Blick ins Buch

Romane

Der Idiot

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Über das Buch

»Die gesamte Bewegung des Buches gleicht einem ungeheuren Kratereinsturz«, schrieb Walter Benjamin über den Roman Der Idiot, der 1868 als zweiter der großen »Romantragödien« Dostojewskijs erschien. Im Mittelpunkt steht Fürst Myschkin, ein tragischer Don Quijote, der als »wahrhaft guter Mensch« über die dünne Kruste wandelt, unter der die Themen der Zeit widerhallen: Rußland und Europa, östliche Mystik und Religiosität gegen Industrialisierung, Eisenbahnen und Nihilismus. Myschkin kehrt von einem langen Sanatoriumsaufenthalt in der Schweiz nach Petersburg zurück. Schon im Zug lernt er Rogoschin kennen, der von seiner Leidenschaft zu Nastassja Filippowna erzählt, einer »gefallenen Frau«. Rogoschin zieht ihn in ein Dreieck; aus den sich auf ihn zustürzenden Figuren kann sich Fürst Myschkin nicht mehr befreien, noch kann er Rogoschin von seinem Mord zurückhalten. Am Ende ist Myschkin wie vor dem Sanatoriumsaufhalt ein »Idiot«, ein heiliger Narr, der dem 19. Jahrhundert und uns, seinen Erben, einen schwarzen Spiegel vorhält.

»Dostojewskijs Stimmen sprechen jetzt«, urteilte die Kritik über Swetlana Geiers Neuübersetzung von Verbrechen und Strafe. Dostojewskij charakterisiert
seine Figuren nicht durch lange Beschreibungen, sondern durch ihre Sprechweisen. Mit einem genauen Ohr und großem sprachlichen Einfühlungsvermögen gelingt es Swetlana Geier für diese Idiome deutsche Entsprechungen zu finden: die innere künstlerische Statur der Epochenromane
wird zum ersten Mal auf deutsch hörbar.

Editionen (30)

ISBN9783100154026
VerlagS. FISCHER
Erscheinungsdatum04.11.10
Seitenzahl912

Rezensionen & Bewertungen

117 Bewertungen

25 Rezensionen

4,1

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  • readzilla
    readzilla

    146 Follower

    5,0

    Zwischen Reinheit und Abgrund 😮‍💨

    Mit "Der Idiot" hat Fjodor Dostojewski einen Roman geschaffen, der weniger erzählt als seziert. Dieses Buch liest man nicht – man durchlebt es. Im Zentrum steht Fürst Myschkin, dessen beinahe schmerzhafte Güte in einer Welt voller Eitelkeit, Stolz und Machtspiele wie ein Fremdkörper wirkt. Genau darin liegt die Tragik: Was geschieht mit einem wirklich guten Menschen in einer Gesellschaft, die Härte mit Stärke verwechselt? Dostojewski legt jede Emotion frei – Liebe wird zur Besessenheit, Mitgefühl zur Schwäche, Hoffnung zur Zerreißprobe. Jede Begegnung trägt Spannung in sich, jede Beziehung ist aufgeladen, als würde sie unweigerlich auf einen Abgrund zusteuern. Beim Lesen schwankt man zwischen Mitgefühl, Frustration und tiefer Beklemmung. Und am Ende bleibt dieses schwere Gefühl von Tragik – als hätte man dabei zugesehen, wie Unschuld langsam zerbricht. Eine klare Empfehlung. Dieser Klassiker ist fordernd, intensiv und emotional erschütternd – aber genau deshalb so bedeutend. Man sollte ihn lesen. Und sich auf die seelische Achterbahnfahrt einlassen, die er auslöst.

    Zwischen Reinheit und Abgrund 😮‍💨

    25. Feb. 2026

  • wortschatzkiste
    wortschatzkiste

    217 Follower

    4,5

    Liebesdreieck wie im Fiebertraum

    Als der angebliche “Idiot“ First Myschkin aus der Schweiz nach Russland fährt, hat er sicherlich nicht gedacht, was für ein Skandal er in gleich zwei Familien verursachen wird. Wieder mal treffen starke Charaktere auf eine Wahnwitzige Geschichte voller Tragödie und Witz. Psychologisch spielt Dostojewski mit den Figuren und lässt auch die sozialen Umstände Russlands nicht außer Acht. Tatsächlich ist es mein bisher liebstes Buch von Dostojewski. Es könnte an der Übersetzung meiner alten Ausgabe liegen, irgendwie ging die Geschichte flotter und direkter von statten als sonst. Das Ende war großartig inszeniert Tipp von mir: Besser eine neuere Ausgabe mit Namensregister kaufen. Ich war häufig verwirrt und musste mit viel Mühe ein eigenes erstellen und klar zu kommen 😅

    Liebesdreieck wie im Fiebertraum

    10. Mai 2024

  • 4,5

    Ein fesselndes Meisterwerk der klassischen Literatur

    Ein kraftvolles Werk voller lebendiger Charaktere, einer fesselnden Handlung und einer berührenden Liebesgeschichte. Der Roman fängt tiefgründige Gedanken ein: Güte, die an Naivität grenzt; eine Krankheit, die Momente der Harmonie und Erleuchtung ermöglicht; die Offenbarung der oft anzutreffenden „Unverfrorenheit der Naivität“. Alle Charaktere sind wie wir selbst, mit all unseren Eigenschaften. Wie treffend erfasst der Autor die Laster und Tugenden eines Menschen aller Zeiten, eines unveränderlichen Wesens. Fürst Myschkin verkörpert das gütige Selbst in uns allen, allvergebend, allverständnisvoll. Aglaja ist der Funke, der unseren Charakter offenbart – mal ein strahlendes Lachen, mal ein flüchtiger Zorn, mal ein lodernder Groll. Lebedew enthüllt einen Hauch von Intrige in unseren Seelen; er will uns nicht direkt schaden, sondern beteiligt sich am Gerede. Rogoschin ist unser dunkelster Teil, geheimnisvoll, aggressiv, das genaue Gegenteil des Fürsten. Doch alles verschmilzt miteinander. Wir sind eins. Myschkin und Rogoschin gehen Hand in Hand, und nur sie können einander verstehen und brauchen einander in ihren dunkelsten Stunden.

    20. Apr. 2026

3 von 25 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Fjodor Dostojewskij

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821-1881) war ursprünglich Leutnant in St. Petersburg. Er quittierte seinen Dienst 1844, um freier Schriftsteller zu werden. Seine Romane ›Verbrechen und Strafe‹, ›Der Spieler‹, ›Der Idiot‹, ›Böse Geister‹, ›Ein grüner Junge‹, ›Die Brüder Karamasow‹ sowie ›Aufzeichnungen aus dem Kellerloch‹ liegen im S. FISCHER Verlag in der herausragenden Übersetzung von Swetlana Geier vor.

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