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Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr in eine Geschichte abtaucht und ihr den Schluss hinauszögert, um diese besondere Atmosphäre nicht zu verlassen. So ging es mir mit 9 Grad von Elli Kolb. Es war nicht die Geschichte an sich, die ich so besonders fand, sondern wie die Freundschaft zwischen Josie, Rena und Anton hier erzählt wurde. Ich wollte einfach nicht weg von dieser klaren, ehrlichen und wertvollen Freundschaft. Ich wollte die Ehrlichkeit zwischen diesen jungen Menschen weiter genießen, wollte ihren Gesprächen weiter folgen und das Ankommen bei sich selbst miterleben. Ja, es ist vielleicht nicht die neuste Story, die hier erzählt wird, junge studierende Menschen, die ihre Probleme mit sich und der Welt haben und bei dem einen oder anderen Dialogen hatte ich kurz Zweifel, ob Freunde das so miteinander besprechen würden und dann hab ich ein wenig Abstand zu den Figuren genommen, dass Alter der Protagonisten bedacht, mit meinen eigenen jungen Menschen in meinem Leben verglichen, an meine eigenen ehrlichen Freundschaften gedacht und festgestellt, ja, genau so würden sie diese Themen miteinander besprechen. Erzählt werden das Leben von Josie und ihren zwei Freund*innen Rena und Anton. Rena erzählt bei einem Besuch im Schwimmbad ihren Freund*innen, dass sie schwerkrank sie ist und das sie eine Nahtoderfahrung erlebt hat. Diese führt dazu, dass Rena ihr Studium und ihr Leben in Frage stellt und neue Herausforderungen im Leben sucht. Die erste ist das Baden im kalten Wasser mit Josie zusammen. Dieses Baden wird für Josie wie eine Art Sucht, die durch die körperliche Erfahrung im kalten Wasser immer mehr zu sich und ihrem Körper findet. Josie hat große Probleme, ihren Körper anzunehmen und durch die neue Liebschaft zu Lee, die wir hier von Anfang an miterleben dürfen, erkennen wir ihr Hadern noch deutlicher. Lee selbst hat Depressionen und befindet sich gerade in einer „schweren Phase“ und dieses unklare Verhältnis zwischen den Zweien verstärkt Josies Unsicherheiten. Anton verkörpert für mich den ruhigen und stabilen Part in der Freundschaft, hat immer einen guten Rat für die zwei und doch hat er auch einiges mit sich selbst auszumachen, hält seinen Freund erst mal geheim vor den zwei Freundinnen, weil er die Zweisamkeit erst mal für sich haben will. Viele schwere Themen, die authentisch erzählt werden und trotzdem leicht zu lesen sind. Ganz zart und einfühlsam werden sie mir nähergebracht, eingehüllt in eine sanfte, melancholische Stimmung. Sätze, in denen ich mein eigenes junges ich wiedererkannt habe und Themen, mit denen sich junge Menschen heute auseinandersetzen müssen. Stellenweise hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht, aber es ist ein starkes und vielversprechendes Debüt der Autorin, welches ich jungen Leser*innen empfehlen würde oder Menschen wie mir ;), die sich gerne in die inneren und äußeren Kämpfe der jüngeren Generation hineinversetzen wollen. S.44 „Ich wusste, dass es unfair war, aber ich mochte es nur, andere anzuschauen, nicht, selbst längere Zeit angeschaut zu werden. Sobald ich im Fokus von jemandem stand, hatte ich das Gefühl, mich langsam in eine Fotografie zu verwandeln - in etwas, das angeschaut und beurteilt werden, aber nicht zurückblicken kann.“ S.136 „Es kam mir vor, als sei ich eine fest umhüllte Einheit, die so durch Lee erst anstanden war, und ich wusste, dass daran nicht nur irgendetwas, sondern alles falsch war.“ S. 156 „Der Fluss floss um mich herum wie schweres graues Blei, das sich nicht gegen mich wehrte. Ich wehrte mich auch nicht. Irgendwann wurde ich mir bewusst, dass gerade die Zeit aufgehört hatte, und ich spürte nichts als eine unendliche Erleichterung.“
2. Okt. 2024
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr in eine Geschichte abtaucht und ihr den Schluss hinauszögert, um diese besondere Atmosphäre nicht zu verlassen. So ging es mir mit 9 Grad von Elli Kolb. Es war nicht die Geschichte an sich, die ich so besonders fand, sondern wie die Freundschaft zwischen Josie, Rena und Anton hier erzählt wurde. Ich wollte einfach nicht weg von dieser klaren, ehrlichen und wertvollen Freundschaft. Ich wollte die Ehrlichkeit zwischen diesen jungen Menschen weiter genießen, wollte ihren Gesprächen weiter folgen und das Ankommen bei sich selbst miterleben. Ja, es ist vielleicht nicht die neuste Story, die hier erzählt wird, junge studierende Menschen, die ihre Probleme mit sich und der Welt haben und bei dem einen oder anderen Dialogen hatte ich kurz Zweifel, ob Freunde das so miteinander besprechen würden und dann hab ich ein wenig Abstand zu den Figuren genommen, dass Alter der Protagonisten bedacht, mit meinen eigenen jungen Menschen in meinem Leben verglichen, an meine eigenen ehrlichen Freundschaften gedacht und festgestellt, ja, genau so würden sie diese Themen miteinander besprechen. Erzählt werden das Leben von Josie und ihren zwei Freund*innen Rena und Anton. Rena erzählt bei einem Besuch im Schwimmbad ihren Freund*innen, dass sie schwerkrank sie ist und das sie eine Nahtoderfahrung erlebt hat. Diese führt dazu, dass Rena ihr Studium und ihr Leben in Frage stellt und neue Herausforderungen im Leben sucht. Die erste ist das Baden im kalten Wasser mit Josie zusammen. Dieses Baden wird für Josie wie eine Art Sucht, die durch die körperliche Erfahrung im kalten Wasser immer mehr zu sich und ihrem Körper findet. Josie hat große Probleme, ihren Körper anzunehmen und durch die neue Liebschaft zu Lee, die wir hier von Anfang an miterleben dürfen, erkennen wir ihr Hadern noch deutlicher. Lee selbst hat Depressionen und befindet sich gerade in einer „schweren Phase“ und dieses unklare Verhältnis zwischen den Zweien verstärkt Josies Unsicherheiten. Anton verkörpert für mich den ruhigen und stabilen Part in der Freundschaft, hat immer einen guten Rat für die zwei und doch hat er auch einiges mit sich selbst auszumachen, hält seinen Freund erst mal geheim vor den zwei Freundinnen, weil er die Zweisamkeit erst mal für sich haben will. Viele schwere Themen, die authentisch erzählt werden und trotzdem leicht zu lesen sind. Ganz zart und einfühlsam werden sie mir nähergebracht, eingehüllt in eine sanfte, melancholische Stimmung. Sätze, in denen ich mein eigenes junges ich wiedererkannt habe und Themen, mit denen sich junge Menschen heute auseinandersetzen müssen. Stellenweise hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht, aber es ist ein starkes und vielversprechendes Debüt der Autorin, welches ich jungen Leser*innen empfehlen würde oder Menschen wie mir ;), die sich gerne in die inneren und äußeren Kämpfe der jüngeren Generation hineinversetzen wollen. S.44 „Ich wusste, dass es unfair war, aber ich mochte es nur, andere anzuschauen, nicht, selbst längere Zeit angeschaut zu werden. Sobald ich im Fokus von jemandem stand, hatte ich das Gefühl, mich langsam in eine Fotografie zu verwandeln - in etwas, das angeschaut und beurteilt werden, aber nicht zurückblicken kann.“ S.136 „Es kam mir vor, als sei ich eine fest umhüllte Einheit, die so durch Lee erst anstanden war, und ich wusste, dass daran nicht nur irgendetwas, sondern alles falsch war.“ S. 156 „Der Fluss floss um mich herum wie schweres graues Blei, das sich nicht gegen mich wehrte. Ich wehrte mich auch nicht. Irgendwann wurde ich mir bewusst, dass gerade die Zeit aufgehört hatte, und ich spürte nichts als eine unendliche Erleichterung.“
2. Okt. 2024







