Warum gibt es keine Zigaretten beim Gemüsehändler

Warum gibt es keine Zigaretten beim Gemüsehändler

Softcover
4.01

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Description

»L'infra-ordinaire«, das unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Gewöhnlichen liegende: so lautet der Originaltitel dieser Sammlung an posthum veröffentlichten Texten Perecs. Nicht die Großereignisse, nicht die unerhörten Begebenheiten sind es, die das Leben ausmachen, sondern: ein toter Vogel. Beton, Ziegelstein, Glas. Eine Hausnummer. Wo jemand, den man flüchtig kannte, einmal gewohnt hat. Hintergrundgeräusche. Und aus den banalen Beobachtungen, belanglosen Niederschriften, pedantischen Bestandsaufnahmen kleinster Veränderungen sprießen und platzen wie stets bei Perec überraschende, schlagend allgemeine, tragikomische, poetische Wahrheiten hervor.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
108
Price
12.40 €

Author Description

Georges Perec war einer der wichtigsten Vertreter der französischen Nachkriegsliteratur und Filmemacher. Als Sohn polnischer Juden musste Perec als Kind die deutsche Besetzung Frankreichs miterleben. Sein Vater fiel 1940 als Freiwilliger in der französischen Armee, seine Mutter wurde 1943 nach Auschwitz verschleppt. Kurz vor ihrer Verhaftung konnte sie ihren Sohn mit einem Zug des Roten Kreuzes aufs Land schicken und ihm so das Leben retten. 1967 trat Perec der literarischen Bewegung Oulipo bei, die Raymond Queneau ins Leben gerufen hatte. Das Kürzel Oulipo steht für »L' Ouvroir de Littérature Potentielle«, d.h. »Werkstatt für Potentielle Literatur«. Die Schriftsteller von Oulipo, die aus dem »Collège de Pataphysique«, surrealistischen Gruppierungen oder dem Kollektiv »Nicolas Bourbaki« stammten, erlegten ihren Werken bestimmte literarische oder mathematische Zwänge auf, etwa den Verzicht auf bestimmte Buchstaben. Perecs Werk »Anton Voyls Fortgang« kommt so ganz und gar ohne den Buchstaben E aus. In den 70er Jahren begann Perec ebenfalls mit Erfolg Filme zu drehen. Kurz vor seinem 46. Geburtstag starb Georges Perec an Lungenkrebs.

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Auf Perec ist immer Verlaß, das wusste ich! Auch diesmal, ist es ihm gelungen, mich für sein Buch, für seine Ideen einzunehmen. Es sind 8 kleinere Texte, die ursprünglich in unterschiedlichen Publikationen erschienen sind und posthum zu diesem Band gesammelt wurden. Es geht, im Großen und Ganzen um die Aufforderung an den Leser, sich dem Alltäglichen zu widmen, zu versuchen, die Verwunderung über die ganz banalen Dinge im Leben, die uns zugunsten der großen Ereignisse abhanden gekommen ist, wieder zu gewinnen. Dazu nimmt er den Leser auf zwei sehr schöne Spaziergänge durch Beaubourg und London mit(in denen ich zum ersten Mal in seinen Texten so etwas wie Gefühl durchscheinen sah), liefert die Beschreibung einer Straße in 6 aufeinander folgenden Jahren, gibt den Inhalt von Zweihunundertdreiundvierzig Postkarten wieder(eine herrliche Satire über den "touristischen" Wortschatz), macht eine Bestandsaufnahme aller Speisen und Getränken, die er im Laufe eines Jahres zu sich genommen hat, beschreibt seinen Schreibtisch (mit einer wunderbaren Spiegelung) und nicht zuletzt kümmert er sich in meinem Lieblingstext „Das Allerheiligste“ um die Etymologie des Wortes „Büro“ und entwickelt sogar eine Typologie der Mächtigen anhand ihrer Büros. Es ist allerdings kein Buch für Leser, die Perec und seine Experimentierfreude noch nicht kennen, bzw sich nicht darauf einlassen wollen.

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