Blick ins Buch

Romane

Die Ungelebten

4,1(80)
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Über das Buch

Über die Macht der Väter und das Schweigen der Töchter

Die dreifache Mutter Jennifer Boyard hat die Leitung des Familienunternehmens übernommen. Ihr Vater Bernd war über Jahrzehnte einer der großen Produzenten in der Schlagerbranche und ist nach wie vor sehr präsent. Da droht eine Sängerin mit einer Klage wegen Vergewaltigung. Bernd reagiert routiniert auf die Vorwürfe, doch Jennifer beginnt zu begreifen, dass ihre Geschichte als Bernds Tochter unwiderruflich mit dem Schicksal der Betroffenen Lorelei verknüpft ist.

»Unbestechlicher Rosales-Blick auf die Zwänge der Gesellschaft und eine Heldin, die sich darin verliert.« BRIGITTE

Editionen (1)

ISBN9783548073224
VerlagUllstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum02.05.25
Seitenzahl304

Rezensionen & Bewertungen

80 Bewertungen

26 Rezensionen

4,1

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  • stier
    stier

    247 Follower

    3,0

    Es ist kein „schönes“. Es deckt gesellschaftliche Missstände schonungslos auf und macht sie zum Thema.

    7. Feb. 2026

  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Follower

    5,0

    Puh, hier fällt es mir wirklich schwer, zu diesem Buch passende Worte zu finde. Egal was ich schreibe, wird nicht dem gerecht, was ich beim Lesen empfunden habe. Es gehört definitiv zu einer der wenigen Bücher, die mich dieses Jahr überrascht haben. Und auch bei diesem Buch ist es nicht die Story, die mich umgehauen hat, sondern die Art, wie sie erzählt wird. Und genau da hab ich Schwierigkeiten, dies klar zu beschreiben. Ich hatte irgendwie eine klar strukturierte Geschichte der Schlagerwelt erwartet und hatte eine für mich sehr sprunghafte Erzählung mit so vielen anderen wichtigen Themen bekommen. Manchmal fühlte ich die reale Überforderung der Protagonistin Jennifer und dann war ich wieder in einem traumähnlichen Zustand und hab mich gefragt, wo bin ich? Und wie bin ich hierher gekommen? Ich wusste nicht deutlich einzuordnen, ob alles echt ist oder manches nur halluziniert. Und genau das hat mir besonders gut gefallen. Normalerweise verwirrt mich ein solcher Erzählstil sehr schnell, aber hier ist es so gut geschrieben und (ja, das klingt jetzt paradox) irgendwie doch strukturiert, dass jeder Gedanke, jeder Wechsel und jede gesellschaftskritische Überlegung absolut passend war und ich allem total gut folgen konnte. Ich habe Wut gegenüber den patriarchalen Strukturen empfunden und festgestellt, dass wir Frauen heute zwar mehr Freiheiten haben und doch nicht freier sind. Ich wurde mit so vielen Emotionen und Überlegungen konfrontiert, dass ich nur sagen kann, genau das macht ein wirklich gutes Buch für mich aus. Es bringt mich zum Denken, löst Emotionen in mir aus und irritiert mich. Erzählt wird die Geschichte von Jennifer, der erwachsenen Tochter eines Schlagermoguls, die mit ihren 41 Jahren ihre drei Kinder, die Ehe mit allen „Verpflichtungen“ und das Geschäft ihres Vaters bewältigt. Eines Tages wird ihr Vater Bernd angeklagt, vor Jahren eine Frau vergewaltigt zu haben und Jennifer beginnt an ihr bisher gelebtes Familienleben zu zweifeln. Sie erinnert sich an ihren alten Freund Paul, seiner Familie, die ihre Familie ersetzt hat und an ihre Mutter, die eines Tages nicht mehr Teil ihrer eigenen Familie war. Durch diese Erinnerungen an ihre Vergangenheit erlebe ich, wie ungerecht das Gesetz früher gegenüber Frauen war und durch Jennifers Gedanken und das Handeln ihres Vaters erkenne ich, dass diese patriarchalen Strukturen auch heute noch Frauen beherrschen. Ganz viel Wut, die ich einem so mächtigen Mann gegenüber verspüre und Verzweiflung, da hoffnungslose Abhängigkeit herrscht. Definitiv kein leichtes Buch, aber für mich ein sehr wichtiges Buch. S.117 „Wenn ihr Vater ein Vergewaltiger wäre, dann wäre alles, was jemals passiert wäre, ihr Aufwachsen, ihre Jugend, die Geschichte ihrer Eltern so nicht geschehen. Alles müsste neu beurteilt, aufgearbeitet und erzählt werden. Dann wäre nichts wahr gewesen, was ihr erzählt worden war.“ S.30 „Jennifer dachte an ihren Kindheitsfreund Paul, seitdem sie denken konnte. Man entscheidet sich irgendwann. Geht einen Weg. Aber übrig bleiben in Gedanken so viele ungelebte Leben.“

    12. Okt. 2024

  • hamburger.lesemaus
    hamburger.lesemaus

    401 Follower

    5,0

    DIE UNGELEBTEN Caroline Rosales Jennifer ist Mutter von drei Kindern, sie ist Mitinhaberin und Vollzeitbeschäftigte in dem Familienunternehmen ihres Vaters, besucht Kindergarten- und Schulveranstaltungen, stillt nebenbei ihren Säugling, begleitet Schlagersänger:innen auf deren Tourneen und sorgt nebenbei für das sexuelle Wohlbefinden ihres Mannes Max. Max ist bei all dem keine Stütze. Er möchte mit der Kindeserziehung nichts zu tun haben, arbeitet in einer nicht florierenden Kanzlei und leidet mit seinem mangelnden Selbstwertgefühl darunter, dass Jennifer die Millionen auf dem Konto hat, obwohl diese kein abgeschlossenes Studium hat. Als Jennifer eine Nachricht erhält, dass eine ehemalige Schlagersängerin ihren Vater der Vergewaltigung bezichtigt, bricht für Jennifer eine Welt zusammen. In Rückblicken erfahren wir mehr über Jennifers Kindheit und über ihren Vater Bernd, der ein Platten-Label aufbaute und diesen in ein Imperium verwandelte. Mit einigen Tricks kam Bernd zu Geld, nahm gut-aussehende Frauen unter Vertrag und gab ihnen die Chance, eine Platte aufzunehmen - deren Aufnahme sie allerdings selber finanzieren mussten. Diese kleinen Sternchen am Schlager-Plattenhimmel wurden jedoch von Bernd nicht nur finanziell ausgenommen, sondern auch sexuell … Drei Monate und zwei Songs später war er ihrer überdrüssig und entließ sie mit den Worten „Du hat es nicht gebracht“ in ihre private Insolvenz. Wir erfahren, wie Jennifers narzisstischer Vater auch sie manipulierte. Wie er sich von ihrer Mutter scheiden ließ, die Schuld der Trennung ihr zuwies und diese auch vom Gericht bestätigt bekam. Bernd hielt systematisch alle Frauen in seiner Umgebung klein und vernichtete sie, wenn es nicht nach seinem Credo lief. Was für ein Buch! Selten habe ich so viel Wut beim Lesen eines Buches empfunden, wie bei diesem. Das ganze Buch ist ein Spiegel der 70/80-Jahre, wo die Männer sich viel zu viel gegenüber den Frauen herausnahmen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Der Schreibstil ist nicht immer leicht. Einige Male musste ich nach hinten blättern, gucken, ob ich wirklich alles verstanden habe - einige Passagen musste ich sogar ein weiteres Mal lesen. In der Mitte wurde mein Herz gebrochen und das Ende hätte ich mir anders gewünscht, passt jedoch perfekt zum Buch. Ein ganz großes Buch, das ich euch unbedingt empfehlen möchte. Gerne würde ich mehr von der Autorin lesen. 5/ 5

    29. Aug. 2024

3 von 26 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Caroline Rosales

Caroline Rosales, geboren 1982 in Bonn, ist Autorin mehrerer Bücher und Kolumnistin bei der ZEIT. Im Jahr 2019 erschien ihr feministisches Memoir «Sexuell verfügbar», das sie für die ARD als Serie verfilmt hat, im Jahr 2021 ihr literarisches Debüt «Das Leben keiner Frau», gefolgt von «Die Ungelebten» (2025). Rosales lebt mit ihrer Familie in Berlin. 2027 erscheint ihr neuer Roman bei parkxullstein. Rosales gilt als eine der markantesten Erzählerinnen ihrer Generation. Ihre Texte verbinden persönliche Erfahrung mit gesellschaftspolitischer Schärfe und zeichnen sich durch einen Stil aus, der berührt und provoziert zugleich.

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