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Einblicke in den Beginn der Aufklärung und die ersten Schritte der modernen Rechtsmedizin
Tore Renberg hat ein sehr gut recherchiertes Buch geschrieben über Anna Voigt, eine des Kindsmordes bezichtigte junge Frau, und ihren Anwalt Christian Thomasius, ein Freigeist und Provokateur der katholischen Kirche. Die an wahren Begebenheiten und realen Personen orientierte Geschichte spielt zum Ende des 17. Jahrhunderts in Leipzig. Anna wird im Jahr des Herrn 1681 angeklagt, ihre Schwangerschaft verheimlicht und das Kind nach der Geburt gemeinsam mit ihrer Mutter getötet zu haben. Sie bestreitet die Tat vehement und beteuert, das Kind still geboren zu haben. Mit der Begutachtung der Kinderleiche wird der Mediziner Johannes Schreyer beauftragt, der an dem Toten Kind die Lungenschwimmprobe durchführte. Ein Test, der belegt, ob ein Kind jemals geatmet hat. Denn dann haben sich die Lungenflügel mit Luft gefüllt und sie sinkt im Wasser nicht zu Boden. Mit dieser Methode konnte Johann Schreyer beweisen, dass Anna Voigt die Wahrheit gesagt hat. Dennoch nutzte es ihr nichts, denn die Methode war umstritten und fand wenig Beachtung. Die Verteidigung von Anna Voigt übernahm Christian Thomasius, späterer Mitgründer der Universität von Halle. Er hat sich früh mit der Obrigkeit und der Kirche angelegt und vertrat mit seinen Ansichten einen modernen Zeitgeist. Für die Verteidigung von Anna hat er auch unkonventionelle Wege beschritten. Das Buch gibt einen guten Einblick in die Zeit zu Begiin der Aufklärung. An manchen Stellen ist es auch sehr grausam und es kommt zu expliziten Schilderungen von Verletzungen und Gewalt. Das hätte ich in der Detailliertheit nicht gebraucht. Am Ende des Buches werden die realen Personen nochmal näher beschrieben, um einen Überblick zu geben was der Phantasie des Autors entspringt und welche Handlungen tatsächlich stattgefunden haben. Auch in der Geschichte ordnet der Autor das Geschriebene ein und erläutert, welche Ereignisse belegt sind. Das hat mir gut gefallen, kann mir aber vorstellen, dass das den Lesefluss auch stört. Wer ein Interesse an Geschichte und die gesellschaftlichen Zustände zum Ende des 17. Jahrhunderts hat, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Wer hingegen medizinische Abhandlungen zur Lungenschwimmprobe erwartet, könnte enttäuscht werden. Sie nimmt im Buch eine eher untergeordnete Rolle ein.
16. Sept. 2025
Einblicke in den Beginn der Aufklärung und die ersten Schritte der modernen Rechtsmedizin
Tore Renberg hat ein sehr gut recherchiertes Buch geschrieben über Anna Voigt, eine des Kindsmordes bezichtigte junge Frau, und ihren Anwalt Christian Thomasius, ein Freigeist und Provokateur der katholischen Kirche. Die an wahren Begebenheiten und realen Personen orientierte Geschichte spielt zum Ende des 17. Jahrhunderts in Leipzig. Anna wird im Jahr des Herrn 1681 angeklagt, ihre Schwangerschaft verheimlicht und das Kind nach der Geburt gemeinsam mit ihrer Mutter getötet zu haben. Sie bestreitet die Tat vehement und beteuert, das Kind still geboren zu haben. Mit der Begutachtung der Kinderleiche wird der Mediziner Johannes Schreyer beauftragt, der an dem Toten Kind die Lungenschwimmprobe durchführte. Ein Test, der belegt, ob ein Kind jemals geatmet hat. Denn dann haben sich die Lungenflügel mit Luft gefüllt und sie sinkt im Wasser nicht zu Boden. Mit dieser Methode konnte Johann Schreyer beweisen, dass Anna Voigt die Wahrheit gesagt hat. Dennoch nutzte es ihr nichts, denn die Methode war umstritten und fand wenig Beachtung. Die Verteidigung von Anna Voigt übernahm Christian Thomasius, späterer Mitgründer der Universität von Halle. Er hat sich früh mit der Obrigkeit und der Kirche angelegt und vertrat mit seinen Ansichten einen modernen Zeitgeist. Für die Verteidigung von Anna hat er auch unkonventionelle Wege beschritten. Das Buch gibt einen guten Einblick in die Zeit zu Begiin der Aufklärung. An manchen Stellen ist es auch sehr grausam und es kommt zu expliziten Schilderungen von Verletzungen und Gewalt. Das hätte ich in der Detailliertheit nicht gebraucht. Am Ende des Buches werden die realen Personen nochmal näher beschrieben, um einen Überblick zu geben was der Phantasie des Autors entspringt und welche Handlungen tatsächlich stattgefunden haben. Auch in der Geschichte ordnet der Autor das Geschriebene ein und erläutert, welche Ereignisse belegt sind. Das hat mir gut gefallen, kann mir aber vorstellen, dass das den Lesefluss auch stört. Wer ein Interesse an Geschichte und die gesellschaftlichen Zustände zum Ende des 17. Jahrhunderts hat, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Wer hingegen medizinische Abhandlungen zur Lungenschwimmprobe erwartet, könnte enttäuscht werden. Sie nimmt im Buch eine eher untergeordnete Rolle ein.
16. Sept. 2025








