Ein Mädchen verließ das Zimmer
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Beschreibung
»Ein Kunstwerk.« 3sat Kulturzeit
Als Erwachsene blickt Tanja auf ihre gestohlene Jugend zurück und fragt sich: Warum hat niemand sie beschützt?
1980: Tanja wächst in einer Künstlerfamilie auf. Ihre Eltern sind mit der Karriere des Vaters und ihrer zerrütteten Ehe beschäftigt, während sie einsam und voller Sehnsucht davon träumt, eine Frau zu werden. Auf einer Vernissage in Kopenhagen begegnet sie als 14-Jährige dem charismatischen Schriftsteller Eg. Er macht ihr Komplimente, spricht mit ihr wie mit einer Erwachsenen. Eg beginnt, ihr lange, gefühlvolle Briefe zu schreiben. Tanja ist neugierig und erlebt ihre erste Verliebtheit. Doch das Erwachen von Sexualität wird zu einer verwirrenden und schmerzhaften Erfahrung, die sie für immer prägen wird.
Ulrikka S. Gernes erzählt schnörkellos und doch poetisch von einer Frau, die versucht, eine Verbindung zu dem Mädchen herzustellen, das sie einmal war. Eine radikal mutige Geschichte über Macht und Resilienz, die in Dänemark Tausende Leserinnen und Lesern eroberte.
»Voller Zartheit und innerem Beben. Dieser Roman ist keine Anklage, sondern eine Offenlegung – erschütternd, poetisch, notwendig.« Maria-Christina Piwowarski
»Große Kunst, denn Ulrikka S. Gernes setzt die Sprache mit der Sensibilität einer Lyrikerin ein.« Der Freitag
Bei Fragen zur Produktsicherheit, wenden Sie sich bitte an: [email protected]
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ulrikka S. Gernes ist eine dänische Schriftstellerin und Dichterin. Sie veröffentlichte 1984 ihren ersten Gedichtband und hat seither zahlreiche weitere Lyrikwerke herausgebracht. Ein Mädchen verließ das Zimmer ist ihr Debüt als Romanautorin und ein Bestseller in Dänemark.
Beiträge
„Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen. Ein weißer Fleck auf der Karte. Ein nasser Fleck auf dem Laken. Eine leere Puppe. Ein Loch in der Welt.“ (Pos.3741) Ein Mädchen verlässt ein Zimmer und mit ihr verschwindet etwas, das nie wieder ganz zurückkehrt. „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes / Verlag: Gutkind Ein junges Mädchen wird verführt. Nicht mit Gewalt, nicht mit Druck, sondern mit Worten. Mit Briefen, in denen Sehnsucht mitschwingt, in denen von Liebe erzählt wird. Und doch ist diese Liebe ein Verbrechen. An ihrer Person. An ihrem Werden. Ein Verlust ihrer selbst. Nur weiß das junge Mädchen das alles noch nicht. „Niemand versteht die Liebe, niemand außer denen, die sie fühlen.“ (Eg/Brief 05.02.1980) Eg, Schriftsteller, Freund der Eltern, trifft auf Tanja. Vierzehn Jahre alt, eine Bohnenstange, voller Unsicherheit und doch mit einer tiefen Liebe zur Poesie. Zwischen ihnen entsteht ein reger Briefwechsel. Anfangs vielleicht harmlos, doch Eg beginnt, sich in ihre Gedanken zu schreiben. Mit Komplimenten, mit großen Worten, mit der Behauptung, sie sei sein Leben, seine Liebe, seine Sehnsucht. So geschickt, so subtil, dass Tanja sich ebenfalls in ihn verliebt. In einen 46-jährigen Mann. Er spricht von Gleichberechtigung, von Tiefe, von einer besonderen Verbindung. Doch von der Verletzung ihrer Integrität, ihrer Würde, davon spricht er nicht. Und das vielleicht Erschütterndste: Niemand greift ein. Nicht die Eltern. Nicht Freunde. Nicht einmal Fremde. Tanja, kaum älter als Egs eigene Tochter, verliert nicht nur ihre Unschuld, sondern sich selbst. Wer wäre sie gewesen ohne ihn? Was hätte sie gewollt, wenn seine Worte nicht ihre Gedanken überlagert hätten? „Wie sieht man die Wirklichkeit in der Wirklichkeit? Auch eine Fotografie ist nur ein Ausschnitt.“ (Pos.2767) Dieser Satz beschreibt so viel von dem, was dieses Buch ausmacht. Wir sehen Ausschnitte. Gefühle. Erinnerungen. Und erst nach und nach setzt sich das ganze Bild zusammen: erschütternd, schmerzhaft, klar, unausweichlich. Tanja liebt. Sie gibt sich hin. Und genau darin liegt die Tragik. Denn sie ist nicht Opfer im klassischen Sinne und doch ist sie es in jeder Faser ihres Seins. Eg nimmt sich, was er will, und nennt es Liebe. Und sie glaubt ihm. Selbst Jahre später kann er sie nicht loslassen. Seine Worte finden immer wieder ihren Weg zu ihr. Und Tanja schafft es nie ganz, sich zu befreien. Erst als erwachsene Frau - in einer gesunden Beziehung, an der Seite eines Mannes in ihrem Alter - beginnt sie zu verstehen. Beginnt zu begreifen, was ihr genommen wurde. Dass es Worte für das gibt, was geschehen ist, dass es Gesetze dafür gibt. Paragraf 223, Absatz 2, Strafgesetzbuch. Doch was hilft ihr der Paragraf heute? Was kann er ihr zurückgeben? Nichts! Und es bleibt die Frage, warum hat niemand etwas getan? Warum hat man das zugelassen? „Du wurdest geschaffen, um mein zu sein. Eine solche Liebe setzt man nicht aufs Spiel. Als Du nichtsdestotrotz Sonne und Mond verwechseltest, verloren wir einander.“ (Pos.3692) Diese Worte sind schwer zu ertragen. Weil sie so viel offenlegen. Besitz. Manipulation. Verdrehte Realität. Die Autorin klagt nicht an. Sie verurteilt nicht. Und genau darin liegt die Wucht dieses Buches. Sie erzählt. Lässt uns fühlen. Lässt uns eintauchen in Tanjas Gedankenwelt, erst die des Mädchens, dann die der Frau, die zurückblickt und versucht zu verstehen. Man spürt die verlorene Kindheit. Die Verwirrung. Die Sehnsucht nach etwas, das sich als Illusion entpuppt. Sprachlich ist dieses Buch ein absolutes Highlight. Fließend, eindringlich, voller Emotionen. Jeder Satz sitzt, jede Zeile hallt nach. Es ist keine laute Geschichte, aber eine, die lange bleibt. Ein Buch, das erschüttert und das wehtut. Und ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

"In mir breitete sich Traurigkeit aus. Ich hatte ihm das Wertvollste geschenkt, was ich besaß, und jetzt war nichts mehr da, das nur mir gehörte." [S. 207] Es geht um ein 14-jähriges Mädchen, welches sich naiv und dadurch unwissend und unerfahren in eine Beziehung mit einem drei Mal so alten Mann stürzt, der seine Machtposition schamlos ausnutzt und sie in ein toxisches und missbräuchliches Abhängigkeitsverhältnis drängt, von dem sie es nicht schafft sich zu lösen, während ihr Umfeld dabei tatenlos zusieht. Schockierend. "In den Spiegeln anderer Leute sieht man auch anders aus, man kann sich selbst auf eine neue Weise entdecken, als wäre man ein neuer Mensch." [S. 250] #buchstaeblichverliebt #bookstagram #lesen #wasrinaliest

EIN MÄDCHEN VERLIESS DAS ZIMMER - Ulrikka S. Genres - ET 29.01.2026 - Gutkind Verlag - Ü: Ursel Allenstein - 384 Seiten Worum geht’s? Missbrauch, falsche Liebe, toxische Beziehungen Mein Leseeindruck: Dieses Buch ist verstörend, berührend, fesselnd, schmerzlich, aufklärend. Ulrikka S. Gernes’ schnörkelloser, poetischer Erzählstil fängt die Reise einer Frau ein, die sich auf die Suche nach einer Verbindung zu ihrem jüngeren Ich begibt. Ein 14-jähriges Mädchen, dass aus der Einsamkeit und Unwissenheit heraus an den falschen Mann gerät, an Eg, den charismatischen Schriftsteller. Mit dem sie in die erste Liebe und Sexualität gleitet. Eine radikal mutige Geschichte, Themen von Macht und Resilienz beleuchtend. Ein Bestseller in Dänemark. TW: Schwerer Tobak, der noch lange nachhallt.
„Meine liebste Tanja“
Dieses Buch handelt über die Beziehung von Tanja und dem wesentlich älteren Eg. Es ist eine Geschichte von Macht, Missbrauch, Abhängigkeit, Geltungsdrang und Intimität. In dieser Rezension möchte ich nicht zu viel vorweg nehmen. Ich hätte mir zur Gegenwart etwas mehr Bezug gewünscht, um die Gefühle besser einordnen zu können. Ansonsten ist es ein Buch, welches man auf jeden Fall lesen kann obwohl es teilweise schwer zu ertragen ist.
EIN MÄDCHEN VERLIESS DAS ZIMMER Ulrikka S. Gernes ET: 29.01.26 Warum hat man sie nicht beschützt? Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Tanja, die auf der Vernissage ihres Vaters den 48-jährigen Autor Eg kennenlernt, einen Freund der Familie. Nach einem kurzen Gespräch tauschen sie ihre Adressen aus, und es beginnt ein intensiver Briefwechsel. Eg versteht es meisterhaft, mit Worten Nähe zu erzeugen und Aufmerksamkeit zu schenken. Schritt für Schritt gerät Tanja in eine emotionale Abhängigkeit, die sie selbst als etwas Besonderes und Erwähltes erlebt. Die Skepsis ihrer Mutter kann sie lange abwehren, bis schließlich auch die letzten Nachfragen verstummen. Mit 15 schläft Tanja erstmals mit Eg, schwänzt die Schule und richtet ihr Leben zunehmend auf ihn aus. Was für sie wie Liebe erscheint, entpuppt sich als toxisches Geflecht aus Manipulation, Macht und Abwertung. Eg rechtfertigt sein Verhalten mit der Idee einer „höheren“ emotionalen Bindung, die über monogamen Beziehungen stehe, und erwartet Verständnis für seine Seitensprünge und Bedürfnisse. Tanja erkennt lange nicht, wie sehr sie dominiert wird – und wie tief diese Beziehung ihr weiteres Leben prägen wird. „Du bist Niemand. Wenn du mit mir an Orten wie diesem bist, bin ich jemand. Verstehst du, was ich meine? […] Wir dürfen einander nicht einschränken, Tanja. Unsere Liebe unterliegt nicht diesen ganzen möglichen oder unmöglichen Normen. Unsere Liebe ist darüber erhaben, sie kann viel mehr umfassen als andere Beziehungen.“ (S. 172) Ulrikka S. Gernes erzählt diese Geschichte leise, präzise und ohne moralischen Zeigefinger. Gerade diese Zurückhaltung macht das Buch so erschütternd. Die Autorin zeigt eindringlich, wie Grenzüberschreitungen nicht als solche wahrgenommen werden, wenn sie sich als Zuwendung tarnen, und wie das Umfeld durch Wegsehen mitschuldig wird. Der klare, ruhige Stil entfaltet eine enorme Sogwirkung; viele Sätze hallen lange nach, weil sie die Mechanismen emotionaler Abhängigkeit so schonungslos offenlegen. Was für ein Buch. Eines, das man nicht einfach zuklappt, sondern das weiterarbeitet. Man ist dankbar, dass dieses Schicksal nicht das eigene oder das der eigenen Tochter ist. Fazit: Ein starkes, schmerzhaftes und verstörendes Debüt, das wichtige Fragen stellt, ohne einfache Antworten zu liefern. Große Leseempfehlung. 5/5

Ulrikka S. Gernes’ Roman „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ist ein Buch, das sich leise, aber unerbittlich festsetzt. Es ist keine Lektüre, die man „gern“ liest – sondern eine, die man aushält, weil sie notwendig ist. Schmerzhaft, verstörend und zugleich von einer klaren, fast nüchternen Sprache getragen, erzählt der Roman von einer Jugend, die nicht geschützt wurde. Im Zentrum steht Tanja, die im Jahr 1980 in einer Künstlerfamilie aufwächst. Emotional vernachlässigt, voller Sehnsucht nach Nähe und Anerkennung, begegnet sie mit vierzehn Jahren dem 46-jährigen Schriftsteller Eg, einem Freund ihrer Eltern. Er spricht mit ihr wie mit einer Erwachsenen, macht ihr Komplimente, schreibt ihr lange Briefe. Was für Tanja wie die erste große Liebe erscheint, entpuppt sich aus heutiger Sicht als das, was es ist: ein massiver Machtmissbrauch, der ihr Leben nachhaltig prägt. Gernes erzählt diese Geschichte überwiegend aus der Perspektive der jungen Tanja – und genau darin liegt die verstörende Kraft des Romans. Als Leser*in erkennt man früh die Manipulation, das Ungleichgewicht, die Grenzverletzungen. Tanja selbst kann das nicht. Sie erlebt Verwirrung, Überforderung, Schuldgefühle, ein diffuses Unbehagen, das sie nicht benennen kann. Die expliziten Schilderungen der sexuellen Annäherungen sind schwer auszuhalten, gerade weil sie nicht voyeuristisch sind, sondern Tanjas innere Erstarrung, ihr Sich-Anpassen und ihr Schweigen sichtbar machen. Zwischen diesen Passagen meldet sich immer wieder die erwachsene Tanja zu Wort, die versucht, eine Verbindung zu dem Mädchen herzustellen, das sie einmal war. Sie stellt die zentrale Frage des Romans: Warum hat niemand eingegriffen? Warum haben Eltern, Freund*innen, andere Erwachsene gezögert, weggesehen oder das Geschehen legitimiert, weil es sich im rechtlich Graubereich bewegte? So wird aus der individuellen Geschichte eine Anklage gegen ein strukturelles Versagen – gegen eine Gesellschaft, die Mädchen nicht schützt, wenn Machtmissbrauch als „Liebe“ getarnt wird. Stilistisch ist der Roman schnörkellos, klar und doch poetisch. Gernes verzichtet auf moralische Kommentare oder psychologische Erklärungen. Sie legt offen, statt zu urteilen. Gerade dadurch entsteht eine enorme Wucht. Manche Passagen wirken lang und repetitiv, insbesondere die Jahre, in denen Tanja vollständig auf Eg fixiert ist. Doch auch diese Länge scheint gewollt: Sie zwingt dazu, das Ausharren, das Gefangensein in dieser Beziehung mitzuerleben. „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ist ein extrem belastender Roman. Er macht wütend, fassungslos und traurig. Man fühlt sich beim Lesen oft schmutzig, hilflos, beschämt – und genau darin liegt seine Radikalität. Dieses Buch tut weh, weil es ehrlich ist. Es ist kein Trostbuch, keine leichte Lektüre, sondern ein notwendiger Augenöffner. Eine große Empfehlung – mit klarer Warnung. Wer dieses Buch liest, sollte sich der Schwere des Themas bewusst sein. Doch gerade weil es so unerträglich ist, ist es so wichtig. Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein.

Eine Geschichte, die unter die Haut geht
Dieses Gefühl, wenn eine Geschichte einen so erschüttert, dass man einen Moment braucht, um wieder klarzukommen. Genau so ging es mir mit „Ein Mädchen verließ das Zimmer“. Im Mittelpunkt steht Tanja. Sie ist vierzehn Jahre alt, ein Kind – und begegnet dem 46-jährigen Schriftsteller Eg, einem Freund ihrer Eltern. Was für Tanja zunächst wie Aufmerksamkeit, Nähe und vielleicht sogar Liebe wirkt, entpuppt sich für uns Leser:innen sehr schnell als das, was es ist: ein massives Machtgefälle. Besonders eindrücklich fand ich den Briefwechsel zwischen den beiden. Die Briefe wirken poetisch und zeigen sehr genau, wie Eg Tanja umgarnt. Er hört ihr zu, macht ihr Komplimente, behandelt sie scheinbar wie eine Erwachsene. Man versteht dadurch immer besser, warum Tanja sich so sehr an ihn bindet – und gleichzeitig wird schmerzhaft deutlich, wie Grooming funktioniert. Der Roman wird größtenteils aus der Perspektive der jungen Tanja erzählt, während sich immer wieder die erwachsene Tanja zu Wort meldet und auf diese Zeit zurückblickt. Gerade dieser Blick aus der Distanz macht spürbar, wie sehr diese Erfahrungen ihr Leben geprägt haben. Was mich beim Lesen immer wieder fassungslos gemacht hat: Alle schauen zu. Selbst ihre Eltern. Erwachsene, die eigentlich Verantwortung tragen müssten – und trotzdem greift niemand ein. Der Schreibstil ist ruhig, klar und sehr fein beobachtend. Gerade weil nichts dramatisiert wird, wirkt das Ganze umso intensiver und real – man liest weiter und merkt gleichzeitig, wie unangenehm nah einem diese Geschichte kommt. Für mich war dieses Buch unglaublich schmerzvoll, schwer auszuhalten und stellenweise wirklich abstoßend. Gleichzeitig ist es eines dieser Bücher, das wichtig ist, weil es zeigt, wie leicht Machtmissbrauch als Liebe oder „Beziehung“ getarnt werden kann. …und jetzt sitze ich da und denke immer noch an Tanjas Geschichte.

Fast unerträglich, aber so wichtig
„Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen.“ Ein Roman, der sich leise und unerbittlich festsetzt. Die klare, fast nüchterne Sprache verzichtet auf Wertung – und genau dadurch entfaltet der Text eine enorme Wucht. Beim Lesen entsteht ein wachsendes Unbehagen, eine Beklemmung, die lange nachhallt. Besonders eindrücklich ist es, die Entwicklung der Protagonistin mitzuerleben – Tanjas brüchiges, widersprüchliches Erwachsenwerden und den späteren Versuch, das Erlebte zu begreifen. Der Roman macht wütend, fassungslos und traurig, und gerade darin liegt seine Stärke: Er zwingt zur Auseinandersetzung. Keine leichte Lektüre, sondern eine notwendige, die wehtut und genau deshalb so wichtig ist.
Unglaublich
Tanja ist 14 Jahre alt, als sie Eg, einen Schriftsteller kennenlernt. Er ist ein Freund ihrer Eltern und 46 Jahre alt. Eg macht ihr Komplimente, spricht von ihrer Schönheit und ihrer jugendlichen Vollkommenheit. Die beiden beginnen einen Briefwechsel, der immer erotischer wird. Es kommt zum ersten heimlichen Treffen. Tanja verfällt Eg's Charme endgültig und sie geht eine langjährige Beziehung mit ihm ein. Die Schilderungen wie Tanja in dieses Verhältnis hinein geschildert ist, sind absolut nachvollziehbar dargestellt. Ihre Zerrissenheit und ihre Abhängigkeit zu diesem Mann, den sie bewundert. Tanja merkt nicht wie sie manipuliert wird, dazu ist sie zu jung. Was mich am meisten empört hat, dass weder ihre Eltern noch sonst ein Erwachsener einschreitet, alle scheinen diese Beziehung als normal anzusehen. Ein stiller, intensiver Roman, der mich oftmals den Kopf schütteln ließ.
Warum schweigen alle bei solchen Taten? Manchmal sind es genau die Geschichten, die man kaum erträgt, die am lautesten gehört werden müssen. „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes aus dem @gutkind_verlag ist so ein Roman. Übersetzt ins deutsche wurde der Text von der großartigen Ursel Allenstein. Tanja blickt als erwachsene Frau und Mutter auf eine Jugend zurück, die ihr genommen wurde. Es ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein schonungsloses Hinsehen. Ein Versuch, Worte für etwas zu finden, das lange sprachlos gemacht hat. Der Text bewegt sich zwischen den 1980er Jahren und der Gegenwart, zwischen Erinnerung und inneren Monologen und entfaltet dabei eine beklemmende Atmosphäre. Im Zentrum steht die Begegnung der vierzehnjährigen Tanja mit Eg, einem erwachsenen Mann aus dem Umfeld ihrer Eltern. Was zunächst wie Aufmerksamkeit und Anerkennung wirkt, verschiebt sich schleichend in ein Machtgefüge, das Tanja weder benennen noch durchbrechen kann. Es gibt keinen klaren Bruch, sondern ein langsames Überschreiten von Grenzen, das erst im Rückblick seine ganze Gewalt offenbart. Erschütternd ist dabei nicht nur die Beziehung selbst, sondern auch das Umfeld, das versagt. Eltern und Öffentlichkeit sehen hin und greifen dennoch nicht ein. Dieses kollektive Wegsehen legt sich wie ein zweiter Schatten über die Geschichte. Gernes schreibt klar und reduziert, mit einer fast nüchternen Präzision. Genau darin liegt die Stärke des Textes. Emotionen werden nicht ausgeschmückt, sondern stehen ungeschönt im Raum. Einige Passagen wirken beinahe poetisch und verstärken die innere Zerrissenheit der Figur. Beim Lesen entsteht ein ständiger Zwiespalt zwischen Distanz und Nähe. Man möchte wegsehen und gleichzeitig weiterlesen. Wut und Fassungslosigkeit wechseln sich ab und genau darin liegt die Kraft dieses Romans.
Unfassbar berührend und aufweckend.
Trotz teilweise total absurder Aufforderungen seitens Eg spürt man von Anfang an, wie die kurze Begegnung mit ihm eine unglaubliche Anziehung ausgelöst hat. Diese bringt einen Stein ins Rollen, welcher durch gemeinsame Interessen und die gegenseitige Bewunderung angetrieben wird. Die Manipulation und die Rechtfertigung ihres Verhaltens gegenüber der eigenen Eltern, wurden total realistisch dargestellt, sodass man wirklich spürt, wie sie sich von arg begehrt fühlt und auch endlich von einer Person die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr sonst in ihrem Alltag fehlt. Der poetische Schreibstil und die eingebauten Briefe & Gedichte haben die Beziehung und Emotionen der beiden wunderbar widergespiegelt. Zum Inhalt möchte ich gar nicht mehr vorwegnehmen, davon dürft ihr euch gerne selbst überzeugen! Es gab allerdings ein paar Szenen, die für die Storyline nicht entscheidend waren und meiner Meinung nach gerne hätten ausgelassen werden dürfen. Wie in der Einleitung schon erwähnt, war das kein leichtes Buch. Ich habe es trotzdem wirklich gern gelesen, auch - oder gerade weil - die Thematik so erschreckend und aufwühlend war. ⭐️ F A Z I T Es war ein innerer Zwiespalt zwischen „Ich muss es weglegen“ und „ich bin total gefesselt“. Eine Geschichte , die einerseits die Augen öffnet, zugleich verstörend ist und auf jeden Fall nachhallt. Die Thematik lässt sich auch sehr gut auf die heutige Zeit, insbesondere das Internet-Zeitalter, übertragen und ist daher in meinen Augen zeitlos. Von mir gibt’s 4,5 ⭐️ ! Wichtig: seid euch über die Thematik (Kindes-)Missbrauch bewusst, bevor ihr zum Buch greift!

Kein leichtes Buch, aber eines das man so schnell nicht vergisst.
In „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes blickt die Protagonistin als Erwachsene auf ihre gestohlene Jugend zurück. Mit 14 Jahren lernt sie einen Bekannten ihrer Eltern kennen – einen berühmten, deutlich älteren Schriftsteller –, der beginnt, ihr lange und gefühlvolle Briefe zu schreiben. Ihre Neugier wird geweckt, und sie erlebt zum ersten Mal das Gefühl, verliebt zu sein. Doch was zunächst faszinierend erscheint, entwickelt sich für sie zu einer schmerzhaften und zutiefst verwirrenden Erfahrung. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so körperlich reagieren ließ – mir war durchgehend schlecht. Die Geschichte hat bei mir eine Gänsehaut ausgelöst, allerdings nicht im klassischen positiven Sinne, sondern weil sie so unangenehm nah ging und emotional verstörend war. ⚡️ Und trotzdem – oder gerade deswegen – konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Die Autorin schafft es, ihre Figuren und die bedrückende Atmosphäre so eindringlich und detailreich zu zeichnen, dass man völlig in diese düstere Welt hineingezogen wird. Für mich ist „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ein literarisches Meisterwerk: unbequem, intensiv und lange nachwirkend. 💭 Ein herzliches Dankeschön an den @gutkind_verlag für das Rezensionsexemplar! 🙏🏻
Ohne die Empfehlung meins Buchhändlers hätte ich „Ein Mädchen verliess das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes (Ü: Ursel Allenstein) sehr wahrscheinlich nicht gelesen. Auch beim Klappentext lesen war ich noch skeptisch: Ich wollte eigentlich kein Buch über Beziehungen mit so einem Altersunterschied lesen. Ich bin sehr froh, dass ich der Empfehlung doch gefolgt bin, denn sprachlich hat mich dieses Buch sehr begeistert. Das Buch ist wahnsinnig gut geschrieben! Tanjas Schwärmerei und Gefühle für den 32 Jahre älteren Eg waren für mich erstmal nachvollziehbar, da man als Leser auch Egs Briefe gemeinsam mit Tanja liest. Man merkt aber auch sehr schnell, dass die Fantasie, die Tanja mit Eg verbindet wenig mit den tatsächlichen Begegnungen zutun haben. Bei den Begegnungen versucht sich Tanja anzupassen, obwohl sie sich zum Teil nicht wohl fühlt. Eg wird nicht als Antagonist beschrieben und dennoch sind viele Szenen verstörend. Neben den expliziten Szenen bleibt auch die Kette in Erinnerung. Obwohl ich das „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ sehr gut geschrieben fand und es mir - trotz des Themas - gefallen hat, kann ich keine uneingeschränkte Empfehlung für das Buch geben. Insbesondere aus der Sicht der jungen Tanja kann es triggernd sein, weil sie im Gegensatz zu mir als Leserin das Ungleichgewicht und die Manipulation nicht sieht. Ich hätte gerne mehr zu Tanjas Entwicklung während des Buches geschrieben, möchte aber auch nicht zuviel von der Handlung verraten.
Beschreibung
»Ein Kunstwerk.« 3sat Kulturzeit
Als Erwachsene blickt Tanja auf ihre gestohlene Jugend zurück und fragt sich: Warum hat niemand sie beschützt?
1980: Tanja wächst in einer Künstlerfamilie auf. Ihre Eltern sind mit der Karriere des Vaters und ihrer zerrütteten Ehe beschäftigt, während sie einsam und voller Sehnsucht davon träumt, eine Frau zu werden. Auf einer Vernissage in Kopenhagen begegnet sie als 14-Jährige dem charismatischen Schriftsteller Eg. Er macht ihr Komplimente, spricht mit ihr wie mit einer Erwachsenen. Eg beginnt, ihr lange, gefühlvolle Briefe zu schreiben. Tanja ist neugierig und erlebt ihre erste Verliebtheit. Doch das Erwachen von Sexualität wird zu einer verwirrenden und schmerzhaften Erfahrung, die sie für immer prägen wird.
Ulrikka S. Gernes erzählt schnörkellos und doch poetisch von einer Frau, die versucht, eine Verbindung zu dem Mädchen herzustellen, das sie einmal war. Eine radikal mutige Geschichte über Macht und Resilienz, die in Dänemark Tausende Leserinnen und Lesern eroberte.
»Voller Zartheit und innerem Beben. Dieser Roman ist keine Anklage, sondern eine Offenlegung – erschütternd, poetisch, notwendig.« Maria-Christina Piwowarski
»Große Kunst, denn Ulrikka S. Gernes setzt die Sprache mit der Sensibilität einer Lyrikerin ein.« Der Freitag
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Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Ulrikka S. Gernes ist eine dänische Schriftstellerin und Dichterin. Sie veröffentlichte 1984 ihren ersten Gedichtband und hat seither zahlreiche weitere Lyrikwerke herausgebracht. Ein Mädchen verließ das Zimmer ist ihr Debüt als Romanautorin und ein Bestseller in Dänemark.
Beiträge
„Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen. Ein weißer Fleck auf der Karte. Ein nasser Fleck auf dem Laken. Eine leere Puppe. Ein Loch in der Welt.“ (Pos.3741) Ein Mädchen verlässt ein Zimmer und mit ihr verschwindet etwas, das nie wieder ganz zurückkehrt. „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes / Verlag: Gutkind Ein junges Mädchen wird verführt. Nicht mit Gewalt, nicht mit Druck, sondern mit Worten. Mit Briefen, in denen Sehnsucht mitschwingt, in denen von Liebe erzählt wird. Und doch ist diese Liebe ein Verbrechen. An ihrer Person. An ihrem Werden. Ein Verlust ihrer selbst. Nur weiß das junge Mädchen das alles noch nicht. „Niemand versteht die Liebe, niemand außer denen, die sie fühlen.“ (Eg/Brief 05.02.1980) Eg, Schriftsteller, Freund der Eltern, trifft auf Tanja. Vierzehn Jahre alt, eine Bohnenstange, voller Unsicherheit und doch mit einer tiefen Liebe zur Poesie. Zwischen ihnen entsteht ein reger Briefwechsel. Anfangs vielleicht harmlos, doch Eg beginnt, sich in ihre Gedanken zu schreiben. Mit Komplimenten, mit großen Worten, mit der Behauptung, sie sei sein Leben, seine Liebe, seine Sehnsucht. So geschickt, so subtil, dass Tanja sich ebenfalls in ihn verliebt. In einen 46-jährigen Mann. Er spricht von Gleichberechtigung, von Tiefe, von einer besonderen Verbindung. Doch von der Verletzung ihrer Integrität, ihrer Würde, davon spricht er nicht. Und das vielleicht Erschütterndste: Niemand greift ein. Nicht die Eltern. Nicht Freunde. Nicht einmal Fremde. Tanja, kaum älter als Egs eigene Tochter, verliert nicht nur ihre Unschuld, sondern sich selbst. Wer wäre sie gewesen ohne ihn? Was hätte sie gewollt, wenn seine Worte nicht ihre Gedanken überlagert hätten? „Wie sieht man die Wirklichkeit in der Wirklichkeit? Auch eine Fotografie ist nur ein Ausschnitt.“ (Pos.2767) Dieser Satz beschreibt so viel von dem, was dieses Buch ausmacht. Wir sehen Ausschnitte. Gefühle. Erinnerungen. Und erst nach und nach setzt sich das ganze Bild zusammen: erschütternd, schmerzhaft, klar, unausweichlich. Tanja liebt. Sie gibt sich hin. Und genau darin liegt die Tragik. Denn sie ist nicht Opfer im klassischen Sinne und doch ist sie es in jeder Faser ihres Seins. Eg nimmt sich, was er will, und nennt es Liebe. Und sie glaubt ihm. Selbst Jahre später kann er sie nicht loslassen. Seine Worte finden immer wieder ihren Weg zu ihr. Und Tanja schafft es nie ganz, sich zu befreien. Erst als erwachsene Frau - in einer gesunden Beziehung, an der Seite eines Mannes in ihrem Alter - beginnt sie zu verstehen. Beginnt zu begreifen, was ihr genommen wurde. Dass es Worte für das gibt, was geschehen ist, dass es Gesetze dafür gibt. Paragraf 223, Absatz 2, Strafgesetzbuch. Doch was hilft ihr der Paragraf heute? Was kann er ihr zurückgeben? Nichts! Und es bleibt die Frage, warum hat niemand etwas getan? Warum hat man das zugelassen? „Du wurdest geschaffen, um mein zu sein. Eine solche Liebe setzt man nicht aufs Spiel. Als Du nichtsdestotrotz Sonne und Mond verwechseltest, verloren wir einander.“ (Pos.3692) Diese Worte sind schwer zu ertragen. Weil sie so viel offenlegen. Besitz. Manipulation. Verdrehte Realität. Die Autorin klagt nicht an. Sie verurteilt nicht. Und genau darin liegt die Wucht dieses Buches. Sie erzählt. Lässt uns fühlen. Lässt uns eintauchen in Tanjas Gedankenwelt, erst die des Mädchens, dann die der Frau, die zurückblickt und versucht zu verstehen. Man spürt die verlorene Kindheit. Die Verwirrung. Die Sehnsucht nach etwas, das sich als Illusion entpuppt. Sprachlich ist dieses Buch ein absolutes Highlight. Fließend, eindringlich, voller Emotionen. Jeder Satz sitzt, jede Zeile hallt nach. Es ist keine laute Geschichte, aber eine, die lange bleibt. Ein Buch, das erschüttert und das wehtut. Und ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

"In mir breitete sich Traurigkeit aus. Ich hatte ihm das Wertvollste geschenkt, was ich besaß, und jetzt war nichts mehr da, das nur mir gehörte." [S. 207] Es geht um ein 14-jähriges Mädchen, welches sich naiv und dadurch unwissend und unerfahren in eine Beziehung mit einem drei Mal so alten Mann stürzt, der seine Machtposition schamlos ausnutzt und sie in ein toxisches und missbräuchliches Abhängigkeitsverhältnis drängt, von dem sie es nicht schafft sich zu lösen, während ihr Umfeld dabei tatenlos zusieht. Schockierend. "In den Spiegeln anderer Leute sieht man auch anders aus, man kann sich selbst auf eine neue Weise entdecken, als wäre man ein neuer Mensch." [S. 250] #buchstaeblichverliebt #bookstagram #lesen #wasrinaliest

EIN MÄDCHEN VERLIESS DAS ZIMMER - Ulrikka S. Genres - ET 29.01.2026 - Gutkind Verlag - Ü: Ursel Allenstein - 384 Seiten Worum geht’s? Missbrauch, falsche Liebe, toxische Beziehungen Mein Leseeindruck: Dieses Buch ist verstörend, berührend, fesselnd, schmerzlich, aufklärend. Ulrikka S. Gernes’ schnörkelloser, poetischer Erzählstil fängt die Reise einer Frau ein, die sich auf die Suche nach einer Verbindung zu ihrem jüngeren Ich begibt. Ein 14-jähriges Mädchen, dass aus der Einsamkeit und Unwissenheit heraus an den falschen Mann gerät, an Eg, den charismatischen Schriftsteller. Mit dem sie in die erste Liebe und Sexualität gleitet. Eine radikal mutige Geschichte, Themen von Macht und Resilienz beleuchtend. Ein Bestseller in Dänemark. TW: Schwerer Tobak, der noch lange nachhallt.
„Meine liebste Tanja“
Dieses Buch handelt über die Beziehung von Tanja und dem wesentlich älteren Eg. Es ist eine Geschichte von Macht, Missbrauch, Abhängigkeit, Geltungsdrang und Intimität. In dieser Rezension möchte ich nicht zu viel vorweg nehmen. Ich hätte mir zur Gegenwart etwas mehr Bezug gewünscht, um die Gefühle besser einordnen zu können. Ansonsten ist es ein Buch, welches man auf jeden Fall lesen kann obwohl es teilweise schwer zu ertragen ist.
EIN MÄDCHEN VERLIESS DAS ZIMMER Ulrikka S. Gernes ET: 29.01.26 Warum hat man sie nicht beschützt? Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Tanja, die auf der Vernissage ihres Vaters den 48-jährigen Autor Eg kennenlernt, einen Freund der Familie. Nach einem kurzen Gespräch tauschen sie ihre Adressen aus, und es beginnt ein intensiver Briefwechsel. Eg versteht es meisterhaft, mit Worten Nähe zu erzeugen und Aufmerksamkeit zu schenken. Schritt für Schritt gerät Tanja in eine emotionale Abhängigkeit, die sie selbst als etwas Besonderes und Erwähltes erlebt. Die Skepsis ihrer Mutter kann sie lange abwehren, bis schließlich auch die letzten Nachfragen verstummen. Mit 15 schläft Tanja erstmals mit Eg, schwänzt die Schule und richtet ihr Leben zunehmend auf ihn aus. Was für sie wie Liebe erscheint, entpuppt sich als toxisches Geflecht aus Manipulation, Macht und Abwertung. Eg rechtfertigt sein Verhalten mit der Idee einer „höheren“ emotionalen Bindung, die über monogamen Beziehungen stehe, und erwartet Verständnis für seine Seitensprünge und Bedürfnisse. Tanja erkennt lange nicht, wie sehr sie dominiert wird – und wie tief diese Beziehung ihr weiteres Leben prägen wird. „Du bist Niemand. Wenn du mit mir an Orten wie diesem bist, bin ich jemand. Verstehst du, was ich meine? […] Wir dürfen einander nicht einschränken, Tanja. Unsere Liebe unterliegt nicht diesen ganzen möglichen oder unmöglichen Normen. Unsere Liebe ist darüber erhaben, sie kann viel mehr umfassen als andere Beziehungen.“ (S. 172) Ulrikka S. Gernes erzählt diese Geschichte leise, präzise und ohne moralischen Zeigefinger. Gerade diese Zurückhaltung macht das Buch so erschütternd. Die Autorin zeigt eindringlich, wie Grenzüberschreitungen nicht als solche wahrgenommen werden, wenn sie sich als Zuwendung tarnen, und wie das Umfeld durch Wegsehen mitschuldig wird. Der klare, ruhige Stil entfaltet eine enorme Sogwirkung; viele Sätze hallen lange nach, weil sie die Mechanismen emotionaler Abhängigkeit so schonungslos offenlegen. Was für ein Buch. Eines, das man nicht einfach zuklappt, sondern das weiterarbeitet. Man ist dankbar, dass dieses Schicksal nicht das eigene oder das der eigenen Tochter ist. Fazit: Ein starkes, schmerzhaftes und verstörendes Debüt, das wichtige Fragen stellt, ohne einfache Antworten zu liefern. Große Leseempfehlung. 5/5

Ulrikka S. Gernes’ Roman „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ist ein Buch, das sich leise, aber unerbittlich festsetzt. Es ist keine Lektüre, die man „gern“ liest – sondern eine, die man aushält, weil sie notwendig ist. Schmerzhaft, verstörend und zugleich von einer klaren, fast nüchternen Sprache getragen, erzählt der Roman von einer Jugend, die nicht geschützt wurde. Im Zentrum steht Tanja, die im Jahr 1980 in einer Künstlerfamilie aufwächst. Emotional vernachlässigt, voller Sehnsucht nach Nähe und Anerkennung, begegnet sie mit vierzehn Jahren dem 46-jährigen Schriftsteller Eg, einem Freund ihrer Eltern. Er spricht mit ihr wie mit einer Erwachsenen, macht ihr Komplimente, schreibt ihr lange Briefe. Was für Tanja wie die erste große Liebe erscheint, entpuppt sich aus heutiger Sicht als das, was es ist: ein massiver Machtmissbrauch, der ihr Leben nachhaltig prägt. Gernes erzählt diese Geschichte überwiegend aus der Perspektive der jungen Tanja – und genau darin liegt die verstörende Kraft des Romans. Als Leser*in erkennt man früh die Manipulation, das Ungleichgewicht, die Grenzverletzungen. Tanja selbst kann das nicht. Sie erlebt Verwirrung, Überforderung, Schuldgefühle, ein diffuses Unbehagen, das sie nicht benennen kann. Die expliziten Schilderungen der sexuellen Annäherungen sind schwer auszuhalten, gerade weil sie nicht voyeuristisch sind, sondern Tanjas innere Erstarrung, ihr Sich-Anpassen und ihr Schweigen sichtbar machen. Zwischen diesen Passagen meldet sich immer wieder die erwachsene Tanja zu Wort, die versucht, eine Verbindung zu dem Mädchen herzustellen, das sie einmal war. Sie stellt die zentrale Frage des Romans: Warum hat niemand eingegriffen? Warum haben Eltern, Freund*innen, andere Erwachsene gezögert, weggesehen oder das Geschehen legitimiert, weil es sich im rechtlich Graubereich bewegte? So wird aus der individuellen Geschichte eine Anklage gegen ein strukturelles Versagen – gegen eine Gesellschaft, die Mädchen nicht schützt, wenn Machtmissbrauch als „Liebe“ getarnt wird. Stilistisch ist der Roman schnörkellos, klar und doch poetisch. Gernes verzichtet auf moralische Kommentare oder psychologische Erklärungen. Sie legt offen, statt zu urteilen. Gerade dadurch entsteht eine enorme Wucht. Manche Passagen wirken lang und repetitiv, insbesondere die Jahre, in denen Tanja vollständig auf Eg fixiert ist. Doch auch diese Länge scheint gewollt: Sie zwingt dazu, das Ausharren, das Gefangensein in dieser Beziehung mitzuerleben. „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ist ein extrem belastender Roman. Er macht wütend, fassungslos und traurig. Man fühlt sich beim Lesen oft schmutzig, hilflos, beschämt – und genau darin liegt seine Radikalität. Dieses Buch tut weh, weil es ehrlich ist. Es ist kein Trostbuch, keine leichte Lektüre, sondern ein notwendiger Augenöffner. Eine große Empfehlung – mit klarer Warnung. Wer dieses Buch liest, sollte sich der Schwere des Themas bewusst sein. Doch gerade weil es so unerträglich ist, ist es so wichtig. Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein.

Eine Geschichte, die unter die Haut geht
Dieses Gefühl, wenn eine Geschichte einen so erschüttert, dass man einen Moment braucht, um wieder klarzukommen. Genau so ging es mir mit „Ein Mädchen verließ das Zimmer“. Im Mittelpunkt steht Tanja. Sie ist vierzehn Jahre alt, ein Kind – und begegnet dem 46-jährigen Schriftsteller Eg, einem Freund ihrer Eltern. Was für Tanja zunächst wie Aufmerksamkeit, Nähe und vielleicht sogar Liebe wirkt, entpuppt sich für uns Leser:innen sehr schnell als das, was es ist: ein massives Machtgefälle. Besonders eindrücklich fand ich den Briefwechsel zwischen den beiden. Die Briefe wirken poetisch und zeigen sehr genau, wie Eg Tanja umgarnt. Er hört ihr zu, macht ihr Komplimente, behandelt sie scheinbar wie eine Erwachsene. Man versteht dadurch immer besser, warum Tanja sich so sehr an ihn bindet – und gleichzeitig wird schmerzhaft deutlich, wie Grooming funktioniert. Der Roman wird größtenteils aus der Perspektive der jungen Tanja erzählt, während sich immer wieder die erwachsene Tanja zu Wort meldet und auf diese Zeit zurückblickt. Gerade dieser Blick aus der Distanz macht spürbar, wie sehr diese Erfahrungen ihr Leben geprägt haben. Was mich beim Lesen immer wieder fassungslos gemacht hat: Alle schauen zu. Selbst ihre Eltern. Erwachsene, die eigentlich Verantwortung tragen müssten – und trotzdem greift niemand ein. Der Schreibstil ist ruhig, klar und sehr fein beobachtend. Gerade weil nichts dramatisiert wird, wirkt das Ganze umso intensiver und real – man liest weiter und merkt gleichzeitig, wie unangenehm nah einem diese Geschichte kommt. Für mich war dieses Buch unglaublich schmerzvoll, schwer auszuhalten und stellenweise wirklich abstoßend. Gleichzeitig ist es eines dieser Bücher, das wichtig ist, weil es zeigt, wie leicht Machtmissbrauch als Liebe oder „Beziehung“ getarnt werden kann. …und jetzt sitze ich da und denke immer noch an Tanjas Geschichte.

Fast unerträglich, aber so wichtig
„Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen.“ Ein Roman, der sich leise und unerbittlich festsetzt. Die klare, fast nüchterne Sprache verzichtet auf Wertung – und genau dadurch entfaltet der Text eine enorme Wucht. Beim Lesen entsteht ein wachsendes Unbehagen, eine Beklemmung, die lange nachhallt. Besonders eindrücklich ist es, die Entwicklung der Protagonistin mitzuerleben – Tanjas brüchiges, widersprüchliches Erwachsenwerden und den späteren Versuch, das Erlebte zu begreifen. Der Roman macht wütend, fassungslos und traurig, und gerade darin liegt seine Stärke: Er zwingt zur Auseinandersetzung. Keine leichte Lektüre, sondern eine notwendige, die wehtut und genau deshalb so wichtig ist.
Unglaublich
Tanja ist 14 Jahre alt, als sie Eg, einen Schriftsteller kennenlernt. Er ist ein Freund ihrer Eltern und 46 Jahre alt. Eg macht ihr Komplimente, spricht von ihrer Schönheit und ihrer jugendlichen Vollkommenheit. Die beiden beginnen einen Briefwechsel, der immer erotischer wird. Es kommt zum ersten heimlichen Treffen. Tanja verfällt Eg's Charme endgültig und sie geht eine langjährige Beziehung mit ihm ein. Die Schilderungen wie Tanja in dieses Verhältnis hinein geschildert ist, sind absolut nachvollziehbar dargestellt. Ihre Zerrissenheit und ihre Abhängigkeit zu diesem Mann, den sie bewundert. Tanja merkt nicht wie sie manipuliert wird, dazu ist sie zu jung. Was mich am meisten empört hat, dass weder ihre Eltern noch sonst ein Erwachsener einschreitet, alle scheinen diese Beziehung als normal anzusehen. Ein stiller, intensiver Roman, der mich oftmals den Kopf schütteln ließ.
Warum schweigen alle bei solchen Taten? Manchmal sind es genau die Geschichten, die man kaum erträgt, die am lautesten gehört werden müssen. „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes aus dem @gutkind_verlag ist so ein Roman. Übersetzt ins deutsche wurde der Text von der großartigen Ursel Allenstein. Tanja blickt als erwachsene Frau und Mutter auf eine Jugend zurück, die ihr genommen wurde. Es ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein schonungsloses Hinsehen. Ein Versuch, Worte für etwas zu finden, das lange sprachlos gemacht hat. Der Text bewegt sich zwischen den 1980er Jahren und der Gegenwart, zwischen Erinnerung und inneren Monologen und entfaltet dabei eine beklemmende Atmosphäre. Im Zentrum steht die Begegnung der vierzehnjährigen Tanja mit Eg, einem erwachsenen Mann aus dem Umfeld ihrer Eltern. Was zunächst wie Aufmerksamkeit und Anerkennung wirkt, verschiebt sich schleichend in ein Machtgefüge, das Tanja weder benennen noch durchbrechen kann. Es gibt keinen klaren Bruch, sondern ein langsames Überschreiten von Grenzen, das erst im Rückblick seine ganze Gewalt offenbart. Erschütternd ist dabei nicht nur die Beziehung selbst, sondern auch das Umfeld, das versagt. Eltern und Öffentlichkeit sehen hin und greifen dennoch nicht ein. Dieses kollektive Wegsehen legt sich wie ein zweiter Schatten über die Geschichte. Gernes schreibt klar und reduziert, mit einer fast nüchternen Präzision. Genau darin liegt die Stärke des Textes. Emotionen werden nicht ausgeschmückt, sondern stehen ungeschönt im Raum. Einige Passagen wirken beinahe poetisch und verstärken die innere Zerrissenheit der Figur. Beim Lesen entsteht ein ständiger Zwiespalt zwischen Distanz und Nähe. Man möchte wegsehen und gleichzeitig weiterlesen. Wut und Fassungslosigkeit wechseln sich ab und genau darin liegt die Kraft dieses Romans.
Unfassbar berührend und aufweckend.
Trotz teilweise total absurder Aufforderungen seitens Eg spürt man von Anfang an, wie die kurze Begegnung mit ihm eine unglaubliche Anziehung ausgelöst hat. Diese bringt einen Stein ins Rollen, welcher durch gemeinsame Interessen und die gegenseitige Bewunderung angetrieben wird. Die Manipulation und die Rechtfertigung ihres Verhaltens gegenüber der eigenen Eltern, wurden total realistisch dargestellt, sodass man wirklich spürt, wie sie sich von arg begehrt fühlt und auch endlich von einer Person die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr sonst in ihrem Alltag fehlt. Der poetische Schreibstil und die eingebauten Briefe & Gedichte haben die Beziehung und Emotionen der beiden wunderbar widergespiegelt. Zum Inhalt möchte ich gar nicht mehr vorwegnehmen, davon dürft ihr euch gerne selbst überzeugen! Es gab allerdings ein paar Szenen, die für die Storyline nicht entscheidend waren und meiner Meinung nach gerne hätten ausgelassen werden dürfen. Wie in der Einleitung schon erwähnt, war das kein leichtes Buch. Ich habe es trotzdem wirklich gern gelesen, auch - oder gerade weil - die Thematik so erschreckend und aufwühlend war. ⭐️ F A Z I T Es war ein innerer Zwiespalt zwischen „Ich muss es weglegen“ und „ich bin total gefesselt“. Eine Geschichte , die einerseits die Augen öffnet, zugleich verstörend ist und auf jeden Fall nachhallt. Die Thematik lässt sich auch sehr gut auf die heutige Zeit, insbesondere das Internet-Zeitalter, übertragen und ist daher in meinen Augen zeitlos. Von mir gibt’s 4,5 ⭐️ ! Wichtig: seid euch über die Thematik (Kindes-)Missbrauch bewusst, bevor ihr zum Buch greift!

Kein leichtes Buch, aber eines das man so schnell nicht vergisst.
In „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes blickt die Protagonistin als Erwachsene auf ihre gestohlene Jugend zurück. Mit 14 Jahren lernt sie einen Bekannten ihrer Eltern kennen – einen berühmten, deutlich älteren Schriftsteller –, der beginnt, ihr lange und gefühlvolle Briefe zu schreiben. Ihre Neugier wird geweckt, und sie erlebt zum ersten Mal das Gefühl, verliebt zu sein. Doch was zunächst faszinierend erscheint, entwickelt sich für sie zu einer schmerzhaften und zutiefst verwirrenden Erfahrung. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so körperlich reagieren ließ – mir war durchgehend schlecht. Die Geschichte hat bei mir eine Gänsehaut ausgelöst, allerdings nicht im klassischen positiven Sinne, sondern weil sie so unangenehm nah ging und emotional verstörend war. ⚡️ Und trotzdem – oder gerade deswegen – konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Die Autorin schafft es, ihre Figuren und die bedrückende Atmosphäre so eindringlich und detailreich zu zeichnen, dass man völlig in diese düstere Welt hineingezogen wird. Für mich ist „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ein literarisches Meisterwerk: unbequem, intensiv und lange nachwirkend. 💭 Ein herzliches Dankeschön an den @gutkind_verlag für das Rezensionsexemplar! 🙏🏻
Ohne die Empfehlung meins Buchhändlers hätte ich „Ein Mädchen verliess das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes (Ü: Ursel Allenstein) sehr wahrscheinlich nicht gelesen. Auch beim Klappentext lesen war ich noch skeptisch: Ich wollte eigentlich kein Buch über Beziehungen mit so einem Altersunterschied lesen. Ich bin sehr froh, dass ich der Empfehlung doch gefolgt bin, denn sprachlich hat mich dieses Buch sehr begeistert. Das Buch ist wahnsinnig gut geschrieben! Tanjas Schwärmerei und Gefühle für den 32 Jahre älteren Eg waren für mich erstmal nachvollziehbar, da man als Leser auch Egs Briefe gemeinsam mit Tanja liest. Man merkt aber auch sehr schnell, dass die Fantasie, die Tanja mit Eg verbindet wenig mit den tatsächlichen Begegnungen zutun haben. Bei den Begegnungen versucht sich Tanja anzupassen, obwohl sie sich zum Teil nicht wohl fühlt. Eg wird nicht als Antagonist beschrieben und dennoch sind viele Szenen verstörend. Neben den expliziten Szenen bleibt auch die Kette in Erinnerung. Obwohl ich das „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ sehr gut geschrieben fand und es mir - trotz des Themas - gefallen hat, kann ich keine uneingeschränkte Empfehlung für das Buch geben. Insbesondere aus der Sicht der jungen Tanja kann es triggernd sein, weil sie im Gegensatz zu mir als Leserin das Ungleichgewicht und die Manipulation nicht sieht. Ich hätte gerne mehr zu Tanjas Entwicklung während des Buches geschrieben, möchte aber auch nicht zuviel von der Handlung verraten.























