Blick ins Buch

Romane

Andersen

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Über das Buch

Jonas war ein seltsames Baby. Er weinte selten, übte wie besessen motorische Fähigkeiten; und seine Eltern glaubten sogar manchmal, den wissenden Blick eines Greises in seinem Gesicht zu entdecken. Wie wahr diese Vermutung ist, ahnen sie nicht. Schon als Kleinkind setzt Jonas alles daran, seine Flucht zu planen, ohne dabei aufzufliegen. Als er jedoch ein einziges Mal einen Menschen zum Freund haben will, ist sein Schicksal besiegelt: denn eine Regung des Guten erträgt das Böse nicht. Rasant, klug und mit gerissenem Witz erzählt Charles Lewinsky die Geschichte eines Mannes, der eine zweite Chance bekommt. Und eine dritte. Wie er sie nutzt, lässt das Blut bis in die nächste Generation gefrieren.

Editionen (5)

ISBN9783312006960
VerlagNagel & Kimche
Erscheinungsdatum14.03.16
Seitenzahl400

Rezensionen & Bewertungen

7 Bewertungen

1 Rezensionen

3,2

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  • wildeskopfkino
    wildeskopfkino

    147 Follower

    4,0

    Wenn das Böse im Babybett liegt

    Manchmal liest man einen Klappentext und denkt sich: Na gut, das klingt schon ziemlich wild. Und dann kommt Charles Lewinsky um die Ecke, setzt noch einen drauf und serviert einem eine Geschichte, bei der man zwischendurch ernsthaft das Buch anschaut und denkt: Entschuldigung, was passiert hier gerade? Andersen ist kein gemütlicher Roman zum Wegkuscheln. Dafür ist diese Grundidee viel zu böse, viel zu schräg und ehrlich gesagt auch ziemlich genial. Ein brutaler Folterer wird wiedergeboren, steckt plötzlich in einem Säugling und bringt trotzdem sein altes, finsteres Innenleben mit. Das klingt absurd, aber genau darin liegt der Reiz. Dieses kleine Wesen sollte eigentlich Schutzinstinkte auslösen, stattdessen sitzt man da und denkt: Bitte nicht allein mit dem Baby lassen. Lewinsky erzählt das mit einer Mischung aus schwarzem Humor, Kälte und richtig viel erzählerischer Raffinesse. Das Buch spielt mit der Frage, ob ein Mensch wirklich eine zweite Chance verdient, wenn in ihm nichts nach Reue aussieht. Und ja, das ist manchmal unbequem. Aber eben auch verdammt spannend. Was mir besonders gefallen hat: Diese Geschichte bleibt nicht brav in einer Schublade. Sie ist böse, philosophisch, makaber und trotzdem erstaunlich lesbar. Kein Roman, der einen ständig anschreit, sondern einer, der sich langsam unter die Haut schiebt. Kleine Warnung: Wer Figuren braucht, die man ins Herz schließen kann, wird hier vielleicht hart schlucken. Andersen ist kein Sympathieträger, eher ein literarischer Stachel im Kopf. Aber genau deshalb funktioniert das Buch so gut. Für mich ein richtig starkes, bitterböses Gedankenexperiment mit Nachhall. Nicht perfekt gemütlich, aber ziemlich besonders.

    Wenn das Böse im Babybett liegt

    18. Mai 2026

Autorin / Autor

Über Charles Lewinsky

Charles Lewinsky wurde 1946 in Zürich geboren. Er arbeitete als Dramaturg, Regisseur und Redaktor. Er schreibt Hörspiele, Romane und Theaterstücke und verfasste über 1000 TV-Shows und Drehbücher, etwa für den Film Ein ganz gewöhnlicher Jude, (Hauptdarsteller Ben Becker, ARD 2005). Für den Roman Johannistag wurde er mit dem Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank ausgezeichnet. Sein Roman Melnitz wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. in China als Bester deutscher Roman 2006, in Frankreich als Bester ausländischer Roman 2008. Lewinskys jüngsten Romane wurden für die bedeutendsten deutschsprachigen Buchpreise nominiert: Gerron für den Schweizer Buchpreis 2011, Kastelau für den Deutschen Buchpreis 2014 und Andersen für den Schweizer Buchpreis 2016.

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