Wir sind dann wohl die Angehörigen

Wir sind dann wohl die Angehörigen

Softcover
3.851
ÜbergabeWahre Begebenheit1996Bericht

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Description

Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen.

»Es waren zwei Geldübergaben gescheitert und mein Vater vermutlich tot. Das Faxgerät hatte kein Papier mehr, wir keine Reserven, und irgendwo lag ein Brief mit Neuigkeiten.« Wie fühlt es sich an, wenn einen die Mutter weckt und berichtet, dass der eigene Vater entführt wurde? Wie erträgt man die Sorge, Ungewissheit, Angst und die quälende Langeweile? Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber nicht mal in die Schule gehen, Sport machen, oder Freunde treffen darf? Und selbst Die Ärzte, Green Day und die eigene E-Gitarre nicht mehr weiterhelfen?

Book Information

Main Genre
N/A
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
240
Price
12.40 €

Author Description

Johann Scheerer, geboren 1982, gründete mit fünfzehn Jahren seine erste Band, nahm mit »Score!« 1999 sein erstes Album auf und ging auf Deutschlandtour. Nach dem Abitur bekam er einen Plattenvertrag für sein Soloprojekt »Karamel« und gründete 2003 das Tonstudio »Rekordbox«. Seit 2005 betreibt er das Tonstudio »Clouds Hill Recordings« mit angeschlossenem Label und Musikverlag „Clouds Hill“.Johann Scheerer arbeitet als Musikproduzent mit international renommierten Musikerinnen und Musikern wie Omar Rodríguez-López, At the Drive-In, Alice Phoebe-Lou, Gallon Drunk, Wolf Biermann und Peter Doherty. » It´s magic what this young German did to my songs. He saved my life.« Peter Doherty // The Libertines, Babyshambles. 2018 erschien sein hochgelobter erster Roman »Wir sind dann wohl die Angehörigen«, 2021 der hochgelobte Roman »Unheimlich nah«.

Posts

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Biografie über die Reemtsma Entführung

Dieses Buch hat der Sohn von Jan Philipp Reemtsma über die Entführung seines Vaters geschrieben. Das Buch ist gänzlich aus der Sicht des damaligen 13 jährigen Sohnes Johann geschrieben und lässt sich leicht lesen. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages gelesen, kannte die Reemtsma Entführung aber auch bereits durch diverse Podcasts. Bevor man das Buch liest würde ich auch empfehlen sich zumindest grob mit der Entführung auseinanderzusetzen um die Zusammenhänge leichter zu verstehen

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Johann Scheerer ist Sohn von Jan Philipp Reemtsma und 13 Jahre alt als sein Leben nachhaltig aus den Fugen gerät. Sein Vater wird entführt und er befindet sich schnell zwischen zwei Welten, der Normalität und der Entführungssituation, zwischen denen es keine Bindeglieder gibt. Das Buch erzählt in der Ich- Perspektive merkwürdig distanziert und gleichzeitig trotzig emotional einen Teil der eigenen Lebensgeschichte. Ich hoffe, dass alle Beteiligten heute nach so vielen Jahren eine gute Art des inneren Friedens finden konnten. Ich werde die anderen Bücher von Jan Scheerer noch lesen und auch das Buch, welches Herr Reemtsma selbst über seine Entführung geschrieben hat.

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Johann Scheerer, der Sohn des am 25. März 1996 entführten Jan Philipp Reemtsma, hat nun nach 22 Jahren einen autobiografischen Roman veröffentlicht, in dem er die 33 Tage, die die Entführung seines Vaters dauerte, aus der Sicht seines damaligen 13-jährigen Ichs beschreibt. Damit kommt der zweite (intime) Teil dieser schlimmen 4,5 Wochen an die Öffentlichkeit, der Teil, der sich in der Villa, die zur polizeilichen Einsatzzentrale umfunktioniert wurde, abgespielt hat. Johann Scheerer nimmt uns mit zurück in die Vergangenheit seiner Erinnerungen, in die Zeit, als er sich im Ausnahmezustand befand, in dem das Warten das einzige war, das vorherrschte und gleichzeitig unerträglich war. "Mein Blick auf die Welt hatte sich verändert. Nichts war mehr normal, alles stand im Zeichen einer potentiellen Gefahr. Alles war ein potentielles Hindernis." (eBook, Pos. 559) In dieser Zeit steht seine Welt Kopf. Plötzlich gibt es keine Privatsphäre mehr. Fremde Menschen nisten sich in der Villa ein, versuchen verzerrte Stimmen und Telefonate zu verstehen, Briefe seines Vaters auf evtl. versteckte Hinweise zu entziffern und die Lösegeldforderungen vorzubereiten. Eine erzwungene Gemeinschaft hat sich gebildet, die vor lauter Frust und Angst ihre Anspannung in Humor, Lachflashs und Eierwerfen zu beherrschen versuchen. Doch gleichzeitig stellt sich das schlechte Gewissen ein. "Wann würde es mir wieder möglich sein, ohne schlechtes Gewissen zu lachen?" (eBook, Pos. 84) Johann Scheerer ist währen dieser 33 Tage von seiner Schulpflicht befreit. Ein kurzer Schulbesuch hatte ihm aufgezeigt, dass, solange die Entführung nicht vorbei ist, er sich dort nicht befreit aufhalten kann. "Der Schulbesuch hatte mich stärker irritiert, als ich es mir gewünscht hätte. Es war nicht die Rückkehr zur Normalität gewesen, sondern der Weg aus meiner neuen Normalität in eine surreale Situation. Dort war ich also auch falsch." (eBook, Pos. 2008) Denn mit der Zeit merkte er, dass die Informationen, die er von seiner Mutter und den anderen erhält, stark gefiltert sind. Der Versuch einer Erklärung seiner Mutter, warum die zweite Geldübergabe nicht geklappt hat, ist mit so vielen Auslassungen gespickt, sodass es ihm nicht möglich war, der Erklärung zu folgen. Der Autor versucht seine Gefühle zu unterdrücken und die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit seinem Vater, den er schrecklich vermisste, nicht aufkeimen zu lassen. Die Entführung könnte seiner Vorstellung nach nicht glücklich enden. Bekämen die Entführer das Geld, würden sie den Zeugen wahrscheinlich töten. Obwohl ich als Leserin den Ausgang dieser Entführung kannte, fieberte ich währen der beiden von der Polizei verpatzen Geldübergaben mit. Es war ein schreckliches Gefühl zu wissen, dass diese Entführung insgesamt so lange dauerte, weil die Polizei Fehler gemacht hatte. Doch Johann Scheerer erwähnt das fast wie beiläufig. Er betreibt keine Schuldzuweisung und zeigt auf, das er als 13-jähriger großes Vertrauen in die Polizei hatte. Dennoch wurde heimlich eine dritte Geldübergabe hinter dem Rücken der Polizei vorbereitet, die dann Gott sei Dank auch geglückt war. Der Autor erfuhr von der Freilassung seines Vaters und dass er sich auf dem Weg ins Bundeswehrkrankenhaus befand und er ihn dort treffen würde. Mit diesem Satz hatte auch mein Gefühlschaos endlich ein Ende. Befreit, froh und dennoch nicht im alten Leben wieder zurück. Keiner. Sehr eindrucksvoll beschreibt Johann Scheerer, wie diese 33 Tage seine Welt und seine Familie zerstört hat. "Ich erinnere mich währenddessen an unsere Formulierung aus meinen Kindertagen, als wir kuschelnd im Bett lagen. >>Zwischen uns passt keine Briefmarke.<>Darf ich Ihnen den Johann mal kurz für zwei Minuten entühren?<<" (eBook, Pos.2636) alles wieder nach vorne. Ein sehr lesenswertes Buch eines Betroffenen, das Schlimmes aufzeigt, die emotionale Seite jedoch im Rahmen hält, sich auf die Fakten fokusiert und die Sicht eines jungen Menschen aufzeigt und wie dieser mit den ganzen plötzlichen Veränderungen umgegangen ist. Schnörkellos und mit Galgenhumor erzählt.

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Ich fand die Idee, dass einer der "Angehörigen" über eine Entführung berichtet, interessant. Aber so sehr ich mich bemüht habe, in dieses Buch habe ich einfach nicht recht hereingefunden. Der Schreibstil des Autors lag mir irgendwie so gar nicht, ich fand die Kapitel irgendwie kurz, zusammenhanglos und abgehackt, da hat sich kein Lesefluss eingestellt. Ich habe das Buch ungefähr nach der Hälfte frustiert zur Seite gelegt - ist einfach nicht meins.

Keine Bewertung, da es autobiographisch ist. Ich fand das Buch bzw. die Erlebnisse, die Johann Scheerer beschreibt, unglaublich beeindruckend und bedrückend zu gleich. Das Buch zeigt das Handeln von Menschen in Extremsituation und vor allem, wie Kinder mit solchen Geschehnissen umgehen & versuchen diese zu verarbeiten. Absolut empfehlenswert, wenn man sich mit der Entführung genauer auseinandersetzen will.

Es sind zweifelsohne richtig eindrückliche Memoiren! Nach der Hälfte habe ich gemerkt, dass mir das Buch wahrscheinlich mehr gebracht hätte, wenn ich vorab schon ein bisschen mehr über die eigentliche Entführung gewusst hätte.

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Anlässlich des 25. Jahrestages der Entführung von Jan Philipp Reemtsma hatte ich mir eigentlich vorgenommen [b:Im Keller|1274325|Im Keller|Jan Philipp Reemtsma|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1182432905l/1274325._SY75_.jpg|460455] vom Entführten selbst zu lesen. Doch dieser Bericht fing sehr trocken mit den Schilderungen der reinen Fakten der Entführung und der vielen gescheiterten Geldübergaben an. Ich brach daher das Buch des Vaters ab und schaute stattdessen in den Augenzeugenbericht des damals 13jährigen Sohns Johann Scheerer hinein. Das gefiel mir deutlich besser, da Johann Scheerer von Anfang seine Gedanken und Gefühle der 33tägigen Entführungszeit darlegt. Es beginnt mit dem Wecken durch die Mutter am Morgen nach der Entführung und dem verrückten Gedanken, dass er durch dieses Ereignis nun die Lateinarbeit verpasst und endet der schwierigen Kommunikation mit den Mitschülern nach mehrwöchigen Fehlen in der Schule. Johann Scheerer versteht es, die lange Zeit des Wartens auf einen Anruf der Entführer und den Versuch der Zerstreuung in unterhaltsame Worte zu verpacken. Klar sind da auch mal Längen in der Schilderung, aber das Buch ist allemal besser als jeder fiktive Entführungsfall im Thriller-Bereich.

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Anlässlich des 25. Jahrestages der Entführung von Jan Philipp Reemtsma hatte ich mir eigentlich vorgenommen [b:Im Keller|1274325|Im Keller|Jan Philipp Reemtsma|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1182432905l/1274325._SY75_.jpg|460455] vom Entführten selbst zu lesen. Doch dieser Bericht fing sehr trocken mit den Schilderungen der reinen Fakten der Entführung und der vielen gescheiterten Geldübergaben an. Ich brach daher das Buch des Vaters ab und schaute stattdessen in den Augenzeugenbericht des damals 13jährigen Sohns Johann Scheerer hinein. Das gefiel mir deutlich besser, da Johann Scheerer von Anfang seine Gedanken und Gefühle der 33tägigen Entführungszeit darlegt. Es beginnt mit dem Wecken durch die Mutter am Morgen nach der Entführung und dem verrückten Gedanken, dass er durch dieses Ereignis nun die Lateinarbeit verpasst und endet der schwierigen Kommunikation mit den Mitschülern nach mehrwöchigen Fehlen in der Schule. Johann Scheerer versteht es, die lange Zeit des Wartens auf einen Anruf der Entführer und den Versuch der Zerstreuung in unterhaltsame Worte zu verpacken. Klar sind da auch mal Längen in der Schilderung, aber das Buch ist allemal besser als jeder fiktive Entführungsfall im Thriller-Bereich.

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Johann Scheerer hat ein Buch über sich und seine Familie geschrieben. Eine Art Chronik der Ereignisse aus der Sicht eines Teenagers, der er damals war, als sein Vater Jan Philipp Reemtsma entführt wurde. Schon der Titel drückt für mich schon so vieles treffend aus. Und je mehr ich weiter gehört habe, desto mehr habe ich das so empfunden. Scheerer ist auch ein sehr guter Leser, einerseits denke ich natürlich, das er seinen Text eben auch am besten selbst lesen sollte. Immerhin geht es hier um sehr intime Erlebnisse, über die er sicher so noch in der Öffentlichkeit gesprochen hatte. Andererseits wird dadurch auch der Text intensiver und man kommt ihm sehr nahe. Zum Teil fühlte ich mich sehr als Voyeurin, die hier in die Privatsphäre eindringt, um zu erfahren, was Scheerer bewegt hat. Andererseits bin ich auch froh, das er diesen Blick gewährt hat. All zu oft stehen dann am Ende eben die Täter im Fokus und kaum jemand fragt noch, wie geht es den Angehörigen? Ich vermute schon, das er damit der Meute geben wollte, was sie erwartet um in Zukunft Ruhe vor nervigen Fragen zu haben (was ich wirklich verstehen kann.). Ich finde dem Autor ist es sehr gut gelungen eine Annäherung an seine Gefühle und die Ereignisse, was sie für ihn bedeuten zu ermöglichen. Der intim, sehr nahe, aber auch mit genug Abstand um das zu erzählen, was er möchte, aber auch selbst zu entscheiden, was lasse ich weg. Das Ganze konzentriert sich wirklich nur auf den Zeitraum der Entführung und lässt ihm so die Privatsphäre. Ein kleiner Blick in die Gegenwart (von 2016) gibt es am Ende, ein Einblick darin, das die Entführung immer irgendwie eine Rolle spielt, aber nicht die Hauptfigur geblieben ist.

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