Über die See

Über die See

Book
3.7130

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Description

Die Besatzung eines Containerschiffs möchte einmal mitten auf dem offenen Meer schwimmen gehen. Ihre Kapitänin lässt sich tatsächlich darauf ein … Wie sich behaupten und gleichzeitig in Frage stellen, davon erzählt dieser wunderbar sinnliche Roman aus Frankreich, der u.a. mit dem Prix Léonora Miano ausgezeichnet wurde. »Erst hängen sie in der Luft. Dann tauchen sie zum allerersten Mal beide Füße in den Ozean. Sie gleiten hinein. Tausende Kilometer von jedem Strand entfernt.« Auf einer Fahrt in die Tropen, kurz hinter den Azoren richtet die Besatzung eines Containerschiffs eine ungewöhnliche Bitte an die Kapitänin: Sie möchten hier, auf dem offenen Meer, schwimmen gehen. Das hat es noch nie gegeben. Zu ihrer eigenen Überraschung lässt die Kapitänin es zu. Sie bleibt allein auf dem Schiff, mit all den Zweifeln, ob sie das Richtige entschieden hat. Werden die Männer zurückkommen? Das Schiff wird immer langsamer, ein mysteriöser Nebel kommt auf. Wieso kann die Kapitänin auf einmal das Herz des Schiffes schlagen hören? Und warum drängt sich ausgerechnet jetzt ihr Vater in die Erinnerung, der einst selbst zur See fuhr und seit einer Überfahrt kein Wort mehr sprach?

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Book
Pages
160
Price
14.40 €

Author Description

Mariette Navarro, geb. 1980, ist Schriftstellerin und Dramaturgin. In dem kleinen französischen Verlag Cheyne gibt sie eine Reihe poetischer Prosatexte mit heraus, darunter ihre eigenen, Alors Carcasse (2011, Robert Walser Preis 2012) und Les Chemins contraires (2016). Zudem hat sie mehrere Stücke geschrieben. Ihr Romandebüt Über die See ist 2022 bei Kunstmann erschienen.

Posts

25
All
3

Eine Kapitänin ist mit ihrer rein männlichen Crew auf Seefahrt. Sie wird respektiert und hat alles gut im Griff. Bis ihre Crew mitten auf offener See mit einer ungewöhnlichen Bitte an sie herantritt: die Männer wollen im Meer schwimmen gehen. Die Kapitänin erlaubt es ihnen, doch schnell beginnt sie damit zu hadern, und auch bei den badenden Männer kommen im Wasser Zweifel auf: werden sie es zurück schaffen? Und wer ist der 21. Mann, der plötzlich im Meer zu der Crew stößt, als hätte er schon immer dazugehört? Das Buch ist, gelinde gesagt, sehr weird. Aufgrund der Erzählstruktur und -art weiß man nie so genau, was wirklich passiert, was Einbildung ist und warum etwas wie passiert. Die Figuren bleiben alle namenlos und schemenhaft, erst nach und nach lernt man zumindest die Kapitänin und ihren ersten Offizier kennen. Dadurch bleiben die Figuren seltsam distanziert und auf spannende Art unvorhersehbar. Mich hat das Buch an Julia Armfields “Our Wives Under The Sea” erinnert, oder auch an klassische Horrorerzählungen, bei denen man eine nicht greifbare, unterschwellig präsente Bedrohung wahrnimmt. Auch, wenn ich währenddessen und danach ratlos war, hat mir das kurzweilige Leseerlebnis ganz gut gefallen. Übersetzt von Sophie Beese.

4

Auf hoher See

Dieses Buch erinnert mich an eine Traumnovelle oder an einen Haruki Murakami. Der Lesende weiss nicht was ist hier Wirklichkeit. Was sind Träume, Illusionen, Wünsche. Verwirrt vielleicht auch die Tage-bzw. Wochenlage Zeit mit einer 20 Mann Besatzung die Kapitänin? Die Blickwinkel sind interessant. Sind die Gespräche echt oder auch nur eine Illusion? Als Lesende hab ich hier Möglichkeiten es auch so zu belassen und einfach mal was irrsinniges aber ebenso poetisches gelesen zu haben. Muss es immer Sinn ergeben? Oder steckt was tieferes hinter dem Text? Und ihr so? Wie habt ihr dieses Buch wahrgenommen?

5

Absolute Leseempfehlung!

4.5

Besondere Atmosphäre, auf die man durch einlassen muss

5

»Es passieren wirklich merkwürdige Dinge auf diesem Schiff, und viele.«

Ein Containerschiff auf dem offenen Meer und alles beginnt mit einer Bitte der Mannschaft, mitten in dieser Weite schwimmen zu gehen. Die Kapitänin, die nur auf dem Wasser sie selbst ist, erfüllt ihnen diesen Wunsch. Nachdem alle wieder an Bord sind, befindet sich ein 21. Passagier unter ihnen, einer mehr, als sie es ursprünglich waren. Dazu kommt noch, dass sie in einen Nebel geraten, der nicht gemeldet war und dass der Motor – das Herz des Schiffes – eigenwillig zu agieren scheint und die Fahrgeschwindigkeit drosselt… Ich habe mir, bevor ich dieses Buch angefangen habe, den Klappentext nicht mehr durchgelesen und wusste dementsprechend nicht mehr wirklich worum es gehen soll, außer dass es auf dem Meer spielt. Doch ziemlich schnell ließ die Handlung erahnen, dass etwas passieren wird. Dieses Etwas als Vorahnung bestimmte einige Seiten und wurde wirklich aufs Großartigste von der Autorin beschrieben. Dabei werden Grenzen der innersten Ängste ausgelotet und Sicherheit in nicht erklärbaren Kräften gesucht. Mit einer beeindruckenden Sprachgewalt zieht diese Geschichte einen in den Bann und entlässt die Leser*innen auf der letzten Seite versöhnlich ins Ungewisse. Die poetische und eindrückliche Art, mit der die Autorin dies schafft, lässt einem in dem Glauben, einen viel umfangreicheren Roman gelesen zu haben und nicht einen, der kaum 160 Seiten umfasst. Die atmosphärisch düstere Stimmung des Texts erinnerte mich sehr an Kehlmanns Erzählung„Du hättest gehen sollen“, aber ähnelte auch gewissen Werken von Franz Kafka oder Stephen King, mit Ausnahme, dass dieser Text viel poetischer wirkt. Ich freue mich schon sehr auf ihren neuen Roman!☺️

»Es passieren wirklich merkwürdige Dinge auf diesem Schiff, und viele.«
3

Die Poesie des Meeres

Eine in sich gekehrte Kapitänin, eine sonderbare Besatzung und ein eigenwilliges Schiff - Aus diesen drei Komponenten und einer beeindruckend dichten und poetischen Sprache hat Mariette Navarro einen ebenso eigensinnigen wie sonderbaren und irgendwie introvertierten Text komponiert. Um ehrlich zu sein bin ich recht schwer in die Lektüre hineingekommen, obwohl dieses schmale Buch und der leserInnenfreundliche Satz zum Verschlingen einladen. Vielleicht hat mich der Klappentext etwas verwirrt, vielleicht war ich mit der besonderen Sprache voller Andeutungen, Metaphern und rätselhaften Verweisen etwas überfordert. Denn eigentlich geschieht (scheinbar) nicht viel auf dem Frachtschiff auf weiter See. Die namenlose Kapitänin führt ein strenges und unnahbares, jedoch wertschätzendes, Regiment auf dem Schiff. Trotzdem ist sie von sich selbst überrascht, als sie dem Wunsch der gesamten (!) Besatzung, im offenen Meer schwimmen zu gehen, ohne nachzudenken zustimmt. Der Klappentext stellt hierbei die Frage, ob die Männer zurückkommen werden und nach Beenden des Buches ist mir auch klar, was damit gemeint war. Tatsächlich hat genau diese Frage aber falsche Erwartungen in mir geweckt. Denn im Grunde geht es nicht wirklich um den Badeausflug im Ozean, sondern um das, was danach geschieht. Als mir das klarwurde, konnte ich mich irgendwie besser auf den Roman einlassen und die zweite Hälfte konnte mich mehr überzeugen. Die vielschichtigen Anspielungen, die in eine Art innere mythologische Auseinandersetzung der Protagonistin mit „ihrem Schiff“ münden, waren dabei besonders und können psychologisch gedeutet werden. Leider ging für mich aber hier das Handwerk über die Emotion, weshalb ich mich wahrscheinlich nicht sehr lange an den Text erinnern werde. Allerdings stelle ich mir eine eher analytische Herangehensweise bei einem Re-Read sehr spannend vor.

5

Wunderschöne rätselhafte Geschichte, wirkt parabelartig oder metaphorisch, ohne dass ich es für mich entschlüsseln konnte oder auch nur den Versuch unternommen habe es ganz genau verstehen zu wollen

3

Bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Irgendwie undurchsichtig und nicht besonders flüssig zu lesen…

5

"Hör nur, wie sie - ohne es zu wissen - alle ihren eigenen Ozean umpflügen. So viel Leben, meine Liebe, auf deinem kleinen Schiff. Du kannst stolz sein. So viel Leben." Zitat, Seite 125 Ein kleiner, aber feiner Roman entführt die Lesenden aufs offene Meer ins Reich der Lebenden, der Toten und - der Seefahrer. Mariette Navarro hat einen feinen, poetischen Schreibstil, der die Dinge in Metaphern verwandelt und sich bewusst vom realen Geschehen löst und gedanklich darüber hinaus geht, um mit den höchst menschlichen Gedankenspielen Hoffnung und Trost zu vermitteln. Wobei letztere Beschreibung bereits einer persönlichen Interpretation entspricht, die keinesfalls die allgemeine Ansicht widerspiegeln muss. Denn das ist wahrscheinlich das Faszinierende an diesem Roman, dass er vielerlei Möglichkeiten anbietet, die in Ambivalenz der Erzählung begründet ist. Manche Elemente der Geschichte werden bewusst vage gehalten und laden den Lesenden ein, sich sein eigenes Bild zu machen. Oder auch nur, die Erzählung als solche zu genießen. "Über die See" ist eine Lektüre, die man wiederholt genießen kann und hat durchaus das Potenzial ein moderner Klassiker zu werden! Für die wunderbar geschmeidige Übersetzung aus dem Französischen ist Sophie Beese verantwortlich. FAZIT Ein Herzensbuch. Unbedingt lesenswert!

5

Kurze, aber intensive und kafkaeske Reise! 😎

3.5

Ein Buch mit unerwartetem Twist, verfasst in bemerkenswerter Prosa, ein bisschen ätherisch und dabei ein Lehrstück über den Aufbruch ins Ungewisse. Hat mir ganz gut gefallen.

3

Gerade zu Beginn sehr sprachgewaltig und packend geschrieben, mit rätselhafter und bedrückender Atmosphäre. Leider konnte diese Stimmung nicht so ganz aufrecht erhalten werden. Etwa ab der Mitte fand ich das Buch ziemlich zäh und ich war dann ehrlich gesagt froh, dass es vorbei war.

4

Poetisch, ausdrucksstark, verwirrend.

Die Kapitänin eines Frachtschiffes erlaubt ihrer Mannschaft, auf deren Wunsch hin, das Schiff anzuhalten und schwimmen zu gehen. Eigentlich eine Ungehörigkeit, doch irgendetwas bringt die Kapitänin dazu, diesem Wunsch stattzugeben. Alles geht gut, doch statt 20 Männern sind nun 21 an Bord. Etwas hat sich geändert. Eine Zeit lang scheint sich die Realität auf dem Schiff zu ändern. Mariette Navarro hat eine bizarre und skurrile und gleichzeitig wunderschöne und poetische Geschichte entworfen.

Poetisch, ausdrucksstark, verwirrend.
5

Poetisch. Wunderschön. Fesselnd. Lässt einen auch nach Jahren nicht mehr los. Absolut empfehlenswert!

4

Ich glaube ich lese es nochmal

Dieses Buch hat jetzt ein bisschen Nachklingen müssen. Es hat sich wunderbar leicht gelesen aber es steckt so viel darin. Ich merke, dass ich nicht mehr so geübt darin bin etwas zu interpretieren. Dieses Buch handelt von einer Person, die eine Entscheidung aus dem Bauch heraus trifft, obwohl sie sonst alles vorher plant und abwägt. Ab dem Moment verlässt sie eingeübte Routinen und auch Denkmuster. Es tauchen Ängste und Ungewissheit auf und sie sucht ihren Weg damit umzugehen. Ich möchte es nochmal lesen, weil mir einige der Verwendeten „Bilder“ noch nicht ganz klar sind .

4

„Sprachlich gewaltig“

Sprachlich gibt es wunderschöne Bilder, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich brauchte jedoch eine ganze Weile bis ich drin war im Buch und dann war es auch schon vorüber. Ich habe es gerne gelesen, aber mir fehlt der Nachklang leider.

4

Wenn der vertraute Ozean zum unbekannten Fremden wird.

Sie ist Kapitänin, hat sich ihre Position hart erkämpft. Ihre Autorität unter den Matrosen ist auf dem Frachter unumstritten. Umso überraschender ist ihre Antwort auf die Frage, ob die Matrosen eine Runde schwimmen gehen dürfen. "Einverstanden". Ein Wort, über welches sie sich selbst wohl am meisten wundert. Das Schiff bremst, der Motor wird abgestellt, ebenso wie alle Radare. Die Matrosen lassen ein Rettungsboot hinab und gehen tatsächlich über den gewaltigen Tiefen des Ozeans schwimmen. Als alle wieder an Bord sind, zählen sie durch. 21. Einer mehr als zuvor. Die Sicherheit der Kapitänin wird schwindet, ihre Souveränität auch, das bemerken sogar die Matrosen. Dennoch starten sie die Motoren wieder und nehmen Kurs auf den Zielhafen. Dann jedoch taucht ein enorm dichter Nebel auf, das Schiff verliert immer mehr an Geschwindigkeit. Ein blinder Passagier, von den Geräten unentdeckte Wetterphänomene und eine eigentlich einwandfrei funktionierende Technik. Was ist hier los? Sehr ruhig, aber dennoch sehr spannend, schreibt Mariette Navarro von der Überfahrt eines Schiffs über den Atlantik, von seiner Kapitänin und deren Matrosen. Sie erzählt vom Leben und der Gefühlswelt der Kapitänin, ihrer Verbundenheit zum Ozean und zum Schiff, als wäre es selbst ein Mensch. Poetisch, in gewundener Sprache geschrieben. Glatt wie der Wasseroberfläche ohne Wind, aber tief wie der Marianengraben. Ich habe dieses Buch mit sehr viel Genuss gelesen und empfehle dringend, es mir gleich zu tun.

Wenn der vertraute Ozean zum unbekannten Fremden wird.
2

Hat mich nicht abgeholt, Schreibkunst zu hoch für mich, konnte mich nicht reinfühlen 🤷🏼‍♂️

Kapitäninnen auf Containerschiff, scheint kühl nach außen aber sehr beschäftigt mit sich im Inneren. Hat Crew in Griff, erlaubt Dinge und öffnet sich. Reise zu kompliziert geschrieben, Ende völlig wahllos.

4

Ein sprachgewaltiges und poetisches Buch, voll intensiver Sätze, eingehüllt in einer Art literarischen Nebel der Erzählkunst.

4

Ein gutes Buch…

Es wird zwar oft kritisiert, aber ich fand das Buch gut, eben kein Bericht sondern ein Roman. Die Handlungsidee und emotionale Beschreibung ist ungewöhnlich, aber interessant

5

Die Rückkehr zu sich Selbst entsteht in der Entfremdung Das Buch bespielt den Prozess vom Sprung ins Nichts, der Geburt des Seins und der Subjektivierung eines Ichs, das am Ende angstfrei in die Dunkelheit blicken, dort Sicherheit finden und selbstbestimmt „Ich weiß es nicht“ sagen kann. Das fundamentale Ereignis - das Stoppen der Maschinen, das Innehalten, der Sprung in den Ozean - setzt eine Transformation in Gang, ein Moment des Übergangs, der zu einer Neudefinition der Identität führt. Die Kapitänin, ihre Mannschaft und die Last der Vorschriften und Gesetze, des „Wissens“, ideologisch geprägt - Zeitplan einhalten, Zielvorgaben, funktionieren, Kontrolle, Zahlen und Gesetzmäßigkeiten, Abläufe, Verhalten nach Protokoll – gelangen durch das Bad im Ozean in einen Zustand des „Nicht-Wissens“. Eine vollständige Aufhebung der Vernunftordnung. Ein Prozess der Entfremdung setzt ein, Störungen treten auf, Widerstände und Trägheit. Wie sicher können wir uns unserer Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen sein? Wie verlässlich sind die Strukturen, mit denen wir die Welt erfassen? Eine Metareflexion über das Bewusstsein und seine Prozesse. Zwanzig oder Einundzwanzig! Das Schiff verselbstständigt sich, Nebel, Orientierungslosigkeit, Ohnmacht, der Abbruch aller Verbindungen zur Umwelt. Die Ideologie der Ordnung irgendwo auf dem Land, weit entfernt. Die wahnsinnige Geste des Rückzugs aus der Realität um Raum für Neues, eine eigene Ordnung zu schaffen. Alle zentralen Identitätsanker werden gekappt. Die Verlangsamung, Trägheit des Schiffes interpretiere ich als eine Form des „Nicht-Ansprechbar-Seins“. Es oder die Kapitänin, für mich gehen beide eine Symbiose ein, entzieht sich durch die Verlangsamung den äußeren Anforderungen. Die Handlungsfähigkeit wird zurückerobert. Als Herrin über die Zeit, übt sie Widerstand aus. Es gibt zu viel das verarbeitet werden muss – die Geschichte um ihren sprachlosen Vater. Die erzeugte Barriere des Nebels, der Verlangsamung des Schiffes gibt die Gegelenheit zur Selbstreflexion und Wachstum. Sie wächst und reflektiert über die Illusion von Sicherheit und Wahrheit eines künstlich geschaffenen Raumes, dem die authentische Dunkelheit des Unbekannten, einer Realität entgegen steht, die sich unserer Kontrolle und Manipulation entzieht. Befreiung von Zwängen. Ich muss nicht alles kontrollieren und verstehen können. „Die Nacht ist finster. Keine Sterne. Kein Mond. Nichts. Eine undurchdringliche Wolkendecke. Schwarze Nacht auf schwarzem Wasser, das sich nicht einmal mehr daran erinnert, dass es geregnet hat. Nur das gelbe Licht der elektrischen Glühbirnen spendet Trost. … solange das gelbe Licht leuchtet, verbreitet es ein heimeliges Gefühl, vermittelt Sicherheit. Sie hatte immer gedacht, dass man die kleine, windgepeitschte Kabine erst bei Sturm zu schätzen lernen, sich darin behütet fühlen würde. Aber die schwarze, windstille Nacht und der Regen, der nicht von Lichtern durchdrungen wird, funktionieren auch ganz wunderbar.“ Und dann ist da noch die Sprache. All die Störungen, wozu auch das traumatische Erlebnis ihres Vaters gehören, lassen sich nicht vollständig in Sprache übersetzen. Er bleibt stumm. Innerhalb der Mannschaft scheitert Sprache. Ich sehe hierin die tiefgreifende Kluft zwischen unserem inneren Erleben und diesem in der Außenwelt Ausdruck zu verleihen. Das Schiff unterläuft dies, indem es über Musik kommuniziert: „Kapitänin, es scheint, als würde die Pumpe ihr Tempo variieren, und dabei … halten Sie mich bitte nicht für verrückt, dabei eine Art Musik erzeugen. Kapitänin, hören Sie mich? Slavoj Zizek in der absolute Gegenstoß dazu: „Musik ist die Substanz, die den eigentlichen Kern des Subjekts verkörpert, den Abgrund der radikalen Negativität.“ In einer Szene mit ihrem 1. Offizier könnte sogar ein weiterer Aspekt hinzugefügt werden, der den Gedanken bespielt wie das Gute aus dem Kampf gegen die eigene Natur entsteht. Für mich ist das Buch wie nach Hause kommen. Es verbindet Philosophie mit Psychoanalyse in einer tollen allegorischen Form der Konstitution von Seemännern, voller Unrast und einem schwebenden Zwischenzustand der Verortungslosigkeit. Es bedient auf eine einfache, klare Weise die Sprache der Metaphysik, die auf manch einen esoterisch anmuten könnte. Wer wenig Freude an diesen allegorischen Spielen und Interpretationsschlachten hat, könnte das Gefühl bekommen etwas unvollständiges, kryptisches zu lesen. Ich habe das Buch zu keinem Zeitpunkt als sprachlich bedrohlich wahrgenommen. Es öffnet und arbeitet auf Versöhnung hin. Dies stellt einen ganz klaren Gegensatz zu Kafka dar, mit dem man dieses Werk ua. in Verhandlung der Schuldfrage und den skurrilen Bildern, schnell vergleichen möchte. Davon rate ich dringend ab. Hier steht klar die Handlungsmacht im Fokus. Ein Kafka für Optimisten oder welche die das Wagnis der Unendlichkeit eingehen :-)

4

Eine kuriose Geschichte über einen Vorfall an Bord eines Containerschiffs.

Wer kennt es nicht das Gefühl, dass man sich einer Idee vorschnell anschließt bzw. sie erlaubt. Noch in dem Moment wird einem bewusst, dass man die Konsequenzen dessen nicht durchdacht hat. Jedoch gibt es ein Zurück nicht. Dies lässt nicht nur ein Gefühl der Angst für die Situation selbst zurück, sondern lässt ein auch über verschiedene andere Dinge nachdenken. Mir hat dieser kurze Ausflug in diese Gedanken gefallen. Und sie halle noch nach.

4

Hier geht es nicht nur um die See. Interessant

3

Mir fällt es schwer, dieses Buch zu bewerten, ist es doch ganz anders als die meisten anderen Bücher, die ich lese. Grundsätzlich hat es mir gefallen. Am Anfang fiel es mir schwer, in die Geschichte reinzukommen, aber so in etwa ab dem Moment, als die Schwimmer wieder an Board waren, hat mich die Geschichte interessiert. Es ist aber schwierig von einer "Geschichte" zu sprechen. Es ist eher poetisch und philosophisch. Den Kopf muss man ausgeschaltet lassen, aber gleichzeitig muss er noch passiv mitspielen. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, die Kapitänin hat mich neugierig gemacht. Am liebsten würde ich jetzt einfach noch mehr von den Figuren lesen, die gerade so angerissen wurden. Aber das ist wohl meiner Fantasie überlassen.

3

Ein kurzer, faszinierender Ausflug mit offenen Fragen

„Über die See“ von Mariette Navarro ist ein Buch, das man dank seiner Kürze an einem Tag lesen kann. Die Geschichte ist spannend erzählt und auch das Setting ist sehr außergewöhnlich, doch leider bleiben am Ende einige Fragen offen, was ich als enttäuschend empfand. Das Schwimmen im offenen Meer, das auf dem Klappentext so zentral wirkt, spielt überraschenderweise nicht so eine Rolle in der Handlung, wie erwartet. Dennoch ist das Buch insgesamt ein angenehmer und interessanter Read, auch wenn es mich nicht vollständig überzeugt hat.

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