Vladimir
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Description
Sie ist Ende fünfzig, Literaturprofessorin an einem kleinen College an der amerikanischen Ostküste und beliebt bei ihren Studentinnen. Seit dreißig Jahren ist sie mit John verheiratet, der am selben College unterrichtet. Sie war immer stolz darauf, mit John eine offene Beziehung zu führen, intellektuell, finanziell und emotional unabhängig zu sein. Als John jedoch seine Suspendierung fürchten muss, weil eine der vielen Studentinnen, mit denen er im Laufe der Jahre eine Affäre hatte, ein Verfahren gegen ihn angestrengt hat, gerät das Wertesystem der Ich-Erzählerin ins Wanken: Ihre Studentinnen und ihre Tochter fordern sie auf, sich zu trennen, die Fakultät möchte sie beurlauben. In dieser Situation trifft sie Vladimir Vladinski - ein 20 Jahre jüngerer Kollege und gefeierter Romanautor - und entwickelt für ihn eine folgenschwere Obsession.
»Heteronormativität kommt hier als Stichwort ebenso vor wie Cancel Culture. Nie jedoch werden diese Themen plakativ abgehandelt. Und das ist eine große Leistung für einen Debütroman, in dem es um das Innenleben einer alternden Frau, um ihre sexuellen Wünsche und vergangenen Fehler geht.«
Deutschlandfunk Kultur
»Ein düsterer Debütroman mit einem #MeToo Geschlechter-Twist.« Los Angeles Times
Vorlage zur NETFLIX-Verfilmung mit Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“) und Leo Woodall („The White Lotus“).
Book Information
Author Description
Julia May Jonas hat an der Columbia University Literarisches Schreiben studiert. Sie ist Dramatikerin und unterrichtet Schauspiel am Skidmore College in Saratoga Springs, New York. Jonas lebt mit ihrer Familie in New York.
Posts
Erwischt mich zum Ende unerwartet. Alles in allem großartiges Buch.
Julia May Jonas behandelt mit ihrem Roman Vladimir gleich mehrere spannende gesellschaftspolitische Fragen und Debatten. Dabei gelingt es ihr, trotz konstanter Erzählung aus der ersten Person, einzelne Themen auch aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten. Die Storyline handelt überwiegend im amerikanischen Literaturwissenschaftsbetrieb einer mittelgroßen, aber in der Nische renommierten, Universität. Durch ein, zwei Aufhänger habe ich auch die Gelegenheit genutzt, mich mit meinem eigenen Blick auf Literatur, auf Erzählweise auseinanderzusetzen und konnte vorangegangene Romane nochmal auf einer anderen Ebene betrachten. Mit der Erzählweise hat mich Jonas sofort in ihren Bann gezogen. Ich war durch die Protagonistin gebannt und konnte mich total gut auf die Handlung einlassen. Diese gipfelt in total unerwartetem Chaos, das mich unvorbereitet von den Beinen gehauen hat. Well played. Ganz runtergebrochen geht es zum Beispiel um solche und ähnliche Fragen: -Welches Beziehungsmodell ist gesellschaftlich anerkannt? -Sollten Dozenten und Studentinnen körperliche Beziehungen eingehen dürfen? Können die Studentinnen das nicht jede für sich selbstbestimmt entscheiden? Sollte es eine grundsätzliche Regelung geben? -Wer darf schreiben? Alle und jeder oder nur „Wer was zu sagen hat?“ -Warum sind alle so besessen von der Autofiktion? Ist es, weil alle im Internet-Zeitalter schon von klein auf damit beschäftigt ist, einen Avatar von sich selbst zu gestalten? -Kann ein Roman nur gut sein, wenn man die Protagonist:innen als moralisch und ethisch „gute Menschen“ bewerten kann? Soll jedes Stück Literatur nur noch ein „Wälzer über Fairness sein“? Und so könnte es auch noch ausgiebig weiter gehen. Also: wer Blut geleckt hat greife zu. Autorin: Julia May Jonas Übersetzung aus dem Amerikanischen von Eva Bonné Verlag: Blessing
Holte mich aus einer Leseflaute raus!
Normal lese ich im Durchschnitt 5-8 Bücher monatlich. Irgendwie lief es die letzten Wochen eher schleppend. Als ich auf Netflix gesehen habe, dass eine Serie "Vladimir" erscheinen soll in welcher meine absolute Lieblingsschauspielerin Rachel Weisz die Hauptrolle (zusätzlich executive producer) spielt musste das Buch her! Zugegeben, das Cover gefällt mir persönlich überhaupt nicht, und mit dem Schreibstil musste ich auch erst "warm" werden. Doch die Art wie die namenlose Protagonistin uns an ihren Gedanken teilhaben ließ war so authentisch, fesselnd und unterhaltsam dass ich über das Cover hinwegsehen konnte. Stellenweise brachten mich manche Passagen auch etwas zum schmunzeln. Es enthält auch einen kleinen Plot mit welchem ich nicht rechnete. Ich kann das Buch definitiv empfehlen und werde heute noch mit der Serie starten!
Ich hatte ehrlich gesagt etwas ganz anderes erwartet!
Die namenlose Protagonistin ist Ende fünfzig, gebildet, emanzipiert und arbeitet als Literaturprofessorin an einem College. Sie führt mit ihrem Ehemann John, der ebenfalls dort tätig ist, eine offene Ehe. Doch diese gerät ins Wanken, als gegen ihn mehrere Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe von Studentinnen erhoben werden und ihm eine Suspendierung droht – ein handfester Skandal auf dem Campus. Parallel dazu lernt die Protagonistin den etwa 20 Jahre jüngeren Juniordozenten Vladimir kennen. Schnell entwickelt sie eine regelrechte Obsession und ist davon besessen, ihn zu verführen. Als Leserin bzw. Leser erwartet man zunächst, dass sich zwischen den beiden tatsächlich etwas entwickelt. Stattdessen bleibt vieles in ihrem Kopf: unverblümte, teils verstörende Fantasien und Gedanken dominieren die Handlung. Diese Obsession nimmt zunehmend problematische Züge an und steuert schliesslich auf ein grosses Desaster zu. Wer hier – so wie ich – ein „spicy“ Buch erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen stehen andere Themen im Vordergrund: weibliche sexuelle Selbstbestimmung Machtverhältnisse Drogen- und Alkoholkonsum Begierde und das Älterwerden Besonders gefallen haben mir die klugen, oft zynischen und provokanten Gedanken der Protagonistin. Gleichzeitig ist ihr Verhalten stellenweise schwer nachvollziehbar, teils sogar verstörend. Fazit: Ein Buch, das interessante Themen anspricht und zum Nachdenken anregt, mich insgesamt aber nicht vollständig überzeugen konnte. Ich würde es nicht unbedingt weiterempfehlen – als Lektüre für zwischendurch ist es jedoch in Ordnung.
Ambivalent, spannend...wenn auch manchmal etwas oberflächlich
Vladimir erzählt aus der Perspektive einer Literaturprofessorin, deren Umfeld von Vorwürfen des Machtmissbrauchs zwischen Professor:innen und Studierenden geprägt ist. Positiv aufgefallen ist mir die genderneutrale Sprache und der weibliche Blick auf Begehren, Zweifel und Konkurrenz. Etwas anstrengend fand ich die häufige Konzentration auf Körperlichkeit und Aussehen, die stellenweise oberflächlich wirkt. Interessanter sind die Ambivalenzen rund um Macht, offene Beziehungen und das Älterwerden, die der Roman differenziert beleuchtet. Ein Buch mit spannenden Themen, auch wenn nicht alle Schwerpunkte für mich gleichermaßen überzeugt haben.
Achtung Spoiler
Unglaublich! Wir begegnen einer Literaturprofessorin mittleren Alters, die von außen hin das perfekte Leben führt. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter, arbeitet als Dozentin an einem kleinen College und führt eine enge Beziehung zu ihren Studierenden. Doch im Inneren ist sie gebrochen und unzufrieden. Es nimmt sie mit, dass sie nicht mehr jung und schön ist, dass sie nicht mehr begehrt wird, sondern vielmehr als alte liebe Frau gesehen wird. Ihre Ehe ist gescheitert, sie leben nebeneinander her, statt miteinander und sind nur zusammen, weil es unkompliziert ist. Doch dann ist da Vladimir. Er ist jung und schlau, hat vieles vor und hat doch sein eigenes Päckchen zu tragen. Sie beginnt ihn zu begehren und will ihn für sich haben, erlebt auch mit diesen Gedanken einen „zweiten Frühling“. Sie beginnt Geld für sich auszugeben, achtet auf ihr Aussehen und ihr Wohlbefinden und möchte nur noch ihm auffallen und gefallen. Doch wenn es zu einsamen Momenten kommt, sie im Streit mit ihrem Partner auseinandergeht oder die Studierenden sich von ihr abwenden, da beginnt sie mit dem Leser zu sprechen. In solchen Momenten fühlt es sich an, als wären wir, die Leser, eine stille Person im Hintergrund, ein Schatten, die sie in ihren Gedanken und ihrem Handeln begleiten. Bis zu dem Moment in der Hütte, in welcher sie Vladimir unter Drogen setzt und manipuliert, fand ich dieses Buch sehr gut. Es gab paar ungemütliche Momenten mit vielen perversen Aussagen, doch das glichen eher kleinen Ausreißern der Protagonistin. Auch gerade weil es so unangenehm war, hat man es dennoch weiter gelesen und vielleicht wollte die Autorin genau das bezwecken. Doch ihr Verhalten in der Hütte glich für mich nicht ihrer wahren Person. Sie hat ihr Ziel erreicht, Vladimir lag ihr zu Füßen und dennoch wollte sie es nicht. Sie hat ein Netz aus Lügen gestrickt, nur um dann alles zu verlieren. Der Brand am Ende war erschreckend. Es wurde nüchtern geschrieben und fühlte für mich so einbrechend an. Während die gesamte Zeit alles gut lief und funktioniert hat, ist jetzt alles eingebrochen. Ich habe auch das Gefühl, dass dieser Brand ihr „Karma“ war. Während die Protagonistin nie zufrieden mit ihrem Aussehen war, ist nun 20% ihres Körpers verbrannt. Während ihr Partner andere Frauen mit seinem Aussehen gewinnen konnte, ist auch sein Körper zu 30% verbrannt. Nun leben sie wieder zusammen in einer neuen Stadt und führen doch wieder eine Ehe wie früher.
Irritierend, klug und nachwirkend
Der Roman „Vladimir“ von Julia May Jonas hat mich mit einem bemerkenswerten Gefühl der Unschlüssigkeit zurückgelassen, und genau darin liegt zugleich seine Stärke wie auch seine Schwäche. Einerseits empfand ich die Lektüre als spannend, andererseits hatte sie stellenweise etwas Zähes, fast Ziehendes an sich. Die Spannung speiste sich dabei weniger aus der Handlung im klassischen Sinne als vielmehr aus der gesellschaftlichen und moralischen Ebene, auf der der Text operiert. Das Buch fordert seine Leser*innen dazu auf, eigene Überzeugungen zu hinterfragen, und regt nachhaltig zum Nachdenken an. Meine Erwartungen waren allerdings andere. Der Klappentext hatte bei mir die Vorstellung eines Romans über obsessive Liebe geweckt, die unaufhaltsam auf eine Eskalation zusteuert. Zwar eskaliert die Geschichte am Ende durchaus, jedoch auf eine Weise, die ich weder erwartet noch erhofft hatte. Insgesamt verläuft die Handlung deutlich anders, als ich es mir vorgestellt hatte und genau das hat mich beim Lesen immer wieder irritiert. Dennoch möchte ich diese Überraschung nicht als negativ bewerten. „Vladimir“ ist anders, als man denkt, aber nicht schlechter. Es ist vielmehr ein Buch, das sich bewusst gegen klare Erwartungen sperrt. Besonders gelungen fand ich die Auseinandersetzung mit feministischen Fragestellungen und moralischen Grauzonen. Die Perspektive auf Macht, Begehren und Selbstbild, vor allem im Kontext unterschiedlicher Generationen und gesellschaftlicher Rollenbilder, ist komplex und unbequem und gerade deshalb interessant. Der Roman zwingt dazu, einfache Urteile zu vermeiden und Ambivalenzen auszuhalten. Insgesamt halte ich „Vladimir“ für ein gutes, kluges Buch, das weniger durch narrative Spannung als durch seine Themen und Fragen überzeugt. Es ist eine Lektüre, die nachhallt, auch wenn sie mich nicht vollständig abgeholt hat. Ein zweites Mal würde ich das Buch vermutlich nicht lesen, aber bereuen es gelesen zu haben, tue ich keinesfalls.
Alles verschlingende Begierde
Wahnsinnig gute Darstellung der moralischen Grauzone des Machtmissbrauchs und der damit einhergehenden Studenten-Professor Dynamik. Die Emanzipation und Selbstbestimmung junger Frauen und die Sicht der älteren Generation auf diesem Umschwung und das sich weiterentwickelnde Frauenbild. Grandioses Buch, teilweise derbe Sprache
Fesselnd
Die in die Jahre gekommene namenlose Protagonistin ist Literaturprofessorin an einem kleinen College. Als ein Skandal das College aufwühlt, in den ihr Ehemann verwickelt ist, gerät ihr Leben ins Wanken. Sie hinterfragt das Konzept der offenen Ehe, ihre Wertvorstellungen und kämpft mit ihrem eigenen Älterwerden. Zeitgleich lernt sie den 20 Jahre jüngeren Vladimir kennen für den sie eine Obsession entwickelt. Ein Roman über Begierde, Machtmissbrauch und menschliche Abgründe. Auch wenn zunächst nicht sonderlich viel passiert, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Die inneren Monologe der Protagonistin, die sowohl scharfsinnig als auch zynisch, dabei aber auch humorvoll sind, haben mich gefesselt. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, was mir persönlich zu schnell ging.
VLADIMIR Julia May Jones Unsere namenlose 58-jährige Literaturdozentin lehrt an einem kleinen amerikanischen Collage im Fachbereich Literatur. Sie war schon immer autark, beliebt und intelligent, doch hat sie seit Neuestem ein großes Problem mit dem Älterwerden. Und das spiegelt sich auch in ihrer Ehe mit Ehemann John, der am selben Collage unterrichtet, wieder. Beide führen eine "offene Ehe, was nie ein Problem darstellte, schließlich hat ihr Ehemann ein größeres Interesse an sexuellen Aktivitäten. Doch dann lernt sie ihren neuen, jüngeren Kollegen Vladimir kennen und ihre sexuelle Energie erwacht. Zeitgleich droht John eine Suspendierung: Mehrere weibliche Studierende haben den Professor wegen sexueller Übergriffe beim Dekan angezeigt. Daraufhin wurde eine Anhörung eingeleitet. Wer jetzt denkt, dass Vladimir eine kitschige Liebesgeschichte ist, den muss ich hier direkt an dieser Stelle enttäuschen. Obwohl es hauptsächlich um ein alterndes und lang verheiratetes Ehepaar geht (die offensichtlich gerade in einer Lebenskrise stecken), so werden Themen wie Depressionen, Drogenkonsum und Missbrauch im Kontext angesprochen. Ich habe so ein feines Buch, was so unglaublich schön vom Sprachstil ist und mich gefühlt in das Wohnzimmer vom Ehepaar Hustvedt/Auster katapultiert hat, nicht erwartet - eine unglaubliche Überraschung. Ein Buch, das zum Ende eine ganz andere, nicht vorhersehbare Wendung bekommt und noch einmal richtig aufdreht. Fazit: Ein Wahnsinnsdebüt! Stark aus dem Amerikanischen von Eva Bonné übersetzt. 5/ 5

Vladimir. I understand why this book gets such mixed reviews, but I also feel very confident in giving it a generous 5 stars. Because my god, was this a breathtaking read. First, let's say this much: I only made it through the first two thirds of this novel because of the stunning writing. As we all know by now, I have a weakness for academic settings, and the life of two illustrious literature professors on the east coast of the US is just something I could read about for hours with absolutely no plot happening. That's basically what the first half of "Vladimir" felt like: A walk through the eventful and cultured life of a woman in her fifties who has not come to terms with ageing and who isn't sure whether her past decisions have made her happy after all. And then: Boom! Unreliable narrator! Love, lust and intrigue! An unhealthy obsession with bodies and intellect! A hut in the woods, an unfinished manuscript, cigarettes and lamb shanks! A multi-layered story that had me hooked - and pulled me through the last 130 pages in one day. E-ve-ry-thing I want from the perfect dark academia read. Damn, Julia May Jonas! You did that! And you guys: Read that! Just be warned: If you have or have had an unhealthy relationship with food and body image, approach this book carefully. Triggers are there.
Das Buch übte einen Sog auf mich aus, sodass die Seiten nur so vorbeiflogen. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus Sicht einer namentlich unbekannt gebliebenen Literaturprofessorin einer Kleinstadt geschrieben. Sie beschreibt detailliert die Lehrtätigkeit und setzt sich reflektiert mit der Vielzahl ihrer Probleme (Anschuldigungen gegen ihren Mann, eigenes Körpergefühl, ihre Fiktion auf Vladimir) auseinander. Der Titel gebende Vladimir nimmt eine zentrale Rolle ein, die ihm vielleicht selbst erst im letzten Viertel des Buches bewusst wird. Das Ende war tatsächlich etwas abrupt, löst aber im Endeffekt das grundlegende Problem der Protagonistin. Mir hat es insgesamt sehr gut gefallen.
Wunderschön
"Vladimir" von Julia May Jonas hat mich echt so gepackt. Jonas kombiniert schwere Themen mit einem Hauch Humor, was das Buch super lesbar macht. Die Charaktere sind vielschichtig und wirken sehr echt, besonders die Hauptfigur mit ihren ganzen inneren Kämpfen und moralischen Fragen. Ein kleiner Minuspunkt: Manchmal zieht sich die Handlung ein bisschen, und man wünscht sich, dass einige Dinge schneller vorangehen. Trotzdem bleibt das Buch durch die komplexen Charaktere und die tiefen Einblicke spannend. Alles in allem ist "Vladimir" ein starkes Buch, das durch seine tiefgründigen Figuren und den packenden Stil besticht. Es regt zum Nachdenken an und bleibt einem noch lange im Kopf. Eines der besten Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe.

Sehr interessant, die Machtverhältnisse aus der Perspektive der Literaturprofessorin zu verfolgen, welche Ideale sie zu verkörpern versucht (und ihrer Ansicht nach doch immer wieder daran scheitert/diese nicht erreicht), ihre Werte zu verstehen, von ihrer Vergangenheit zu erfahren, die Fantasien gegenüber Vladimir, der Plottwist und das doch sehr lyrische/poetische Ende, zusammengefasst ein sehr spannendes Buch, hat mich persönlich von Anfang bis Ende gefesselt.
Der Roman „Vladimir“ hat mich unschlüssig zurückgelassen. Zwischen den Zeilen steckt sehr viel Gesellschaftskritik und die Autorin thematisiert die Anforderungen an das Rollenbild der Frau und transportiert dies durch die Hauptprotagonistin, die anderen Frauen die Schuld gibt und sich voll hinter ihren Mann stellt, als die ersten Anschuldigungen von Studentinnen gegen ihn laut werden. Die namenlose Ich-Erzählerin hadert sehr mit dem Älterwerden und der Beziehung zu ihrem Ehemann. Ihr ist bewusst, dass sie teilweise von ihm abhängig ist, ein Umstand, der ihr missfällt, dennoch verhält sie sich gegensätzlich. Ihre Tochter ist das genaue Gegenteil von ihr. Die Gespräche zwischen den beiden zeigen den Generationenkonflikt sehr gut auf. Die Tochter hat bestimmte Wertvorstellungen, ist queer und heißt die Aktivitäten des eigenen Vaters überhaupt nicht gut. Die Gespräche mit ihrer Tochter führen bei der Ich-Erzählerin gleichzeitig auch zur Reflexion ihres Lebens. Zwischendrin taucht Vladimir auf, zu dem die Protagonistin eine Obsession entwickelt. Und letztendlich fühlte sich das für mich an, als ob die Ich-Erzählerin sich genauso verhält wie ihr Mann. Das Ende war für mich dann auch überhaupt nicht mehr stimmig. Es fühlte sich an wie ein schneller Versuch noch irgendwie aus der Geschichte rauszukommen. Ich fand den Ansatz des Romans sehr gut, aber leider hat mich die Autorin auf den Weg dahin verloren.
Dieses Buch hat mir große Lesefreude bereitet, was an der namenlosen Protagonistin liegt, deren innere Welt ich gerne begleitet habe. Diese Frau Ende 50 ist komplex, teilweise böse, zynisch, dann wieder weich, hat Ecken und Kanten und ist ganz einfach interessant. Der Plot nimmt im letzten Drittel eine ungewöhnliche Wendung, die nicht ganz nach meinem Geschmack, aber doch irgendwie passend war.
Wenn die Vorstellung stärker ist als die Obsession selbst
Ein Mann, der Affären mit Studentinnen hat und seine Frau, die davon wusste und nichts dagegen unternommen hat. Allein das ist moralisch schon grenzwertig. Eigentlich ist es aber fast schon nebensächlich, denn mit düsterem, sarkastischem und selbstkritischem Ton beschäftigt sich die Protagonistin vor allem mit sich selbst: mit ihrem eigenen Älterwerden, ihren Sehnsüchten und ihrem nächsten Roman. Sie entwickelt eine Obsession für den 20 Jahre jüngeren Vladimir und reibt sich daran auf, schöpft neue Lebensenergie – diese baut sich enorm auf, erlebt dann aber einen vergleichsweise flachen, fast schon unspektakulären Höhepunkt. Hier habe ich irgendwie mehr erwartet. Gleiches gilt für das Ende, denn was auf den letzten 20 Seiten los war, verstehe ich nicht ganz. Offenbar musste es schnell gehen. Schade, denn in den Seiten davor lag so viel Tiefgang und Potenzial für mehr. Nichtsdestotrotz ein tolles Buch!
Völlig anders als erwartet entwickelte sich die Geschichte unserer Erzählerin mit Vladimir.. tiefe Einsichten in eine ( zum Teil) gebrochene Seele einer Frau, die sich in der zweiten Hälfte ihres Lebens befindet. Schade, dass ihr das Älterwerden und die damit verbundenen Veränderungen des Körpers so zusetzen und an ihrem Selbstbewusstsein nagen… Schade, aber nachfühlbar.. Sehr spannend fand ich die Dynamik zwischen ihr und ihrem Ehemann. Wollen sie doch das ideale Paar sein, das ohne Eifersucht eine offene Ehe führt. Was zwischen den Zeilen fühlbar wird, hat mich berührt und verstört zugleich. Leider hat das Ende mit gar nicht gefallen, war das Buch doch bis dahin auf dem Weg ein kleines Highlight zu werden. Insgesamt ist die Stimmung im Buch düster und zynisch, was man mögen muss. Es entwickelt nach und nach einen Sog ohne zu reißerisch zu werden im Plot.
Julia May Jonas Debütroman hat mich direkt auf den ersten Seiten in seinen Bann gezogen. Wie ein unwirklicher Traum liest sich die Geschichte der namenlosen Protagonistin, die sich plötzlich in einem heftigen Verlangen nach ihrem neuen Kollegen wiederfindet. Was klingt wie ein Liebesroman, ist die Geschichte einer alternden Literaturprofessorin und ihren Umgang mit den Vorwürfen gegen ihren Mann, er habe junge Studentinnen sexuell ausgenutzt. Sie kämpft mit einer jungen Generation Studierender, die ihr Komplizenschaft unterstellt, während sie sich als emanzipierte Frau empfindet, die nicht für die Fehltritte ihres Mannes gerade zu stehen hat. Neben ihrem Umgang mit dem scheinbaren Ende ihrer Ehe und den Anklagen in ihrem Job, baut sich immer weiter ihr Begehren für den namensgebenden Juniorprofessor Vladimir auf, der schon fast verloren geglaubte Gefühle in ihr wieder aufleben lässt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Spannend fand ich vor allem die Perspektive der Protagonistin als Ehefrau - allerdings gleichberechtigten Partnerin - eines sexuell übergriffigen Mannes. Ihre Sichtweise auf das sehr präsente Thema hat mich zuerst überrascht, ordnet für mich aber häufige Reaktionen ihrer Generation auf beispielsweise die MeToo-Debatte glaubwürdig ein. Zudem fand ich erfrischend mal von einer älteren Frau zu lesen, die sich nach der Liebe bzw. dem Körper eines jüngeren Mannes sehnt. Allerdings nicht ohne sich dafür zu verurteilen und sich sogar selbst lächerlich zu finden. Was als ruhige recht rational gehaltene Geschichte beginnt, entwickelt sich im letzten Drittel beinahe zu einem Thriller mit einer Wendung, die ich absolut nicht kommen habe sehen. Ich würde das Buch vor allem auch jüngeren (aber erwachsenen) Leser*innen empfehlen, da mir das Buch Denkanstöße gegeben hat, die Gedanken und das Verhalten unserer Elterngeneration besser einordnen zu können. Die Autorin ist zwar selbst noch jung, aber auf mich wirken die Gedankengänge der Protagonistin sehr realistisch. Ich gebe dem Buch 4.5 Sterne (aufgerundet auf 5)
Ich bin so unschlüssig, wie ich dieses Buch bewerten soll Einiges hat mir sehr gut gefallen (die Unsicherheit, Zerrissenheit der Frau in der heutigen Zeit an sich; der Riss zwischen Illusion und Realität; die Tatsache, dass im Tagtraum alles meistens viel schöner ist, als es dann in die Tat gesetzt je sein könnte...) Aber oft hat mich der sehr langsame Erzählstil etwas gelangweilt und viele "Probleme" der Protagonistin erschienen mir sehr lächerlich Aber wer darf sich schon anmaßen, was einem anderen wichtig ist.... Niemand Der große dramatische Moment zum Ende hin, war meiner Meinung nach unnötig, das hätte nicht unbedingt so melodramatisch gelöst werden müssen Alles in allem zwar ganz anders, als erwartet und gehofft, aber trotzdem ganz ok
Tja, wo ist denn bitte die Leidenschaft und Obsession für Vladimir? Gut geschrieben, schöne Sprache, interessante Hauptfigur, aber so so viel verlorenes Potenzial. Es ist ein Text über eine alternde Frau, Liebende, Professorin und ihre Gedanken zu allerlei, vor allem Beziehungsquatsch und Liebe. Aber es ist dabei immer wieder teasend und sogar vielversprechend, nur um dann wieder ohne Klimax weiterzuziehen. Unbefriedigend auf mehrern Ebenen.
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Sie ist Ende fünfzig, Literaturprofessorin an einem kleinen College an der amerikanischen Ostküste und beliebt bei ihren Studentinnen. Seit dreißig Jahren ist sie mit John verheiratet, der am selben College unterrichtet. Sie war immer stolz darauf, mit John eine offene Beziehung zu führen, intellektuell, finanziell und emotional unabhängig zu sein. Als John jedoch seine Suspendierung fürchten muss, weil eine der vielen Studentinnen, mit denen er im Laufe der Jahre eine Affäre hatte, ein Verfahren gegen ihn angestrengt hat, gerät das Wertesystem der Ich-Erzählerin ins Wanken: Ihre Studentinnen und ihre Tochter fordern sie auf, sich zu trennen, die Fakultät möchte sie beurlauben. In dieser Situation trifft sie Vladimir Vladinski - ein 20 Jahre jüngerer Kollege und gefeierter Romanautor - und entwickelt für ihn eine folgenschwere Obsession.
»Heteronormativität kommt hier als Stichwort ebenso vor wie Cancel Culture. Nie jedoch werden diese Themen plakativ abgehandelt. Und das ist eine große Leistung für einen Debütroman, in dem es um das Innenleben einer alternden Frau, um ihre sexuellen Wünsche und vergangenen Fehler geht.«
Deutschlandfunk Kultur
»Ein düsterer Debütroman mit einem #MeToo Geschlechter-Twist.« Los Angeles Times
Vorlage zur NETFLIX-Verfilmung mit Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“) und Leo Woodall („The White Lotus“).
Book Information
Author Description
Julia May Jonas hat an der Columbia University Literarisches Schreiben studiert. Sie ist Dramatikerin und unterrichtet Schauspiel am Skidmore College in Saratoga Springs, New York. Jonas lebt mit ihrer Familie in New York.
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Erwischt mich zum Ende unerwartet. Alles in allem großartiges Buch.
Julia May Jonas behandelt mit ihrem Roman Vladimir gleich mehrere spannende gesellschaftspolitische Fragen und Debatten. Dabei gelingt es ihr, trotz konstanter Erzählung aus der ersten Person, einzelne Themen auch aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten. Die Storyline handelt überwiegend im amerikanischen Literaturwissenschaftsbetrieb einer mittelgroßen, aber in der Nische renommierten, Universität. Durch ein, zwei Aufhänger habe ich auch die Gelegenheit genutzt, mich mit meinem eigenen Blick auf Literatur, auf Erzählweise auseinanderzusetzen und konnte vorangegangene Romane nochmal auf einer anderen Ebene betrachten. Mit der Erzählweise hat mich Jonas sofort in ihren Bann gezogen. Ich war durch die Protagonistin gebannt und konnte mich total gut auf die Handlung einlassen. Diese gipfelt in total unerwartetem Chaos, das mich unvorbereitet von den Beinen gehauen hat. Well played. Ganz runtergebrochen geht es zum Beispiel um solche und ähnliche Fragen: -Welches Beziehungsmodell ist gesellschaftlich anerkannt? -Sollten Dozenten und Studentinnen körperliche Beziehungen eingehen dürfen? Können die Studentinnen das nicht jede für sich selbstbestimmt entscheiden? Sollte es eine grundsätzliche Regelung geben? -Wer darf schreiben? Alle und jeder oder nur „Wer was zu sagen hat?“ -Warum sind alle so besessen von der Autofiktion? Ist es, weil alle im Internet-Zeitalter schon von klein auf damit beschäftigt ist, einen Avatar von sich selbst zu gestalten? -Kann ein Roman nur gut sein, wenn man die Protagonist:innen als moralisch und ethisch „gute Menschen“ bewerten kann? Soll jedes Stück Literatur nur noch ein „Wälzer über Fairness sein“? Und so könnte es auch noch ausgiebig weiter gehen. Also: wer Blut geleckt hat greife zu. Autorin: Julia May Jonas Übersetzung aus dem Amerikanischen von Eva Bonné Verlag: Blessing
Holte mich aus einer Leseflaute raus!
Normal lese ich im Durchschnitt 5-8 Bücher monatlich. Irgendwie lief es die letzten Wochen eher schleppend. Als ich auf Netflix gesehen habe, dass eine Serie "Vladimir" erscheinen soll in welcher meine absolute Lieblingsschauspielerin Rachel Weisz die Hauptrolle (zusätzlich executive producer) spielt musste das Buch her! Zugegeben, das Cover gefällt mir persönlich überhaupt nicht, und mit dem Schreibstil musste ich auch erst "warm" werden. Doch die Art wie die namenlose Protagonistin uns an ihren Gedanken teilhaben ließ war so authentisch, fesselnd und unterhaltsam dass ich über das Cover hinwegsehen konnte. Stellenweise brachten mich manche Passagen auch etwas zum schmunzeln. Es enthält auch einen kleinen Plot mit welchem ich nicht rechnete. Ich kann das Buch definitiv empfehlen und werde heute noch mit der Serie starten!
Ich hatte ehrlich gesagt etwas ganz anderes erwartet!
Die namenlose Protagonistin ist Ende fünfzig, gebildet, emanzipiert und arbeitet als Literaturprofessorin an einem College. Sie führt mit ihrem Ehemann John, der ebenfalls dort tätig ist, eine offene Ehe. Doch diese gerät ins Wanken, als gegen ihn mehrere Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe von Studentinnen erhoben werden und ihm eine Suspendierung droht – ein handfester Skandal auf dem Campus. Parallel dazu lernt die Protagonistin den etwa 20 Jahre jüngeren Juniordozenten Vladimir kennen. Schnell entwickelt sie eine regelrechte Obsession und ist davon besessen, ihn zu verführen. Als Leserin bzw. Leser erwartet man zunächst, dass sich zwischen den beiden tatsächlich etwas entwickelt. Stattdessen bleibt vieles in ihrem Kopf: unverblümte, teils verstörende Fantasien und Gedanken dominieren die Handlung. Diese Obsession nimmt zunehmend problematische Züge an und steuert schliesslich auf ein grosses Desaster zu. Wer hier – so wie ich – ein „spicy“ Buch erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen stehen andere Themen im Vordergrund: weibliche sexuelle Selbstbestimmung Machtverhältnisse Drogen- und Alkoholkonsum Begierde und das Älterwerden Besonders gefallen haben mir die klugen, oft zynischen und provokanten Gedanken der Protagonistin. Gleichzeitig ist ihr Verhalten stellenweise schwer nachvollziehbar, teils sogar verstörend. Fazit: Ein Buch, das interessante Themen anspricht und zum Nachdenken anregt, mich insgesamt aber nicht vollständig überzeugen konnte. Ich würde es nicht unbedingt weiterempfehlen – als Lektüre für zwischendurch ist es jedoch in Ordnung.
Ambivalent, spannend...wenn auch manchmal etwas oberflächlich
Vladimir erzählt aus der Perspektive einer Literaturprofessorin, deren Umfeld von Vorwürfen des Machtmissbrauchs zwischen Professor:innen und Studierenden geprägt ist. Positiv aufgefallen ist mir die genderneutrale Sprache und der weibliche Blick auf Begehren, Zweifel und Konkurrenz. Etwas anstrengend fand ich die häufige Konzentration auf Körperlichkeit und Aussehen, die stellenweise oberflächlich wirkt. Interessanter sind die Ambivalenzen rund um Macht, offene Beziehungen und das Älterwerden, die der Roman differenziert beleuchtet. Ein Buch mit spannenden Themen, auch wenn nicht alle Schwerpunkte für mich gleichermaßen überzeugt haben.
Achtung Spoiler
Unglaublich! Wir begegnen einer Literaturprofessorin mittleren Alters, die von außen hin das perfekte Leben führt. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter, arbeitet als Dozentin an einem kleinen College und führt eine enge Beziehung zu ihren Studierenden. Doch im Inneren ist sie gebrochen und unzufrieden. Es nimmt sie mit, dass sie nicht mehr jung und schön ist, dass sie nicht mehr begehrt wird, sondern vielmehr als alte liebe Frau gesehen wird. Ihre Ehe ist gescheitert, sie leben nebeneinander her, statt miteinander und sind nur zusammen, weil es unkompliziert ist. Doch dann ist da Vladimir. Er ist jung und schlau, hat vieles vor und hat doch sein eigenes Päckchen zu tragen. Sie beginnt ihn zu begehren und will ihn für sich haben, erlebt auch mit diesen Gedanken einen „zweiten Frühling“. Sie beginnt Geld für sich auszugeben, achtet auf ihr Aussehen und ihr Wohlbefinden und möchte nur noch ihm auffallen und gefallen. Doch wenn es zu einsamen Momenten kommt, sie im Streit mit ihrem Partner auseinandergeht oder die Studierenden sich von ihr abwenden, da beginnt sie mit dem Leser zu sprechen. In solchen Momenten fühlt es sich an, als wären wir, die Leser, eine stille Person im Hintergrund, ein Schatten, die sie in ihren Gedanken und ihrem Handeln begleiten. Bis zu dem Moment in der Hütte, in welcher sie Vladimir unter Drogen setzt und manipuliert, fand ich dieses Buch sehr gut. Es gab paar ungemütliche Momenten mit vielen perversen Aussagen, doch das glichen eher kleinen Ausreißern der Protagonistin. Auch gerade weil es so unangenehm war, hat man es dennoch weiter gelesen und vielleicht wollte die Autorin genau das bezwecken. Doch ihr Verhalten in der Hütte glich für mich nicht ihrer wahren Person. Sie hat ihr Ziel erreicht, Vladimir lag ihr zu Füßen und dennoch wollte sie es nicht. Sie hat ein Netz aus Lügen gestrickt, nur um dann alles zu verlieren. Der Brand am Ende war erschreckend. Es wurde nüchtern geschrieben und fühlte für mich so einbrechend an. Während die gesamte Zeit alles gut lief und funktioniert hat, ist jetzt alles eingebrochen. Ich habe auch das Gefühl, dass dieser Brand ihr „Karma“ war. Während die Protagonistin nie zufrieden mit ihrem Aussehen war, ist nun 20% ihres Körpers verbrannt. Während ihr Partner andere Frauen mit seinem Aussehen gewinnen konnte, ist auch sein Körper zu 30% verbrannt. Nun leben sie wieder zusammen in einer neuen Stadt und führen doch wieder eine Ehe wie früher.
Irritierend, klug und nachwirkend
Der Roman „Vladimir“ von Julia May Jonas hat mich mit einem bemerkenswerten Gefühl der Unschlüssigkeit zurückgelassen, und genau darin liegt zugleich seine Stärke wie auch seine Schwäche. Einerseits empfand ich die Lektüre als spannend, andererseits hatte sie stellenweise etwas Zähes, fast Ziehendes an sich. Die Spannung speiste sich dabei weniger aus der Handlung im klassischen Sinne als vielmehr aus der gesellschaftlichen und moralischen Ebene, auf der der Text operiert. Das Buch fordert seine Leser*innen dazu auf, eigene Überzeugungen zu hinterfragen, und regt nachhaltig zum Nachdenken an. Meine Erwartungen waren allerdings andere. Der Klappentext hatte bei mir die Vorstellung eines Romans über obsessive Liebe geweckt, die unaufhaltsam auf eine Eskalation zusteuert. Zwar eskaliert die Geschichte am Ende durchaus, jedoch auf eine Weise, die ich weder erwartet noch erhofft hatte. Insgesamt verläuft die Handlung deutlich anders, als ich es mir vorgestellt hatte und genau das hat mich beim Lesen immer wieder irritiert. Dennoch möchte ich diese Überraschung nicht als negativ bewerten. „Vladimir“ ist anders, als man denkt, aber nicht schlechter. Es ist vielmehr ein Buch, das sich bewusst gegen klare Erwartungen sperrt. Besonders gelungen fand ich die Auseinandersetzung mit feministischen Fragestellungen und moralischen Grauzonen. Die Perspektive auf Macht, Begehren und Selbstbild, vor allem im Kontext unterschiedlicher Generationen und gesellschaftlicher Rollenbilder, ist komplex und unbequem und gerade deshalb interessant. Der Roman zwingt dazu, einfache Urteile zu vermeiden und Ambivalenzen auszuhalten. Insgesamt halte ich „Vladimir“ für ein gutes, kluges Buch, das weniger durch narrative Spannung als durch seine Themen und Fragen überzeugt. Es ist eine Lektüre, die nachhallt, auch wenn sie mich nicht vollständig abgeholt hat. Ein zweites Mal würde ich das Buch vermutlich nicht lesen, aber bereuen es gelesen zu haben, tue ich keinesfalls.
Alles verschlingende Begierde
Wahnsinnig gute Darstellung der moralischen Grauzone des Machtmissbrauchs und der damit einhergehenden Studenten-Professor Dynamik. Die Emanzipation und Selbstbestimmung junger Frauen und die Sicht der älteren Generation auf diesem Umschwung und das sich weiterentwickelnde Frauenbild. Grandioses Buch, teilweise derbe Sprache
Fesselnd
Die in die Jahre gekommene namenlose Protagonistin ist Literaturprofessorin an einem kleinen College. Als ein Skandal das College aufwühlt, in den ihr Ehemann verwickelt ist, gerät ihr Leben ins Wanken. Sie hinterfragt das Konzept der offenen Ehe, ihre Wertvorstellungen und kämpft mit ihrem eigenen Älterwerden. Zeitgleich lernt sie den 20 Jahre jüngeren Vladimir kennen für den sie eine Obsession entwickelt. Ein Roman über Begierde, Machtmissbrauch und menschliche Abgründe. Auch wenn zunächst nicht sonderlich viel passiert, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Die inneren Monologe der Protagonistin, die sowohl scharfsinnig als auch zynisch, dabei aber auch humorvoll sind, haben mich gefesselt. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, was mir persönlich zu schnell ging.
VLADIMIR Julia May Jones Unsere namenlose 58-jährige Literaturdozentin lehrt an einem kleinen amerikanischen Collage im Fachbereich Literatur. Sie war schon immer autark, beliebt und intelligent, doch hat sie seit Neuestem ein großes Problem mit dem Älterwerden. Und das spiegelt sich auch in ihrer Ehe mit Ehemann John, der am selben Collage unterrichtet, wieder. Beide führen eine "offene Ehe, was nie ein Problem darstellte, schließlich hat ihr Ehemann ein größeres Interesse an sexuellen Aktivitäten. Doch dann lernt sie ihren neuen, jüngeren Kollegen Vladimir kennen und ihre sexuelle Energie erwacht. Zeitgleich droht John eine Suspendierung: Mehrere weibliche Studierende haben den Professor wegen sexueller Übergriffe beim Dekan angezeigt. Daraufhin wurde eine Anhörung eingeleitet. Wer jetzt denkt, dass Vladimir eine kitschige Liebesgeschichte ist, den muss ich hier direkt an dieser Stelle enttäuschen. Obwohl es hauptsächlich um ein alterndes und lang verheiratetes Ehepaar geht (die offensichtlich gerade in einer Lebenskrise stecken), so werden Themen wie Depressionen, Drogenkonsum und Missbrauch im Kontext angesprochen. Ich habe so ein feines Buch, was so unglaublich schön vom Sprachstil ist und mich gefühlt in das Wohnzimmer vom Ehepaar Hustvedt/Auster katapultiert hat, nicht erwartet - eine unglaubliche Überraschung. Ein Buch, das zum Ende eine ganz andere, nicht vorhersehbare Wendung bekommt und noch einmal richtig aufdreht. Fazit: Ein Wahnsinnsdebüt! Stark aus dem Amerikanischen von Eva Bonné übersetzt. 5/ 5

Vladimir. I understand why this book gets such mixed reviews, but I also feel very confident in giving it a generous 5 stars. Because my god, was this a breathtaking read. First, let's say this much: I only made it through the first two thirds of this novel because of the stunning writing. As we all know by now, I have a weakness for academic settings, and the life of two illustrious literature professors on the east coast of the US is just something I could read about for hours with absolutely no plot happening. That's basically what the first half of "Vladimir" felt like: A walk through the eventful and cultured life of a woman in her fifties who has not come to terms with ageing and who isn't sure whether her past decisions have made her happy after all. And then: Boom! Unreliable narrator! Love, lust and intrigue! An unhealthy obsession with bodies and intellect! A hut in the woods, an unfinished manuscript, cigarettes and lamb shanks! A multi-layered story that had me hooked - and pulled me through the last 130 pages in one day. E-ve-ry-thing I want from the perfect dark academia read. Damn, Julia May Jonas! You did that! And you guys: Read that! Just be warned: If you have or have had an unhealthy relationship with food and body image, approach this book carefully. Triggers are there.
Das Buch übte einen Sog auf mich aus, sodass die Seiten nur so vorbeiflogen. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus Sicht einer namentlich unbekannt gebliebenen Literaturprofessorin einer Kleinstadt geschrieben. Sie beschreibt detailliert die Lehrtätigkeit und setzt sich reflektiert mit der Vielzahl ihrer Probleme (Anschuldigungen gegen ihren Mann, eigenes Körpergefühl, ihre Fiktion auf Vladimir) auseinander. Der Titel gebende Vladimir nimmt eine zentrale Rolle ein, die ihm vielleicht selbst erst im letzten Viertel des Buches bewusst wird. Das Ende war tatsächlich etwas abrupt, löst aber im Endeffekt das grundlegende Problem der Protagonistin. Mir hat es insgesamt sehr gut gefallen.
Wunderschön
"Vladimir" von Julia May Jonas hat mich echt so gepackt. Jonas kombiniert schwere Themen mit einem Hauch Humor, was das Buch super lesbar macht. Die Charaktere sind vielschichtig und wirken sehr echt, besonders die Hauptfigur mit ihren ganzen inneren Kämpfen und moralischen Fragen. Ein kleiner Minuspunkt: Manchmal zieht sich die Handlung ein bisschen, und man wünscht sich, dass einige Dinge schneller vorangehen. Trotzdem bleibt das Buch durch die komplexen Charaktere und die tiefen Einblicke spannend. Alles in allem ist "Vladimir" ein starkes Buch, das durch seine tiefgründigen Figuren und den packenden Stil besticht. Es regt zum Nachdenken an und bleibt einem noch lange im Kopf. Eines der besten Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe.

Sehr interessant, die Machtverhältnisse aus der Perspektive der Literaturprofessorin zu verfolgen, welche Ideale sie zu verkörpern versucht (und ihrer Ansicht nach doch immer wieder daran scheitert/diese nicht erreicht), ihre Werte zu verstehen, von ihrer Vergangenheit zu erfahren, die Fantasien gegenüber Vladimir, der Plottwist und das doch sehr lyrische/poetische Ende, zusammengefasst ein sehr spannendes Buch, hat mich persönlich von Anfang bis Ende gefesselt.
Der Roman „Vladimir“ hat mich unschlüssig zurückgelassen. Zwischen den Zeilen steckt sehr viel Gesellschaftskritik und die Autorin thematisiert die Anforderungen an das Rollenbild der Frau und transportiert dies durch die Hauptprotagonistin, die anderen Frauen die Schuld gibt und sich voll hinter ihren Mann stellt, als die ersten Anschuldigungen von Studentinnen gegen ihn laut werden. Die namenlose Ich-Erzählerin hadert sehr mit dem Älterwerden und der Beziehung zu ihrem Ehemann. Ihr ist bewusst, dass sie teilweise von ihm abhängig ist, ein Umstand, der ihr missfällt, dennoch verhält sie sich gegensätzlich. Ihre Tochter ist das genaue Gegenteil von ihr. Die Gespräche zwischen den beiden zeigen den Generationenkonflikt sehr gut auf. Die Tochter hat bestimmte Wertvorstellungen, ist queer und heißt die Aktivitäten des eigenen Vaters überhaupt nicht gut. Die Gespräche mit ihrer Tochter führen bei der Ich-Erzählerin gleichzeitig auch zur Reflexion ihres Lebens. Zwischendrin taucht Vladimir auf, zu dem die Protagonistin eine Obsession entwickelt. Und letztendlich fühlte sich das für mich an, als ob die Ich-Erzählerin sich genauso verhält wie ihr Mann. Das Ende war für mich dann auch überhaupt nicht mehr stimmig. Es fühlte sich an wie ein schneller Versuch noch irgendwie aus der Geschichte rauszukommen. Ich fand den Ansatz des Romans sehr gut, aber leider hat mich die Autorin auf den Weg dahin verloren.
Dieses Buch hat mir große Lesefreude bereitet, was an der namenlosen Protagonistin liegt, deren innere Welt ich gerne begleitet habe. Diese Frau Ende 50 ist komplex, teilweise böse, zynisch, dann wieder weich, hat Ecken und Kanten und ist ganz einfach interessant. Der Plot nimmt im letzten Drittel eine ungewöhnliche Wendung, die nicht ganz nach meinem Geschmack, aber doch irgendwie passend war.
Wenn die Vorstellung stärker ist als die Obsession selbst
Ein Mann, der Affären mit Studentinnen hat und seine Frau, die davon wusste und nichts dagegen unternommen hat. Allein das ist moralisch schon grenzwertig. Eigentlich ist es aber fast schon nebensächlich, denn mit düsterem, sarkastischem und selbstkritischem Ton beschäftigt sich die Protagonistin vor allem mit sich selbst: mit ihrem eigenen Älterwerden, ihren Sehnsüchten und ihrem nächsten Roman. Sie entwickelt eine Obsession für den 20 Jahre jüngeren Vladimir und reibt sich daran auf, schöpft neue Lebensenergie – diese baut sich enorm auf, erlebt dann aber einen vergleichsweise flachen, fast schon unspektakulären Höhepunkt. Hier habe ich irgendwie mehr erwartet. Gleiches gilt für das Ende, denn was auf den letzten 20 Seiten los war, verstehe ich nicht ganz. Offenbar musste es schnell gehen. Schade, denn in den Seiten davor lag so viel Tiefgang und Potenzial für mehr. Nichtsdestotrotz ein tolles Buch!
Völlig anders als erwartet entwickelte sich die Geschichte unserer Erzählerin mit Vladimir.. tiefe Einsichten in eine ( zum Teil) gebrochene Seele einer Frau, die sich in der zweiten Hälfte ihres Lebens befindet. Schade, dass ihr das Älterwerden und die damit verbundenen Veränderungen des Körpers so zusetzen und an ihrem Selbstbewusstsein nagen… Schade, aber nachfühlbar.. Sehr spannend fand ich die Dynamik zwischen ihr und ihrem Ehemann. Wollen sie doch das ideale Paar sein, das ohne Eifersucht eine offene Ehe führt. Was zwischen den Zeilen fühlbar wird, hat mich berührt und verstört zugleich. Leider hat das Ende mit gar nicht gefallen, war das Buch doch bis dahin auf dem Weg ein kleines Highlight zu werden. Insgesamt ist die Stimmung im Buch düster und zynisch, was man mögen muss. Es entwickelt nach und nach einen Sog ohne zu reißerisch zu werden im Plot.
Julia May Jonas Debütroman hat mich direkt auf den ersten Seiten in seinen Bann gezogen. Wie ein unwirklicher Traum liest sich die Geschichte der namenlosen Protagonistin, die sich plötzlich in einem heftigen Verlangen nach ihrem neuen Kollegen wiederfindet. Was klingt wie ein Liebesroman, ist die Geschichte einer alternden Literaturprofessorin und ihren Umgang mit den Vorwürfen gegen ihren Mann, er habe junge Studentinnen sexuell ausgenutzt. Sie kämpft mit einer jungen Generation Studierender, die ihr Komplizenschaft unterstellt, während sie sich als emanzipierte Frau empfindet, die nicht für die Fehltritte ihres Mannes gerade zu stehen hat. Neben ihrem Umgang mit dem scheinbaren Ende ihrer Ehe und den Anklagen in ihrem Job, baut sich immer weiter ihr Begehren für den namensgebenden Juniorprofessor Vladimir auf, der schon fast verloren geglaubte Gefühle in ihr wieder aufleben lässt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Spannend fand ich vor allem die Perspektive der Protagonistin als Ehefrau - allerdings gleichberechtigten Partnerin - eines sexuell übergriffigen Mannes. Ihre Sichtweise auf das sehr präsente Thema hat mich zuerst überrascht, ordnet für mich aber häufige Reaktionen ihrer Generation auf beispielsweise die MeToo-Debatte glaubwürdig ein. Zudem fand ich erfrischend mal von einer älteren Frau zu lesen, die sich nach der Liebe bzw. dem Körper eines jüngeren Mannes sehnt. Allerdings nicht ohne sich dafür zu verurteilen und sich sogar selbst lächerlich zu finden. Was als ruhige recht rational gehaltene Geschichte beginnt, entwickelt sich im letzten Drittel beinahe zu einem Thriller mit einer Wendung, die ich absolut nicht kommen habe sehen. Ich würde das Buch vor allem auch jüngeren (aber erwachsenen) Leser*innen empfehlen, da mir das Buch Denkanstöße gegeben hat, die Gedanken und das Verhalten unserer Elterngeneration besser einordnen zu können. Die Autorin ist zwar selbst noch jung, aber auf mich wirken die Gedankengänge der Protagonistin sehr realistisch. Ich gebe dem Buch 4.5 Sterne (aufgerundet auf 5)
Ich bin so unschlüssig, wie ich dieses Buch bewerten soll Einiges hat mir sehr gut gefallen (die Unsicherheit, Zerrissenheit der Frau in der heutigen Zeit an sich; der Riss zwischen Illusion und Realität; die Tatsache, dass im Tagtraum alles meistens viel schöner ist, als es dann in die Tat gesetzt je sein könnte...) Aber oft hat mich der sehr langsame Erzählstil etwas gelangweilt und viele "Probleme" der Protagonistin erschienen mir sehr lächerlich Aber wer darf sich schon anmaßen, was einem anderen wichtig ist.... Niemand Der große dramatische Moment zum Ende hin, war meiner Meinung nach unnötig, das hätte nicht unbedingt so melodramatisch gelöst werden müssen Alles in allem zwar ganz anders, als erwartet und gehofft, aber trotzdem ganz ok
Tja, wo ist denn bitte die Leidenschaft und Obsession für Vladimir? Gut geschrieben, schöne Sprache, interessante Hauptfigur, aber so so viel verlorenes Potenzial. Es ist ein Text über eine alternde Frau, Liebende, Professorin und ihre Gedanken zu allerlei, vor allem Beziehungsquatsch und Liebe. Aber es ist dabei immer wieder teasend und sogar vielversprechend, nur um dann wieder ohne Klimax weiterzuziehen. Unbefriedigend auf mehrern Ebenen.


































