Wie konnte es so weit kommen? Elin – Mitte 50, Allgemeinärztin seit 20 Jahren und genauso lange verheiratet mit Aksel – ist kurzerhand in ihre Praxis gezogen. Während Aksel jede freie Minute mit Skilanglauf verbringt, schickt Elin eines Abends schon leicht angeschickert eine Nachricht an ihren Jugendfreund Bjørn – der antwortet prompt. Elin fühlt sich das erste Mal seit Langem wieder richtig lebendig. Aus Alltagsresignation wird erwartungsvolle Aufbruchsstimmung. Doch eine langjährige Ehe und das gutsituierte Leben im Reihenhaus lassen sich nicht so leicht abschütteln. Das ist die Ausgangssituation des vielfach ausgezeichneten Romans, der mit entlarvender Ehrlichkeit das Beziehungsleben der modernen Großstädter in mittleren Jahren unter die Lupe nimmt.
„Alles wird gut“ von Nina Lykke hat mich wirklich überrascht. Ich hatte anhand des Klappentextes erwartet, dass die Gespräche mit dem Skelett mehr im Vordergrund stehen und humorvoller sind, aber das Buch hat trotzdem auf eine andere Weise überzeugt. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und ist dabei gut geschrieben. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Spannungsbogen bis zum Ende gehalten wird. Trotz des schwierigen Themas Fremdgehen bleibt die Lektüre angenehm leicht und perfekt für zwischendurch.
19. Jan. 2025
3,0
Leicht, tiefgründig, fesselnd.
„Alles wird gut“ von Nina Lykke hat mich wirklich überrascht. Ich hatte anhand des Klappentextes erwartet, dass die Gespräche mit dem Skelett mehr im Vordergrund stehen und humorvoller sind, aber das Buch hat trotzdem auf eine andere Weise überzeugt. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und ist dabei gut geschrieben. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Spannungsbogen bis zum Ende gehalten wird. Trotz des schwierigen Themas Fremdgehen bleibt die Lektüre angenehm leicht und perfekt für zwischendurch.
Nina Lykkes „Alles wird gut“ ist ein Roman, der auf den ersten Blick leicht und humorvoll daherkommt, jedoch in seiner Tiefe existenzielle Fragen über das Leben, Beziehungen und die Gesellschaft aufwirft. Besonders beeindruckend ist der subtile Humor, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Dieser Humor sorgt dafür, dass der Wahnsinn und die Verzweiflung, in denen sich die Protagonistin befindet, umso deutlicher und nachvollziehbarer wirken. Man spürt die Last, die auf ihr liegt, und gleichzeitig ist es genau dieser Humor, der ihr dabei hilft, ihre Situation mit einer gewissen Leichtigkeit zu ertragen.
Der humorvolle Schlagabtausch mit dem Skelett Tore aus ihrem Behandlungszimmer ist eine brillante literarische Technik, um ihre introspektiven Gedanken in Worte zu fassen. Es sind diese absurden Momente, die den Roman so besonders machen – locker erzählt, aber reich an Bedeutung.
Die Hauptfigur, eine Ärztin, gewährt uns durch ihre professionelle Perspektive einen einzigartigen Einblick in einen Querschnitt der Gesellschaft. Diese kritische und schonungslos ehrliche Haltung gegenüber den Menschen, die sie täglich behandelt, ist einer der stärksten Aspekte des Romans. Sie seziert dabei nicht nur ihre Patient*innen, sondern auch gesellschaftliche Strukturen und das auf eine Art und Weise, die bissig, aber auch erfrischend wirkt. Es ist genau dieser Blick, der dem Leser ermöglicht, sich mit den eigenen Schwächen und der allgemeinen menschlichen Natur auseinanderzusetzen.
Ebenso gelungen ist Lykkes Analyse einer langjährigen Ehe und das schleichende Auseinanderleben, das sich über die Jahre hinweg entfaltet. Die Protagonistin schildert mit scharfem Blick, wie sich die einstige Nähe zu ihrem Ehemann allmählich in Gleichgültigkeit verwandelt hat. Dieser Zerfall wird ohne Melodramatik, aber mit einer entwaffnenden Klarheit beschrieben, die einen tief berührt und nachdenklich zurücklässt.
Besonders interessant fand ich auch ihre kritische Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Alkoholkonsum. Die Reflexion darüber, wie Alkohol zu einem stillen Begleiter in ihrem Alltag geworden ist, wirkt intelligent und unaufdringlich – sie verteufelt ihn nicht, stellt ihn aber dennoch infrage. Dies fügt eine zusätzliche Schicht der Introspektion hinzu, die den Roman noch vielschichtiger macht.
Insgesamt hat mir „Alles wird gut“ von Nina Lykke ausgesprochen gut gefallen. Die Mischung aus Humor, Introspektion und Gesellschaftskritik ist meisterhaft gelungen, und das Buch schafft es, auf leichte Weise tiefgreifende Themen zu behandeln.
6. Okt. 2024
5,0
Nina Lykkes „Alles wird gut“ ist ein Roman, der auf den ersten Blick leicht und humorvoll daherkommt, jedoch in seiner Tiefe existenzielle Fragen über das Leben, Beziehungen und die Gesellschaft aufwirft. Besonders beeindruckend ist der subtile Humor, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Dieser Humor sorgt dafür, dass der Wahnsinn und die Verzweiflung, in denen sich die Protagonistin befindet, umso deutlicher und nachvollziehbarer wirken. Man spürt die Last, die auf ihr liegt, und gleichzeitig ist es genau dieser Humor, der ihr dabei hilft, ihre Situation mit einer gewissen Leichtigkeit zu ertragen.
Der humorvolle Schlagabtausch mit dem Skelett Tore aus ihrem Behandlungszimmer ist eine brillante literarische Technik, um ihre introspektiven Gedanken in Worte zu fassen. Es sind diese absurden Momente, die den Roman so besonders machen – locker erzählt, aber reich an Bedeutung.
Die Hauptfigur, eine Ärztin, gewährt uns durch ihre professionelle Perspektive einen einzigartigen Einblick in einen Querschnitt der Gesellschaft. Diese kritische und schonungslos ehrliche Haltung gegenüber den Menschen, die sie täglich behandelt, ist einer der stärksten Aspekte des Romans. Sie seziert dabei nicht nur ihre Patient*innen, sondern auch gesellschaftliche Strukturen und das auf eine Art und Weise, die bissig, aber auch erfrischend wirkt. Es ist genau dieser Blick, der dem Leser ermöglicht, sich mit den eigenen Schwächen und der allgemeinen menschlichen Natur auseinanderzusetzen.
Ebenso gelungen ist Lykkes Analyse einer langjährigen Ehe und das schleichende Auseinanderleben, das sich über die Jahre hinweg entfaltet. Die Protagonistin schildert mit scharfem Blick, wie sich die einstige Nähe zu ihrem Ehemann allmählich in Gleichgültigkeit verwandelt hat. Dieser Zerfall wird ohne Melodramatik, aber mit einer entwaffnenden Klarheit beschrieben, die einen tief berührt und nachdenklich zurücklässt.
Besonders interessant fand ich auch ihre kritische Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Alkoholkonsum. Die Reflexion darüber, wie Alkohol zu einem stillen Begleiter in ihrem Alltag geworden ist, wirkt intelligent und unaufdringlich – sie verteufelt ihn nicht, stellt ihn aber dennoch infrage. Dies fügt eine zusätzliche Schicht der Introspektion hinzu, die den Roman noch vielschichtiger macht.
Insgesamt hat mir „Alles wird gut“ von Nina Lykke ausgesprochen gut gefallen. Die Mischung aus Humor, Introspektion und Gesellschaftskritik ist meisterhaft gelungen, und das Buch schafft es, auf leichte Weise tiefgreifende Themen zu behandeln.
Ich bin ein bisschen hin und her, wie ich mich mit dem Buch fühle, denn ich hatte wirklich etwas ganz anderes erwartet. Über den Inhalt kann man wenig schreiben, ohne zu spoilern. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass eine Frau Mitte 50 ihr Leben und vor allem ihr Eheleben Revue passieren lässt und sich schlussendlich fragt, wie sie an dem Punkt landen konnte, an dem sie gerade steht.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Sprache schön ausgeformt und ehrlich und die 350 Seiten sind wirklich schnell gelesen. Die Protagonistin schwankt allerdings sehr zwischen Lethargie, Selbstmitleid und manchmal auch bösem Zynismus. Das macht in Bezug auf ihre Entwicklung auch Sinn, lässt den Leser aber manchmal kopfschüttelnd zurück. Und mit dem Ende des Buches bin ich nicht besonders glücklich, aber das ist wohl Geschmackssache.
Also 3,5 ⭐️
30. Juli 2023
3,5
Ich bin ein bisschen hin und her, wie ich mich mit dem Buch fühle, denn ich hatte wirklich etwas ganz anderes erwartet. Über den Inhalt kann man wenig schreiben, ohne zu spoilern. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass eine Frau Mitte 50 ihr Leben und vor allem ihr Eheleben Revue passieren lässt und sich schlussendlich fragt, wie sie an dem Punkt landen konnte, an dem sie gerade steht.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Sprache schön ausgeformt und ehrlich und die 350 Seiten sind wirklich schnell gelesen. Die Protagonistin schwankt allerdings sehr zwischen Lethargie, Selbstmitleid und manchmal auch bösem Zynismus. Das macht in Bezug auf ihre Entwicklung auch Sinn, lässt den Leser aber manchmal kopfschüttelnd zurück. Und mit dem Ende des Buches bin ich nicht besonders glücklich, aber das ist wohl Geschmackssache.
Also 3,5 ⭐️
30. Juli 2023
3 von 11 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Nina Lykke
Nina Lykke, geboren 1965 in Trondheim, Norwegen wuchs in Oslo auf. Ihren Durchbruch als Schriftstellerin hatte Lykke mit ihrem Roman »Aufruhr in mittleren Jahren«, der in Norwegen eines der am meisten besprochenen Bücher des Jahres war. Für »Alles wird gut« wurde sie mit dem Bragepreis, dem wichtigsten norwegischen Literaturpreis ausgezeichnet. Der Roman stand monatelang auf der Bestsellerliste und ist in 15 Ländern erschienen.