Eine zunächst willkürlich scheinende Konstruktion von einzelnen Geschichten, doch je weiter man liest umso mehr Querverbindungen gibt es und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zusehends. Teilweise ironisch, manche Geschichte auch nachdenklich stimmend. Top 👍😎.
22. Nov. 2024
5,0
Eine zunächst willkürlich scheinende Konstruktion von einzelnen Geschichten, doch je weiter man liest umso mehr Querverbindungen gibt es und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zusehends. Teilweise ironisch, manche Geschichte auch nachdenklich stimmend. Top 👍😎.
„Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt.“ (S. 201)
Auf den ersten Blick handelt es sich bei diesem Roman um eine Sammlung von neun Erzählungen. Man beginnt mit der ersten, liest die zweite, die dritte - und langsam zeigen sich Verbindungen - durch wiederkehrende Personen, Ereignisse, zitierte Buchtitel und Motive - die nach und nach zu einem vielschichtigen Ganzen führen. Dabei ist nie ganz klar, an welcher Stelle die Wirklichkeit des Romans zu finden ist - und welche Geschichte „nur“ eine Geschichte in der Geschichte ist.
Die Protagonist*innen sind Prominente (ein Schriftsteller und eine Schriftstellerin, ein Schauspieler, ein Guru) oder ganz normale Bürger (eine Rentnerin, zwei Angestellte, eine Ärztin). Sie eint, dass sie in gewisser Weise einen Ausweg aus ihrer (Roman-)Realität suchen. Die einen sehnen sich nach Freiheit - weniger Routine, weniger Fremdbestimmung - die anderen hoffen, ein wenig vom Ruhm kosten zu dürfen.
Besonders gefallen hat mir die großartige Parodie auf Einträge in Online-Foren, die Kehlmann mit der Geschichte „Ein Beitrag zur Debatte“ (S. 133-158) vorlegt. Hier geht es um den Mitarbeiter einer Telekommunikationsfirma, der sein wirklich skurriles Promi-Erlebnis schildert. Allein sprachlich ist diese Geschichte so unglaublich komisch, dass ich nicht nur einmal herzhaft lachen musste. Es liest sich für mich wie Jugendsprache (meiner Generation?) im Mixer. Ein Beispiel: „Und ich fragte mich, ob ichs nur träumte. Hatte so was ja schon geträumt, habt ihr auch, hat jeder. Aber das hier war echt, eins zu eins, Life Reality, volles Programm, ganze Abteilung. Ein paar Sätze schaffte ich noch, bis dann Flash der Gedanke: «Was, wenn jetzt gar nichts mehr?» …“ (S. 151)
Ich habe „Ruhm“ - dieses Spiel mit Realität und Illusion, mit Identitäten und Blickwinkeln sowie (vermeintlichen) Lebensweisheiten - sehr genossen. Ich war beglückt, traurig, nachdenklich, verwirrt - und musste blättern, weil man ja nicht immer ahnt, welches Detail ein möglicher Anknüpfungspunkt sein könnte. Und bei so mancher Geschichte habe ich mich gefragt, wann der Wecker - oder das Mobiltelefon - wieder klingelt und die Rückkehr in die Gegenwart ankündigt.
9. Okt. 2024
5,0
Ein kunstvolles Spiel mit Realität und Fiktion
„Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt.“ (S. 201)
Auf den ersten Blick handelt es sich bei diesem Roman um eine Sammlung von neun Erzählungen. Man beginnt mit der ersten, liest die zweite, die dritte - und langsam zeigen sich Verbindungen - durch wiederkehrende Personen, Ereignisse, zitierte Buchtitel und Motive - die nach und nach zu einem vielschichtigen Ganzen führen. Dabei ist nie ganz klar, an welcher Stelle die Wirklichkeit des Romans zu finden ist - und welche Geschichte „nur“ eine Geschichte in der Geschichte ist.
Die Protagonist*innen sind Prominente (ein Schriftsteller und eine Schriftstellerin, ein Schauspieler, ein Guru) oder ganz normale Bürger (eine Rentnerin, zwei Angestellte, eine Ärztin). Sie eint, dass sie in gewisser Weise einen Ausweg aus ihrer (Roman-)Realität suchen. Die einen sehnen sich nach Freiheit - weniger Routine, weniger Fremdbestimmung - die anderen hoffen, ein wenig vom Ruhm kosten zu dürfen.
Besonders gefallen hat mir die großartige Parodie auf Einträge in Online-Foren, die Kehlmann mit der Geschichte „Ein Beitrag zur Debatte“ (S. 133-158) vorlegt. Hier geht es um den Mitarbeiter einer Telekommunikationsfirma, der sein wirklich skurriles Promi-Erlebnis schildert. Allein sprachlich ist diese Geschichte so unglaublich komisch, dass ich nicht nur einmal herzhaft lachen musste. Es liest sich für mich wie Jugendsprache (meiner Generation?) im Mixer. Ein Beispiel: „Und ich fragte mich, ob ichs nur träumte. Hatte so was ja schon geträumt, habt ihr auch, hat jeder. Aber das hier war echt, eins zu eins, Life Reality, volles Programm, ganze Abteilung. Ein paar Sätze schaffte ich noch, bis dann Flash der Gedanke: «Was, wenn jetzt gar nichts mehr?» …“ (S. 151)
Ich habe „Ruhm“ - dieses Spiel mit Realität und Illusion, mit Identitäten und Blickwinkeln sowie (vermeintlichen) Lebensweisheiten - sehr genossen. Ich war beglückt, traurig, nachdenklich, verwirrt - und musste blättern, weil man ja nicht immer ahnt, welches Detail ein möglicher Anknüpfungspunkt sein könnte. Und bei so mancher Geschichte habe ich mich gefragt, wann der Wecker - oder das Mobiltelefon - wieder klingelt und die Rückkehr in die Gegenwart ankündigt.
Ne! Das war nicht mein Buch. Zwar verknüpfen sich die einzelnen Kurzgeschichten zu einem gesamten Bild, was an sich echt eine gut Idee ist, nur wird mir der Gesamtzusammenhang nicht klar und jede Geschichte Richtung Ende war für mich wirrer und weniger verständlich.
2. Jan. 2026
2,0
Ja……
Ne! Das war nicht mein Buch. Zwar verknüpfen sich die einzelnen Kurzgeschichten zu einem gesamten Bild, was an sich echt eine gut Idee ist, nur wird mir der Gesamtzusammenhang nicht klar und jede Geschichte Richtung Ende war für mich wirrer und weniger verständlich.