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Alle_Zeit

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Über das Buch

Soziale Gerechtigkeit bedeutet gerechte Verteilung von Zeit.

Zeit ist die zentrale Ressource unserer Gesellschaft. Doch sie steht nicht allen gleichermaßen zur Verfügung. Teresa Bücker, eine der einflussreichsten Journalistinnen in Deutschland, macht konkrete Vorschläge, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann, die für mehr Gerechtigkeit, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgt.

Ausgezeichnet mit dem NDR Sachbuchpreis 2023

Editionen (3)

ISBN9783550201721
VerlagUllstein Buchverlage
Erscheinungsdatum19.10.22
Seitenzahl400

Rezensionen & Bewertungen

156 Bewertungen

27 Rezensionen

4,4

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  • schwoinki
    schwoinki

    33 Follower

    4,5

    "Zu wenig Zeit zu haben, ist kein individuelles Problem, es ist gesellschaftlich erzeugt."

    In 7 Kapiteln: 1 Warum die Zeit niemals reicht 2 Arbeits_Zeit 3 Zeit für Care 4 Freie Zeiten 5 Zeit und Macht mit Kindern teilen 6 Zeit für Politik (K)eine Utopie hat Teresa Bücker mich auf eine ganz besondere Reise zum Nachdenken über Zeit mitgenommen. Sehr oft habe ich das Gefühl einfach keine Zeit oder nie genug Zeit zu haben. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich liebend gern noch viele weitere Projekte angehen wollen. Ich gehöre wohl zu den Menschen, die "zu viel wollen" (vgl. S. 20). "Zeitknappheit zu empfinden kann ein Klassenphänomen sein. Diejenigen, die im Job busy sind, sind es oft auch in ihrer freien Zeit" (S.29). Dieses Buch hat mich sehr viel zum Denken angeregt. Ich find's super spannend, wie relevant Zeitpolitik und Zeitverteilung für eine demokratische Gesellschaft ist. Ich hatte diese Brücke zuvor gar nicht so genau auf dem Schirm gehabt. Schon lange war für mich klar, dass eine Vollzeitarbeit für mich nicht in Frage kommt. Zu wichtig sind mir ehrenamtliches Engagement, Zeit für Freund*innen, sportliche Aktivitäten, Aktivismus und Momente der Ruhe. Manchmal ist mir bewusst, in welcher priviligierten Situation ich mich mit dieser Entscheidungsfreiheit befinde. Ich habe keine Kinder, pflege keine Angehörigen, habe wenig ganz konkrete Verpflichtungen im Alltag und bin an "wenig" Geld gewohnt und strebe keinen finanziellen Wohlstand an. Die verschiedenen Modelle zu Arbeitstagen finde ich auch sehr spannen! Z.B. Frigga Haugs 16-Stunden-Tag: "vier Stunden Lohnarbeit, vier Stunden Care-Arbeit (die neben der Sorge für andere auch die Sorge für sich selbst einschließt), vier Stunden kulturelle Arbeit (zum Beispiel die eigene Weiterbildung) sowie vier Stunden politische Arbeit" (S. 107). Der Exkurs zu Care-Arbeit und Zeit und Macht mit Kindern teilen hat mir nochmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, füreinander Sorge zu tragen und sich nicht zu sehr auf me-time Momente zu fokussieren. "Care kann erst dann zu einer Gesellschaftsaufgabe werden, wenn alle sich an ihr beteiligen können und dafür von den immensen zeitlichen Anforderungen ihrer Vollzeitjobs entlastet werden" (S. 174). Insbesondere Kinder sind der Zeitgestaltung der Erwachsenen ausgeliefert. "Kinder nerven nicht, weil sie Kinder sind, sondern weil sie in einer zeitknappen Welt diejenigen sind, die den sogenannten reibungslosen Ablauf am meisten stören. Ihre Bedürfnisse sind unberechenbar, zeitintensiv, sie können nicht warten. Als Erwachsene haben wir jedoch die Möglichkeit, Zeit - und Sorgestrukturen zu schaffen, in denen Kinder kein Zeitproblem mehr darstellen. Wir sind nicht machtlos. Doch absurderweise sehen wir das Problem meist in den Kindern, und manche Menschen bereuen es sogar, Eltern geworden zu sein. Dabei sollten wir eigentlich bereuen, dass wir bisher an unserer jetzigen Zeitkultur zu wenig gerüttelt haben. Vielleicht nerven uns gar nicht der Schlafmangel und das Geschrei, sondern dass wir uns ohnmächtig fühlen, die politischen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass es keine Überforderung mehr bedeutet, mit Kindern und Pflegebedürftigen zu leben" (S. 264). "Es ist ein Missverständnis, kinderfrei leben zu können. Denn wir alle leben mit Kindern, sie sind Teil der Gesellschaft. Daher sollten wir alle uns für Kinder und ihre Interessen mit verantwortlich fühlen, ganz unabhängig davon, ob wir selbst Eltern werden (wollen) oder nicht. In demokratischen Gesellschaften müssen wir Kinder als Menschen mit vollen Rechten in unser politisches Denken und Handeln einschließen" (S. 265). Ebenso die Analyse zu den unterschiedlichen Quantitäten und Qualitäten freier Zeit von Menschen find ich sehr interessant, um einen weiteren Blick für Lebensrealitäten andere Menschen zu erhalten. Einerseits weisen Zeitbudgeterhebungen darauf hin, dass Menschen durchaus viele freie Stunden haben, doch diese sind bei vielen wie "Zeitkonfetti" zwischen verschiedenen Verpflichtungen verteilt, sodass eine längere Beschäftigung kaum umsetzbar wäre. Im Kapitel zu Zeit für Politik wird auch nochmal deutlich, wie Machtverhältnisse verteilt sind. Wer sich in welchem Umfang engagieren kann, wessen Stimmen Gehör finden und wer sich schon lange nicht mehr oder noch nie mitgedacht fühlt. Wir benötigen viel mehr gemeinsame Zeiten, um miteinander ins Gespräch zu kommen. "Denn erst, indem wir unser immenses Wissen mit Absichten und Gemeinschaft verknüpfen, geben wir ihm eine kollektive Bedeutung, aus der Veränderung erwachsen kann" (S.285). Ach Leute, ich empfehle diese Buch auf jeden Fall! Von mir bekommt es jedoch eher 4,5 statt 5 Sterne, da es sich teilweise doch leider etwas zieht, trotz der vielen wichtigen Inhalte! Ein gutes Futter für mehr Infragestellen von den scheinbar starren Gegebenheiten von gesellschaftlicher Organisation und (Lohn-)Arbeit.

    9. Apr. 2026

  • buchtraumreise
    buchtraumreise

    30 Follower

    5,0

    Viele Menschen klagen über Zeit-Not, zu wenig freie Zeit und zu wenig Zeit, um all das zu schaffen, was am Tag geschafft werden muss. Doch woher rührt die Zeit-Not? Wo hat Sie ihren Ursprung, wie hat sich dieses Empfinden bei Menschen entwickelt und wie wirkt sich diese Zeit-Not auf unseren Alltag und unser gesamtes Leben aus? Teresa Bücker geht in ihrem Buch diesen und noch vielen weiteren Fragen auf den Grund und (er-)öffnet dem/der Hörer*innen/Leser*innen die Augen für ein immens wichtiges Thema, welches uns alle betrifft – Alleinerziehende, Singles, Familien, Jung und Alt, Akademiker*in, die Mittelschicht und von Armut betroffene Menschen. Alle haben wir nur ein begrenztes Kontingent an Zeit zur Verfügung und können diese uns zur Verfügung stehende Zeit nicht aufschieben, nicht bündeln und uns nicht für einen anderen Lebensabschnitt aufheben. In den Kapiteln wird die Zeit in unterschiedlichsten Themenblöcken analysiert und die Erkenntnisse oftmals durch Studien belegt. So wird ein großer Fokus auf die (unbezahlte und nicht ausreichend gewürdigte) Care-Arbeit(szeit), die bezahlte (Erwerbs-)Arbeitszeit und die Freizeit, von der zu viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen zu wenig haben, gelegt. („Dass Menschen spontane Entscheidungen vermissen, zeigt, dass sie es als Einschränkung erleben, freie Zeiten planen zu müssen. Wir haben Sehnsucht nach Ungeplantem.“) Auch die Wünsche von Kinder und Jugendlichen zum Thema Zeitgestaltung erhalten hier eine Stimme und das Thema Politik zieht sich durch fast das gesamte (Hör-)Buch, welches auf vielen Ebenen vielschichtig, gut argumentiert und nachvollziehbar ist. Wir erhalten einen guten und strukturierten Einblick in das Thema Zeit und die Not der Menschen, die über zu wenig Zeit verfügen. Ein großes Lob muss ich der Sprecherin Abak Safaei-Rad aussprechen, denn sie hat mit ihrer angenehmen Stimme wundervoll durch das Hörbuch geführt.

    4. Jan. 2025

  • vikusja
    vikusja

    55 Follower

    3,5

    Zeit ist höchst politisch: Gerade in Zeiten von unserem Bundeskanzler Merz, der vorschlägt, die Arbeit von Gewerkschaften pretty much zu revidieren und die 40 Stunden-Woche "zu flexibilisieren", um mehr Arbeitsstunden am Tag zu erlauben - um eine ohnehin bereits veraltetes Zeitordnung nochmal menschenfeindlicher zu gestalten... Und das nur, um mehr Geld für die Wirtschaft einzuheimsen. Teresa Bücker widmet in ihrem Buch alle Zeit daher unserem Verständnis von und Umgang mit Zeit und beleuchtet das Thema aus politischer Perspektive.

    Wie könnte eine Welt aussehen, in der unser Leben nicht nach der Uhr ausgerichtet ist? Wo wir statt Lohnarbeit eher Care-Arbeit, Community-Care sowie Self-Care in den Mittelpunkt stellen? Wenn allen Menschen genug Geld und vor allem Zeit zur Verfügung stehen würde, um ihr Leben so zu gestalten, wie es sich für sie richtig anfühlt? Bücker regt zum Nach- und Überdenken an, fordert uns auf, das bestehende System nicht einfach hinzunehmen, sondern genau hinzuschauen, wer davon profitiert, wenn wir schon als Kinder lernen, Zeitdruck zu empfinden - als Übergang ins Erwachsenenalter, wenn man so will. Während es auf jeden Fall ein empfehlenswerter und wichtiger intersektionaler Read ist (!), bezieht sie sich natürlich (berechtigterweise) sehr viel auf Menschen mit Kindern und teilweise pflegebedürftigen Familienmitgliedern. Es wiederholt sich zudem auch viel durch das Buch hinweg, was das Ganze etwas langatmiger (und leider auch langweiliger bzw. weniger engaging) macht. Ich denke, das Buch hätte ein wenig von Kürzung und Präzisierung profitiert und natürlich auch von mehr Fokus auf Menschen und Themen, die sich nicht um Care-Arbeit drehen. Generell hatte das Werk einen eher belehrenden Ton, was gerade in Bezug auf (fehlenden) Kinderwunsch teilweise übergriffig ankam (scheinbar ist keine Kinder haben zu wollen, nur eine Phase, wie sie an ihrem eigenen Beispiel darstellt, und viel mehr würden welche kriegen, wenn unser bestehendes Zeitsystem anders aussehe). Wer darüber hinwegsehen kann und ein generelles Interesse (und vor allem Zeit lol) mitbringt, dem kann ich dieses Werk ans Herz legen. Ich habe das Ganze als Hörbuch gehört, da ich es zum Lesen als zu trocken empfand und langsamtig empfand.

    14. Sept. 2025

3 von 27 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Teresa Bücker

Teresa Bücker, geboren 1984, ist Publizistin und Vordenkerin im Bereich Feminismus, Arbeit und Gesellschaft. Seit 2019 ist sie Kolumnistin des SZ-Magazins. Von 2014 bis 2019 war sie Chefredakteurin des feministischen Onlinemagazins EDITION F. Als Expertin wird sie regelmäßig zu Konferenzen und in politische Talk-Sendungen geladen. https://teresabuecker.de/

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