Der Erinnerungsfälscher

Der Erinnerungsfälscher

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Beschreibung

Eine Lebensgeschichte von enormer Wucht

Said Al-Wahid hat seinen Reisepass überall dabei, auch wenn er in Berlin-Neukölln nur in den Supermarkt geht. Als er eines Tages die Nachricht erhält, seine Mutter liege im Sterben, reist er zum ersten Mal seit Jahren in das Land seiner Herkunft. Je näher er seiner in Bagdad verbliebenen Familie kommt, desto tiefer gehen die Erinnerungen zurück, an die Jahre des Ankommens in Deutschland, an die monatelange Flucht und schließlich an die Kindheit im Irak. Welche Erinnerungen fehlen, welche sind erfunden und welche verfälscht? Said weiß es nicht. Es ist seine Rettung bis heute.

In diesem bewegenden und poetischen Roman liegt der Klang eines ganzen Lebens. Sprecher Timo Weisschnur liest ihn mit viel Anmut und beeindruckendem Feingespür.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Audiodatei (Download)
Seitenzahl
N/A
Preis
13.95 €

Autorenbeschreibung

Abbas Khider, 1973 in Bagdad geboren, wurde mit 19 Jahren wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach seiner Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als »illegaler« Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland. Abbas Khiders Debütroman »Der falsche Inder« erschien 2008. Es folgten »Die Orangen des Präsidenten«, »Brief in die Auberginenrepublik«, »Ohrfeige«, »Deutsch für alle« und »Der Palast der Miserablen«. Für seine Texte wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Nelly-Sachs-Preis und dem Hilde-Domin-Preis.Timo Weisschnur, geboren 1989 in Hamburg, studierte an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Von 2014 bis 2020 war er festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin. Außerdem sprach er verschiedene Hörbücher ein und ist Radio-Tatortkommissar von Radio Bremen. Für Hörbuch Hamburg las Timo Weisschnur bereits »Am Ende bleiben die Zedern« von Pierre Jarawan.

Beiträge

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Alle
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Was soll das?

Der Titel verspricht viel. Leider hat Abbas Khider keines meiner Erwartungen erfüllen können. Obwohl der Autor von grossen, traumatisierenden Erlebnissen im Irak berichtet, tut er dies in höchstem Masse emotionslos, der Ton der Erzählung ist maximal sachlich. Auch die Flucht und spätere Migration nach Deutschland wird merkwürdig betrachtend und unberührt dargestellt, oft auch verallgemeinernd kritisiert, es wird manches Mal verglichen mit dem Irak, Deutsche gegen Iraker. Hier wird oft jedes denkbare, billige Klischee bedient. Das kann nicht gut gehen, mir stellte sich oft die Frage, was das alles soll. Die Behauptung: „Wenn ein Migrant mit etwas kommt, was man in Deutschland nicht begreift, nennt man es Trauma“, hat mich verärgert. Es ist ein kurzes „Vergnügen", da dünnes Buch, sonst hätte ich es abgebrochen.

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Hinter einer recht sachlichen Sprache verbirgt sich eine Wucht an Emotionen, wenn man es auf sich wirken lässt und zwischen den Zeilen liest.

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Said Al-Wahid, angehender Schriftsteller, befindet sich gerade auf dem Heimweg nach einer Podiumsdiskussion in Mainz, als ihn der Anruf seines Bruders erreicht. Ihre Mutter liegt im Sterben und es wird nicht mehr lange dauern. Sofort macht er sich auf den Weg in seine Heimat, aus welche er vor Jahren geflohen ist, dem Irak. Auf seiner Reise wird er immer wieder mit Erinnerungen konfrontiert. Erinnerungen geplagt von Diskriminierung, Hass und Angst. […] „Saides irakische Familie ist nur eine Nachricht in der Tagesschau. Jede Zombie-Serie kommt den Menschen in Deutschland emotional näher.“ (S. 27) Eindringlich und emotional zeichnet Abbas Khider das Bild eines Schicksals, welches für viele Betroffene stehen könnte. Wirklich treffende Worte kann ich für dieses Buch nicht finden, außer, dass es mich sehr zum Nachdenken, hinterfragen und mitfühlen gebracht hat. Und leider weiterhin bittere Realität. […] „Das Erinnern war eine Last, eine harte innerliche Arbeit. Das, was früher einmal in seinen Kopf gelangt war, fand nicht mehr hinaus, war gefangen wie in einem Labyrinth, und wenn es doch herausfand, dann blieb es unvollständig.“ (S. 46)

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Huch, das war mal nen abruptes Ende

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In Abbas Khiders Roman geht es um die Kraft unserer Erinnerungen, was sie für einen Menschen bedeuten und wie sehr man ihrer Richtigkeit vertrauen kann. Der Roman handelt von Said Al-Wahid, der als junger Erwachsener aus dem Irak über mehrere Umwege nach Deutschland gelangt ist. Zu Beginn erfährt er vom Tod seiner Mutter und macht sich auf nach Bagdad zu fliegen. Diese Reise ist die Rahmenhandlung des Romans, in die einzelne Erinnerungsabschnitte aus Saids Leben thematisch passend eingeflochten werden. In Saids Leben ging es um Asylanträge, seine Flucht, Rassismus und das Leben in der Fremde. Said ist sich dessen bewusst, dass er einige seiner Erinnerungen nicht mehr richtig greifen kann, nicht mehr weiß, ob bestimmte Ereignisse seines Lebens wirklich so passiert sind, wie er sie erinnert. Doch da er sein "Mienenfeld der Erinnerung" nicht noch einmal betreten will, ist ihm diese Erkenntnis mehr als Recht. Als Leser kann man sich nur vorstellen, welche scherzhaften und präegenden Erlebnisse Said durchlebt hat und wieso er wohl allen Grund hat, diese zu verdrängen. Khiders Schreibstil ist nüchtern, an einigen Stellen zynisch und leicht zu lesen, die Thematik des Romans, das Vergessen der eigenen Erinnerungen wird auch durch die Sprache immer wieder aufgregriffen. Mir gefällt die Subtilität der Thematik, die einen trotzdem mitnimmt. Said ist in der Fremde zu Hause, aber sein ehemaliges zu Hause ist ihm auch fremd. Khider gibt einen kurzen Einblick in das Leben eines Geflüchteten, der ganz von vorne anfangen muss und währenddessen lernt, mit seinen Erfahrungen umzugehen.

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