte hinaus für Sie da sein zu müssen. Ich habe ja schließlich einen sozialen Beruf gelernt. Wenn Eltern zu spät abholen, ist es an der Tagesordnung, dass sie die Augen verdrehen, wenn ich sie darauf hinweise. Es sind ja nur 5 Minuten bekomme ich dann zu hören. Niemanden interessiert, dass ich dann meinen Bus verpasse, meine Kinder nicht abholen kann oder meinen Arzttermin absagen muss. Ich kenne Unmengen an Pädagogen die Arbeit mit nach Hause nehmen, Dokumentationen dort schreiben, weil sie es dann in Ruhe tun können und die das in keinster Weise vergütet bekommen. Irgendeiner muss es ja tun… Ich habe mich in der Vergangenheit sehr häufig unbeliebt gemacht, indem ich Grenzen gezogen habe und meiner leitenden Tätigkeit in einem Care Beruf nicht mehr nachgekommen bin, wenn die Ressourcen es nicht hergeben. Dann ist die Kindertagesstätte eben zu- wenn nicht genug Leute da sind. Das ist bitter für die Eltern. Doch wenn wir in diesem Beruf nicht zu diesen Maßnahmen greifen, dann merkt niemand, wie prekär die Situation ist. Dass wir zunehmend verbaler und auch körperlicher Gewalt ausgesetzt sind, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. In der Pflege ist das allerdings noch mal eine ganz andere Nummer, denn da sterben mitunter Menschen. Und und aus diesem Dilemma kommt man nicht mit Verweigerung und schon gar nicht mit klatschen raus. Mir macht es Bauchschmerzen, dass eine Lösung unerreichbar scheint. Ein Buch, das mir wenig Hoffnung macht, aber Energien freisetzt. Große Leseempfehlung für alle!
Ein bewegender Roman über Schwesternschaft und weibliche Verbindungen
Wenn ein Buch Emotionen in mir auslöst und mich zum Nachdenken anregt, mich noch tagelang beschäftigt, dann ist es für mich ein gutes Buch! Mareike Fallwickl hat es wieder geschafft, mir die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft auf eine Art und Weise vor die Augen zu führen, die mich wütend machen und mich gleichzeitig auch an der ein oder anderen Stelle ertappt fühlen lassen haben. Das Buch ist schon fast eine kleine Dystopie: Was passiert mit dem System, mit der Gesellschaft, wenn Frauen aufhören, die Arbeiten zu erledigen, für die sie nicht bezahlt und/ oder gewertschätzt werden? Wie lange kann das System dann überhaupt noch funktionieren? Und wie gehen die Männer damit um? Unfassbar spannend meiner Meinung nach und leider auch sehr realitätsnah! Es ist erschreckend und hält unserer Gesellschaft mal wieder perfekt den Spiegel vor. Große Empfehlung!

Es geht um Frauen, Machtmissbrauch und das lange Schweigen darüber. Auf jeden Fall ein wichtiges Thema, aber leider bin ich mit dem Schreibstil nicht warm geworden und fand vieles ziemlich anstrengend zu lesen. Der starke feministische Fokus war mir persönlich zu viel. "Aber wenn du so viele Jahre nichts gesagt hast, fängst du nicht auf einmal damit an."
„So sieht es aus, wenn das System zusammenbricht.“
Dieses Buch ist Utopie/Dystopie und Realität in Einem, es sollte der Traum und das Ziel zugleich sein. Was Mareike Fallwickl hier geschaffen hat ist ein Kunstwerk - wie sie die drei ProtagonistInnen in all ihren diversen und intersektionalen Facetten zeichnet, wie sie eine Situation erschafft, die aufwühlender, aktueller und akkurater nicht sein könnte und wie sie zusätzlich drei abstrakte Konzepte personifiziert ist unglaublich. Der Roman mit seinem bildhaften und tiefsinnigen Sprachstil hat es geschafft, meine Gefühle und Gedanken, die ich spüre, aber selbst nicht greifen kann, in Worte zu fassen und mich während des gesamten Lesens sehr emotional und nachdenklich werden zu lassen. Ich wünschte ich könnte dem Buch 10 Sterne geben und es nochmal zum erstmal Mal lesen.
Wer es noch nicht gelesen hat, sollte es tun!
Die Auswahl der Protagonisten ist perfekt gewählt, das Thema könnte nicht aktueller sein! Dieses Buch ist laut, jedoch nicht aufdringlich. Es ist radikal, jedoch nicht überspitzt. Es ist fiktiv, jedoch nicht abwägig. <<Das Patriarchat kann sich darauf verlassen, wann immer irgendwo ein Kind oder eine alte Person umfällt, kommt eine Frau und hebt es auf>> Ein klares Jahreshighlight.
Dieses Buch macht definitiv nicht still
Wow! Dieses Buch hat mich gepackt, wach gerüttelt und mich schreien lassen. Ich will nicht mehr still sitzen ich will nicht mehr lächeln und nicken. Ich sage nein, ich schreie nein und genug! Das Buch hilft so unglaublich endlich umzudenken. Es hat mir wirklich geholfen aktiver zu werden Es tat mir so weh den Charakteren zu folgen und sie zu begleiten. Wie unfair ist diese Welt. Es macht mich traurig Danke für dieses Buch
"Wenn die Welt kippt, auf welcher Seite willst Du dann stehen?" Die Frauen beginnen, zu revoltieren. Sie legen ihre Arbeit nieder, und ihre Körper. Weigern sich, aufzustehen, zu funktionieren. Wie soll es weitergehen? Die Geschichte wird anhand von 3 Charakteren erzählt, der Influencerin Elin, dem Schulabbrecher Nuri und der Krankenschwester Ruth. Drei völlig verschiedene Leben, drei völlig verschiedene Meinungen. Durch die Drei kommt Vielfalt ins Buch, man bekommt viele verschiedene Sichtweise dargestellt. Das Szenario, was die Autorin aufstellt ist sicherlich extrem und bewusst provozierend gewählt. Aber man kommt als Leser ans Denken und das ist sicherlich der wichtigste Grund, dieses Buch zu lesen. Wahrscheinlich ist nicht alles realistisch, wobei ich denke, dass viele Lebenswahrheiten schon der Realität entsprechen. Ich finde es gut und passend, dass es mit Nuri auch eine männliche Hauptperson gibt wobei auch er natürlich in einer Situation ist, die nicht alltäglich ist. Ich hätte da noch gerne mehr männliche Meinungen im Buch gelesen. Spannend sind auch zwei "Nebencharaktere", die zu Wort kommen, die eigene Kapitel haben, eine Pistole und eine Gebärmutter. Ein wirklich interessantes Stilmittel, das den Spannungsbogen aufrecht erhält. Insgesamt lässt sich das Buch super rutschig lesen, ich fand es durchweg spannend und das Ende habe ich so nicht kommen sehen. Lange nicht alle Fragen werden am Ende beantwortet, aber dafür sind diese Fragen auch zu gesellschaftskritisch um einfach gelöst zu werden. Ein Buch über Equal Care, über Gleichberechtigung, über Schwachstellen in der Pflege. Ein hochaktuelles Buch. Vielleicht etwas überzogen dargestellt aber dadurch umso schmerzhafter.
"Erinnerst du dich an den Spruch, wir sind die Nachfahrinnen der Hexen, die sie nicht verbrennen konnten?", fragt Elin. "Die Energie ist noch da, sie war nie fort, nur verschüttet." (S. 205) Achtung, das hier wird sehr emotional. "Lisa, du schreibst doch so schön über Bücher? Willst du nicht mal ein eigenes schreiben?" Das ist ein Satz, den habe ich tatsächlich schon einmal gehört. In vielen Variationen. Fühle dabei immer Wärme. Dass Menschen einen so etwas zutrauen. So etwas Großes, so etwas Allumfassendes. Buchstaben, Wörter, Sätze, Seiten- die so viel ausdrücken, so viel bewegen, so viel Emotionen lösen, so viel bewirken, nachwirken, die Nachdenken herbeizaubern, auch, wenn man die Wörter gerade nicht liest, die die Lesende oder Lesenden sich selbst überdenken und immer wieder in Frage stellen lassen. Gott, Und alle so still" ist all das und so viel mehr. Es ist ein Buch, das einen danken lässt einer höheren Macht oder was auch immer, dass Frauen Bücher schreiben. Solche Bücher schreiben. Dass es Geschichten geben kann, die schwer im Herzen liegen, die Unbehagen auslösen, auslösen wollen, die alles komplett auf den Kopf stellen und dass das manchmal schon reicht auszulösen, wenn man sich nur hinlegt und kapituliert, aber die auch aufzeigen, was passieren kann, die dich an die Hand nehmen und sagen: "Ich mach nichts, außer dir die Realität zu zeigen!" und die eine so allumfassende Liebe und Geborgenheit beschreiben, dass diese Liebe fast schon ein bisschen weh tut, die dir die Tränen in die Augen treibt beim Lesen, weil sie dir zeigt, was passieren kann, wenn Frauen aufhören mit allem, was sie müssen aber vor allem auch, wenn sie aufhören gegeneinander und stattdessen füreinander da zu sein. "Und alle so still" hat mich beschäftigt während des Lesens, aber auch in allen anderen Momenten und wird mich noch lange beschäftigen. Habe mich permanent hinterfragt, während Mareike Fallwickls großartigem Buch, wollte dieses Gefühl, dieses wunderbare Gefühl, wenn Frauen im Kollektiv aufeinander treffen, wenn sie sich umeinander kümmern und füreinander da sind in mein eigenes Leben holen und sei es nur, wenn ich in meinem Alltag Frauen bewusster wahr nehme, sie vielleicht manchmal nur anlächle oder ihnen die Komplimente mache, die ich mir zu oft in der Vergangenheit nur gedacht habe. Mareike Fallwickl schreibt so unglaublich schön, so unglaublich intensiv und von innen wärmend über diesen Zusammenhalt, das die vielen kleinen Markierungsklebedinger, die ich mir neu gekauft habe in der ersten Farbe schon in der Mitte des Buches komplett leer waren. Aber innendrin in mir, da war es nicht leer, da waren diese unfassbar vielen, manchmal schweren aber wunderschönen Sätze, die ich alle an die Wände schreiben wollte, um sie mir noch einmal anzusehen in schlechten Zeiten, aber vor allen in den guten, wenn ich die vielen wunderschönen Stücke, die ich mir aus "Und alle so still" herausgenommen habe in meinen Alltag platziere oder sogar dort wiederfinde. "Und alle so still", das ist eine Geschichte darüber, was passiert, wenn Frauen kapitulieren, wenn sie in einer Welt, die vom Patriarchat bestimmt ist, in der sie von Männern fremdbestimmt, misshandelt und umgebracht und von der Gesellschaft und Politik in Stich gelassen werden, sich hinlegen und still werden. Keine Worte mehr haben. Keinen Widerstand mehr leisten. Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie sehr die Welt Frauen braucht, weil sie ohne sie nicht funktioniert. Weil sie dann zusammenbricht. Es ist eine Geschichte über eine alles zugrunde liegende Empathie, die nicht nur in mir den Wunsch weckt allen dieses Buch zum Lesen zu geben. Weil es so viel in so kurzer Zeit auf den Tisch legt. Weil es einen selbst verändert, in welcher Form, das muss jede/r für sich selbst herausfinden. Ich wusste sooft in "Und alle so still" nicht, wohin mit meinen ganzen Gefühlen, weil so viele waren und sind. Aber, wenn ich so viel wie möglich von diesem Buch in mir selbst verstauen kann, dann ist es gut. Dann hat es nicht nur während der Lektüre etwas mit mir gemacht. Und wenn ich das nächste Mal meine Umgebung bewusster wahr nehme, dann schenke ich vielleicht dem nächsten nahe liegenden Menschen einfach dieses Buch. Und auch wenn ich selbst so etwas Großartiges wie "Und alle so still" nicht schreiben sollte, dann ist es doch mein innigstes Bedürfnis, mein Wunsch, meine Freude und alles, was ich an Liebe für solche großartigen Geschichten in mir habe, über diese Bücher zu schreiben und möglichst vielen zu sagen. Lest es. Lest alle "Und alle so still". "Früher habe ich die Feindschaft zwischen Frauen als gegeben angenommen", sagt Elin (...), "dass sie Zicken sind und Intrigen spinnen. Jetzt ist die Basis für alles, was ich denke und tue, dass das Grundgefühl zwischen Frauen Liebe ist. Wenn du danach agierst, ändert sich alles. (S. 325)

Eine feministische Utopie mit Anspruch auf (eine teilweise) Umsetzung Der Anfang des neuen Romans von Mareike Fallwickl war mir persönlich ganz schön drüber und ich hatte schon Befürchtungen, dass wenn es so weiter geht mit dieser einen von drei Hauptpersonen, ich dieses Buch nicht so mögen werde. Doch es war nur das erste Kapitel mit einem krassen Einstieg, um die erste Hauptfigur zu zeigen und zu definieren, um ihr dann einen Werdegang angedeihen zu lassen, der zur gesamten Geschichte passt. Doch ich steige zu sehr ins Detail ein, daher von vorn. Stell dir vor, dass nach und nach viele Frauen anfangen zu streiken und kommentarlos ihre Arbeiten niederlegen. Sei es im Job, zu Hause, generell. Einfach nichts mehr machen für die patriarchale Gesellschaft, sondern nur für sich und für die anderen Frauen da sein. Nicht mehr und nicht weniger. Was würde dann passieren? Genau diese Utopie spielt Mareike Fallwickl in ihrem neuesten Buch auf konsequente Weise durch und das mit Folgen für die komplette Gesellschaft, egal ob männlich oder weiblich. Doch diese Konsequenzen werden nur am Rande erwähnt, denn die Geschichte selbst wird aus den Augen von drei Hauptfiguren erzählt. Da wäre zum einen die eingangs schon angedeutete Elin, die zusammen mit ihrer Mutter in dem von der Mutter geführten Wellnesshotel lebt und nicht weiß wohin mit sich. Sie lässt sich treiben, führt einen erfolgreichen Insta-Kanal und steigt wahllos mit Männern ins Bett, was im ersten Kapitel Recht körperlich beschrieben wird. Auf der anderen Seite steht die Pflegerin Ruth, schon etwas älter, verwitwet und zerrieben in ihrem Beruf. Als dritte Hauptperson lernen wir den jungen Mann Nuri kennen, der von einem Nebenjob zum anderen hechelt, um sich mit diesem verdienten Geld ein neues Leben aufzubauen, fern von seinem Vater, der sich nicht um ihn kümmert und seiner Mutter, die dieses nicht gewollte Leben einfach so über sich ergehen lässt. Die neue geschaffene Situation mit den arbeitsniederlegenden Frauen bringt diese drei Figuren zueinander und verändern ihre Schicksale für immer. Ich erwähnte schon eingangs, dass mir das erste Kapitel zu explizit köperlich war und ich schon Angst hatte, dass es in den Kapiteln rund um Elin so weiter ginge, was sich aber nicht bewahrheitet hat. In abwechselnden Sichtweisen erzählt die Autorin wie die drei Figuren mit der neu geschaffenen Situation umgehen, die mal mehr im Hintergrund wandert und an bestimmten Stellen hell beleuchtet wird. Vor allem die großen gesellschaftlichen Umwälzungen, die diese Arbeitsniederlegung mit sich bringen, werden nur umrissen anhand von kurzen Nachrichten, die beiläufig mit eingestreut werden. Das regt beim Lesen immer wieder zum Nachdenken an, denn die Grundidee dieser Utopie, die da beschrieben wird, ist eine Angehenswerte, wenn auch nicht in dieser radikalen Form. Wir leben immer noch in einer sehr patriarchale geprägten Gesellschaft, bei der von Frauen bestimmte Dinge erwartet werden und wenn diese nicht Erwartungen nicht erfüllt werden, dreht das männliche Ego durch und es schlägt in Gewalt um. Doch sollte es nicht vielmehr ein Miteinander statt ein Gegeneinander und Unterdrücken sein? Elin, Ruth und Nuri müssen jedenfalls mir dieser Konstellation versuchen umzugehen und das tun sie alle auf ihre Weise und verändern so ihre Leben radikal und konsequent. Das Buch selber schmerzt sehr, besonders aus meiner männlichen Sicht, aber die Autorin hat mit ihren Punkten, die sie in der Geschichte einbingt, einfach nur die Wahrheit angesprochen, wenn auch auf eine radikale Weise, die es in Wirklichkeit natürlich nicht geben wird. Doch es lohnt sich schon allein, sich auf dieses Experiment einzulassen und man geht mit veränderten Gedanken und Gefühlen aus diesem Buch und nimmt definitv was mit davon in die reale Welt.
Wichtiges Buch!
„Das ganze System beruht auf unserer Verfügbarkeit. Unserer Körper, unserer Kraft, unserer Zeit. Diese Verfügbarkeit zu entziehen, ist die einzige Möglichkeit, die uns noch bleibt.“ - starkes Gedankenexperiment, ein stiller Protest von Frauen! Es fiel mir anfangs schwer, mich in der Geschichte einzufinden. Die drei völlig unterschiedlichen Perspektiven konnte ich zunächst gedanklich gar nicht verknüpfen, aber im Laufe des Buches zeigt sich, inwiefern ihre Geschichten sich überschneiden und zusammenhängen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten war ich absolut begeistert von den authentischen Erzählungen. Vor allem die Perspektive von Ruth hat mich sehr eingenommen. Erschreckend aus der Sicht einer Pflegekraft zu lesen, wie wenig diese wichtige Arbeit wertgeschätzt wird. Besonders sympathisch fand ich auch Nuri, der einzige Mann aus dessen Perspektive wir lesen. Dass es einen Mann gibt, der sich diesem stillen Protest anschließt, ist ein starkes Zeichen! Das hat mir gut gefallen. Interessant waren auch die kurzen Zwischenkapitel aus der Sicht der Berichterstattung, einer Gebärmutter oder einer Pistole. Ein Buch, das ganz klar die Augen öffnet, dass in der Gesellschaft wichtige Care-Arbeit viel zu oft als absolute Selbstverständlichkeit angesehen wird, zu Unrecht. - „[Es geht] nicht um die Arbeit an sich, nicht um das Füreinandersorgen und Umeinanderkümmern, sondern um die Unsichtbarkeit dieser Arbeit. Die wertgeschätzt werden sollte, weil sie lebenswichtig ist.“
Ich bin so begeistert!
Der Roman „Und alle so still“ von Mareike Fallwickl ist der aktuellste Roman der Autorin aus dem Jahr 2024. In zwei Sätzen zusammengefasst: Ein Großteil der sich weiblich identifizierenden Personen legt die Care-Arbeit nieder. Die Gesellschaft bricht dadurch zusammen und es entsteht eine große Notlage. Neben der Kritik an der Verteilung und Wertschätzung der Care-Arbeit setzt sich Fallwickl außerdem mit Themen wie sexueller Identität, Coming-Out, peer-pressure, Bodyismus, der Definition des Begriffs Familie und dem Pflegenotstand auseinander. Mich hat dieses Buch von vorne bis hinten total begeistert. Sowohl die verschiedenen Perspektiven, wie auch deren Verstrickung waren gut aufgebaut. Ich habe mit viel Spannung den spontanen Aufbau der Strukturen der großen Menge an Frauen verfolgt. Auch die Szenen und die Auseinandersetzung mit dem Pflegenotstand haben mich extrem nachdenklich gestimmt. Alles in allem hat mich der Roman auch im Nachhinein noch viel beschäftigt.
Beschreibung
Buchinformationen
Beiträge
Neue Weltordnung?
In dem Buch begleiten wir drei ganz unterschiedliche Menschen in ihrem Alltag. Alle haben ihr eigenes Päckchen zu tragen. Als Frauen eines Tages beginnen, sich einfach auf die Straße zu legen und nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr zu funktionieren, nicht mehr bis zur Selbstaufgabe alles zu regeln, müssen die drei sich fragen, wohin sie eigentlich möchten und in welch einem System sie leben wollen. Den Beginn der Geschichte fand ich schwer zugänglich, ich war nicht sofort drinnen, sondern war erst mal befremdet. Nach einiger Zeit wurde es aber besser und dann hat die Geschichte mich so richtig eingesogen. Sie wird immer intensiver und lässt die Gefühle der Protagonist*innen sehr gut rüberkommen. Wut, Verzweiflung, Ohnmacht, Resignation, Erschöpfung. Ich habe alles gefühlt. Mitunter ist das Setting dystopisch und es werden einfach so viele wichtige Themen integriert. An einigen Stellen ist das Buch schon sehr plakativ und überzogen, gleichzeitig provoziert es damit aber auch und regt zu einer Auseinandersetzung mit den Themen an. Sehr gewaltig und intensiv!
Dieses Buch will nicht nur unterhalten, es will aufrütteln.⚡Und genau das schafft es auch. Was würde passieren, wenn Frauen einfach aufhören würden, zu funktionieren? Wenn sie sich weigern würden, all die unsichtbaren Aufgaben zu erledigen, die sonst als selbstverständlich gelten. Putzen 🧹, pflegen 🏥, organisieren 📅, sich kümmern. Genau dieses Gedankenexperiment steht im Mittelpunkt des Romans, in dem Frauen plötzlich still auf den Straßen liegen und nichts mehr tun. Ein leiser Protest, der alles erschüttert. Besonders gut gefallen hat mir, dass man mehrere Figuren begleitet, die alle ganz unterschiedliche Lebensrealitäten haben. Elin, die Influencerin 📱✨, die nach außen ein perfektes Leben zeigt, innerlich aber mit eigenen Erfahrungen kämpft. Nuri 🚲, der sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hält. Und Ruth 👩⚕️, die im Pflegebereich arbeitet und jeden Tag über ihre Grenzen geht. Ihre Geschichten zeigen, wie unterschiedlich Lebenswege sein können und wie sehr sie trotzdem durch gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbunden sind. Sprachlich fand ich den Roman wieder sehr typisch für Fallwickl. Direkt, emotional und schmerzhaft ehrlich. 📖✨

An einem Sonntag legen sich Frauen auf den Boden und sind still…. An diesem Tag überschneiden sich die Leben von Ruth ( Mitte 50, Krankenpflegerin mit Herz und Seele), Nuri (19 Jahre, Schulabbrecher, Fahrradkurier,Reiniger von Clubtoiletten, Bettenschubser im Krankenhaus,Reiniger von stinkenden Fässern in einer Fabrik) und Elin ( 20 Jahre,erfolgreiche Influencerin).
Alle drei schließen sich auf ihre Art den Protest an. Mit laufender Handlung steigt die Spannung und auch die Sorge, wie der Protest enden wird. Wie Elin, Ruth und Nuri in dieser Situation klarkommen , da vieles keine leichte Kost ist und Entscheidungen fürs eigene Leben getroffen werden müssen. Mareike Fallwickl gelingt es einen deutlich , die Augen zu öffnen. Und das Buch lässt einen auch nach der letzten Seite nicht los.
Der Einstieg in „Und alle so still“ fiel mir schwer, und auch mit dem Schreibstil hatte ich anfangs immer wieder Probleme, was das Lesen für mich stellenweise mühsam machte. Dennoch entwickelt das Buch eine große Wucht, weil es ein extrem wichtiges, gesellschaftlich relevantes und emotional packendes Thema behandelt. Je weiter ich las, desto mehr hat mich der Inhalt beschäftigt und mitgenommen. Insgesamt schwanke ich bei der Bewertung zwischen 3 und 5 Sternen: sprachlich für mich nicht immer überzeugend, in seiner Aussage und Dringlichkeit aber sehr stark.
Überspitzt und doch wahr.
Nicht ganz so wie Die Wut, die bleibt, aber trotzdem ein wichtiges Buch mit einer kraftvollen Botschaft. Ich bin leider nur schwer in die Geschichte hineingekommen und wurde beim Lesen auch immer wieder rausgerissen. Die wechselnden Perspektiven bieten zwar interessante Gedankenanstöße und wertvolle Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten, haben mich in diesem Fall aber eher verwirrt als mitgezogen. Vieles wirkt bewusst überspitzt, doch gerade in der zweiten Hälfte finden sich unglaublich viele markierwürdige Passagen Sätze, die man teilen möchte, die bleiben, die berühren. Die nicht überspitzt sind sondern echt. Trotz der Einstiegshürden hat mich das Buch emotional mitgenommen. Es ist ein starkes Werk, das ich definitiv weiterempfehlen würde auch wenn ich persönlich nicht ganz hineingefunden habe.
Ein Roman, in dessen Mittelpunkt der Widerstand der Frauen steht, die sich solidarisieren, sich nicht mehr als „Gegnerinnen“ wahrnehmen, sondern begreifen, dass sie mit gemeinsam und in Verbundenheit gegen ein System ankommen können, das getragen wird von der schlechtbezahlten Carearbeit der typischen „Frauenberufe“. Die Autorin zeigt aber auch auf, dass dieses System nicht nur hochgradig misogyn ist, sondern dass auch Männer in diesem System schlecht wegkommen, vor allem auch Männer / Frauen sowieso mit Migrationsgeschichte. Denn das System funktioniert auf dem Rücken der Frauen und derjenigen, die man „ausnutzen“ kann. Erst der Widerstand macht deutlich, wie fragil dieses System auf dem Rücken bestimmter Gruppen ausgetragen wird.
Bei diesem Buch konnte ich nicht aufhören zu lesen. Am Anfang noch ein wenig ratlos, so wurde ich doch beim Weiterlesen immer wütender. Die Autorin schildert die Zustände im Pflegebereich so drastisch und ehrlich, dass es mir kalt den Rücken runterlief. Und nicht nur das, sondern die ganzen prekären Arbeitsverhältnisse und rechtlichen Stellungen der Frauen in unserem System zeigt sie hier schonungslos auf. Es wird von den zuständigen Stellen immer weiter versucht, auf Kosten derjenigen, die das System am Laufen halten, Profit zu erwirtschaften, ohne Rücksicht auf Verluste. Das Buch sollte Pflichtlektüre für jeden Politiker sein. Absolute Leseempfehlung !!
Nichts für zwischendurch
Es tut weh lange hab ich nicht mehr so viel geweint. Aber es macht auch wütend und gibt dir das Gefühl nicht allein zu sein mit dem Gedanken „So kann es nicht weitergehen“ oder „Ich kämpfe diesen Kampf in der Hoffnung das ihn meine Tochter nicht mehr kämpfen muss“. Aber ohne das Umdenken von Männern können wir es nicht schaffen. Deswegen sollte dieses Buch vor allem Männer lesen die unsere Wut verstehen wollen und vielleicht wird es dann auch zu ihrer Wut und wir können gemeinsam etwas verändern.
Schullektüre
Diese Buch und auch "die Wut die bleibt" sollten beide Schullektüre sein. Ich liebe diese beiden Bücher, da sie bei mir viele Emotionen ausgelöst haben. Danke, dass du uns mit in die Berufe genommen hast, die hier angesprochen wurden. Beim lesen wollte ich mich selbst zu den Frauen legen. Ich verspürte so stark die Sehnsucht nach dieser Gemeinschaft! Wir werden wirklich so auferzogen, keine andere Frau zu vertrauen. Vielleicht, weil wir sonst gemeinsam das System ändern würden? Ich fühlte den Schmerz, die Freude, die Überlastung und Einsamkeit so intensive in diesem Buch! Ich spüre die Wut und die Hoffnung. Und ja, du hast Recht Mareike. Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass das Gesundheitssystem zusammen bricht und es ändert sich rein gar nichts! Ich finde es passiert Grad sehr viel in den Frauen und um so wichtiger sind dann solche Bücher! Dieses Buch ist für Frauen und Männer und jeder kann davon lernen.
"Und alle so still" ist eine Fortsetzung zu "Die Wut, die bleibt", was mir erst während des Lesens klar wurde. Der Roman beschreibt, was geschehen könnte, wenn Menschen beginnen sich zu verweigern und keine Carearbeit mehr leisten. Eindrücklich und etwas überzogen wird dargestellt, wie sich der gewaltfreie Protest entwickelt und welche drastischen Folgen daraus entstehen. Es wird klar, dass es keine Lösung für eine funktionierende Gesellschaft sein kann, wenn Menschen aufhören sich zu kümmern. Man bekommt beim Lesen eine Idee vom Wert von Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Eine theatrale Inszenierung eines kollektiven Burnouts: Die Frauen liegen einfach da, alle, still auf dem Boden in der Öffentlichkeit und ... Sie tun einfach all das nicht mehr, was sie sonst tun. Ein sprachgewaltiges Gedankenspiel, bei dem allerdings wirklich alle Ehemänner sehr schlecht wegkommen und nur wenige junge Männer zur Solidarität und Erkenntnis in der Lage sind. Wie alles in Hass umschlägt und zum Erliegen kommt, ist hoffentlich ein Gedankenspiel... Was wäre, wenn wirklich?
Ein schmerzhaftes, trauriges Buch, aber nicht ganz ohne Optimismus, dass sich vielleicht doch (endlich) etwas ändern könnte. Ein stilles Aufbegehren der Erschöpften das darin besteht schlicht nicht mehr all das zu tun, was sie bisher getan haben - (schlecht) bezahlt oder unbezahlt. „Die Frauen heben den Kopf, eine nach der anderen oder alle zugleich. Sie heben den Kopf und öffnen den Mund, kein Laut kommt aus ihren Kehlen, kein Geräusch dringt in die Luft, so viele Frauen, die Gesichter zum Himmel gereckt, die Augen geschlossen, und alle so still.“
Beeindruckende Utopie
Es beginnt leise: Frauen machen nicht mehr ihre (Care) Arbeit. Sie legen sich auf den Boden und tun nichts mehr. Es werden immer mehr und dann geht gar nichts mehr. Der Nahverkehr bricht zusammen, die Krankenhäuser verwandeln sich in Katastrophengebiete, Alles verdreckt, die Betriebe schließen, die Kapitalmärkte kollabieren. Und die Männer rasten aus und werden gewalttätig. Werden die Frauen es schaffen, ein besseres System aufzubauen? Ich finde die Fragestellung des Romans sehr spannend und die unbezahlte Care Arbeit ist ein wichtiger Knackpunkt. Das Buch ist sehr spannend geschrieben, ich konnte es kaum weglegen. Ein gutes und wichtiges Buch, das mich allerdings wegen des Schwarzweiss-Denkens (fast alle Frauen gut, fast alle Männer schlecht) ein wenig anpiekst und das für mich die Frage, was passiert oder passieren soll, wenn die Macht bei den Frauen liegt - im Gegensatz z.B. zu "Die Gabe" - nicht beantwortet. Trotzdem - tolles Buch!!
Intensive, spürbare Wut, die mich sehr bewegt hat
„Und alle so still“ von Mareike Fallwickel ist eine unbequeme, aber wichtige Geschichte über den Widerstand gegen gesellschaftliche Zwänge. Die Erzählung wirkt wie ein Brennglas auf die alltäglichen Ungerechtigkeiten, denen Frauen ausgesetzt sind, mich zog sie in eine emotional aufgeladene Atmosphäre hinein. Im Mittelpunkt stehen Elin, Nuri und Ruth, die während eines Care-Streiks gegen die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit kämpfen. Besonders eindrucksvoll ist Fallwickels Entscheidung, nicht nur den Frauen, sondern z.B. auch einer Waffe und einer Gebärmutter eine Stimme zu geben –Das gibt dem Buch eine fast surrealistische Dimension und hebt die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Strukturen und individuellem Empfinden eindrucksvoll hervor. Was mich besonders bewegt hat, ist die spürbare Wut, die in der Geschichte mitschwingt. Diese Wut wird oft unterdrückt, aber hier bekommt sie Raum, explizit und greifbar. „Und alle so still“ ist ein intensiver, nachdenklicher Roman, der unbequeme Fragen stellt und dazu einlädt, über die eigene Rolle im System der Care-Arbeit nachzudenken. Trotzdem hat mich das Buch „Die Wut die bleibt“ noch mehr berührt und aufgerüttelt.
Wenn Stille so unendlich laut und wütend ist
Ich wüsste gerade nicht einmal ob ich eine Dystopie oder eine Utopie gelesen habe. Aber wie nennt man denn eine Mischung die beides in sich trägt. Denn so drängend wie dieses Buch zeigt, wie die Gesellschaft in sich zerbricht ohne die Carearbeit von Frauen. So eindringlich zeigt es auch, was eigentlich aus Solidarität unter Frauen, unter Schwestern für eine wunderbare Gemeinschaft zwischen diesen entstehen könnte. Es ist sicher kein leichtes Buch, es macht wütend, es macht traurig. Aber es wichtig und für mich richtig gut geschrieben.
Mareike Fallwickl entwirft in ihrem neuesten Roman ein Szenario, wie es aussehen konnte, wenn Frauen die Care-Arbeit niederlegen würden. Insbesondere wird die Situation im Gesundheitswesen und im Niedriglohnsektor unter die Lupe genommen und anhand vieler persönlichen Geschichten und gut gekennzeichneter Charaktere sehr bildlich dargestellt. Der Roman ist äußerst eindringlich und aufrüttelnd. Er lässt einen stellenweise erschaudern, weil die entworfenen Szenen z. T. verstörend sind, doch in der Solidarität der Frauen schwingt auch die Hoffnung auf eine bessere, selbstbestimmte Zukunft mit.
Eine packende Utopie-Erzählung
Eine Gesellschaftskritik, die sich spannend liest, durch verschiedene Handlungsstränge verknüpft, und dabei reale Abgründe unserer Gesellschaft aufmacht. Die Geschichten derer erzählt, die die Arbeit machen, die unser System am Laufen hält. Und das sind häufig Frauen. Diesen Einblick fand ich sehr wertvoll. Gleichzeitig erzählt das Buch eine fiktive Protestbewegung in der alle Frauen ihre Arbeit niederlegen und das System einstürzt und das Militär gegen Frauen vorgeht. Hier fingen für mich Stellen an, die ich stark zugespitzt und nicht mehr realistisch nachvollziehen konnte. Schnell wurde es hier relativ schwarz weiß. Männer sind der Feind (und würden vor allem von Abtreibung profitieren) und alle Frauen stehen am Ende hinter der Bewegung, verstehen sich blind und treffen organisch die richtigen alle Entscheidungen. Aber vielleicht fehlt mir auch nur die richtige Vorstellungskraft.
UND ALLE SO STILL Mareike Fallwickl ist eine Autorin, die ganz viel in mir auslöst. Bis heute sind "Die Wut die bleibt" oder auch "Dunkelgrün fast schwarz" Bücher die in meinem Kopf bleiben, die etwas ändern, die den Finger unangenehm in die Wunde legen. I N H A L T: An einem Sonntag im Juni gerät die Welt aus dem Takt: Frauen liegen auf der Straße. Reglos, in stillem Protest. Hier kreuzen sich die Wege von Elin, Nuri und Ruth. Elin, Anfang zwanzig, eine erfolgreiche Influencerin, der etwas zugestoßen ist, von dem sie nicht weiß, ob es Gewalt war. Nuri, neunzehn Jahre, der die Schule abgebrochen hat und versucht, sich als Fahrradkurier, Bettenschubser und Barkeeper über Wasser zu halten. Ruth, Mitte fünfzig, die als Pflegefachkraft im Krankenhaus arbeitet und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint. M E I N U N G: Ohne Care-Arbeit bricht das System zusammen. Was passiert, wenn die lauten Proteste der Frauen plötzlich ganz still werden. Wenn sie aufhören Teil des Systems zu sein? Wenn sie ihre Arbeit niederlegen, sich verweigern? Der Hauptteil Sorgearbeit obliegt immer noch den Frauen und Mareike Fallwickl macht in ihrem gesellschaftskritischen Roman genau darauf aufmerksam. Der Roman wird immer wieder durch kurze Kapitel von der "Gebärmutter" und der "Pistole" unterbrochen. Vor allem die ein oder andere Information haben in mir wirklich lange gearbeitet! Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Personen: Nuri - ein Einwandererkind im Niedriglohnsektor der so gerne den Aufstieg schaffen möchte, Ruth - die aufopferungsvoll und mit viel Hingabe privat und beruflich den Job der Krankenschwester ausübt (ohne Anerkennung), Elin - eine glatte, wunderschöne Influencerin, die sich innerlich komplett verloren und leer fühlt. Auf die ein oder andere Weise berühren sich ihre Leben miteinander, sie verschwimmen. Nach und nach hören die Frauen auf den Tisch abzuputen, das Essen zu kochen, die Kranken in den Betten zu schieben oder einzukaufen. Sie protestieren ganz still, ganz leise. Sie legen sich hin. Doch gerade dieser stille Protest rollt mit einer lauttönenden, wabbernden Intention auf mich ein. Ich kann da definitiv nicht weghören. Besonders den Arbeitsalltag von Ruth fand ich persönlich sehr beklemmend, umso mehr, wenn man das Nachwort liest. Für mich gehören Fallwickls Romane definitiv zu den must-reads! Intensiv, wortgewaltig und einfach so wahr. In meinem Kopf arbeitet es, Wut und Unverständnis mischen sich mit Ratlosigkeit und Tatendrang.

Hatte es lange auf meinem TBR aber mich nie stark genug gefühlt, mich damit auseinander zusetzen, weil ich wusste, dass es kein einfacher Read wird. Ich weiß nicht, wie Fallwickl es geschafft hat, trotz der ganzen belastenden Thematik, mich trotzdem noch mit einem Gefühl von Hoffnung zurück zu lassen. Alles in allem hat mich das Buch sehr stark bewegt und vieles wird auch lange in meinen Gedanken kreisen.
Mit " Und alle so still" hat Mareike Fallwickl einen gesellschaftskritischen, feministischen und zeitgenössischen Roman geschrieben, der unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Kernthema: Was passiert, wenn auf einmal alle Frauen einfach streiken - weder ihrer Care-Arbeit, noch ihrer regulären und zumeist schlecht bezahlter Arbeit nachkommen - und sich hinlegen – ganz leise, ohne großen Aufstand und ohne Gewalt? Genau dieser Frage ist die Autorin in ihrem aktuellen Roman nachgegangen. Dabei erzählt sie die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Elin (einer Influencerin, mit der ich einfach nicht warm geworden bin), Nuri (Sohn einer sri-lankischen Mutter und einem deutschen Vater, der in einer sehr prekären Lebenssituation steckt) und Ruth (einer bis ans Limit aufopferungsvollen Krankenschwester). Sehr authentisch weist die Autorin auf die wichtige Schwachstelle in unserem aktuellen System in der Pflege und dem restlichen sozialen Bereich hin: damit das System aufrechterhalten bleibt, wird gespart und auf den Rücken der vorrangig weiblichen Mitarbeitenden dennoch die Arbeitslast erhöht.
Wichtiges Thema aber für mich etwas überspitzt
Der neue Roman von Mareike Fallwickl mit einer sehr wichtigen Botschaft. Was wäre, wenn alle Frauen aufhören nur noch zu funktionieren? Wie gehen die Männer damit um? Wer kümmert sich um die Kinder und kranken Menschen? Genau darum geht es hier. Ein wichtiges Buch mit einer wichtigen Botschaft an alle! Wie gewohnt von der Autorin lässt sich das Buch gut lesen, einige sprachlich wunderschöne Passagen gibt es aber mir ist der Roman auch manchmal etwas zu direkt und für mein Empfinden etwas zu viel. Die Story war in Ordnung aber auch sehr fiktional. Wenn es diese Solidarität zwischen Frauen geben würde wäre das ganz wunderbar aber leider gibts da auch so diverse Charaktere, dass diese Verbundenheit für mich fast an ein Wunder grenzen würde. Wunderbar geschrieben ist ein Abschnitt über einen behinderten Sohn von einer Protagonistin. Das hat mich unheimlich berührt.
Mareike Fallwickl wagt in ihrem Roman „Und alle so still“ ein Gedankenexperiment. Was würde passieren, wenn Frauen nicht mehr das tun, was sie seit Jahrzehnten getan haben? Aus Sicht von Evi, einer Influencerin, Ruth, eine Pflegekraft Mitte Fünfzig und Nuri, einem neunzehnjährigen Schulabbrecher und Multijobber erzählt Fallwickl von einem Sommer in dem eine Revolte startet. Ich finde dieses Buch so wichtig. Es regt zum Nachdenken an und berührt durch die beschriebenen Einzelschicksale sehr. Eine absolute Leseempfehlung!
Was passiert, wenn die Frauen sich verweigern und alles niederlegen
Wow, Mareike Fallwickl schafft es wieder den Nerv der Zeit zu treffen aber mit einem messerscharfen Auge. Sie beschreibt in diesem Buch die Ereignisse, Gedanken und Gefühle dreier Personen, Nuri - Ruth - Elin - deren Geschichten sich durch leichte Fäden verbindet, als die Welt der Frauen still steht, diese sich einfach hinlegen vor Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen und nichts mehr machen. Es beschreibt die Geschichte von Zusammenhalt, von Entschlossenheit, von der Müdigkeit des Daseins als Frau und deren Auswirkung, wenn es sie nicht mehr gibt, keine Mutter, keine Arbeiterin, das System bricht zusammen - es wird mit rotem Pfeil darauf gezeigt, was wir leisten und wofür. Ein absolut wichtiger Roman, lesenswert und wirklich auch im Stil extrem gut geschrieben - zwischen den Kapiteln spricht dann einmal die Pistole, die Gebärmutter, die Berichterstattung- ein wunderbarer Stil. Lehrreich, wütend, hoffnungsvoll. Mega!

Dystopie oder Utopie? Für mich klar eine Utopie! Und eins der besten Bücher, die ich je gelesen hab.
Rezi folgt, wenn ich all das Gute & Verstörende, all das Wichtige & Beängstigende und all das Schöne aus diesem Buch etwas für mich sortiert habe und in Worte fassen kann ohne zig Seiten zu schreiben 😄😊

Elin, Ruth und Nuri sind drei unterschiedliche Menschen, die unter dem patriarchalen System leiden. Und auf einmal legen alle Frauen ihre Arbeit ab und verweigern diese. Was dann geschieht ist Chaos. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich möchte es allen ans Herz legen, die etwas in unserer Gesellschaft etwas verändern möchten.
Und manchmal ist man müde. Und möchte sich nur noch Verweigern. Ein stiller, friedlicher Protest - sich einfach auf den Boden zu legen. Denn was sonst, wenn alle Worte schon zu tausenden gesprochen wurden?!
Ich muss die Gedanken zu dem Buch immer noch sortieren. Es wirk nach…. Bis zur Hälfte habe ich gebraucht um es wirklich zu verstehen und reinzukommen. Auch durch Abschnitte wie „Die Gebärmutter“, „Berichterstattung“, „Die Pistole“. Am Ende fügte sich alles und wurde ein klares Bild. Alles ergibt einen Sinn. Toll geschrieben und miteinander „verwoben“. Auch das ich eine Frau bin. Und das ich mit anderen Frauen zusammenhalten möchte und nicht gegeneinander agieren will. Auch, dass ich mir meiner Rolle im Care- Bereich nur all zu bewusst bin. Aber dank des Buchs, nicht mehr so sicher meiner Rolle im patriarchalischen System bin. Denn das ist das, was M. Falwickl mit dem Buch erreichen möchte: Zeigen WIE es sein könnte. 🫶🏻👍🏻 Sein könnte, wenn wir aufhören zu funktionieren. Aufhören das System am Leben zu halten wie wir es als Frauen seit Jahrhunderten tun. Aufhören gegeneinander zu arbeiten. Den Machthabenden zeigen, WIR SIND MEHR. Ohne uns Frauen - gäbe es nichts und niemanden auf dieser Welt. 🙏🏻
Setzt Energie frei
Meine Begeisterung für die Romane von Mareike Fallwickl ist Liebe auf den zweiten Blick. Am Anfang hatte ich durchaus meine Schwierigkeiten mit ihren feministischen Forderungen doch ich muss sagen, ich bin jetzt voll und ganz überzeugt, dass ihr Weg auch mein Weg ist. Im Grunde genommen wollen wir das gleiche, wir kommunizieren es eventuell nur unterschiedlich. Vorweg schreibe ich direkt einmal, dass das Buch packend und anspruchsvoll geschrieben ist. Dann haben wir das abgehakt, denn im Kern geht es für mich hier um ein sehr persönliches Thema und den möchte ich mich intensiver widmen. Mit diesem Roman, der die Care Arbeit in Bezug zur Rolle der Frau in der Gesellschaft stellt, hat Fallwickl für mich voll ins Schwarze getroffen. Von 3 Personen wird aus unterschiedlichen Perspektiven eine kleine Revolution mit ungewissem Ausgang erzählt. Elin ist eine erfolgreiche Influenzerin, die aber trotz ihres Ruhms eine innere Lehre verspürt, die sie mit flüchtigen sexuellen Abenteuern zu füllen versucht. Dass das nicht glückt ist vorprogrammiert. Erst als viele Frauen in einen Liegend-Streik treten, Care Arbeit plötzlich nicht mehr erledigt wird und das System, das von Frauen getragen wird, kippt, solidarisiert sie sich mit diesen und fühlt sich gesehen und gebraucht. Ruth arbeitet als Krankenpflegerin und wird zunehmend allein gelassen. Die Erwartungen steigen ins Unermessliche, der Lohn ist unangemessen und die Arroganz des Wirtschaftssystems „Krankenhaus“ grenzenlos. Durch den Streik der Frauen werden ihr immer mehr Aufgaben übertragen. Zunehmend muss sie Männer verarzten, die sich mit den ungewohnten Aufgaben so wenig auskennen, dass sie Blessuren davon tragen. In Ruths Kopf vermischen sich die Erinnerungen an sie als pflegende Mutter eines todkranken Sohnes, und ihre Gedanken zu ihrer Rolle als unersetzliche doch ungesehene Pflegekraft, die aus der Motivation heraus helfen zu müssen, mehrfach ihre physischen und psychischen Grenzen überschreitet. Nuri hält sich mit mehreren Jobs über Wasser. Er hat eine Vorstellung davon, wie es ist sorglos zu leben, getan hat er es noch nie! Er hadert mit seinem Vater, seiner Rolle als Mann, seiner Sexualität und seinem prekären Leben. Für mich eine der Schlüsselrollen in diesem Buch, wenn man das vermutlich auch nur auf den zweiten Blick sieht. Er fällt aus vielen Klischees heraus, er ist kein Macher, mit Frauen hatte er auch noch nie etwas, er sieht die Nöte anderer weiblicher Personen in seinem Umfeld und fühlt mit ihnen. Dafür erntet er bei anderen Geschlechtsgenossen negative Reaktionen. Die drei Komponenten, die zu einem Vorwärtskommen feministischer Strömungen wichtig sind, hat die Autorin hier gut miteinander verbunden. Das Helfersyndrom, die (mangelnde) Solidarität von Frauen, sowie Männer, die bereit sind weibliche Attribute als positive Eigenschaften anzuerkennen. Dass unser System kollabiert, wenn die gering (oder gar nicht) bezahlte und vor allen Dingen auch nicht wertgeschätzt Arbeit von Frauen im wahrsten Sinne des Wortes liegen bleibt, wird hier gut herausgearbeitet. Wie sehr habe ich mir beim Lesen gewünscht, dass wir diesem Ruf einmal folgen. Und doch stoße ich gerade in meinem Beruf immer wieder auf Kolleginnen, Vorgesetzte oder Eltern, die genau das von mir einfordern, was ich nicht mehr einfach so hergeben sollte: Wärme, Fürsorge und vor allen Dingen Verständnis für deren Situation. Denke ich logisch, klar und rational so werde ich abwertend als kühl und unnahbar gelabelt. Daraus leitet sich dann für die meisten die Selbstverständlichkeit ab über meine Dienstzeit und vor allem über meine Kräfte hinaus für Sie da sein zu müssen. Ich habe ja schließlich einen sozialen Beruf gelernt. Wenn Eltern zu spät abholen, ist es an der Tagesordnung, dass sie die Augen verdrehen, wenn ich sie darauf hinweise. Es sind ja nur 5 Minuten bekomme ich dann zu hören. Niemanden interessiert, dass ich dann meinen Bus verpasse, meine Kinder nicht abholen kann oder meinen Arzttermin absagen muss. Ich kenne Unmengen an Pädagogen die Arbeit mit nach Hause nehmen, Dokumentationen dort schreiben, weil sie es dann in Ruhe tun können und die das in keinster Weise vergütet bekommen. Irgendeiner muss es ja tun… Ich habe mich in der Vergangenheit sehr häufig unbeliebt gemacht, indem ich Grenzen gezogen habe und meiner leitenden Tätigkeit in einem Care Beruf nicht mehr nachgekommen bin, wenn die Ressourcen es nicht hergeben. Dann ist die Kindertagesstätte eben zu- wenn nicht genug Leute da sind. Das ist bitter für die Eltern. Doch wenn wir in diesem Beruf nicht zu diesen Maßnahmen greifen, dann merkt niemand, wie prekär die Situation ist. Dass wir zunehmend verbaler und auch körperlicher Gewalt ausgesetzt sind, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. In der Pflege ist das allerdings noch mal eine ganz andere Nummer, denn da sterben mitunter Menschen. Und und aus diesem Dilemma kommt man nicht mit Verweigerung und schon gar nicht mit klatschen raus. Mir macht es Bauchschmerzen, dass eine Lösung unerreichbar scheint. Ein Buch, das mir wenig Hoffnung macht, aber Energien freisetzt. Große Leseempfehlung für alle!
Ein bewegender Roman über Schwesternschaft und weibliche Verbindungen
Wenn ein Buch Emotionen in mir auslöst und mich zum Nachdenken anregt, mich noch tagelang beschäftigt, dann ist es für mich ein gutes Buch! Mareike Fallwickl hat es wieder geschafft, mir die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft auf eine Art und Weise vor die Augen zu führen, die mich wütend machen und mich gleichzeitig auch an der ein oder anderen Stelle ertappt fühlen lassen haben. Das Buch ist schon fast eine kleine Dystopie: Was passiert mit dem System, mit der Gesellschaft, wenn Frauen aufhören, die Arbeiten zu erledigen, für die sie nicht bezahlt und/ oder gewertschätzt werden? Wie lange kann das System dann überhaupt noch funktionieren? Und wie gehen die Männer damit um? Unfassbar spannend meiner Meinung nach und leider auch sehr realitätsnah! Es ist erschreckend und hält unserer Gesellschaft mal wieder perfekt den Spiegel vor. Große Empfehlung!

Es geht um Frauen, Machtmissbrauch und das lange Schweigen darüber. Auf jeden Fall ein wichtiges Thema, aber leider bin ich mit dem Schreibstil nicht warm geworden und fand vieles ziemlich anstrengend zu lesen. Der starke feministische Fokus war mir persönlich zu viel. "Aber wenn du so viele Jahre nichts gesagt hast, fängst du nicht auf einmal damit an."
„So sieht es aus, wenn das System zusammenbricht.“
Dieses Buch ist Utopie/Dystopie und Realität in Einem, es sollte der Traum und das Ziel zugleich sein. Was Mareike Fallwickl hier geschaffen hat ist ein Kunstwerk - wie sie die drei ProtagonistInnen in all ihren diversen und intersektionalen Facetten zeichnet, wie sie eine Situation erschafft, die aufwühlender, aktueller und akkurater nicht sein könnte und wie sie zusätzlich drei abstrakte Konzepte personifiziert ist unglaublich. Der Roman mit seinem bildhaften und tiefsinnigen Sprachstil hat es geschafft, meine Gefühle und Gedanken, die ich spüre, aber selbst nicht greifen kann, in Worte zu fassen und mich während des gesamten Lesens sehr emotional und nachdenklich werden zu lassen. Ich wünschte ich könnte dem Buch 10 Sterne geben und es nochmal zum erstmal Mal lesen.
Wer es noch nicht gelesen hat, sollte es tun!
Die Auswahl der Protagonisten ist perfekt gewählt, das Thema könnte nicht aktueller sein! Dieses Buch ist laut, jedoch nicht aufdringlich. Es ist radikal, jedoch nicht überspitzt. Es ist fiktiv, jedoch nicht abwägig. <<Das Patriarchat kann sich darauf verlassen, wann immer irgendwo ein Kind oder eine alte Person umfällt, kommt eine Frau und hebt es auf>> Ein klares Jahreshighlight.
Dieses Buch macht definitiv nicht still
Wow! Dieses Buch hat mich gepackt, wach gerüttelt und mich schreien lassen. Ich will nicht mehr still sitzen ich will nicht mehr lächeln und nicken. Ich sage nein, ich schreie nein und genug! Das Buch hilft so unglaublich endlich umzudenken. Es hat mir wirklich geholfen aktiver zu werden Es tat mir so weh den Charakteren zu folgen und sie zu begleiten. Wie unfair ist diese Welt. Es macht mich traurig Danke für dieses Buch
"Wenn die Welt kippt, auf welcher Seite willst Du dann stehen?" Die Frauen beginnen, zu revoltieren. Sie legen ihre Arbeit nieder, und ihre Körper. Weigern sich, aufzustehen, zu funktionieren. Wie soll es weitergehen? Die Geschichte wird anhand von 3 Charakteren erzählt, der Influencerin Elin, dem Schulabbrecher Nuri und der Krankenschwester Ruth. Drei völlig verschiedene Leben, drei völlig verschiedene Meinungen. Durch die Drei kommt Vielfalt ins Buch, man bekommt viele verschiedene Sichtweise dargestellt. Das Szenario, was die Autorin aufstellt ist sicherlich extrem und bewusst provozierend gewählt. Aber man kommt als Leser ans Denken und das ist sicherlich der wichtigste Grund, dieses Buch zu lesen. Wahrscheinlich ist nicht alles realistisch, wobei ich denke, dass viele Lebenswahrheiten schon der Realität entsprechen. Ich finde es gut und passend, dass es mit Nuri auch eine männliche Hauptperson gibt wobei auch er natürlich in einer Situation ist, die nicht alltäglich ist. Ich hätte da noch gerne mehr männliche Meinungen im Buch gelesen. Spannend sind auch zwei "Nebencharaktere", die zu Wort kommen, die eigene Kapitel haben, eine Pistole und eine Gebärmutter. Ein wirklich interessantes Stilmittel, das den Spannungsbogen aufrecht erhält. Insgesamt lässt sich das Buch super rutschig lesen, ich fand es durchweg spannend und das Ende habe ich so nicht kommen sehen. Lange nicht alle Fragen werden am Ende beantwortet, aber dafür sind diese Fragen auch zu gesellschaftskritisch um einfach gelöst zu werden. Ein Buch über Equal Care, über Gleichberechtigung, über Schwachstellen in der Pflege. Ein hochaktuelles Buch. Vielleicht etwas überzogen dargestellt aber dadurch umso schmerzhafter.
"Erinnerst du dich an den Spruch, wir sind die Nachfahrinnen der Hexen, die sie nicht verbrennen konnten?", fragt Elin. "Die Energie ist noch da, sie war nie fort, nur verschüttet." (S. 205) Achtung, das hier wird sehr emotional. "Lisa, du schreibst doch so schön über Bücher? Willst du nicht mal ein eigenes schreiben?" Das ist ein Satz, den habe ich tatsächlich schon einmal gehört. In vielen Variationen. Fühle dabei immer Wärme. Dass Menschen einen so etwas zutrauen. So etwas Großes, so etwas Allumfassendes. Buchstaben, Wörter, Sätze, Seiten- die so viel ausdrücken, so viel bewegen, so viel Emotionen lösen, so viel bewirken, nachwirken, die Nachdenken herbeizaubern, auch, wenn man die Wörter gerade nicht liest, die die Lesende oder Lesenden sich selbst überdenken und immer wieder in Frage stellen lassen. Gott, Und alle so still" ist all das und so viel mehr. Es ist ein Buch, das einen danken lässt einer höheren Macht oder was auch immer, dass Frauen Bücher schreiben. Solche Bücher schreiben. Dass es Geschichten geben kann, die schwer im Herzen liegen, die Unbehagen auslösen, auslösen wollen, die alles komplett auf den Kopf stellen und dass das manchmal schon reicht auszulösen, wenn man sich nur hinlegt und kapituliert, aber die auch aufzeigen, was passieren kann, die dich an die Hand nehmen und sagen: "Ich mach nichts, außer dir die Realität zu zeigen!" und die eine so allumfassende Liebe und Geborgenheit beschreiben, dass diese Liebe fast schon ein bisschen weh tut, die dir die Tränen in die Augen treibt beim Lesen, weil sie dir zeigt, was passieren kann, wenn Frauen aufhören mit allem, was sie müssen aber vor allem auch, wenn sie aufhören gegeneinander und stattdessen füreinander da zu sein. "Und alle so still" hat mich beschäftigt während des Lesens, aber auch in allen anderen Momenten und wird mich noch lange beschäftigen. Habe mich permanent hinterfragt, während Mareike Fallwickls großartigem Buch, wollte dieses Gefühl, dieses wunderbare Gefühl, wenn Frauen im Kollektiv aufeinander treffen, wenn sie sich umeinander kümmern und füreinander da sind in mein eigenes Leben holen und sei es nur, wenn ich in meinem Alltag Frauen bewusster wahr nehme, sie vielleicht manchmal nur anlächle oder ihnen die Komplimente mache, die ich mir zu oft in der Vergangenheit nur gedacht habe. Mareike Fallwickl schreibt so unglaublich schön, so unglaublich intensiv und von innen wärmend über diesen Zusammenhalt, das die vielen kleinen Markierungsklebedinger, die ich mir neu gekauft habe in der ersten Farbe schon in der Mitte des Buches komplett leer waren. Aber innendrin in mir, da war es nicht leer, da waren diese unfassbar vielen, manchmal schweren aber wunderschönen Sätze, die ich alle an die Wände schreiben wollte, um sie mir noch einmal anzusehen in schlechten Zeiten, aber vor allen in den guten, wenn ich die vielen wunderschönen Stücke, die ich mir aus "Und alle so still" herausgenommen habe in meinen Alltag platziere oder sogar dort wiederfinde. "Und alle so still", das ist eine Geschichte darüber, was passiert, wenn Frauen kapitulieren, wenn sie in einer Welt, die vom Patriarchat bestimmt ist, in der sie von Männern fremdbestimmt, misshandelt und umgebracht und von der Gesellschaft und Politik in Stich gelassen werden, sich hinlegen und still werden. Keine Worte mehr haben. Keinen Widerstand mehr leisten. Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie sehr die Welt Frauen braucht, weil sie ohne sie nicht funktioniert. Weil sie dann zusammenbricht. Es ist eine Geschichte über eine alles zugrunde liegende Empathie, die nicht nur in mir den Wunsch weckt allen dieses Buch zum Lesen zu geben. Weil es so viel in so kurzer Zeit auf den Tisch legt. Weil es einen selbst verändert, in welcher Form, das muss jede/r für sich selbst herausfinden. Ich wusste sooft in "Und alle so still" nicht, wohin mit meinen ganzen Gefühlen, weil so viele waren und sind. Aber, wenn ich so viel wie möglich von diesem Buch in mir selbst verstauen kann, dann ist es gut. Dann hat es nicht nur während der Lektüre etwas mit mir gemacht. Und wenn ich das nächste Mal meine Umgebung bewusster wahr nehme, dann schenke ich vielleicht dem nächsten nahe liegenden Menschen einfach dieses Buch. Und auch wenn ich selbst so etwas Großartiges wie "Und alle so still" nicht schreiben sollte, dann ist es doch mein innigstes Bedürfnis, mein Wunsch, meine Freude und alles, was ich an Liebe für solche großartigen Geschichten in mir habe, über diese Bücher zu schreiben und möglichst vielen zu sagen. Lest es. Lest alle "Und alle so still". "Früher habe ich die Feindschaft zwischen Frauen als gegeben angenommen", sagt Elin (...), "dass sie Zicken sind und Intrigen spinnen. Jetzt ist die Basis für alles, was ich denke und tue, dass das Grundgefühl zwischen Frauen Liebe ist. Wenn du danach agierst, ändert sich alles. (S. 325)

Eine feministische Utopie mit Anspruch auf (eine teilweise) Umsetzung Der Anfang des neuen Romans von Mareike Fallwickl war mir persönlich ganz schön drüber und ich hatte schon Befürchtungen, dass wenn es so weiter geht mit dieser einen von drei Hauptpersonen, ich dieses Buch nicht so mögen werde. Doch es war nur das erste Kapitel mit einem krassen Einstieg, um die erste Hauptfigur zu zeigen und zu definieren, um ihr dann einen Werdegang angedeihen zu lassen, der zur gesamten Geschichte passt. Doch ich steige zu sehr ins Detail ein, daher von vorn. Stell dir vor, dass nach und nach viele Frauen anfangen zu streiken und kommentarlos ihre Arbeiten niederlegen. Sei es im Job, zu Hause, generell. Einfach nichts mehr machen für die patriarchale Gesellschaft, sondern nur für sich und für die anderen Frauen da sein. Nicht mehr und nicht weniger. Was würde dann passieren? Genau diese Utopie spielt Mareike Fallwickl in ihrem neuesten Buch auf konsequente Weise durch und das mit Folgen für die komplette Gesellschaft, egal ob männlich oder weiblich. Doch diese Konsequenzen werden nur am Rande erwähnt, denn die Geschichte selbst wird aus den Augen von drei Hauptfiguren erzählt. Da wäre zum einen die eingangs schon angedeutete Elin, die zusammen mit ihrer Mutter in dem von der Mutter geführten Wellnesshotel lebt und nicht weiß wohin mit sich. Sie lässt sich treiben, führt einen erfolgreichen Insta-Kanal und steigt wahllos mit Männern ins Bett, was im ersten Kapitel Recht körperlich beschrieben wird. Auf der anderen Seite steht die Pflegerin Ruth, schon etwas älter, verwitwet und zerrieben in ihrem Beruf. Als dritte Hauptperson lernen wir den jungen Mann Nuri kennen, der von einem Nebenjob zum anderen hechelt, um sich mit diesem verdienten Geld ein neues Leben aufzubauen, fern von seinem Vater, der sich nicht um ihn kümmert und seiner Mutter, die dieses nicht gewollte Leben einfach so über sich ergehen lässt. Die neue geschaffene Situation mit den arbeitsniederlegenden Frauen bringt diese drei Figuren zueinander und verändern ihre Schicksale für immer. Ich erwähnte schon eingangs, dass mir das erste Kapitel zu explizit köperlich war und ich schon Angst hatte, dass es in den Kapiteln rund um Elin so weiter ginge, was sich aber nicht bewahrheitet hat. In abwechselnden Sichtweisen erzählt die Autorin wie die drei Figuren mit der neu geschaffenen Situation umgehen, die mal mehr im Hintergrund wandert und an bestimmten Stellen hell beleuchtet wird. Vor allem die großen gesellschaftlichen Umwälzungen, die diese Arbeitsniederlegung mit sich bringen, werden nur umrissen anhand von kurzen Nachrichten, die beiläufig mit eingestreut werden. Das regt beim Lesen immer wieder zum Nachdenken an, denn die Grundidee dieser Utopie, die da beschrieben wird, ist eine Angehenswerte, wenn auch nicht in dieser radikalen Form. Wir leben immer noch in einer sehr patriarchale geprägten Gesellschaft, bei der von Frauen bestimmte Dinge erwartet werden und wenn diese nicht Erwartungen nicht erfüllt werden, dreht das männliche Ego durch und es schlägt in Gewalt um. Doch sollte es nicht vielmehr ein Miteinander statt ein Gegeneinander und Unterdrücken sein? Elin, Ruth und Nuri müssen jedenfalls mir dieser Konstellation versuchen umzugehen und das tun sie alle auf ihre Weise und verändern so ihre Leben radikal und konsequent. Das Buch selber schmerzt sehr, besonders aus meiner männlichen Sicht, aber die Autorin hat mit ihren Punkten, die sie in der Geschichte einbingt, einfach nur die Wahrheit angesprochen, wenn auch auf eine radikale Weise, die es in Wirklichkeit natürlich nicht geben wird. Doch es lohnt sich schon allein, sich auf dieses Experiment einzulassen und man geht mit veränderten Gedanken und Gefühlen aus diesem Buch und nimmt definitv was mit davon in die reale Welt.
Wichtiges Buch!
„Das ganze System beruht auf unserer Verfügbarkeit. Unserer Körper, unserer Kraft, unserer Zeit. Diese Verfügbarkeit zu entziehen, ist die einzige Möglichkeit, die uns noch bleibt.“ - starkes Gedankenexperiment, ein stiller Protest von Frauen! Es fiel mir anfangs schwer, mich in der Geschichte einzufinden. Die drei völlig unterschiedlichen Perspektiven konnte ich zunächst gedanklich gar nicht verknüpfen, aber im Laufe des Buches zeigt sich, inwiefern ihre Geschichten sich überschneiden und zusammenhängen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten war ich absolut begeistert von den authentischen Erzählungen. Vor allem die Perspektive von Ruth hat mich sehr eingenommen. Erschreckend aus der Sicht einer Pflegekraft zu lesen, wie wenig diese wichtige Arbeit wertgeschätzt wird. Besonders sympathisch fand ich auch Nuri, der einzige Mann aus dessen Perspektive wir lesen. Dass es einen Mann gibt, der sich diesem stillen Protest anschließt, ist ein starkes Zeichen! Das hat mir gut gefallen. Interessant waren auch die kurzen Zwischenkapitel aus der Sicht der Berichterstattung, einer Gebärmutter oder einer Pistole. Ein Buch, das ganz klar die Augen öffnet, dass in der Gesellschaft wichtige Care-Arbeit viel zu oft als absolute Selbstverständlichkeit angesehen wird, zu Unrecht. - „[Es geht] nicht um die Arbeit an sich, nicht um das Füreinandersorgen und Umeinanderkümmern, sondern um die Unsichtbarkeit dieser Arbeit. Die wertgeschätzt werden sollte, weil sie lebenswichtig ist.“
Ich bin so begeistert!
Der Roman „Und alle so still“ von Mareike Fallwickl ist der aktuellste Roman der Autorin aus dem Jahr 2024. In zwei Sätzen zusammengefasst: Ein Großteil der sich weiblich identifizierenden Personen legt die Care-Arbeit nieder. Die Gesellschaft bricht dadurch zusammen und es entsteht eine große Notlage. Neben der Kritik an der Verteilung und Wertschätzung der Care-Arbeit setzt sich Fallwickl außerdem mit Themen wie sexueller Identität, Coming-Out, peer-pressure, Bodyismus, der Definition des Begriffs Familie und dem Pflegenotstand auseinander. Mich hat dieses Buch von vorne bis hinten total begeistert. Sowohl die verschiedenen Perspektiven, wie auch deren Verstrickung waren gut aufgebaut. Ich habe mit viel Spannung den spontanen Aufbau der Strukturen der großen Menge an Frauen verfolgt. Auch die Szenen und die Auseinandersetzung mit dem Pflegenotstand haben mich extrem nachdenklich gestimmt. Alles in allem hat mich der Roman auch im Nachhinein noch viel beschäftigt.























































