Zurück unter Mördern

Zurück unter Mördern

Softcover
4.06

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Description

Die Schrecken des Krieges werfen lange Schatten.

Nach der Hölle des Zweiten Weltkriegs will der engagierte junge Jurist Henry Mahler als Privatermittler für Gerechtigkeit sorgen. Dabei stößt er auf das Schicksal der jüdischen Familie Lassally: Eduard Lassally, das Oberhaupt der Hamburger Handelsdynastie, wurde in der Nazizeit eingeschüchtert und enteignet – und soll schließlich Selbstmord begangen haben. Sein Sohn Oswald glaubt diese Geschichte nicht. Gemeinsam suchen Henry und Oswald nach den Schuldigen, die die Lassallys ins Unglück stürzten. Und geraten damit in höchste Gefahr.

Deutschland nach der Kapitulation: Die Mörder sind noch unter uns. Und sie wetzen wieder ihre Messer.

Book Information

Main Genre
Crime
Sub Genre
Historical
Format
Softcover
Pages
430
Price
13.40 €

Author Description

Michael Jensen wurde im Norden Schleswig-Holsteins geboren. Hauptberuflich ist er als Arzt tätig und interessierte sich früh für jüngere deutsche Geschichte und deren Folgen für die Nachkriegsgenerationen. Für sein literarisches Schreiben hat er ein Pseudonym gewählt. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg und im Kreis Schleswig-Flensburg.Im Aufbau Taschenbuch sind seine historischen Krimis um die Brüder Sass lieferbar sowie seine Reihe um Inspektor Jens Druwe.Mehr zum Autor unter autor-jensen.de.

Posts

3
All
3.5

"Sie haben Menschen wie uns bespuckt, getreten, geschlagen. Sie haben unsere Geschäfte zerstört, Karrieren zunichtegemacht. Und sie haben unser Vermögen an sich gerissen. Was denken Sie? Was kommt jetzt? Was uns bleibt, ist nur das Leben! Und ich fürchte, dass sie davor nicht haltmachen werden." Im Jahr 1950 wird der ehemalige Jura-Student Henry Mahler beauftragt, zum einen Beweise zu finden, dass beim Verkauf der Firma der Familie Lassally während der Nazizeit nicht alles koscher war, zum anderen herauszufinden, ob der angebliche Selbstmord des Familienoberhaupts Eduard Lassally nicht doch ein Mord war. Michael Jensens "Zurück unter Mördern" ist ein historischer Kriminalroman, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt, um sowohl den Kriminalfall des Jahres 1950 als auch die Geschichte der Familie Lassally (und vor allem Oswald Lassallys) zu beleuchten. Herausgekommen ist eine tolle Mischung aus Gesellschafts- und Kriminalroman. Michael Jensen gelingt es, anhand des "Einzelschicksals" der Familie Lassally/Oswald Lassallys, die Schrecken der Nazizeit aufleben zu lassen. Abseits der monströsen Zahlen wird so für uns Leser*innen erlebbar, was es bedeutete, den Nazis ausgeliefert zu sein. Jensen arbeitet gut heraus, wie tiefgreifend vernetzt und menschenverachtend das System war. Durch diese Fokussierung auf eine Familie wird die Monstrosität fassbar, fühlbar - und umso schrecklicher. Jensen nimmt sich Zeit. seine Hauptfiguren zum Leben zu erwecken. So nimmt im ersten Drittel die Charaktereinführung viel Raum ein, was für mich die richtige Vorgehensweise war. Erst in der zweiten Hälfte des Romans wird dann richtig ermittelt - anfangs spielt zwar der Zufall eine wichtige Rolle, aber da dieser Zufall die Ermittlungen erst so richtig in die Spur bringt, war das für mich okay, zumal sich die Zufälle dann in Grenzen hielten. Im letzten Drittel wurde es dann richtig spannend - nicht im Sinne eines Thrillers, aber doch spannend genug, dass ich das Buch nicht mehr beiseite legen wollte. "Zurück unter Mördern" hat mir als historischer Kriminalroman sehr gut gefallen. Michael Jensen ist ein Erzähler, der historische Fakten und Fiktion so gut vermengt hat, dass der Roman bis zum Ende glaubwürdig ist und seine Leser*innen an sich fesselt. Empfehlenswert.

4

Blutbefleckte Erde und dennoch Heimat Oswald Lassally kehrt 1950 mit seiner Frau zurück nach Deutschland. Während des Naziregimes ist er nach Brasilien ausgewandert, er war der einzige in seiner Familie, der es geschafft hat. Sein Vater, ein angesehener Kaffeeimporteur und -produzent hatte, wie auch alle drei Söhne, als Juden unter den Repressalien zu leiden. Dieses führte zu Enteignung und Tod. Eduard Lassally wollte eigentlich auswandern und den Standort verlegen, dieses gelang ihm aber letztlich nicht mehr. Angeblich hat er deshalb Selbstmord begangen. Oswald glaubt nicht daran und beauftragt den Privatdetektiv Mahler mit Recherchen. Mahler, selbst vom Krieg gezeichnet, nimmt den Auftrag an. Dies gestaltet sich aber schwierig und war in der Zeit auch nicht ungefährlich. Jeder hatte etwas zu verbergen und auch an hohen Stellen waren bisweilen immer noch die Leute mit früherer Gesinnung tätig. Auch wenn die Allierten versuchten dieses auszumerzen, viele Akten und Beweise waren letztlich zerstört oder wurden noch nach dem Krieg zerstört. So gab es doch noch viele Seilschaften. Hierin lässt der Autor den Leser tief blicken. Zum einen gibt er Einblicke in die Aneignung der Vermögenswerte durch die Nazis in einem Erzählstrang im Nationalsozialismus, zum anderen begleitet man Mahler und auch Oswald Lassally in 1950 bei der Recherche. Der Roman ist sehr flüssig geschrieben und lässt sich gut lesen. Er lässt tief blicken. Der Autor erzählt in seinem Nachwort von seinen Recherchen über die Familie Lassally, die wirklich gelebt hat. Diese Recherchen merkt man auch beim Lesen. Es wirkt sehr authentisch, auch wenn ich mir manchmal noch mehr Emotionen bei den handelnden Personen gewünscht hätte. Die Geschichte fesselt, insbesondere dadurch, dass der Autor einen Einblick in die Gedankenwelt eines Verfolgten gibt, der trotzdem nach Kriegsende wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Den Roman empfehle ich allen historisch interessierten Lesern, insbesondere denjenigen, die einen tieferen Einblick in die Nachkriegszeit und die immer noch herrschenden Seil- und Machenschaften möchten.

Spannende Aufarbeitung von Nazi-Verbrechen In dem Buch „Zurück unter Mördern“ gibt es zwei Zeitlinien. Zum einen in 1950, wo Henry Mahler als Privatdetektiv angeheuert wird um Beweise zu finden, dass Oswalds Lassallys Familienvermögen von den Nazis beschlagnahmt wurde. In der zweiten Zeitlinien begleiten wir Oswald Lassally durch die Zeit ab 1931, wie er unter den Nazis gelitten hat, über seine Auswanderung bis hin zu seiner Rückkehr 1950 nach Deutschland. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Über die Zeit vor und während des 2. Weltkrieges habe ich bereits viel gelesen, trotzdem ist es immer wieder schrecklich, was den Juden damals angetan wurde. Sehr interessant fand ich die Geschichte um Henry Mahler, der selbst im Krieg schreckliches erlebt hat und über den Verbleib seiner Ehefrau bei seiner Rückkehr nichts mehr rausfinden kann. Er taucht in seinen Ermittlungen in den Sumpf der Nachkriegszeit ein, wo noch viele Nazis ein neues Leben aufgebaut haben, seine Wut und das Unverständnis wird toll beschrieben. Einzig der plötzliche Schluss hat mir nicht ganz so gut gefallen. Es gibt zwar noch einen Epilog und auch ein Nachwort des Autors, trotzdem hätte ich mir das Ende etwas „runder“ gewünscht. Ich vergebe 4 Sterne.

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