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Die Lungenschwimmprobe

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Über das Buch

Ein packender historischer Roman, der im barocken Leipzig spielt - »Vielschichtige Geschichtsstunde und ein toller Schmöker!« (Peter Twiehaus, ZDF - Morgenmagazin)

Leipzig/Sachsen, im Jahre 1681: Die junge Anna Voigt sieht sich mit einem schlimmen Vorwurf konfrontiert, sie soll ihr neugeborenes Baby getötet haben. Die Obrigkeit will sie verurteilt sehen, es droht ihr der Tod – wie vielen Mädchen und Frauen in jenen Tagen, die eines ähnlichen Verbrechens bezichtigt werden. Aber dieser Fall ist anders: Sie hat nicht nur einen liebenden Vater, der sich für sie einsetzt und einen jungen Rechtsgelehrten mit ihrer Verteidigung beauftrag, einen Mann namens Christian Thomasius. Sondern es findet sich auch ein Arzt, der etwas spektakulär Neues wagt und ein wissenschaftliches Verfahren anwendet, das in die Medizingeschichte als "Lungenschwimmprobe" eingehen wird. Durch dieses soll nachgewiesen werden, dass es tatsächlich eine Totgeburt war, wie Anna hartnäckig versichert, und kein Mord. Kann sie gerettet werden?

Die Lungenschwimmprobe ist ein packender historischer Roman über das Zusammenprallen zweier Welten: die Ausläufer des Mittelalters treffen auf die ersten Ansätze der frühen Aufklärung, dies alles vor dem dramatischen Hintergrund einer barocken Lebenswelt – ein Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, die der Autor akribisch recherchiert hat; die Lungenschwimmprobe selbst gilt als Beginn der modernen Rechtsmedizin.

Editionen (3)

ISBN9783641323790
VerlagLuchterhand
Erscheinungsdatum23.10.24
Seitenzahl704

Rezensionen & Bewertungen

139 Bewertungen

48 Rezensionen

3,9

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  • bea777
    bea777

    482 Follower

    4,0

    Einblicke in den Beginn der Aufklärung und die ersten Schritte der modernen Rechtsmedizin

    Tore Renberg hat ein sehr gut recherchiertes Buch geschrieben über Anna Voigt, eine des Kindsmordes bezichtigte junge Frau, und ihren Anwalt Christian Thomasius, ein Freigeist und Provokateur der katholischen Kirche. Die an wahren Begebenheiten und realen Personen orientierte Geschichte spielt zum Ende des 17. Jahrhunderts in Leipzig. Anna wird im Jahr des Herrn 1681 angeklagt, ihre Schwangerschaft verheimlicht und das Kind nach der Geburt gemeinsam mit ihrer Mutter getötet zu haben. Sie bestreitet die Tat vehement und beteuert, das Kind still geboren zu haben. Mit der Begutachtung der Kinderleiche wird der Mediziner Johannes Schreyer beauftragt, der an dem Toten Kind die Lungenschwimmprobe durchführte. Ein Test, der belegt, ob ein Kind jemals geatmet hat. Denn dann haben sich die Lungenflügel mit Luft gefüllt und sie sinkt im Wasser nicht zu Boden. Mit dieser Methode konnte Johann Schreyer beweisen, dass Anna Voigt die Wahrheit gesagt hat. Dennoch nutzte es ihr nichts, denn die Methode war umstritten und fand wenig Beachtung. Die Verteidigung von Anna Voigt übernahm Christian Thomasius, späterer Mitgründer der Universität von Halle. Er hat sich früh mit der Obrigkeit und der Kirche angelegt und vertrat mit seinen Ansichten einen modernen Zeitgeist. Für die Verteidigung von Anna hat er auch unkonventionelle Wege beschritten. Das Buch gibt einen guten Einblick in die Zeit zu Begiin der Aufklärung. An manchen Stellen ist es auch sehr grausam und es kommt zu expliziten Schilderungen von Verletzungen und Gewalt. Das hätte ich in der Detailliertheit nicht gebraucht. Am Ende des Buches werden die realen Personen nochmal näher beschrieben, um einen Überblick zu geben was der Phantasie des Autors entspringt und welche Handlungen tatsächlich stattgefunden haben. Auch in der Geschichte ordnet der Autor das Geschriebene ein und erläutert, welche Ereignisse belegt sind. Das hat mir gut gefallen, kann mir aber vorstellen, dass das den Lesefluss auch stört. Wer ein Interesse an Geschichte und die gesellschaftlichen Zustände zum Ende des 17. Jahrhunderts hat, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Wer hingegen medizinische Abhandlungen zur Lungenschwimmprobe erwartet, könnte enttäuscht werden. Sie nimmt im Buch eine eher untergeordnete Rolle ein.

    16. Sept. 2025

  • amygdalalimbus66
    amygdalalimbus66

    907 Follower

    4,0

    "Und war es hier zu Ende? Nein. Es ging weiter. Denn so ist es nun einmal mit den Inbrünstigen."

    Die Wahrheit hat in diesem Roman kein Zuhause, nur Zeugen. Es gibt historische Romane, die uns in eine andere Zeit entführen. Und es gibt historische Romane, die uns zeigen, dass die andere Zeit vielleicht gar nicht so weit entfernt ist. Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Basierend auf einem realen Gerichtsfall aus dem Sachsen des Jahres 1681 erzählt Renberg die Geschichte der jungen Anna Voigt, die beschuldigt wird, ihr Neugeborenes getötet zu haben, ein Fall, der nicht nur über Schuld oder Unschuld entscheidet, sondern über die Frage, ob Wahrheit überhaupt beweisbar ist. Was mich an diesem Roman am meisten beeindruckt hat, war nicht die historische Genauigkeit, die zweifellos enorm ist, und auch nicht die Entstehung der sogenannten Lungenschwimmprobe, die später als Meilenstein der Rechtsmedizin gelten sollte. Es war vielmehr die Art, wie Renberg die Menschen hinter den Akten sichtbar macht. Denn dieses Buch liest sich nicht wie eine Rekonstruktion. Es liest sich wie eine Bergung. Renberg steigt hinab in die kalten Brunnen historischer Überlieferung und zieht keine Helden ans Licht, sondern wahrhaftige Menschen. Verängstigte, ehrgeizige, verletzte, machtbesessene, hoffende Menschen. Jeder von ihnen trägt ein Stück Wahrheit in sich und zugleich einen blinden Fleck. Gerade dadurch entsteht eine faszinierende Vielstimmigkeit. Niemand besitzt die ganze Wahrheit. Alle kämpfen um sie. Besonders bemerkenswert fand ich, wie der Roman den Übergang zwischen zwei Zeitaltern greifbar macht. Hier prallen nicht einfach Mittelalter und Aufklärung aufeinander. Hier kämpfen Aberglaube, Dogma und Macht gegen Neugier, Vernunft und Zweifel. Und Renberg macht deutlich, dass Fortschritt niemals geräuschlos entsteht. Er wird erstritten, oft gegen Widerstände, manchmal sogar gegen den gesunden Menschenverstand der eigenen Zeit. Dabei besitzt das Buch eine sprachliche Vehemez, die mich immer wieder überrascht hat. Viele historische Romane versuchen, vergangene Zeiten möglichst authentisch abzubilden und verlieren sich dabei in Kulissen. Renberg gelingt etwas Schwierigeres: Er erschafft Atmosphäre, ohne sie auszustellen. Man riecht den Rauch in den Stuben, spürt die Feuchtigkeit der Gassen und die Beklemmung eines Gerichtssaals, in dem ein Urteil oft schon feststeht, bevor die Verhandlung beginnt. Und dennoch habe ich dem Roman keine fünf Sterne gegeben. Der Grund liegt paradoxerweise genau in seiner größten Stärke. Renberg erzählt opulent, ausufernd und mit großer Liebe zum Detail. Das verleiht dem Werk Tiefe, verlangt aber auch Geduld. Nicht jede Abschweifung hat mich gleichermaßen gefesselt, nicht jede Perspektive besaß die gleiche Sogwirkung. Es gab Passagen, in denen ich die Bewunderung für die Recherche stärker spürte als die emotionale Bindung zur Handlung. Manchmal wollte ich vorwärtsgehen, während der Roman noch einmal innehielt, um die Welt um sich herum bis in jede Ecke auszuleuchten. Doch vielleicht gehört genau das zu diesem Buch. Denn -Die Lungenschwimmprobe- ist kein Roman, der eilt. Er untersucht. Er wägt ab. Er zweifelt. Er verhält sich letztlich wie die Wissenschaft, deren Geburt er erzählt. Am Ende blieb bei mir vor allem ein Gedanke zurück. Die eigentliche Hauptfigur dieses Romans ist nicht Anna Voigt. Es ist die Wahrheit selbst. Eine Wahrheit, die von Vorurteilen bedrängt, von Machtinteressen verzerrt und von Ängsten erstickt wird. Eine Wahrheit, die nicht laut auftritt, sondern mühsam freigelegt werden muss. Vielleicht ist das der Grund, weshalb dieser über 700 Seiten starke historische Roman überraschend gegenwärtig wirkt. Denn auch heute leben wir in einer Welt, in der Fakten oft um ihre Glaubwürdigkeit kämpfen müssen und Urteile manchmal schneller gefällt werden als Beweise gesammelt werden. Die Lungenschwimmprobe ist deshalb weit mehr als ein historischer Roman. Es ist ein literarisches Plädoyer für den Zweifel und für den Mut, Fragen zu stellen, wenn alle anderen längst meinen ihre Antworten gefunden zu haben. ♡♡♡ "HÖR ZU, mein Vöglein: Lass mich, während ich auf Gerechtigkeit warte, die Zeit nutzen und dir von den Tagen vor deiner Zeit erzählen - lass mich dir alles erzählen, was ich dir bisher nicht erzählen konnte!" "[...] - und Freunde? Die ergaben sich fast von selbst. Der Schritt von der Bekanntschaft zur Freundschaft schien bei ihm nicht vorhanden zu sein, beides trat nahezu gleichzeitig ein. Warum war die Freundschaft dann nur von so kurzer Dauer? Warum war er dieser Freunde so rasch überdrüssig, warum war er es schon früh leid, ihnen zu lauschen, ihre Gesichter zu sehen oder gar ihre Stimme zu hören. Das wusste er selbst nicht zu sagen. Über diese Erkenntnis verfügte er nicht. Während viele Freunde mit dem Wind über der sächsischen Ebene davongeweht waren, hatte er ein paar wenige behalten deren Gesellschaft er erträglich fand."

    "Und war es hier zu Ende? Nein. Es ging weiter. Denn so ist es nun einmal mit den Inbrünstigen."

    31. Mai 2026

  • cohlrabi
    cohlrabi

    131 Follower

    3,5

    Ich fand das Buch an sich ganz gut, aich wenn es sich gezogen hat. Der historische Aspekt war interessant und mal was anderes.

    3. Juni 2026

3 von 48 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

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melinabosse
melinabosse22. Okt. 2025

Also der zweite Teil hat sich ja etwas gezogen - war dennoch hoch interessant den psychischen Verfall von Herr Voigt zu verfolgen. In Teil drei nimmt es wieder ordentlich an Fahrt auf 🤩

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Autorin / Autor

Über Tore Renberg

Tore Renberg (geb. 1972) nimmt in der norwegischen Literatur einen außergewöhnlichen Platz ein, sein literarisches Werk umfasst eine große Spannbreite. Er ist einer von Norwegens populärsten und erfolgreichsten Autoren, vielfach preisgekrönt, seine Bücher erscheinen in 23 Ländern. Die Lungenschwimmprobe ist sein erster historischer Roman, für den er mehrmals vor Ort in Sachsen war, um in Archiven, Museen und Kirchenbüchern Anregungen und Anhaltspunkte für seine Geschichte zu finden.

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