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Imperium

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Über das Buch

Eine deutsche Südseeballade

In »Imperium« erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Herman Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt.

Die Welt wollte er retten, eine neue Religion stiften, gar ein eigenes Reich gründen – eine Utopie verwirklichen, die nicht nur ihn selbst, sondern die Menschheit erlöst, fernab der zerstörerischen europäischen Zivilisation, die gerade aufbricht in die Moderne und in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Doch in der Abgeschiedenheit der Südsee, in einer Kolonie des wilhelminischen Deutschland, gerät ein von einem vegetarischen Spleen besessener Sonnenanbeter in eine Spirale des Wahnsinns, die die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt. In seinem vierten Roman zeichnet Christian Kracht die groteske, verlorene Welt von Deutsch-Neuguinea, eine Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich doch unsere Gegenwart seltsam spiegelt. Zugleich aber ist Christian Krachts »Imperium« eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns.

Editionen (6)

ISBN9783596512928
VerlagFISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum24.04.14
Seitenzahl256

Rezensionen & Bewertungen

104 Bewertungen

10 Rezensionen

3,8

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  • laura.sxt
    laura.sxt

    135 Follower

    3,0

    Über mehrere Wochen hinweg habe ich Imperium von Christian Kracht gelesen – eine außergewöhnliche, aber auch fordernde Schullektüre. Der Roman erzählt die Geschichte von August Engelhardt, einer historischen Figur, die Anfang des 20. Jahrhunderts eine radikale Lebensweise verfolgte. Als überzeugter Vegetarier und Anhänger des Sonnenkults zog es ihn nach Deutsch-Neuguinea, wo er eine Kolonie gründen wollte, in der die Kokosnuss als einziges Nahrungsmittel diente. Kracht schildert Engelhardts Besessenheit mit der Kokosnuss als Allheilmittel mit feiner Ironie und einer eleganten, oft distanzierten Sprache. Während Engelhardt zweifellos eine faszinierende Figur ist, empfand ich die Erzählweise des Romans als teilweise eintönig. Über lange Strecken dreht sich alles um seine Ideologie, sein fanatisches Festhalten an einer absurden Vorstellung von Reinheit und Gesundheit. Diese Monotonie spiegelt zwar Engelhardts geistige Fixierung wider, kann beim Lesen jedoch ermüdend sein. Der Schreibstil ist anspruchsvoll, mit zahlreichen Anspielungen und einem oft parodistischen Ton, der nicht immer leicht zu entschlüsseln ist. Erst gegen Ende konnte mich der Roman wirklich fesseln. Hier gewinnt die Handlung an Dynamik, andere Charaktere treten stärker in den Vordergrund, und man erfährt mehr über die Konsequenzen von Engelhardts Lebensweise. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass Engelhardt am Schluss nicht so stark in den Hintergrund gerückt wäre – gerade weil er die zentrale Figur ist. Seine Tragik wird zwar deutlich, aber sein Schicksal hätte noch eindringlicher dargestellt werden können.

    30. Jan. 2025

  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    4,0

    Möglich ist es, dass beide Vegetarier sich erfühlten, ohne dass sie voneinander wussten, so als sei die dünne Spanplatte zwischen ihren Köpfen eine Art elektrischer Konduktor. Halsey war natürlich ein Genie und Engelhardt ebenfalls. Nur ist es oft so, dass des einen Genius in der Welt anerkannt wird, da dessen Idee sich, wie ein gut erzählter Witz, der nicht vergessen wird, ausbreitet und entfaltet, einem Krankheitsvirus gleich, während des anderen Genialität unter traurigsten Umständen verkümmert. Die Gebrüder Kellogg, die Halsey ans andere Ende der Welt geschickt hatten, waren davon überzeugt, dass die Gedankengänge ihres Zöglings in gewisser Weise zu radikal für ihre Zeit scheinen mussten, aber sie waren zweifellos auch in ihn verliebt, etwa so, wie man sich die Liebe zwischen Onkel und Neffen vorstellen kann, sie wollten ihn nur nicht auf dem gleichen Kontinent haben, da er sie in ihren Grundfesten kritisiert, ihnen sozusagen an der Moral geknabbert hatte. - Zitat, Seite 105 Wer nach einmaligen Erdenbürgern, nach vergessenen Genies oder Kuriositäten auf zwei Beinen sucht, der braucht nur die Geschichtsbücher wälzen und wird schon bald auf eine historische Figur stoßen, die sich trefflich als Protagonist eines eigenen Romanes eignet. So mag vielleicht auch Christian Kracht bei seiner Recherche zu dem vorliegenden Werk vorgegangen sein, was natürlich reine Spekulation ist, aber die Geschichte von August Engelhardt, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine Kokosplantage in Deutsch-Neuguinea erwarb, um auf der Insel Kakabon einen Sonnenorden zu gründen, bietet ideale Voraussetzungen für die Gestaltung eines satirischen Südseeabenteuers. Und so jemand wie Engelhardt, kann man eigentlich nicht erfinden. Eine Person, die fest daran glaubt, die Zukunft der Menschheit liege im Vegetarismus und Nudismus begründet und folgende Weisheit der Welt zu verkünden hat: "Nackter Kokovorismus ist Gottes Wille. Die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereinigt mit Gott." Doch halt, gibt es da nicht eine ganze Bewegung, welche die rein pflanzenbasierte Ernährung als die Heilsbringerin der Menschen propagiert? Und gab es nicht vor wenigen Jahren den absoluten Hype um Kokosöl, als wahres Wundermittel gegen jedwedes Leiden? Man sagt, Geschichte wiederhole sich nicht, aber manche Ideen und leider auch Ideologien scheinen sich unterschwellig zu halten und immer wieder in leicht abgewandelter Form als neue Erkenntnis gefeiert zu werden. Das ist natürlich nur eine rein subjektive Betrachtung der Geschichte, die uns Kracht hier erzählt und einige Ansätze zur Interpretation anbietet. Auf jeden Fall scheint der Autor einen Heidenspaß beim Schreiben gehabt zu haben. Dieser humorvolle Ton verführt mit der spielerischen Leichtigkeit manchmal dazu, dass man zu schnell über den Text fliegt und dabei manche gedankliche Fährte übersieht, die der Autor anlegt. Damit ist dieser Roman bestimmt ein Kandidat für eine zweite Lektüre. Im letzten Teil löst sich der Autor nicht nur vom historischen Lebenslauf seines Protagonisten, er führt auch noch weitere fiktive Figuren hinzu, die er wohl teilweise der Comic Welt entlehnt hat. Damit verändert er den Charakter des Romans ein wenig und der Schluss erschien etwas künstlich in die Länge gezogen. Aber so mäandern eben Krachts Tunichtgut und Konsorten etwas länger durchs staubige Oberstübchen, um ihre Spuren zu hinterlassen! FAZIT Dieser Abenteuerroman wurde mir durch einen Beitrag von Harald auf dessen YouTube Kanal "Literatur und Whisky" empfohlen und ich hatte viel Spaß mit der Lektüre! Und ein Detail hat mich überrascht, und zwar trägt der Protagonist einen Haargummi und tatsächlich wurden diese Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts schon mit Gummiband hergestellt. Natürlich fehlt an späterer Stelle bei der Erwähnung der Regenkleidung in Berlin nicht der Verweis auf die Kautschuk Ernte in Belgisch Kongo - eines der grausamsten Kapitel der Kolonialgeschichte! Also, Lesen bildet und dieser Roman ist eine Empfehlung wert.

    24. Apr. 2025

  • timbo_
    timbo_

    24 Follower

    3,0

    Allegorie oder Abenteuerroman?

    "Imperium" lässt mich ratlos zurück. Als bloßer Abenteuerroman ist es zu philosophisch, als Allegorie einer Gesellschaft im zivilisatorischen Niedergang zu sehr Abenteuerroman. Nichts Halbes, nichts Ganzes - vielleicht etwas Neues? Wir begleiten den Nürnberger Aussteiger August Engelhardt nach Deutsch-Guinea; beschrieben und kommentiert wird dieser Ausstieg von einem frischen, ironischen und unzuverlässigen Erzähler, der sich selbst nicht immer sicher ist, wie viel Realität und wie viel Fiktion seiner Erzählung innewohnt. Dadurch entstehen zwangsläufig Leerstellen zwischen Realem und Fiktionalem, mit denen der Leser eben leben muss, aber auch gut leben kann. Sprachlich lehnt sich der Erzähler stark an Thomas Mann an - und sich dabei zu sehr aus dem Fenster, was mich am meisten gestört hat: Eine Anlehnung an Th. Mann ist immer zum Scheitern verurteilt, weil es wohl immer nur bei der billigen Kopie bleiben wird. Die Komik durch den ironischen Erzählerkommentar funktioniert noch sehr gut; der geschwollene, hypotaktische Stil belebt die Erzählung -im Unterschied zum sprachlichen Vorbild- jedoch nicht, sondern wirkt statisch, im Ausdruck repetitiv und unnötig kompliziert. Die Entwicklung der Hauptfigur ist stringent, auch wenn eine Identifikation leider mit keiner der Figuren aufkommt; gegen Ende hin ging alles sehr schnell; das Ende eine schöne Idee. Damit begründet sich mein zweiter großer Kritikpunkt: Durch die fehlende Nähe zu den Figuren tröpfelt die Handlung vor sich hin, ohne den Leser emotional mitzunehmen. Insgesamt ist das Werk damit gut gedacht und experimentell spannend, mir fehlt aber die persönliche Involviertheit. So bleibt "Imperium" für mich nichts Halbes und nichts Ganzes; während die klare Anlehnung an bereits Bestehendes für mich persönlich verhindert, dass Kracht etwas Neues erschafft.

    14. Mai 2026

3 von 10 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

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99bottchen
99bottchen30. Aug. 2025

„Ich glaube nicht, daß er jemals einen Menschen wirklich geliebt hat.“ Ich mag die plötzliche Vergegenwärtigung der Erzählstimme. Wer ist ich? Heterodiegetisch? Homodiegetisch?

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Autorin / Autor

Über Christian Kracht

In Saanen in der Schweiz wurde Christian Kracht am 29. Dezember 1966 geboren. Nach der Schule nahm er in den USA das Studium der Filmwissenschaften auf, arbeitete bei verschiedenen Presseerzeugnissen und begann dann zu reisen – durch Asien ebenso wie durch Afrika oder den Südpazifik. Er zählt zu den modernen deutschsprachigen Schriftstellern. Seine Werke sind in 30 Sprachen übersetzt. 2012 erhielt Christian Kracht den Wilhelm-Raabe-Preis, für den Roman »Die Toten« 2016 den Schweizer Buchpreis sowie den Hermann-Hesse-Literaturpreis; als auch 2022 den Wolfgang-Koeppen-Preis. Zuletzt erschienen die Romane »Eurotrash« und »Air«.

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