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Es geht um eine von Gewalt gezeichnete Kindheit und das Wegsehen von anderen.
Nov 2, 2025
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Nov 2, 2025
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"Es gibt nur einen einzigen Menschen, der auf Sie aufpassen kann. Das sind Sie. Sonst niemand." "Nicht dass mein Vater mich tatsächlich kaputt geschlagen hätte, sonst wäre ich ja gestorben, aber ich wusste nie so ganz, ob er selber wusste, wann aus dem Schlagen Kaputtschlagen würde." Was Karoline als Kind passiert ist, ist doch gar nicht so schlimm, sagt sie und glaubt es auch wirklich. Sie bezeichnet es als Pech, im Vergleich zu dem was alles auf der Welt passiert. Seit einem Unfall, bei der ihre Wirbelsäule verletzt wurde, leidet Karline an chronischen Schmerzen, die sich durch keine Behandlung lindern lassen. Sie landet bei dem Mikrokinesie-Therapeuten Monsieur Mounier, der durch seine Behandlung einen Prozess in Gang bringt, der Karline zurück in ihre Kindheit katapultiert. Der ihr klar macht, dass es nicht einfach Pech war, was ihr als Kind durch Vater und Mutter geschehen ist, sondern Gewalt, sowohl physisch als auch psychisch. Dass sie nicht erst seit dem Unfall verletzt ist. Birgit Vanderbekes eindringlicher und klarer Schreibstil hat mich ab der ersten Seite gehabt. Der Wechsel zwischen Kindheit und Erwachsenenleben, zeigt sich auch in Sprache und Ausdruck, teilweise schon naiv angehaucht, manchmal nur angedeutet, dann aber auch wieder sehr ausdrucksstark und deutlich. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung ⭐
Nov 19, 2024
"Es gibt nur einen einzigen Menschen, der auf Sie aufpassen kann. Das sind Sie. Sonst niemand." "Nicht dass mein Vater mich tatsächlich kaputt geschlagen hätte, sonst wäre ich ja gestorben, aber ich wusste nie so ganz, ob er selber wusste, wann aus dem Schlagen Kaputtschlagen würde." Was Karoline als Kind passiert ist, ist doch gar nicht so schlimm, sagt sie und glaubt es auch wirklich. Sie bezeichnet es als Pech, im Vergleich zu dem was alles auf der Welt passiert. Seit einem Unfall, bei der ihre Wirbelsäule verletzt wurde, leidet Karline an chronischen Schmerzen, die sich durch keine Behandlung lindern lassen. Sie landet bei dem Mikrokinesie-Therapeuten Monsieur Mounier, der durch seine Behandlung einen Prozess in Gang bringt, der Karline zurück in ihre Kindheit katapultiert. Der ihr klar macht, dass es nicht einfach Pech war, was ihr als Kind durch Vater und Mutter geschehen ist, sondern Gewalt, sowohl physisch als auch psychisch. Dass sie nicht erst seit dem Unfall verletzt ist. Birgit Vanderbekes eindringlicher und klarer Schreibstil hat mich ab der ersten Seite gehabt. Der Wechsel zwischen Kindheit und Erwachsenenleben, zeigt sich auch in Sprache und Ausdruck, teilweise schon naiv angehaucht, manchmal nur angedeutet, dann aber auch wieder sehr ausdrucksstark und deutlich. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung ⭐
Nov 19, 2024

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Ich stand in der Stadtbücherei auf der Suche nach einer Autorin mit V vor dem entsprechenden Regal und begutachtete das dünne Sortiment. Solche Momente, bei denen ich frage, auf was für eine Challenge-Schnapsidee ich mich da wieder eingelassen habe. Vanderbeke? Ich kenn dich nicht, aber dein Klappentext war noch am Vielversprechensten. Und dann so was! Ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte, weil der Schreibstil der Autorin einfach fesselte, ich das Gefühl hatte, Frau Vanderbeke sitze vor mir und erzähle mit viel Herzblut die Geschichte ihre Kindheit, ihrer Eltern, den Schlägen, dem Misstrauen, den Streitigkeiten und dem allseitigen Verschließen der Augen vor der Wahrheit. Es ist wie in einer Psychotherapie, bei der die Autorin die Patientin ist und ich von der Rolle des Lesers und die des Zuhörers schlüpfe. Sie schreibt dabei ganz bewusst so, wie sie auch in einer emotional aufgewühlten Art reden würde, teilweise ohne Punkt und Komma, oft kindlich naiv mit Wiederholungen, aber immer mit so viel Engagement, dass es mir als Zuhörer immer beklemmender wurde. Nun, was ist Frau Vanderbeke denn schlimmes passiert, dass es wert wäre, in einem Roman verpackt zu werden? Das fragt sich die Autorin auch und führt immer wieder Weltgeschehen auf, das viel größer und bedeutender war, als ihre Kindheit sowie das Schicksal anderer Kinder, welches noch viel schlimmer gewesen sein musste. Ein schlagender Vater, eine autoritäre Erziehung in den 60ern, eine Mutter, die die starke Hand des Vaters am Abend für das Kind einfordert. Eine Kindheit, die bestimmt keine Seltenheit zu dieser Zeit war. Doch auch diese Kindheit hinterlässt Narben, die bis in das Alter andauern und die man aktiv angehen und pflegen muss, um die Schmerzen hieraus zu lindern. Du musst auf dich selbst aufpassen, es tut sonst kein Anderer. Das ist die Botschaft. Die Autorin ist zwar ein paar Jahre älter als ich, im Alter meines Bruders, vieles kam mir aus meiner Familie auch bekannt vor, vielleicht hat es mich deswegen so bewegt. Ich bewundere ihre Kraft, wie sie offensichtlich als selbstbewusste Frau aus dieser Kindheit hervorging. Am Ende entschuldigt sie sich fast beim Leser dafür, dass es nicht mehr zu berichten gab, aber das ist grundlos. Letztlich zeigt das Buch, wie alles Erlebte in der eigenen Geschichte und in der Geschichte der Familie zusammenhängt und dass so manches erst einem mit vielen Jahren Abstand klar wird.
Feb 23, 2024
Ich stand in der Stadtbücherei auf der Suche nach einer Autorin mit V vor dem entsprechenden Regal und begutachtete das dünne Sortiment. Solche Momente, bei denen ich frage, auf was für eine Challenge-Schnapsidee ich mich da wieder eingelassen habe. Vanderbeke? Ich kenn dich nicht, aber dein Klappentext war noch am Vielversprechensten. Und dann so was! Ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte, weil der Schreibstil der Autorin einfach fesselte, ich das Gefühl hatte, Frau Vanderbeke sitze vor mir und erzähle mit viel Herzblut die Geschichte ihre Kindheit, ihrer Eltern, den Schlägen, dem Misstrauen, den Streitigkeiten und dem allseitigen Verschließen der Augen vor der Wahrheit. Es ist wie in einer Psychotherapie, bei der die Autorin die Patientin ist und ich von der Rolle des Lesers und die des Zuhörers schlüpfe. Sie schreibt dabei ganz bewusst so, wie sie auch in einer emotional aufgewühlten Art reden würde, teilweise ohne Punkt und Komma, oft kindlich naiv mit Wiederholungen, aber immer mit so viel Engagement, dass es mir als Zuhörer immer beklemmender wurde. Nun, was ist Frau Vanderbeke denn schlimmes passiert, dass es wert wäre, in einem Roman verpackt zu werden? Das fragt sich die Autorin auch und führt immer wieder Weltgeschehen auf, das viel größer und bedeutender war, als ihre Kindheit sowie das Schicksal anderer Kinder, welches noch viel schlimmer gewesen sein musste. Ein schlagender Vater, eine autoritäre Erziehung in den 60ern, eine Mutter, die die starke Hand des Vaters am Abend für das Kind einfordert. Eine Kindheit, die bestimmt keine Seltenheit zu dieser Zeit war. Doch auch diese Kindheit hinterlässt Narben, die bis in das Alter andauern und die man aktiv angehen und pflegen muss, um die Schmerzen hieraus zu lindern. Du musst auf dich selbst aufpassen, es tut sonst kein Anderer. Das ist die Botschaft. Die Autorin ist zwar ein paar Jahre älter als ich, im Alter meines Bruders, vieles kam mir aus meiner Familie auch bekannt vor, vielleicht hat es mich deswegen so bewegt. Ich bewundere ihre Kraft, wie sie offensichtlich als selbstbewusste Frau aus dieser Kindheit hervorging. Am Ende entschuldigt sie sich fast beim Leser dafür, dass es nicht mehr zu berichten gab, aber das ist grundlos. Letztlich zeigt das Buch, wie alles Erlebte in der eigenen Geschichte und in der Geschichte der Familie zusammenhängt und dass so manches erst einem mit vielen Jahren Abstand klar wird.
Feb 23, 2024
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Author
Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. 2007 erhielt sie die Brüder-Grimm-Professur an der Kasseler Universität.
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