Blick ins Buch

Ausweitung der Kampfzone

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Über das Buch

Editionen (7)

ISBN9783499230707
VerlagROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum02.04.01
Seitenzahl176

Rezensionen & Bewertungen

66 Bewertungen

12 Rezensionen

3,2

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  • carmen86
    carmen86

    105 Follower

    2,0

    Houellebecq und die Frauen: eine wiederholende Begegnung auf Hüfthöhe 🚷❌

    Ja, er schreibt gut, aber: für mich denkt der Schriftsteller nicht gut. Vielleicht versteh ich die Tiefgründigkeit der Texte nicht, aber ich hab mich doch recht viel mit Artikeln zu Houellebecq beschäftigt und les in den Texten nur noch Erniedrigung von Menschen (primär Frauen) und schlechte Pornotexte. In diesem Sinne: „Entschuldigt mich einen Augenblick. (…) Nachdem ich mich eingeschlossen hatte, steckte ich mir zwei Finger in meinen Rachen, aber es kam nur enttäuschend wenig heraus. Danach masturbierte ich, mit größerem Erfolg.“ ⛔️❌

    3. Feb. 2026

  • lesekosmos
    lesekosmos

    51 Follower

    3,0

    Kann man Künstler und Werk wirklich trennen?

    Selten hat mich ein Autor so innerlich zerrissen zurückgelassen. Soll ich jetzt hassen oder lieben, was ich da gelesen habe und ich kann mir schwer vorstellen, das es etwas dazwischen gibt. Oder genügt bloßes Kopfschütteln? Oder hätte ich diesen aktuell berühmtesten französischen Autor am Ende gar nicht lesen dürfen? Houellebecq’s Protagonist ist ein 30-jähriger Informatiker, der alles mitbringt, um keine Identifikationsfigur zu werden. Depressiv, misanthrop, zynisch: „absolute Einsamkeit, das Gefühl einer universellen Leere und die Ahnung, dass die Existenz auf ein schmerzhaftes und endgültiges Desaster zuläuft.“ Ganz schnell entsteht ein Plot, der durch seinen existentialistischen und trostlosen Tenor auf die Lesestimmung drückt. Da beruhigt es nur begrenzt, wenn die Hauptfigur sich selbst als nicht suizidal einstuft („seit einigen Jahren lief es nicht gut, aber das war noch lange kein Grund, das Experiment abzubrechen“). Trotz aller scheinbarer Negativität ist der Erzählfluß unterhaltsam, kurzweilig und stellenweise sogar humorvoll. Dann aber gleich wieder provozierend bis schockierend, wenn Houellebecq sich nicht zurückhält bei der schonungslosen Abrechnung mit Personen („man hätte sie für einen Kalbskopf mit Petersilie halten können“), Städten („In Rouen zu sterben, … war mir eine besonders hassenswerte Vorstellung. Zu viel der Ehre für diese idiotischen Einheimischen“), Berufsgruppen („Analytiker betreiben in Wirklichkeit eine skandalöse Zerstörung des menschlichen Lebens“). Er schreckt selbst nicht davor zurück, seine weiblichen Leser vor den Kopf zu stoßen („Vielleicht sind Sie, geneigter Freund und Leser, ja selbst eine Frau. Das kann schon vorkommen, machen Sie sich nichts daraus.“). Provokation als literarisches Stilmittel ist nicht neu, aber hier handelt es sich um ein herausragendes und unvergleichlich schwer einzuschätzendes Exemplar. Aber dann ist da andererseits noch diese andere Seite, der Feingeist Houellebecq, der mit Formulierungen punktet, die eines französischen Romanciers würdig wären: „ …eine Hellsichtigkeit, die die Wahrnehmungsmuster der gewöhnlichen Existenz offenkundig überschreitet…..welches das menschliche Auge auf einen unendlichen Weg ohne Grenzen führt, unendlich in seiner geometrischen Reinheit, jenseits aller Leiden, jenseits der Welt.“ Tiefgreifende Wahrnehmungen und deren Artikulation, wie sie nur einer hypersensitiven Persönlichkeit mit exzellentem sprachlichen und literarischen Können gelingen können und die einen ein ums andere Mal fesseln, in Staunen versetzen und Motivation zum Weiterlesen sind. Was ist das für ein Mann, dieser inzwischen weltberühmte Michel Houellebecq? Vielleicht hilft ja wie bei den meisten Autoren ein Blick auf seinen realen Background weiter. Weit gefehlt. Die Verwirrung nimmt zu. Auf Reunion geboren und teilweise in Algerien aufgewachsen, wurde er überwiegend von den Großeltern aufgezogen. Mit seiner Mutter verbindet ihn ein tiefes Zerwürfnis, zu dem der bis heute anhaltende Streit um sein korrektes Geburtsdatum gehört. Houellebecq schockiert, polarisiert. Man hat sich in Presse und Öffentlichkeit angewöhnt, derartige Ausführungen als gezielte Provokationen und vielleicht sogar Marketing-Gag zu verbuchen, die vielleicht nicht ganz ernst gemeint seien, sogar irgendwie erfrischend und abgründig frivol rüber kämen. Houllebecq feiert Trump ob seiner vorbildlichen US-Politik, unterstützt in Frankreich die rechtsorientierte Partei von Marine Le Pen, fordert den Austritt Frankreichs aus Nato und EU und wird dennoch vom linksliberalen Leserkreis zumeist mit erstaunlicher Ehrerbietung gewürdigt. Houellebecq hält die Presse- und Medienfreiheit für überbewertet. Liest man jedoch die journalistischen Rezensionen seiner Werke, ist bei ihm eh alles, jede Wortmeldung, jedes Interview eine künstlerische Strategie. Frauenfeindlichkeit? Es stört ausgerechnet die Kritikerinnen auf einmal gar nicht mehr, dass ein Geschlechtermodell vergangener Jahrhunderte sein Vorbild ist, man verzeiht ob der Schönheit des literarischen Werkes. Wie kann es sein, dass alle versuchen, einen Autor für sich zu vereinnahmen, der sowohl die Europäer, Ökos als auch die Feministen abschießt? Genügen da wirklich eine Reihe schöner feinsinniger Worte, um das alles zu kompensieren und vergessen zu machen? Es bleibt Ratlosigkeit.

    5. Juni 2026

  • 2,0

    Heute möchte ich euch den Roman 'Ausweitung der Kampfzone' (orig. Extension du domaine de la lutte) von Michel Houellebecq aus dem Jahr 1994 vorstellen. Die deutsche Übersetzung stammt von Leopold Federmair. Gelesen habe ich das 130 Seiten umfassende E-Book aus dem Wagenbach-Verlag. Der Roman begleitet einen namenlosen, desillusionierten IT-Angestellten, der zwischen Provinzseminaren, Pariser Alltag und innerer Leere umherirrt. Dabei entwirft Houellebecq das nüchterne und provokante Bild einer Gesellschaft, in der sich der wirtschaftliche Wettbewerb längst auf zwischenmenschliche Beziehungen und das Liebesleben ausgeweitet hat. Sprachlich ist der Debütroman klar, sachlich und stellenweise fast protokollartig erzählt, was mir grundsätzlich gefallen hat. Die kühle, distanzierte Erzählweise und die schonungslose Direktheit unterstreichen die innere Leere der Hauptfigur und machen die gesellschaftliche Kälte deutlich spürbar. Gerade diese Trockenheit verstärkt viele der unbequemen Momente und sorgt dafür, dass man sich dem Gelesenen kaum entziehen kann. Inhaltlich war das Buch für mich jedoch schwer auszuhalten. Frauenfeindlichkeit, Diskriminierung und rassistische Denkmuster durchziehen die Handlung. Besonders verstörend empfand ich eine Szene, in der die Hauptfigur einen Nebencharakter zu einer Vergewaltigung und sogar zu einem Mord anstacheln will, nachdem eine Frau kein Interesse an ihm zeigt. Diese Eskalation war für mich abstoßend und kaum erträglich. Auch die pauschale Darstellung von Obdachlosen als bösartig, brutal und dumm hat mich sehr gestört. Positiv hervorheben möchte ich, dass man einen intensiven Einblick in den tristen Alltag der Hauptfigur erhält, die alles andere als ein Sympathieträger ist. So hart es klingt, die Depression der Figur hat bei mir ambivalente Gefühle ausgelöst. Da ich selbst weiß, wie zerstörerisch Depressionen sind, konnte ich diesen Aspekt nachvollziehen. Gleichzeitig fühlte es sich bei dieser unsympathischen Figur beinahe wie eine Form ausgleichender Gerechtigkeit an. Für mich bleibt ein literarisch interessant geschriebener, aber inhaltlich schwer verdaulicher Roman, der mich letztlich mehr abgestoßen als überzeugt hat. Bewertung: 2 von 5 Sterne ✨️

    27. Feb. 2026

3 von 12 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Michel Houellebecq

Der wohl bekannteste französische Autor der Gegenwart wurde 1958 in La Réunion geboren. Er ist Preisträger des angesehenen Grand Prix des Lettres, des Prix Novembre, des Impac-Preises und des Prix de Flore. Mit "Plattform" erregte er, wie bereits mit seinen früheren beiden Romanen, internationales Aufsehen. Michel Houellebecq lebt heute in Irland in der Grafschaft Cork.

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