Blick ins Buch

Romane

Andersen

3,2(7)
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Über das Buch

Auf der Shortlist: Schweizer Buchpreis 2016

Ein Mann erlebt seine eigene Wiedergeburt. Um ein besserer Mensch zu werden? Wer wie Damian Andersen in seiner vorangegangenen Existenz vom Bösen durchdrungen war, hat andere Pläne. Schon als Baby fallen seine sonderbaren Verhaltensweisen auf: Der kleine Jonas – wie er nun heißt – weint selten, trainiert wie besessen seine motorischen Fähigkeiten, und seine Eltern glauben sogar manchmal, den wissenden Blick eines Greises wahrzunehmen. Kaltblütig plant er seine Flucht. Als er jedoch ein einziges Mal einen Menschen zum Freund haben will, ist sein Schicksal besiegelt, denn eine Regung des Guten erträgt das Böse nicht. Wie Damian Andersen seine zweite Chance nutzt, lässt das Blut bis in die nächste Generation gefrieren.

Editionen (5)

ISBN9783423146456
Verlagdtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum20.07.18
Seitenzahl400

Rezensionen & Bewertungen

7 Bewertungen

1 Rezensionen

3,2

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  • wildeskopfkino
    wildeskopfkino

    147 Follower

    4,0

    Wenn das Böse im Babybett liegt

    Manchmal liest man einen Klappentext und denkt sich: Na gut, das klingt schon ziemlich wild. Und dann kommt Charles Lewinsky um die Ecke, setzt noch einen drauf und serviert einem eine Geschichte, bei der man zwischendurch ernsthaft das Buch anschaut und denkt: Entschuldigung, was passiert hier gerade? Andersen ist kein gemütlicher Roman zum Wegkuscheln. Dafür ist diese Grundidee viel zu böse, viel zu schräg und ehrlich gesagt auch ziemlich genial. Ein brutaler Folterer wird wiedergeboren, steckt plötzlich in einem Säugling und bringt trotzdem sein altes, finsteres Innenleben mit. Das klingt absurd, aber genau darin liegt der Reiz. Dieses kleine Wesen sollte eigentlich Schutzinstinkte auslösen, stattdessen sitzt man da und denkt: Bitte nicht allein mit dem Baby lassen. Lewinsky erzählt das mit einer Mischung aus schwarzem Humor, Kälte und richtig viel erzählerischer Raffinesse. Das Buch spielt mit der Frage, ob ein Mensch wirklich eine zweite Chance verdient, wenn in ihm nichts nach Reue aussieht. Und ja, das ist manchmal unbequem. Aber eben auch verdammt spannend. Was mir besonders gefallen hat: Diese Geschichte bleibt nicht brav in einer Schublade. Sie ist böse, philosophisch, makaber und trotzdem erstaunlich lesbar. Kein Roman, der einen ständig anschreit, sondern einer, der sich langsam unter die Haut schiebt. Kleine Warnung: Wer Figuren braucht, die man ins Herz schließen kann, wird hier vielleicht hart schlucken. Andersen ist kein Sympathieträger, eher ein literarischer Stachel im Kopf. Aber genau deshalb funktioniert das Buch so gut. Für mich ein richtig starkes, bitterböses Gedankenexperiment mit Nachhall. Nicht perfekt gemütlich, aber ziemlich besonders.

    Wenn das Böse im Babybett liegt

    18. Mai 2026

Autorin / Autor

Über Charles Lewinsky

Charles Lewinsky, 1946 in Zürich geboren, arbeitete als Dramaturg, Regisseur und Redakteur, seit 1980 als freier Autor. Er schreibt Hörspiele, Romane und Theaterstücke; außerdem verfasst er Drehbücher, etwa für den Film ›Ein ganz gewöhnlicher Jude‹. Für seine Romane hat er zahlreiche Preise bekommen: Für ›Johannistag‹ erhielt er den Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank; ›Melnitz‹ wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. in China als Bester deutscher Roman 2006, in Frankreich als Bester ausländischer Roman 2008. ›Gerron‹ wurde 2011 für den Schweizer Buchpreis nominiert, der jüngste Roman ›Kastelau‹ war für den Deutschen Buchpreis 2014 nominiert. Charles Lewinsky lebt in Zürich und Frankreich.

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