Vom Frühling und von der Einsamkeit

Vom Frühling und von der Einsamkeit

Softcover
3.86

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Description

Kein historischer Bericht, keine Chronik zeigen die Weimarer Republik und die Zwischenkriegszeit klarer, hellsichtiger und vielschichtiger als die Gerichtsreportagen von Gabriele Tergit. Diese Arbeiten, die Tergit ab 1924 u.a. für das Berliner Tageblatt und die Weltbühne in der ihr eigenen literarischen Sprache verfasste, bilden das Herzstück ihrer journalistischen Arbeit. Sie verstand den Gerichtssaal als Bühne, auf der sich bei jeder Verhandlung ein neues Stück abspielte. Dabei interessierte sie vorrangig der sonderbare Einzelfall, der interessante, merkwürdige, tragische Charakter des Tatbestands und der Angeklagten. Und doch beobachtete sie in jedem Fall, der bei Gericht verhandelt wurde, stets das Ringen der gesellschaftlichen Kräfte im Hintergrund, die soziale Misere, die die Menschen erst zu verbrecherischen Taten treibt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
368
Price
14.40 €

Author Description

Gabriele Tergit (1894-1982), Journalistin und Schriftstellerin, wurde durch ihre Gerichtsreportagen bekannt. Sie schrieb drei Romane, zahlreiche Feuilletons und Reportagen sowie posthum veröffentlichte Erinnerungen. Im November 1933 emigrierte sie nach Palästina, 1938 zog sie mit ihrem Mann nach London.

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In der Weimarer Republik war Gabriele Tergit eine gefragte Gerichtsreporterin. So gefragt, dass sie sich aussuchen konnte, von welchen Fällen sie berichtet. Was sie sich aussuchte war ein Querschnitt der Fälle, die vorm Moabiter Kriminalgericht verhandelt wurden - Ehestreitigkeiten, Betrugsfälle, Erpressungen. Einiges ist skurril und unterhaltsam, anderes bitterernst. Tergit schrieb diese Reportagen von 1925 bis 1933 für verschiedene Berliner Zeitungen. Unverkennbar ist, dass in dieser Zeit das politische und gesellschaftliche Thema kippt. Es finden sich immer mehr politisch motivierte Straftaten, die Grausamkeit und Härte in der Auseinandersetzung nimmt zu. Der Titel "Vom Frühling und von der Einsamkeit" lässt mehr Leichtigkeit und zarte Melancholie vermuten, als sich hier finden lässt. Dafür war auch vor hundert Jahren in der Prozessordnung nicht viel Raum. Früh erkennt die Autorin, dass das Gericht dazu neigt, Straftaten von rechts weniger ernst zu nehmen. Noch 1932 berichtet sie von einem Prozess, bei dem Hitler ein Auftritt bereitet wird, als sei er ein Filmstar. 1933 versucht die SA, in ihrer Wohnung einzubrechen und Tergit flüchtet samt Familie nach Jerusalem. Doch bis dahin hatte sie viel zu berichten, darunter auch mehrere kritische Texte über den Paragraphen 218, der ihrer Ansicht längst hätte abgeschafft werden müssen. Mit ihrer Meinung hält Tergit nicht hinterm Berg. Ihre Sympathie gilt den Kleinen, den Mädchen von der Straße und den Tagelöhnern, die die komplexe Sprache des Gerichts kaum verstehen und sich mit ihrer Auffassung von Recht und Moral um Kopf und Kragen reden.

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