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Eines der meistbeachteten und wichtigsten Debüts der 80er Jahre 🤩
Ein gerade mal einundzwanzigjähriger Student, ein Seminar "creative writing" und ein dazugehöriger Tutor, der den jungen Schreiberling dazu ermutigt, das jüngst verfasste Werk zu veröffentlichen. Der Autor: Bret Easton Ellis. Der Roman "Less than zero" (bzw. "Unter Null") ist im Deutschen bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Eine triviale, beinahe schon naive Entstehungsgeschichte, eines der meistbeachteten und wichtigsten Debüts der 80er Jahre. In "Unter Null" nach einer Handlung im klassischen Sinn zu suchen, ist meines Erachtens nach müßig. Die Aneinanderreihung von Partybeschreibungen, Familientragödien, Exzessen und Reminiszenen (zusammengefaßt im Rahmen heißer Winterferien in L.A.) hat nur eine Aufgabe: die Beschreibung der totalen Einsamkeit Clays unter vielen, gelebt in aktiver Passivität, in selbstverständlicher Dekadenz und unbegrenztem Konsumhedonisums. Die Entfremdung des Protagonisten vom Freundeskreis, von der Familie, ja von sich selbst - ist Begleiterscheinung dieses abgehobenen Lebensstils. Was Clay aber von den anderen Mitcharakteren unterscheidet, ist das Wissen um das Unglück, das zu einem nicht unbeträchtlichen Teil seiner Passivität und Oberflächlichkeit zuzuschreiben ist. Und genau dieses Wissen verbunden mit der Ohnmacht, kein Mittel gegen die Depression zu haben, macht ihn noch verstörter. Was das Buch meiner Meinung nach so gut macht, ist die Nachvollziehbarkeit der emotionalen Strukturen und Verhaltensmuster, die Clay prägen. Diese lassen sich ohne weiteres auch auf andere Gruppen in anderen sozialen Schichten umlegen. Unverständnis in der Familie und im Freundeskreis, Shoppingwut, Drogenkonsum, Selbstzweifel etc. beschränken sich nicht nur auf die High society, die in diesem Buch als abstrahiertes Abziehbild der Gesellschaft gesehen werden kann. "Unter Null" ist die Momentaufnahme eines Winters, die keine "Handlung" benötigt, um die Verlorenheit des Einzelnen in der Gruppe, die Oberflächlichkeiten einer Gesellschaft zu zeigen. Die hemmungslos übertriebene, fast surreale Dekadenz dieser Luxusgesellschaft kann uns das nur noch besser vor Augen führen.
Apr 29, 2024
Eines der meistbeachteten und wichtigsten Debüts der 80er Jahre 🤩
Ein gerade mal einundzwanzigjähriger Student, ein Seminar "creative writing" und ein dazugehöriger Tutor, der den jungen Schreiberling dazu ermutigt, das jüngst verfasste Werk zu veröffentlichen. Der Autor: Bret Easton Ellis. Der Roman "Less than zero" (bzw. "Unter Null") ist im Deutschen bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Eine triviale, beinahe schon naive Entstehungsgeschichte, eines der meistbeachteten und wichtigsten Debüts der 80er Jahre. In "Unter Null" nach einer Handlung im klassischen Sinn zu suchen, ist meines Erachtens nach müßig. Die Aneinanderreihung von Partybeschreibungen, Familientragödien, Exzessen und Reminiszenen (zusammengefaßt im Rahmen heißer Winterferien in L.A.) hat nur eine Aufgabe: die Beschreibung der totalen Einsamkeit Clays unter vielen, gelebt in aktiver Passivität, in selbstverständlicher Dekadenz und unbegrenztem Konsumhedonisums. Die Entfremdung des Protagonisten vom Freundeskreis, von der Familie, ja von sich selbst - ist Begleiterscheinung dieses abgehobenen Lebensstils. Was Clay aber von den anderen Mitcharakteren unterscheidet, ist das Wissen um das Unglück, das zu einem nicht unbeträchtlichen Teil seiner Passivität und Oberflächlichkeit zuzuschreiben ist. Und genau dieses Wissen verbunden mit der Ohnmacht, kein Mittel gegen die Depression zu haben, macht ihn noch verstörter. Was das Buch meiner Meinung nach so gut macht, ist die Nachvollziehbarkeit der emotionalen Strukturen und Verhaltensmuster, die Clay prägen. Diese lassen sich ohne weiteres auch auf andere Gruppen in anderen sozialen Schichten umlegen. Unverständnis in der Familie und im Freundeskreis, Shoppingwut, Drogenkonsum, Selbstzweifel etc. beschränken sich nicht nur auf die High society, die in diesem Buch als abstrahiertes Abziehbild der Gesellschaft gesehen werden kann. "Unter Null" ist die Momentaufnahme eines Winters, die keine "Handlung" benötigt, um die Verlorenheit des Einzelnen in der Gruppe, die Oberflächlichkeiten einer Gesellschaft zu zeigen. Die hemmungslos übertriebene, fast surreale Dekadenz dieser Luxusgesellschaft kann uns das nur noch besser vor Augen führen.
Apr 29, 2024






