Viktor
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Description
Book Information
Author Description
Judith Fanto, geboren 1969, ist Juristin im Bereich Medizinrecht und Mutter von drei Kindern. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit setzt sie sich als Gründerin mehrerer Stiftungen für kulturelle Aktivitäten und Bildungsangebote vor allem für jüdische Mitmenschen sowie für Kinder mit psychiatrischen Problemen ein. Ihr Debütroman ›Viktor‹ erzählt vom Schicksal ihrer Familie und avancierte schon nach wenigen Wochen zum Bestseller.
Posts
Eine traumatische Familengeschichte die über mehrere Generationen reicht.
Ein toller Schreibstil, mit interessanten Charakteren. Natürlich ist Viktor besonders interessant, er glänzt in diesem Roman durch seinen Humor, Charme und Mut. Die Autorin beschreibt hier eindrücklich was es bedeutet hat früher jüdisch zu sein und was es bedeutet es jetzt zu sein oder nicht sein zu wollen bzw sein zu wollen. Ein Trauma das die Familie über Generationen begleitet und das Tabu, darüber zu reden. Leider konnte es mich letztendlich nicht komplett emotional berühren, was daran liegen könnte es als Hörbuch gehört zu haben. Ansonsten ein hervorragendes Meisterwerk denn ich weiter empfehlen kann.

Viktor…. Vor dir verneigt sich die Erde
Zumindest so oder so ähnlich endet das Buch. Der Roman, ich vermute ausgelöst durch den Schreibstil, hat was besonderes an sich. Die Geschichte ist an sich nichts Neues, der Weg zum Judentum der jungen Protagonistin aber eine sehr erfrischende erzählerische Idee. Erst ist es wichtig kein Jude zu sein, dann wird er sehr schwierig zu beweisen jüdisch zu sein….. Das Buch hat Spaß gemacht zu lesen (trotz des düsteren Themas).
„Das wir jüdisch waren, wusste ich von Kind an, nicht aber, was es bedeutete“. (S.17) Viktor Judith Fanto Die junge Geertje van den Berg lebt in Nijmegen, den Niederlanden und studiert dort Jura. 1939 flohen ihre jüdischen Eltern und Großeltern aus Wien nach Belgien, wo sie sich nach kurzer Zeit erneut vor den Nazis verstecken mussten. Nach dem Krieg emigrierten diese nach Holland. Schon lange ist ihre ganze Familie katholisch und sie versuchen jegliche Dinge, die sie mit dem Judentum in Verbindung bringen könnten, zu verwischen. Wann immer Geertje gewisse Themen wie „Religion" oder "Flucht vor den Nazis“ bei ihrer Familie anspricht, verfällt diese ins Schweigen. Nur wenn Geertje mal wieder vorlaut ist, murmelt ihr Großvater: „Das muss sie von Viktor haben!“ Viktor, so viel hatte sie herausgefunden, war der Bruder ihres Großvaters, ein Betrüger, der ein Lotterleben mit Glücksspiel, Betrügereien, Pferdewetten und gefälschten Ausweisen führte, ein Mann, der sich nicht um gesellschaftliche Konventionen kümmerte. Die Autorin schreibt ihr Buch auf zwei Zeitebenen: - 1994: In diesem Erzählstrang versucht Geertje die Vergangenheit ihrer Familie zu beleuchten, gleichzeitig möchte sie sich zum Judentum bekennen. - 1914: Wir begleiten die Familie Rosenbaum durch den ersten und zweiten Weltkrieg, wobei Viktor die Hauptperson ist. Er ist das „schwarze Schaf“ der Familie und sein Vater lässt keine Gelegenheit aus, ihm sein Fehlverhalten vorzuhalten. Viktor ist ein flüssiges und sehr lesenswertes Buch. Unglaublich gut haben mir die Konversationen zwischen Viktor und seinem Vater bzw. Schwester gefallen. Und auch das Leben der Juden in Wien zur Zeit des Anschlusses an das Nazi-Deutschland, per Volksentscheid (!), war sehr aufschlussreich. Dank des Stammbaumes auf den ersten Seiten des Buches konnte ich mich schnell einlesen. Judith Fanto beschreibt hier eindrucksvoll und auf literarisch hohem Niveau ihre Familiengeschichte. Ein weiteres Schicksal der dunkelsten und traurigsten Zeit der deutschen Geschichte. Leseempfehlung 4½ Sterne

Der Roman "Viktor" überstrahlt für mich in diesem Jahr (fast) alle anderen Bücher, die ich gelesen habe, und unter meinen Highlights nimmt er einen absoluten Spitzenplatz ein. Dieses Buch schafft es, der düsteren Geschichte einer jüdischen Familie durch das 20. Jahrhundert mit leichter Hand und feinsinnigem, eleganten Humor zu folgen und dennoch die dunkel Seite der Tragik nicht auszusparen. Durch die persönlich stark involvierte Perspektive der Ich-Erzählerin Geertje, die sich in den 1990er Jahren auf die Suche nach ihrem jüdischen Familienerbe macht, wird dem Roman eine authentische, unverbrauchte Stimme verliehen. Geertjes, später Judiths, völlig unbedarftes Erleben der Regeln des Judentum, die sie trotz ihrer jüdischen Familie zeitweise überfordern, sind komisch, unterhaltsam und fremd, aber auch sehr faszinierend. Geertje/Judiths Geschichte wechselt mit der Erzählebene, in der das Leben Viktors im Wien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschrieben wird, ab. In den Viktor-Teilen gelingt es der Autorin auch düstersten Erlebnissen mit bedachter Komik zu begegnen. Viktor als Figur ist ausgesprochen apart, unerschrocken, interessant und liebenswert (obwohl er selbst eine solche Kategorisierung zurückweisen würde). Überhaupt ist jede Figur bis ins Detail speziell und besonders, aber nicht verschroben, sondern eben einfach erzählenswert. Sprachlich und stilistisch ist das Buch einfach unglaublich gelungen. Es strahlt einfach, ist sehr besonders und irgendwie drängt sich mir immer wieder das Wort "vornehm" auf. Vor der Autorin kann man auf jeder Ebene nur den Hut ziehen, denn dem finstersten und meisterzähsten Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts mit soviel Leichtigkeit, Unverbrauchtheit und Stil zu begegnen und dabei noch einen Roman zu erschaffen, der diesen Glanz hat - das ist kein leichtes Unterfangen. Dies ist ein sensationell guter Roman, der für jeden geeignet ist, der ausgezeichnete Literatur mag, sich über neue Wege freut und ungewöhnliche Familiengeschichten mag.
„Das wir jüdisch waren, wusste ich von Kind an, nicht aber, was es bedeutete“. (S.17) Viktor Judith Fanto Die junge Geertje van den Berg lebt in Nijmegen, den Niederlanden und studiert dort Jura. 1939 flohen ihre jüdischen Eltern und Großeltern aus Wien nach Belgien, wo sie sich nach kurzer Zeit erneut vor den Nazis verstecken mussten. Nach dem Krieg emigrierten diese nach Holland. Schon lange ist ihre ganze Familie katholisch und sie versuchen jegliche Dinge, die sie mit dem Judentum in Verbindung bringen könnten, zu verwischen. Wann immer Geertje gewisse Themen wie „Religion" oder "Flucht vor den Nazis“ bei ihrer Familie anspricht, verfällt diese ins Schweigen. Nur wenn Geertje mal wieder vorlaut ist, murmelt ihr Großvater: „Das muss sie von Viktor haben!“ Viktor, so viel hatte sie herausgefunden, war der Bruder ihres Großvaters, ein Betrüger, der ein Lotterleben mit Glücksspiel, Betrügereien, Pferdewetten und gefälschten Ausweisen führte, ein Mann, der sich nicht um gesellschaftliche Konventionen kümmerte. Die Autorin schreibt ihr Buch auf zwei Zeitebenen: - 1994: In diesem Erzählstrang versucht Geertje die Vergangenheit ihrer Familie zu beleuchten, gleichzeitig möchte sie sich zum Judentum bekennen. - 1914: Wir begleiten die Familie Rosenbaum durch den ersten und zweiten Weltkrieg, wobei Viktor die Hauptperson ist. Er ist das „schwarze Schaf“ der Familie und sein Vater lässt keine Gelegenheit aus, ihm sein Fehlverhalten vorzuhalten. Viktor ist ein flüssiges und sehr lesenswertes Buch. Unglaublich gut haben mir die Konversationen zwischen Viktor und seinem Vater bzw. Schwester gefallen. Und auch das Leben der Juden in Wien zur Zeit des Anschlusses an das Nazi-Deutschland, per Volksentscheid (!), war sehr aufschlussreich. Dank des Stammbaumes auf den ersten Seiten des Buches konnte ich mich schnell einlesen. Judith Fanto beschreibt hier eindrucksvoll und auf literarisch hohem Niveau ihre Familiengeschichte. Ein weiteres Schicksal der dunkelsten und traurigsten Zeit der deutschen Geschichte. Leseempfehlung 4 Sterne
Man kann sich in Viktor schon richtig verlieben. Ein wahres Schlitzohr aber wenn es drauf ankommt, kann man sich mehr auf ihn verlassen, als man denken würde. Judith Fanto konnte mich mit ihrem Roman sehr begeistern. Es passiert selten, das mir ein Geschichte mit zwei Zeitebenen in beiden Erzählsträngen gleich gut gefällt. Hier war das aber die ganze Zeit der Fall. Was bedeutet es als Nachfahr*in jüdischer Überlebender der Shoa auf zu wachsen, wie prägt dass das Leben der Enkelgeneration? Wie lässt sich eine eigene Identität finden, wenn die Erinnerung an das Vergangene das eigene Leben so stark durchdrungen hat? Die Autorin, selbst ein Teil dieser Enkelgeneration spürt diesen Fragen nach und so zeichnet der Roman nicht nur das Leben der Familie nach, sondern zeigt auch die Komplexität dahinter auf. In Judiths Familie - wie sich Geertje nun nennt - wird das Thema Shoa (Holocaust) nur angedeutet, oder wenn überhaupt, erzählt der Großvater eine lustige Anekdote, sodass im ersten Moment der Eindruck entstehen könnte, das die Flucht und das Untertauchen ein großes Abenteuer gewesen seien. Doch gerade dadurch versteht man die ganze Tragweite erst so richtig. Die Familie hat ihre Bewältigungsstrategie gefunden um zu überleben und nach 1945 weiter mit dem Erlebten umgehen zu können. Gleichzeitig versteht man aber auch Judiths Beweggründe, sich mit dem Schweigen und Aussparungen nicht zufrieden geben zu wollen. Sie möchte verstehen, was sie selbst ausmacht. Fragt sich, wer sie eigentlich ist. Fragt sich auch, wer Viktor eigentlich war. Zeitweise habe ich schallend gelacht. Viktor ist ein ganz schönes Schlitzohr, der so einiges auf dem Kerbholz hat. Aber er schafft immer wieder sich heraus zu winden und heraus zu reden. Der Autorin gelingt es, ihm Tiefe zu verleihen, aber ihn nicht zu überhöhen. Nicht nur er, auch die anderen Figuren wirken so lebendig und glaubwürdig gezeichnet, das ich das Gefühl hatte mit ihnen am Tisch zu sitzen. Zum Teil mag das auch daran liegen, das ich weiß, das Fanto hier auch ihre eigene Familiengeschichte mit verarbeitet hat. Aber eigentlich lag es vor allem am großartigen Erzählstil der Autorin. Dazu kommen auch innerjüdische Debatten, die man vielleicht als Außenstehender gar nicht kennt, einfach weil sie nicht nach außen dringen. Meiner Meinung nach ist es Fanto sehr gut gelungen einzufangen, in welchem Spannungsfeld sich Shoaüberlebende und ihre Nachkommen bewegen. Das Trauma jeder einzelnen Familie ist eine eigene Geschichte und hat sich auch überall sehr individuell auf die nächsten Generationen übertragen. Auch davon handelt der Roman. Von Judith und ihrer Suche, wie sie mit der Vergangenheit ihrer Familie umgehen möchte. In dem sie Zugang zu Viktors Geschichte bekommt und das Schweigen in ihrer Familie brechen kann, findet sie einen neuen Zugang zu sich und ihrer jüdischen Identität - ja sogar überhaupt erst das sie eine jüdische Identität hat.. Ja Viktor ist eine Familiengeschichte über die Shoa (Holocaust), aber auch über das weiter Leben danach. Das Ringen mit den Erlebnissen, aber auch mit den Auswirkungen die bis heute in den Familien Überlebender spürbar sind.
Ich war nicht 100% sicher, ob mir das Buch gefallen würde, aber nachdem es so viele meiner liebsten Booktuber hoch gelobt haben, habe ich zugegriffen, als ich es in der Onleihe ergattern konnte - und ich muss sagen, das war ein echtes 5-Sterne-Buch. Die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt: In den Niederlanden der 1990ger-Jahre stößt Gertje auf die Geschichte um ihren Großonkel Viktor, der in den Erzählungen ihrer jüdischen Familie, die aus Wien fliehen musste, immer wieder auftaucht. Dass heißt - eigentlich erzählt diese Familie, vor allem die Großeltern - nicht wirklich von der Wiener Zeit, und auch das "jüdisch sein" spielt in ihrem täglichen Leben eigentlich keine Rolle. In der zweiten Zeitebene wird die Geschichte von Viktor und der Verwandtschaft in Wien erzählt, beginnend in den letzten Jahren des 1. Weltkrieges, als Viktors Vater noch an der Front ist. Wir lernen Viktor kennen aber auch seine Geschwister, den Onkel, der als Arzt arbeitet, seine Großeltern und insgesamt das Leben der großbürgerlichen Familie in Wien. Auch Viktor ist nicht religiös, sondern ein ziemlicher Hallodri und Frauenheld, aber auch ein extremer Kümmerer - seien das jetzt seine Neffen, Freunde, Verwandten, oder ein Hund, den er auf der Straße aufliest. Je tiefer Geertje in Viktors Geschichte eintaucht, umso mehr beschäftigt sie sich auch mit ihrem eigenen Jüdischsein - sie nimmt Kontakt zur jüdischen Gemeinde auf und versucht, mehr jüdische Kultur in ihr Leben zu bringen und herauszufinden, was mit ihren Verwandten, die nicht mehr aus Wien fliehen konnten (und zu denen auch Viktor gehört hat), genau geschehen ist. Ein tolles Buch - natürlich sehr bedrückend teilweise, aber auch charmant und amüsant - Viktor muss man einfach gern haben! Ich vergebe 5 von 5 Sternen und hoffe, dass die Autorin noch mehr schreiben wird.
Das Buch konnte mich sehr berühren. Ich war traurig und wütend aber an manchen Stellen konnte ich auch schmunzeln. Trotz der teilweise schweren Thematik war der Schreibstil leicht zugänglich. Viktors Charakter hat mir sehr gefallen. An ihn werde ich noch lange denken. Insbesondere das letzte Kapitel war richtig poetisch.
Was für ein Buch! Fanto erzählt etwas über Identität, über Familie, über Geschichte und noch über einiges mehr. Mit ihrem Schreibstil schafft sie es, schwere Kost mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommen zu lassen; was das Buch umso intensiver macht Es gibt keine volle Punktzahl, weil es mir immer mal wieder schwerfiel, die zeitliche Zuordnung hinzubekommen.
Von der Verlags-Website, Zitat: "Wien, 1914. Der junge Viktor entwickelt sich mit seiner unkonventionellen Art zum schwarzen Schaf seiner wohlhabenden jüdischen Familie. Nimwegen, 1994. Die Studentin Geertje hat es satt, dass sich ihre Familie auch Jahrzehnte nach der Schoah noch immer für ihr Judentum schämt. Sie will die Mauer des Schweigens endlich durchbrechen. Denn das Schicksal ihrer Familie ist allgegenwärtig – auch das von Viktor. Basierend auf der wahren Geschichte der Wiener Familie Fanto, erzählt Judith Fanto in diesem preisgekrönten Debüt zutiefst berührend und zugleich humorvoll von einer Frau, die sich auf die Suche begibt: nach ihren verschütteten jüdischen Wurzeln, nach Spuren von Viktor – und nach den Mächten, die aus der Vergangenheit bis heute auf sie einzuwirken scheinen."
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Judith Fanto, geboren 1969, ist Juristin im Bereich Medizinrecht und Mutter von drei Kindern. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit setzt sie sich als Gründerin mehrerer Stiftungen für kulturelle Aktivitäten und Bildungsangebote vor allem für jüdische Mitmenschen sowie für Kinder mit psychiatrischen Problemen ein. Ihr Debütroman ›Viktor‹ erzählt vom Schicksal ihrer Familie und avancierte schon nach wenigen Wochen zum Bestseller.
Posts
Eine traumatische Familengeschichte die über mehrere Generationen reicht.
Ein toller Schreibstil, mit interessanten Charakteren. Natürlich ist Viktor besonders interessant, er glänzt in diesem Roman durch seinen Humor, Charme und Mut. Die Autorin beschreibt hier eindrücklich was es bedeutet hat früher jüdisch zu sein und was es bedeutet es jetzt zu sein oder nicht sein zu wollen bzw sein zu wollen. Ein Trauma das die Familie über Generationen begleitet und das Tabu, darüber zu reden. Leider konnte es mich letztendlich nicht komplett emotional berühren, was daran liegen könnte es als Hörbuch gehört zu haben. Ansonsten ein hervorragendes Meisterwerk denn ich weiter empfehlen kann.

Viktor…. Vor dir verneigt sich die Erde
Zumindest so oder so ähnlich endet das Buch. Der Roman, ich vermute ausgelöst durch den Schreibstil, hat was besonderes an sich. Die Geschichte ist an sich nichts Neues, der Weg zum Judentum der jungen Protagonistin aber eine sehr erfrischende erzählerische Idee. Erst ist es wichtig kein Jude zu sein, dann wird er sehr schwierig zu beweisen jüdisch zu sein….. Das Buch hat Spaß gemacht zu lesen (trotz des düsteren Themas).
„Das wir jüdisch waren, wusste ich von Kind an, nicht aber, was es bedeutete“. (S.17) Viktor Judith Fanto Die junge Geertje van den Berg lebt in Nijmegen, den Niederlanden und studiert dort Jura. 1939 flohen ihre jüdischen Eltern und Großeltern aus Wien nach Belgien, wo sie sich nach kurzer Zeit erneut vor den Nazis verstecken mussten. Nach dem Krieg emigrierten diese nach Holland. Schon lange ist ihre ganze Familie katholisch und sie versuchen jegliche Dinge, die sie mit dem Judentum in Verbindung bringen könnten, zu verwischen. Wann immer Geertje gewisse Themen wie „Religion" oder "Flucht vor den Nazis“ bei ihrer Familie anspricht, verfällt diese ins Schweigen. Nur wenn Geertje mal wieder vorlaut ist, murmelt ihr Großvater: „Das muss sie von Viktor haben!“ Viktor, so viel hatte sie herausgefunden, war der Bruder ihres Großvaters, ein Betrüger, der ein Lotterleben mit Glücksspiel, Betrügereien, Pferdewetten und gefälschten Ausweisen führte, ein Mann, der sich nicht um gesellschaftliche Konventionen kümmerte. Die Autorin schreibt ihr Buch auf zwei Zeitebenen: - 1994: In diesem Erzählstrang versucht Geertje die Vergangenheit ihrer Familie zu beleuchten, gleichzeitig möchte sie sich zum Judentum bekennen. - 1914: Wir begleiten die Familie Rosenbaum durch den ersten und zweiten Weltkrieg, wobei Viktor die Hauptperson ist. Er ist das „schwarze Schaf“ der Familie und sein Vater lässt keine Gelegenheit aus, ihm sein Fehlverhalten vorzuhalten. Viktor ist ein flüssiges und sehr lesenswertes Buch. Unglaublich gut haben mir die Konversationen zwischen Viktor und seinem Vater bzw. Schwester gefallen. Und auch das Leben der Juden in Wien zur Zeit des Anschlusses an das Nazi-Deutschland, per Volksentscheid (!), war sehr aufschlussreich. Dank des Stammbaumes auf den ersten Seiten des Buches konnte ich mich schnell einlesen. Judith Fanto beschreibt hier eindrucksvoll und auf literarisch hohem Niveau ihre Familiengeschichte. Ein weiteres Schicksal der dunkelsten und traurigsten Zeit der deutschen Geschichte. Leseempfehlung 4½ Sterne

Der Roman "Viktor" überstrahlt für mich in diesem Jahr (fast) alle anderen Bücher, die ich gelesen habe, und unter meinen Highlights nimmt er einen absoluten Spitzenplatz ein. Dieses Buch schafft es, der düsteren Geschichte einer jüdischen Familie durch das 20. Jahrhundert mit leichter Hand und feinsinnigem, eleganten Humor zu folgen und dennoch die dunkel Seite der Tragik nicht auszusparen. Durch die persönlich stark involvierte Perspektive der Ich-Erzählerin Geertje, die sich in den 1990er Jahren auf die Suche nach ihrem jüdischen Familienerbe macht, wird dem Roman eine authentische, unverbrauchte Stimme verliehen. Geertjes, später Judiths, völlig unbedarftes Erleben der Regeln des Judentum, die sie trotz ihrer jüdischen Familie zeitweise überfordern, sind komisch, unterhaltsam und fremd, aber auch sehr faszinierend. Geertje/Judiths Geschichte wechselt mit der Erzählebene, in der das Leben Viktors im Wien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschrieben wird, ab. In den Viktor-Teilen gelingt es der Autorin auch düstersten Erlebnissen mit bedachter Komik zu begegnen. Viktor als Figur ist ausgesprochen apart, unerschrocken, interessant und liebenswert (obwohl er selbst eine solche Kategorisierung zurückweisen würde). Überhaupt ist jede Figur bis ins Detail speziell und besonders, aber nicht verschroben, sondern eben einfach erzählenswert. Sprachlich und stilistisch ist das Buch einfach unglaublich gelungen. Es strahlt einfach, ist sehr besonders und irgendwie drängt sich mir immer wieder das Wort "vornehm" auf. Vor der Autorin kann man auf jeder Ebene nur den Hut ziehen, denn dem finstersten und meisterzähsten Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts mit soviel Leichtigkeit, Unverbrauchtheit und Stil zu begegnen und dabei noch einen Roman zu erschaffen, der diesen Glanz hat - das ist kein leichtes Unterfangen. Dies ist ein sensationell guter Roman, der für jeden geeignet ist, der ausgezeichnete Literatur mag, sich über neue Wege freut und ungewöhnliche Familiengeschichten mag.
„Das wir jüdisch waren, wusste ich von Kind an, nicht aber, was es bedeutete“. (S.17) Viktor Judith Fanto Die junge Geertje van den Berg lebt in Nijmegen, den Niederlanden und studiert dort Jura. 1939 flohen ihre jüdischen Eltern und Großeltern aus Wien nach Belgien, wo sie sich nach kurzer Zeit erneut vor den Nazis verstecken mussten. Nach dem Krieg emigrierten diese nach Holland. Schon lange ist ihre ganze Familie katholisch und sie versuchen jegliche Dinge, die sie mit dem Judentum in Verbindung bringen könnten, zu verwischen. Wann immer Geertje gewisse Themen wie „Religion" oder "Flucht vor den Nazis“ bei ihrer Familie anspricht, verfällt diese ins Schweigen. Nur wenn Geertje mal wieder vorlaut ist, murmelt ihr Großvater: „Das muss sie von Viktor haben!“ Viktor, so viel hatte sie herausgefunden, war der Bruder ihres Großvaters, ein Betrüger, der ein Lotterleben mit Glücksspiel, Betrügereien, Pferdewetten und gefälschten Ausweisen führte, ein Mann, der sich nicht um gesellschaftliche Konventionen kümmerte. Die Autorin schreibt ihr Buch auf zwei Zeitebenen: - 1994: In diesem Erzählstrang versucht Geertje die Vergangenheit ihrer Familie zu beleuchten, gleichzeitig möchte sie sich zum Judentum bekennen. - 1914: Wir begleiten die Familie Rosenbaum durch den ersten und zweiten Weltkrieg, wobei Viktor die Hauptperson ist. Er ist das „schwarze Schaf“ der Familie und sein Vater lässt keine Gelegenheit aus, ihm sein Fehlverhalten vorzuhalten. Viktor ist ein flüssiges und sehr lesenswertes Buch. Unglaublich gut haben mir die Konversationen zwischen Viktor und seinem Vater bzw. Schwester gefallen. Und auch das Leben der Juden in Wien zur Zeit des Anschlusses an das Nazi-Deutschland, per Volksentscheid (!), war sehr aufschlussreich. Dank des Stammbaumes auf den ersten Seiten des Buches konnte ich mich schnell einlesen. Judith Fanto beschreibt hier eindrucksvoll und auf literarisch hohem Niveau ihre Familiengeschichte. Ein weiteres Schicksal der dunkelsten und traurigsten Zeit der deutschen Geschichte. Leseempfehlung 4 Sterne
Man kann sich in Viktor schon richtig verlieben. Ein wahres Schlitzohr aber wenn es drauf ankommt, kann man sich mehr auf ihn verlassen, als man denken würde. Judith Fanto konnte mich mit ihrem Roman sehr begeistern. Es passiert selten, das mir ein Geschichte mit zwei Zeitebenen in beiden Erzählsträngen gleich gut gefällt. Hier war das aber die ganze Zeit der Fall. Was bedeutet es als Nachfahr*in jüdischer Überlebender der Shoa auf zu wachsen, wie prägt dass das Leben der Enkelgeneration? Wie lässt sich eine eigene Identität finden, wenn die Erinnerung an das Vergangene das eigene Leben so stark durchdrungen hat? Die Autorin, selbst ein Teil dieser Enkelgeneration spürt diesen Fragen nach und so zeichnet der Roman nicht nur das Leben der Familie nach, sondern zeigt auch die Komplexität dahinter auf. In Judiths Familie - wie sich Geertje nun nennt - wird das Thema Shoa (Holocaust) nur angedeutet, oder wenn überhaupt, erzählt der Großvater eine lustige Anekdote, sodass im ersten Moment der Eindruck entstehen könnte, das die Flucht und das Untertauchen ein großes Abenteuer gewesen seien. Doch gerade dadurch versteht man die ganze Tragweite erst so richtig. Die Familie hat ihre Bewältigungsstrategie gefunden um zu überleben und nach 1945 weiter mit dem Erlebten umgehen zu können. Gleichzeitig versteht man aber auch Judiths Beweggründe, sich mit dem Schweigen und Aussparungen nicht zufrieden geben zu wollen. Sie möchte verstehen, was sie selbst ausmacht. Fragt sich, wer sie eigentlich ist. Fragt sich auch, wer Viktor eigentlich war. Zeitweise habe ich schallend gelacht. Viktor ist ein ganz schönes Schlitzohr, der so einiges auf dem Kerbholz hat. Aber er schafft immer wieder sich heraus zu winden und heraus zu reden. Der Autorin gelingt es, ihm Tiefe zu verleihen, aber ihn nicht zu überhöhen. Nicht nur er, auch die anderen Figuren wirken so lebendig und glaubwürdig gezeichnet, das ich das Gefühl hatte mit ihnen am Tisch zu sitzen. Zum Teil mag das auch daran liegen, das ich weiß, das Fanto hier auch ihre eigene Familiengeschichte mit verarbeitet hat. Aber eigentlich lag es vor allem am großartigen Erzählstil der Autorin. Dazu kommen auch innerjüdische Debatten, die man vielleicht als Außenstehender gar nicht kennt, einfach weil sie nicht nach außen dringen. Meiner Meinung nach ist es Fanto sehr gut gelungen einzufangen, in welchem Spannungsfeld sich Shoaüberlebende und ihre Nachkommen bewegen. Das Trauma jeder einzelnen Familie ist eine eigene Geschichte und hat sich auch überall sehr individuell auf die nächsten Generationen übertragen. Auch davon handelt der Roman. Von Judith und ihrer Suche, wie sie mit der Vergangenheit ihrer Familie umgehen möchte. In dem sie Zugang zu Viktors Geschichte bekommt und das Schweigen in ihrer Familie brechen kann, findet sie einen neuen Zugang zu sich und ihrer jüdischen Identität - ja sogar überhaupt erst das sie eine jüdische Identität hat.. Ja Viktor ist eine Familiengeschichte über die Shoa (Holocaust), aber auch über das weiter Leben danach. Das Ringen mit den Erlebnissen, aber auch mit den Auswirkungen die bis heute in den Familien Überlebender spürbar sind.
Ich war nicht 100% sicher, ob mir das Buch gefallen würde, aber nachdem es so viele meiner liebsten Booktuber hoch gelobt haben, habe ich zugegriffen, als ich es in der Onleihe ergattern konnte - und ich muss sagen, das war ein echtes 5-Sterne-Buch. Die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt: In den Niederlanden der 1990ger-Jahre stößt Gertje auf die Geschichte um ihren Großonkel Viktor, der in den Erzählungen ihrer jüdischen Familie, die aus Wien fliehen musste, immer wieder auftaucht. Dass heißt - eigentlich erzählt diese Familie, vor allem die Großeltern - nicht wirklich von der Wiener Zeit, und auch das "jüdisch sein" spielt in ihrem täglichen Leben eigentlich keine Rolle. In der zweiten Zeitebene wird die Geschichte von Viktor und der Verwandtschaft in Wien erzählt, beginnend in den letzten Jahren des 1. Weltkrieges, als Viktors Vater noch an der Front ist. Wir lernen Viktor kennen aber auch seine Geschwister, den Onkel, der als Arzt arbeitet, seine Großeltern und insgesamt das Leben der großbürgerlichen Familie in Wien. Auch Viktor ist nicht religiös, sondern ein ziemlicher Hallodri und Frauenheld, aber auch ein extremer Kümmerer - seien das jetzt seine Neffen, Freunde, Verwandten, oder ein Hund, den er auf der Straße aufliest. Je tiefer Geertje in Viktors Geschichte eintaucht, umso mehr beschäftigt sie sich auch mit ihrem eigenen Jüdischsein - sie nimmt Kontakt zur jüdischen Gemeinde auf und versucht, mehr jüdische Kultur in ihr Leben zu bringen und herauszufinden, was mit ihren Verwandten, die nicht mehr aus Wien fliehen konnten (und zu denen auch Viktor gehört hat), genau geschehen ist. Ein tolles Buch - natürlich sehr bedrückend teilweise, aber auch charmant und amüsant - Viktor muss man einfach gern haben! Ich vergebe 5 von 5 Sternen und hoffe, dass die Autorin noch mehr schreiben wird.
Das Buch konnte mich sehr berühren. Ich war traurig und wütend aber an manchen Stellen konnte ich auch schmunzeln. Trotz der teilweise schweren Thematik war der Schreibstil leicht zugänglich. Viktors Charakter hat mir sehr gefallen. An ihn werde ich noch lange denken. Insbesondere das letzte Kapitel war richtig poetisch.
Was für ein Buch! Fanto erzählt etwas über Identität, über Familie, über Geschichte und noch über einiges mehr. Mit ihrem Schreibstil schafft sie es, schwere Kost mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommen zu lassen; was das Buch umso intensiver macht Es gibt keine volle Punktzahl, weil es mir immer mal wieder schwerfiel, die zeitliche Zuordnung hinzubekommen.
Von der Verlags-Website, Zitat: "Wien, 1914. Der junge Viktor entwickelt sich mit seiner unkonventionellen Art zum schwarzen Schaf seiner wohlhabenden jüdischen Familie. Nimwegen, 1994. Die Studentin Geertje hat es satt, dass sich ihre Familie auch Jahrzehnte nach der Schoah noch immer für ihr Judentum schämt. Sie will die Mauer des Schweigens endlich durchbrechen. Denn das Schicksal ihrer Familie ist allgegenwärtig – auch das von Viktor. Basierend auf der wahren Geschichte der Wiener Familie Fanto, erzählt Judith Fanto in diesem preisgekrönten Debüt zutiefst berührend und zugleich humorvoll von einer Frau, die sich auf die Suche begibt: nach ihren verschütteten jüdischen Wurzeln, nach Spuren von Viktor – und nach den Mächten, die aus der Vergangenheit bis heute auf sie einzuwirken scheinen."















