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Romane

Arendal

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Über das Buch

Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?

Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer Geschäftsreise auf dem Heimweg zu seiner Frau und seinen beiden Söhnen, als sein Auto vor Arendal eine Panne hat und er die Nacht in der Stadt verbringen muss. Es ist Winter und bitterkalt, das Eis erstreckt sich bis zum offenen Meer und ist so dick, dass die Autos darauf fahren können. Dort, fast zu Hause und doch gestrandet, ist es, als würde sich ein Raum auftun, mit ganz eigenen Regeln, ein Raum zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten. Sowohl in der Stadt, wenn er im Dunkeln durch die Straßen wandert, als auch in ihm selbst. Syvert muss eine Entscheidung treffen. Er steht an einer Wegscheide im Leben, und die Frage wird sein: Wird er sich für die Liebe entscheiden?

„Arendal“ ist ein Roman über unmögliche Liebe und das unmögliche Leben. Es geht um Schiffe mit Toten, Feuer und Eis, schwindelerregende Sternenhimmel und einen Mann, der versucht, im Leben Fuß zu fassen.

Editionen (2)

ISBN9783630878249
VerlagLuchterhand
Erscheinungsdatum20.05.26
Seitenzahl384

Merkmale

1 Bewertungen

LangsamGlaubwürdigMittelAnschaulichPoetischUngewöhnlich

Rezensionen & Bewertungen

15 Bewertungen

5 Rezensionen

4,1

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  • tante_tanja
    tante_tanja

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    4,0

    Wir waren nicht das Volk des Waldes, sondern Gartenmenschen. - Zitat, Seite 352

    Arendal ist ein Ort - und jetzt steht diese Bezeichnung auch für einen Roman. Genauer gesagt, für den 5. Band im "Morgenstern Kosmos" aus der Feder des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgård. Denn von einer Reihe zu sprechen, wäre in diesem Fall zu kurz gefasst. Das große Mysterium, welches der Autor mit dem Erscheinen des Morgensterns am sommerlichen Himmel zu umkreisen begann, führt uns vor und zurück in der Historie der Figuren und Orte. Immer dabei sind die großen Fragen des Lebens, oder sollte man besser von den Rätseln der Existenz sprechen?! In diesem Roman, der in den 1970er Jahren spielt, begegnen wir dem Ich-Erzähler Syvert, der auf dem Heimweg zu Frau und Kindern eine Autopanne hat und dabei ausgerechnet im Ort wichtiger Kindheitserinnerungen strandet - Arendal. Schon bald sind wir völlig im Bewußtseinsstrom des Ich-Erzählers gefangen, dessen Gedanken sich weit über dessen Dilemma zwischen seiner Rolle als Familienvater und seiner Sehnsucht nach einer fernen Liebe hinaus dehnen. "Das einzig existierende Mysterium war jedoch das, in dem sie sich unablässig befanden, will sagen die Zeit. Nicht der Tod, nicht das Leben, sondern die Zeit war es, worüber sie lieber nachgrübeln sollten." Seite 24 Hat Knausgård hier das Thema dieses Bandes definiert? In der Nacht begegnet er dann einer mysteriösen Gestalt, die ihm seltsam vertraut vorkommt. Ist er dem Mann bereits in seinen Träumen begegnet? Als er sich in einer Kneipe niederlässt, sieht er den Mann in einem Buch mit dem Titel "Das Geheimnis des Parmenides" lesen. Spätestens jetzt wird klar: diese eiskalte, sternenklare Nacht wird auf mehreren Ebenen bedeutsam sein. Dem Sog der Sprachmelodie von Karl Ove Knausgård, dessen Roman auch diesmal wunderbar geschmeidig von dem Übersetzer Paul Berf zum Klingen gebracht wurde, kann man sich schwerlich entziehen. Hier ein Beispiel von Seite 96: "Der Himmel über ihnen war voller Sterne. Einige von ihnen zitterten ein wenig, und es fiel mir schwer, nicht zu denken, dass sie es wegen der Kälte taten." Knausgård nutzt nicht nur die Intertextualität als Stilmittel, sein Roman regt dazu an, diesen als interaktive Fläche zu benutzen, um geographische Darstellungen anzusehen oder sich Musik zu Gehör zu bringen. Zur Musik im Text sei hier vor allem das Wagner Motiv genannt. Obwohl die Bezüge zum Morgenstern Kosmos ganz klar angezeigt werden, kann man diesen Roman auch als eigenständiges Werk lesen. Ist dieser Roman also ein philosophisches Meisterwerk, eine Geschichte über die Liebe und das Leben, oder doch nur ein innerer Monolog eines Mannes am Scheideweg zwischen Sein und Nichtsein? - Oder wie Knausgård es auf Seite 352 ausdrückt: "Das Nichts. Das war die Geschichte. Das Nichts." FAZIT Wieder einmal ist die ungeduldige Leserin in mir erwacht. Denn obwohl ich selbst einen BuddyRead mit vernünftigen Leseabschnitten eingerichtet habe, bin ich geschwind durch das Buch gerauscht. Dieser Fließtext ohne Kapiteleinteilung war zu verführerisch. Meine Mitlesenden werden mir hoffentlich verzeihen und natürlich bleibe ich der Leserunde treu und freue mich auf weiteren Austausch. Begleitend zur Lektüre hörte ich mir die Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" an und habe mich gefragt, ob es nicht nur mir, sondern auch dem Autor selbst ein Rätsel ist, warum es Frauen gibt, die Männer wie Syvert lieben. Er mag ja ein attraktiver Mann sein, aber er raucht wie ein Schlot, säuft sich den Kragen ab und zu allem Übel betrügt er seine Ehefrau, mit der er zwei Kinder hat. Und der Ich-Erzähler selbst bemerkt zur Wagner-Oper: "Selbst damals glaubte wohl keiner, dass die Liebe einer Frau die Rettung sein könnte (Seite 294)." Die Lektüre dieses Romans habe ich genossen, aber zwei Fragen bleiben offen: Warum hat man dies Buch, dessen Atmosphäre von der Kälte des Winters geprägt ist, hierzulande Mitte Mai 2026 (Original erschien bereits 2024) veröffentlicht? Und hat jemand auch beim ersten Blick auf das Cover die ausgestreckte Tatze eines Raubtieres erblickt - und nicht die Rückansicht eines weiblichen Körpers?! Unbedingt lesenswert. Wenn es passt, schau gern beim BuddyRead vorbei.

    1. Juni 2026

  • 4,0

    "Welchen Sinn hatte mein Leben? Soweit ich wusste, hatte es keinen Sinn." Syvert bleibt mit seinem Auto in seiner alten Heimat Arendal liegen. Es ist Januar und bitterkalt. Die Story spielt in den70iger Jahren, Handys gibt es noch nicht. Hilfe ist aber schnell da und Syvert beschließt in einem Hotelzimmer zu übernachten, nicht bei seiner Mutter, nicht nach Hause zu Frau und Kindern zu fahren, sondern Zeit nur für sich zu genießen. Ich bin nicht ganz leicht in die Geschichte gekommen, dafür kann ich Herrn Knausgård keine Vorwürfe machen, er kann nichts dafür dass sein Buch in Deutschland zu einem Zeitpunkt erscheint, wo Sommer ist und ich es unbedingt lesen wollte, obwohl draußen fast 40 Grad herrschen. Da fiel es mir schwer die Schönheit der winterlichen Beschreibungen wertzuschätzen. Aber es ist dem Autor, in seinem 5. Teil der Morgenstern-Reihe, wieder gelungen sehr philosophische Formulierungen zu finden, die begeistern. Es geht um Zeit, um Wahrnehmung, um mystisches. Der Wunsch mit geliebten, verstorbenen Menschen Kontakt zu treten, oder Szenen zu erleben, die man vorher bereits "gesehen" hat. "Der Wahr-Seher des Gehirns und der Sterne sah auch die Seele der Toten." Es geht aber auch um Liebe. Syvert hat eine Frau, zwei Söhne, ein Alkoholproblem und eine ehemalige Geliebte. Asja lebt in Russland und seinen Kindern zu Liebe hat Syvert den Kontakt zu ihr abgebrochen, trotz der starken Gefühle ihr gegenüber. "Aber in dem Fall Liebe nicht als Gefühl. Gefühle sind flüchtig, eilten hierhin und dorthin, wenn man froh war, zogen alles in ihre Finsternis, wenn man traurig war." Syvert liebt sie mit Körper, Geist und Seele. Sein Verstand jedoch sagt, bleibe bei deiner Familie. Und dann wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens und wie man es leben sollte. Fans des Autors werden auch dieses Werk wieder lieben, auch mich konnte sie erneut ergreifen. Dieses philosophisch-mystische ist unübertroffen. Das Sezierende der Persönlichkeit, die mir noch dazu suspekt und nicht sehr sympathisch war in seiner Sucht. Die Siebziger Jahre waren präsent, allein durch die zahlreichen Zigaretten die geraucht wurden. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

    2. Juli 2026

  • jdgut
    jdgut

    3 Follower

    4,5

    Knausgård kann auch Romane!

    Bis anhin habe ich bloss 3/6 Bände der Biographie von Karl Ove Knausgård gelesen. Arendal war meine erster Roman aus seiner Feder. Gelesen habe ich das Buch auf Norwegisch. Er überzeugt mit seiner Sprache, der Stimmung der norwegischen Winterlandschaft und den Beziehungen dem Innenleben seiner Figuren. Wirklich ganz stark. Im klassischen Knausgård'schen Stile webt er sich eine dichte Decke aus Handlung, Stream of Consciousness und philosopischen Gedanken. Ein Mann zwischen Tod und Leben, zwischen zwei Frauen, zwischen Vergangenheit und Zukunft, Traum und Wachsein. Abhängig von der Flasche, auf der Suche nach Zärtlichkeit, nach der Wahrheit. Wirklich lesenswert und seit kurzem auch auf Deutsch erhältlich.

    28. Mai 2026

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Karl Ove Knausgård

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als einer der wichtigsten norwegischen Autoren der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiographischen Projektes "Min Kamp" wurden weltweit zur Sensation. Sein großer »Morgenstern«-Romankosmos um das plötzliche Auftauchen eines neuen Sterns am Himmel lotet die Abgründe menschlichen Lebens aus und fasziniert mit seiner Soghaftigkeit auf ähnliche Weise. Das Essayistische ist eine treibende Kraft in Knausgårds schriftstellerischem Werk, das in 35 Sprachen übersetzt ist und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Karl Ove Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, 2022 nahm er in Kopenhagen den Hans-Christan-Andersen-Literaturpreis entgegen. Er lebt in London.

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