Anfang der Siebzigerjahre kommt Johann zum Studieren in die Stadt, den Kopf voll wirrer Träume. Er trifft Christiane und Tommi, die ein Paar sind und ihn in ihre Mitte nehmen. Gemeinsam erkunden sie die hellen und die dunklen Seiten der Liebe, gefangen in einem Dreieck, das sich immer enger zuzieht. Als Johann ein Kind war, fragte sein Vater, ob er einen Wunsch im Leben habe. Und Johann hatte sich nicht getraut zu antworten: »Einmal im Leben möchte ich einen Mann töten.« »Die Verdorbenen« ist eine meisterhafte Erkundung des Bösen.
Dreiecksbeziehung in den 70er Jahren. Gut geschrieben, aber der Grund, warum man den Roman unbedingt lesen und weiterempfehlen sollte, erschließt sich nicht.
23. März 2025
3,5
Dreiecksbeziehung in den 70er Jahren. Gut geschrieben, aber der Grund, warum man den Roman unbedingt lesen und weiterempfehlen sollte, erschließt sich nicht.
Gleich zu Beginn des Buches erfahren wir, dass der Ich-Erzähler bereits als Kind den Wunsch hat, eines Tages einen Mann zu töten.
Im weiteren Verlauf führt uns die Geschichte auch genau da hin und in die Jahre nach der Tat.
Ich hatte mir mehr von dem Buch erhofft, fand die erste Hälfte zäh und langatmig, die zweite Hälfte und der Schluss hingegen haben mir besser gefallen.
Sprachlich ist es sehr schön - aber ansonsten hat es leider einfach nicht die Tiefe, die ich erwartet hatte.
31. Aug. 2025
2,0
Gleich zu Beginn des Buches erfahren wir, dass der Ich-Erzähler bereits als Kind den Wunsch hat, eines Tages einen Mann zu töten.
Im weiteren Verlauf führt uns die Geschichte auch genau da hin und in die Jahre nach der Tat.
Ich hatte mir mehr von dem Buch erhofft, fand die erste Hälfte zäh und langatmig, die zweite Hälfte und der Schluss hingegen haben mir besser gefallen.
Sprachlich ist es sehr schön - aber ansonsten hat es leider einfach nicht die Tiefe, die ich erwartet hatte.
"Schuld besteht darin, nicht zu wissen, was man anderen antut."
Johann, der Erzähler des Romans "Die Verdorbenen", hält sich Mitte der 1970er Jahre zum Studieren in Marburg an der Lahm auf. Sein Vater hat ihn vor seinem Auszug in einem Gespräch gefragt, was er sich denn vorgenommen habe, nun, da er beginnt, sein eigenes Leben zu gestalten. Johann bleibt ihm die Antwort schuldig, innerlich jedoch hat er die Antwort bereits formuliert: "Einmal im Leben möchte ich einen Mann töten." Und dieses Eingeständnis legt, bewusst oder unbewusst, den Grundstein für seine Zukunft und ebent den Weg, auf den die Geschichte unausweichlich zusteuert.
➸ Ähnlich wie in einer kammerspielartigen Studie erforscht Autor Michael Köhlmeier in seinem doch recht kurzen Roman die Folgen der Dreiecksbeziehung zwischen Johann und seinen Mitstudenten Christiane und Tommie - eine Beziehung mit selbstzerstörerischen Tendenzen, die Fragen nach der Bedeutung von Liebe und Besessenheit aufwirft, sich aber auch mit der dunklen Seite der Unschuld auseinandersetzt. Dazwischen erhält man als Leser minutiös Einblicke in das träge Stundentenleben und das immer bizarrer werdende Verhältnis der drei Hauptfiguren zueinander, mitsamt deren seelischen Deformationen. Beinahe hingebungsvoll werfen sich die Drei in ihre eignen Abgründe, verletzen sich durch Worte und langweilen sich in ihrer Verlorenheit, nur um getrennt voneinander in die nächste dunkle Gasse abzubiegen, um sich erneut zu begegnen. Ich muss ehrlich gestehen, dass mich dieses Buch durchaus fasziniert hat und mich doch gleichermaßen irritiert zurücklässt, denn der Erzählfluss ist durchaus flott, der Handlungsverlauf hingegen plätschert oft dahin, anstatt mitzureißen. Es ist eine Geschichte zwischen Ohnmacht und Lebensentwurf, Verantwortung und Zufall und genau zwischen diesen zwei Stühlen stehe ich auch mit meiner Meinung. Einfach mal reinlesen und sich selbst ein Bild machen würd ich sagen. Ein gutes Buch, für das es aber definitiv die richtigen Leser braucht.
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25. Jan. 2025
2,5
"Schuld besteht darin, nicht zu wissen, was man anderen antut."
Johann, der Erzähler des Romans "Die Verdorbenen", hält sich Mitte der 1970er Jahre zum Studieren in Marburg an der Lahm auf. Sein Vater hat ihn vor seinem Auszug in einem Gespräch gefragt, was er sich denn vorgenommen habe, nun, da er beginnt, sein eigenes Leben zu gestalten. Johann bleibt ihm die Antwort schuldig, innerlich jedoch hat er die Antwort bereits formuliert: "Einmal im Leben möchte ich einen Mann töten." Und dieses Eingeständnis legt, bewusst oder unbewusst, den Grundstein für seine Zukunft und ebent den Weg, auf den die Geschichte unausweichlich zusteuert.
➸ Ähnlich wie in einer kammerspielartigen Studie erforscht Autor Michael Köhlmeier in seinem doch recht kurzen Roman die Folgen der Dreiecksbeziehung zwischen Johann und seinen Mitstudenten Christiane und Tommie - eine Beziehung mit selbstzerstörerischen Tendenzen, die Fragen nach der Bedeutung von Liebe und Besessenheit aufwirft, sich aber auch mit der dunklen Seite der Unschuld auseinandersetzt. Dazwischen erhält man als Leser minutiös Einblicke in das träge Stundentenleben und das immer bizarrer werdende Verhältnis der drei Hauptfiguren zueinander, mitsamt deren seelischen Deformationen. Beinahe hingebungsvoll werfen sich die Drei in ihre eignen Abgründe, verletzen sich durch Worte und langweilen sich in ihrer Verlorenheit, nur um getrennt voneinander in die nächste dunkle Gasse abzubiegen, um sich erneut zu begegnen. Ich muss ehrlich gestehen, dass mich dieses Buch durchaus fasziniert hat und mich doch gleichermaßen irritiert zurücklässt, denn der Erzählfluss ist durchaus flott, der Handlungsverlauf hingegen plätschert oft dahin, anstatt mitzureißen. Es ist eine Geschichte zwischen Ohnmacht und Lebensentwurf, Verantwortung und Zufall und genau zwischen diesen zwei Stühlen stehe ich auch mit meiner Meinung. Einfach mal reinlesen und sich selbst ein Bild machen würd ich sagen. Ein gutes Buch, für das es aber definitiv die richtigen Leser braucht.
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25. Jan. 2025
3 von 16 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Michael Köhlmeier
Michael Köhlmeier, 1949 in Hard am Bodensee geboren, lebt in Hohenems / Vorarlberg und Wien. Bei Hanser erschienen u. a. die Romane »Abendland« (2007), »Zwei Herren am Strand« (2014), »Matou« (2021), »Frankie« (2023), »Das Philosophenschiff« (2024) und »Die Verdorbenen« (2025), außerdem Gedichtbände«, »Die Märchen« (mit Bildern von Nikolaus Heidelbach, 2019) sowie die Essaybände »Das Schöne. 59 Begeisterungen« (2023)« und »Das Gute. 53 Zuneigungen« (2025). Michael Köhlmeier wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 2017 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für sein Gesamtwerk und 2019 mit dem Ferdinand-Berger-Preis.