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Der Morgen nach dem Regen

4,1(104)
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Über das Buch

Johanna und ihre Tochter Eisa stehen sich schon lange nicht mehr nahe – Eisa hat nie überwunden, dass ihre Mutter früher beruflich viel unterwegs war und wenig Zeit für die Familie hatte. Viele Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante Toni am Rhein, wo sie und Eisa herrliche Sommer miteinander verbracht haben. Als Eisa sie dort besucht, stellen sie sich endlich der Vergangenheit – und Johanna offenbart ihrer Tochter ein schwerwiegendes Geheimnis.

Ein bewegender Roman über die Zerrissenheit einer Frau zwischen der Leidenschaft für ihren Beruf und dem Bedürfnis, für ihre Familie da zu sein, über tief sitzenden Schmerz, Schuld und Versöhnung – vor großartigen internationalen Settings.

Editionen (3)

ISBN9783458684213
VerlagInsel Verlag
Erscheinungsdatum17.09.25
Seitenzahl431

Rezensionen & Bewertungen

104 Bewertungen

27 Rezensionen

4,1

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  • babe.tt
    babe.tt

    248 Follower

    5,0

    Wenn das Leben Schatten zwischen Mutter und Tochter wirft.„Der richtige Zeitpunkt, etwas aus der Welt zu schaffen, ist immer jetzt."

    St. Goar am Mittelrhein ist der Wohlfühlort, an dem die Welt noch in Ordnung ist. Hier kann man die Seele baumeln lassen und sich vom Stress der übrigen Welt wieder erholen. Das gilt auch für Hanna und Elsa, Mutter und Tochter, die gemeinsam das Haus ihrer Tante Toni in St. Goar geerbt haben. Nur verstehen sich die beiden nicht sonderlich gut. Hanna lebte mit der Familie in New York. Die Familie bestand aus ihrem Mann Richard, ihrer Tochter Elsa und ihr. Nach einer Zeit im Büro der UNO erhält sie die Chance, weltweit als Koordinatorin in Krisengebieten eingesetzt zu werden. Ihr Mann ist zwar nicht glücklich darüber, stimmt aber letztendlich zu, die Tochter tut sich mit den ständigen Abschieden deutlich schwerer. Und natürlich verpasst Hanna auch einen Großteil von Elsas Kindheit, Auftritte in der Schule, Sportveranstaltungen, Einladungen, das alles entgeht ihr. Trotzdem: Elsa hängt an ihrer Mutter und möchte es ihr in allem recht machen. Erst ein von Hanna verpasster Ballettauftritt, den Elsa noch mit verstauchtem Fuß absolviert, weil sie ihre Mutter im Publikum wähnt, führt zum Bruch. Zum Bruch nicht nur Elsas mit ihrer Mutter, sondern letztendlich auch zum Bruch zwischen den Ehepartnern. Nun sind die beiden seit 10 Jahren geschieden und Elsa hat unterdessen Karriere als Anwältin gemacht. Am internationalen Gerichtshof in Den Haag vertritt sie Straftäter, denen nicht nur ein Mord sondern Völkermord zur Last gelegt wird. Trotz der schwierigen Situation ist Hanna unglaublich stolz auf ihre Tochter, ein Vorfall vor 10 Jahren verbietet ihr aber, ihr das jemals zu gestehen. 2023 jedoch erleidet Elsa einen Burnout und hofft, an ihrem alten Wohlfühlort am Mittelrhein wieder gesund zu werden und Kräfte zu tanken. Dort trifft sie auf ihre Mutter, die gerade mit Renovierungsarbeiten begonnen hat. Der Roman erzählt in Gegenwart und Rückblenden aus der Vergangenheit aus dem Leben der Frauen. Dabei sind die Passagen, die von Hannas Arbeit bei der UNO berichten, zwar interessant, aber nicht das eigentliche Thema. Hier hat die Autorin auf eigene Erfahrungen in vergleichbaren internationalen Organisationen zurückgegriffen. Es geht um eine zunächst aussichtslos erscheinende Beziehungsstörung zwischen Mutter und Tochter. Hanna versucht, an Elsa heranzukommen und Elsa tut alles, damit ihr das nicht gelingt. Da muss nicht nur bildlich gesprochen ein Sturm aufziehen, damit beide ihr Schweigen überwinden. „Der Morgen nach dem Regen“ hinterlässt nicht nur in der Natur ein totales Chaos, sondern auch im Kopf von Hanna und Elsa. Hanna entscheidet sich endlich, das Schweigen zu brechen, das ihr Verhältnis so lange belastet hat. Sie tritt als Mutter in Vorleistung, aber erst, als sie schon nicht mehr daran glauben will, kann sie doch noch den Zugang zu ihrer Tochter finden. Dass auch Tante Toni mit ihren Lebensweisheiten und Ratschlägen immer mal wieder auftaucht, ist ein schönes Stilmittel. Es ist, als ob sie ihnen zurufen würde: Wir haben nur ein Leben, nur eine Chance, das Beste daraus zu machen. Mich hat das Buch aus verschiedenen Gründen angesprochen. Einmal lebt sie als Mittelrheinerin in diesem schönen Tal und freue mich, es als Wohlfühlort und Zufluchtsort beschrieben zu sehen. Aber ich fand auch die Quintessenz des Buches ausgesprochen wichtig. Wenn man gut miteinander leben will, dann ist es auch schon mal nötig, über den eigenen Schatten zu springen, sich seine eigenen Fehler einzugestehen und im ehrlichen Gespräch zu bleiben. Wie beschreibt es Silvia, die Pianistin aus der Nachbarschaft so schön: „Der richtige Zeitpunkt, etwas aus der Welt zu schaffen, ist immer jetzt

    Wenn das Leben Schatten zwischen Mutter und Tochter wirft.„Der richtige Zeitpunkt, etwas aus der Welt zu schaffen, ist immer jetzt."

    23. Juli 2025

  • 4,5

    Zwischen Sehnsucht und Schmerz

    Unscheinbar und fast seicht kommt der Klappentext und das Cover dieses Romans daher- und dann trifft einen der Inhalt mit einer unfassbaren Wucht. „Der Morgen nach dem Regen“ hat mich auf eine Weise berührt, wie es lange kein Buch mehr geschafft hat. Schon die ersten Seiten tragen einen zurück an den Sehnsuchtsort von Mutter und Tochter – ein Ort, der mehr ist als nur Landschaft, mehr als Häuser und Gassen. Er ist durchdrungen von Erinnerungen, von der Melancholie einer Kindheit, die trotz der vielen Brüche voller Wärme und stiller Momente war. Diese Nostalgie schwingt durch die gesamte Geschichte mit und weckt eigene Emotionen nach dem eigenen Rückzugsort der Kindheitserinnerung. Gleichzeitig entfaltet sich ein schonungslos ehrlicher Blick auf das zerrüttete Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Autorin schildert mit feiner Genauigkeit, wie die Mutter zwischen UN-Karriere in Kriegsgebieten und Kind zu zerreißen droht und dabei gerade das verliert, was am wichtigsten gewesen wäre: das Vertrauen und die Nähe zu ihrer Tochter. Der Schmerz der jungen Frau, die sich ihr Leben lang weniger wertvoll fühlte als die Menschen der humanitären Krisen, um die sich ihre Mutter voller Inbrunst kümmerte, geht tief. Ich konnte diese Verletzung fast körperlich spüren, weil sie so glaubwürdig und unverstellt erzählt wurde – voller Bitterkeit, aber auch voller Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe. Besonders beeindruckend waren die Einblicke in den Internationalen Strafgerichtshof und die Arbeit der UN. Vor dem Roman habe ich mich nicht wirklich mit den Aufgabengebieten und dem Ethos dessen auseinandergesetzt. Der Druck, die Last der Verantwortung und die moralischen Abgründe, die sich auftun, wenn man Kriegsverbrecher verteidigt oder in Kriegsgebieten arbeitet– all das wurde greifbar. Und doch gelingt es der Autorin, eine Perspektive zu eröffnen, die jenseits von Schwarz und Weiß liegt: Täter erscheinen nicht nur als Monster, sondern als Menschen, die selbst in einem zerstörerischen System gefangen sind. Dieser Gedanke hat mich lange beschäftigt, ebenso wie die faszinierenden Einblicke in die Arbeit der UN, deren Bedeutung im Roman eindrucksvoll und voller Respekt herausgestellt wird. „Der Morgen nach dem Regen“ ist kein Buch, das man einfach zuschlägt und vergisst. Es hallt nach, weil es von Sehnsucht und Verletzung erzählt, aber auch von Hoffnung und der Möglichkeit, alte Wunden vielleicht doch zu heilen. Für mich war es ein intensives Leseerlebnis, das den Blick auf Familie, Schuld und Gerechtigkeit erweitert hat – und das einen tief im Innersten berührt.

    28. Sept. 2025

  • i.smell.rain
    i.smell.rain

    188 Follower

    5,0

    "Das Schwerste? Sich selbst zu kennen. Nicht wissenschaftlich, nicht psychologisch, nicht rationalistisch, sondern geschichtlich. Die Geschichte meiner Seele zu erfahren und zu prüfen, ist der Weg der Wahrheit."

    "Das Schwerste? Sich selbst zu kennen. Nicht wissenschaftlich, nicht psychologisch, nicht rationalistisch, sondern geschichtlich. Die Geschichte meiner Seele zu erfahren und zu prüfen, ist der Weg der Wahrheit." In diesem Buch geht es um eine schwierige Mutter-Tochter-Konstellation. Schon früh fühlte sich Johanna's Tochter Elsa emotional vernachlässigt, dabei fehlte ihr die Zuneigung und Geborgenheit ihrer Mutter. In ihrer kindlichen Wahrnehmung und Vorstellung war die Liebe nicht groß genug bzw. reichte nicht aus, sich ihrer Arbeit zu entbehren und mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen.  Für Johanna selbst gestaltet sich das während ihrer beruflichen Laufbahn als sehr viel schwieriger. Ihre Tätigkeit als Entwicklungshelferin für internationale Hilfsorganisationen der UNO machte es ihr nahezu unmöglich, die Balance zwischen ihrem anspruchsvollen Beruf und der Familie aufrechtzuerhalten. Fast 30 Jahre später erbt Johanna das Haus ihrer Tante Toni in Sankt Goar am Rhein und verlässt New York. Dort wird sie unvermittelt mit der gebündelten Ladung ihrer Vergangenheit und ihrer aufgestauten Gefühlswelt konfrontiert. Elsa, die in Den Haag am Internationalen Gerichtshof arbeitet, kann ihre gewohnte Energiequelle und Ablenkung in ihrer Arbeit plötzlich nicht mehr aufrechterhalten. Sie leidet zunehmend unter depressiven Verstimmungen. Sie zieht es ebenfalls nach Deutschland und sucht Ruhe in Tante Tonis Haus. Doch die Genesung wird im Beisein ihrer Mutter zu einer echten Herausforderung. Elsa erfährt das komplette Ausmaß und die Wahrheit über Johannas Vergangenheit und ihre Zerrissenheit in der damaligen vermeintlichen Familie. Kann sie mehr Verständnis nach diesen Enthüllungen entwickeln und den Weg der Vergebung und Heilung ebnen?  "Man spricht nicht umsonst von der reinigenden Kraft des Regens. Genauso ergeht es Mutter und Tochter."  Das Buch liefert erschütternde und zugleich höchst interessante Einblicke in den Arbeitsalltag der UNO, die Kriegsschauplätze und das tägliche persönliche Risiko, welchen sich Johanna und ihrem Team aussetzen muss. Die Autorin weist ein unglaubliches Feingefühl für die komplexe Thematik der Mutter-Kind-Dynamik auf. Beeindruckend ist, wie authentisch ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen aus der humanitären Arbeit (WHO) in Kriegsgebieten in die Erzählung einfließen. Die nostalgischen Erzählungen aus Johannas Kindheit, werden mit dem leckeren Apfel-Pfannkuchen Rezept ihrer Tante Toni perfekt abgestimmt. War für ein grandioses Buch! Ganz still fing es an und entwickelte zwischendurch eine unglaubliche Lautstärke, bin sehr beeindruckt. Eine klare Empfehlung geht raus.

    "Das Schwerste? Sich selbst zu kennen. Nicht wissenschaftlich, nicht psychologisch, nicht rationalistisch, sondern geschichtlich. Die Geschichte meiner Seele zu erfahren und zu prüfen, ist der Weg der Wahrheit."

    13. Okt. 2025

3 von 27 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Melanie Levensohn

Die Deutschamerikanerin Melanie Levensohn wurde in Darmstadt geboren, studierte Politikwissenschaften und Literatur in Frankreich und Chile und erwarb ihr Diplom am Institut d’Études Politiques (Sciences Po) in Paris. Von 2001 bis 2006 war sie als Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation rund um die Welt im Einsatz, oft in Krisengebieten. Danach arbeitete sie viele Jahre als Pressereferentin bei der Weltbank in Washington, D.C. 2013 zog sie mit ihrem Mann ins Napa Valley in Kalifornien, wo sie einen preisgekrönten Cabernet Sauvignon produzierten. Seit 2021 lebt Melanie Levensohn mit ihrer Familie in der Schweiz. 2018 erschien ihr Debütroman Zwischen uns ein ganzes Leben, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.

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