The League of Extraordinary Gentlemen
by Alan Moore
Softcover
3.02
GroßbritannienCaptain NemoZaubererDrogen
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Description
Im Geheimdienst Ihrer Majestät
Alan Moore belebt die Helden der Schundromane des 19. Jahrhunderts neu
Jetzt wo wir unter uns sind mal ganz ehrlich: Superheldencomics sind doch eigentlich ziemlich blöd, nicht wahr? Immer die gleiche Handlung in unzähligen Variationen: Die Erde wird bedroht, der Held kurzfristig besiegt, bis er dann im Endkampf (upps) doch noch siegt. Eine der wenigen Ausnahmen von dieser Regel: Wenn Alan "Bartmonster" Moore sich der Übermenschen annimmt, kommt unter Garantie etwas Lesbares dabei raus.
In den 90er Jahren hatte Alan Moore sehr viel mehr Drogen konsumiert, als für ihn gut waren und mit seinen Beiträgen für die "WildC.A.T.s" und seiner "Superman"-Persiflage "Supreme" eine Menge mediokren, aber unterhaltsamen Unsinn verzapft. Erst mit seinem eigenen Wildstorm-Imprint, der sich ganz unbescheiden - aber doch recht realistisch - "America's Best Comics" (kurz: ABC, deutsch ebenfalls bei Speed Comics im Verlag Thomas Tilsner, zur Zeit 7 Bände) nennt, kam der Meister zu alter Stärke zurück: In "Promethea" geht es um den mythologisch-religiösen Überbau, dem auch der alte Zauberer Moore selber huldigt, in "Top 10" überträgt er das Konzept von realistischen Cop-Serien wie "NYPD Blue" auf die Superhelden und in den anderen Serien hat Moore einfach Spaß, Spaß, Spaß.
Das Sahnestück der ABC-Linie ist aber eindeutig die "League Of Extraordinary Gentlemen", für die als Zeichner der unvergleichliche Kevin O'Neill ("Lobo", "Marshall Law") verantwortlich ist. An seinen Wimmelbildern kann man sich kaum satt sehen, seine klugen Seitenlayouts unterstützen die Erzählung vorbildlich. Hier huldigt Moore all seinen Vorlieben, und die liegen hauptsächlich im Bereich alter Bücher. Die "League Of Extraordinary Gentlemen" ist nichts anderes als der Zusammenschluss alter Pulp-Helden, die die Zukunft einer alternativen Erde, in der Albion und das europäische Festland mit einer riesigen Brücke verbunden sind, verteidigen. Sie besteht aus dem Imperialisten Allan Quatermain, der Held aus Henry Rider Haggards Afrika-Romanen, Jules Vernes geheimnisvollen Kapitän Nemo, Mina Murray, der unglücklichen weiblichen Hauptperson aus Bram Stokers "Dracula"-Roman, dem amoralischen Dr. Griffin, den H.G. Wells als "Der Unsichtbare" verewigte und schließlich dem monströsen Mr. Hyde, der direkt aus Robert Louis Stevensons Roman "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" entsprungen ist. Auch neben diesen Kolportage-Ikonen stöbert Moore kräftig im Dickicht alter Schundromane. Nicht ganz unwichtige Nebenrollen werden von James Bonds Großvater Campion Bond und von Edgar Allan Poes Meisterdetektiv Auguste Dupin ausgefüllt. Sie alle müssen unter der Führung des mysteriösen Geheimdienstchefs M (hinter dem sich kein geringerer als Sherlock Holmes' Bruder Mycroft versteckt - oder etwa doch nicht?) gegen einen sinistren asiatischen Bösewicht antreten, der das gesamte britische "Empah" bedroht. Da die Urheberrechte für Sax Rohmers Dr. Fu Manchu noch nicht ausgelaufen sind, darf Moore diesen Namen nicht offen benutzen, aber er ist es ohne jeden Zweifel.
Aber auch ernsthafte Literatur fand ihren Eingang in Moores Schöpfung: Literaturkenner werden viele Verweise auf die Werke von Emile Zola, Charles Dickens, Herman Melville und Henry James erkennen. Das Ganze wird angereichert durch zeitgenössische und gefakte Anzeigen (die im Sammelband leider fehlen) und einer kaum zu toppenden Lust am Erzählen. Mit der "League" schließt Moore direkt an seine Meisterwerke "Watchmen" und "From Hell" (Verlag Thomas Tilsner) an und beweist wieder einmal, dass die Postmoderne keineswegs nur blutleere Idiosynkrasien liefert. Hier erzählt sich ein begabter Spinner die Seele aus dem Leib und hat dabei nur ein Ziel: Der Leser darf sich auch beim wiederholten Lesen nicht langweilen.
So vollgepfropft haben Moore und O'Neill ihre detailreichen Seiten, dass sich der Comicfan Jeff Nevins monatelang mit den Heften beschäftigt hat. Das Ergebnis sind nahzu 140 Druckseiten, die man im Netz unter der Adresse www.geocities.com/Athens/Olympus/7160/league1.html findet. Im Mai 2003 kommen diese Erkenntnisse als Buch heraus. Im Herbst startet dann die im vergangenen Jahr entstandene Verfilmung von Stephen Norrington ("Blade II") mit Sean Connery in der Hauptrolle in unseren Kinos.
Und schließlich sind die Teile zwei und drei der League schon in Arbeit. Schließlich erwähnt Moore selber bereits diese merkwürdigen Gasexplosionen auf dem Mars.
Lutz Göllner
Alan Moore (Text), Kevin O'Neill, Ben Dimagmaliw (Zeichnungen: The League Of Extraordinary Gentlemen, Band Eins. Aus dem Englischen von Gerlinde Althoff. Speed Comics im Verlag Thomas Tilsner, Bad Tölz 2003. 192 Seiten, 20 Euro, ISBN 3-936068-13-5.
Book Information
Main Genre
Comics
Sub Genre
European Style
Format
Softcover
Pages
192
Price
22.70 €
Description
Im Geheimdienst Ihrer Majestät
Alan Moore belebt die Helden der Schundromane des 19. Jahrhunderts neu
Jetzt wo wir unter uns sind mal ganz ehrlich: Superheldencomics sind doch eigentlich ziemlich blöd, nicht wahr? Immer die gleiche Handlung in unzähligen Variationen: Die Erde wird bedroht, der Held kurzfristig besiegt, bis er dann im Endkampf (upps) doch noch siegt. Eine der wenigen Ausnahmen von dieser Regel: Wenn Alan "Bartmonster" Moore sich der Übermenschen annimmt, kommt unter Garantie etwas Lesbares dabei raus.
In den 90er Jahren hatte Alan Moore sehr viel mehr Drogen konsumiert, als für ihn gut waren und mit seinen Beiträgen für die "WildC.A.T.s" und seiner "Superman"-Persiflage "Supreme" eine Menge mediokren, aber unterhaltsamen Unsinn verzapft. Erst mit seinem eigenen Wildstorm-Imprint, der sich ganz unbescheiden - aber doch recht realistisch - "America's Best Comics" (kurz: ABC, deutsch ebenfalls bei Speed Comics im Verlag Thomas Tilsner, zur Zeit 7 Bände) nennt, kam der Meister zu alter Stärke zurück: In "Promethea" geht es um den mythologisch-religiösen Überbau, dem auch der alte Zauberer Moore selber huldigt, in "Top 10" überträgt er das Konzept von realistischen Cop-Serien wie "NYPD Blue" auf die Superhelden und in den anderen Serien hat Moore einfach Spaß, Spaß, Spaß.
Das Sahnestück der ABC-Linie ist aber eindeutig die "League Of Extraordinary Gentlemen", für die als Zeichner der unvergleichliche Kevin O'Neill ("Lobo", "Marshall Law") verantwortlich ist. An seinen Wimmelbildern kann man sich kaum satt sehen, seine klugen Seitenlayouts unterstützen die Erzählung vorbildlich. Hier huldigt Moore all seinen Vorlieben, und die liegen hauptsächlich im Bereich alter Bücher. Die "League Of Extraordinary Gentlemen" ist nichts anderes als der Zusammenschluss alter Pulp-Helden, die die Zukunft einer alternativen Erde, in der Albion und das europäische Festland mit einer riesigen Brücke verbunden sind, verteidigen. Sie besteht aus dem Imperialisten Allan Quatermain, der Held aus Henry Rider Haggards Afrika-Romanen, Jules Vernes geheimnisvollen Kapitän Nemo, Mina Murray, der unglücklichen weiblichen Hauptperson aus Bram Stokers "Dracula"-Roman, dem amoralischen Dr. Griffin, den H.G. Wells als "Der Unsichtbare" verewigte und schließlich dem monströsen Mr. Hyde, der direkt aus Robert Louis Stevensons Roman "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" entsprungen ist. Auch neben diesen Kolportage-Ikonen stöbert Moore kräftig im Dickicht alter Schundromane. Nicht ganz unwichtige Nebenrollen werden von James Bonds Großvater Campion Bond und von Edgar Allan Poes Meisterdetektiv Auguste Dupin ausgefüllt. Sie alle müssen unter der Führung des mysteriösen Geheimdienstchefs M (hinter dem sich kein geringerer als Sherlock Holmes' Bruder Mycroft versteckt - oder etwa doch nicht?) gegen einen sinistren asiatischen Bösewicht antreten, der das gesamte britische "Empah" bedroht. Da die Urheberrechte für Sax Rohmers Dr. Fu Manchu noch nicht ausgelaufen sind, darf Moore diesen Namen nicht offen benutzen, aber er ist es ohne jeden Zweifel.
Aber auch ernsthafte Literatur fand ihren Eingang in Moores Schöpfung: Literaturkenner werden viele Verweise auf die Werke von Emile Zola, Charles Dickens, Herman Melville und Henry James erkennen. Das Ganze wird angereichert durch zeitgenössische und gefakte Anzeigen (die im Sammelband leider fehlen) und einer kaum zu toppenden Lust am Erzählen. Mit der "League" schließt Moore direkt an seine Meisterwerke "Watchmen" und "From Hell" (Verlag Thomas Tilsner) an und beweist wieder einmal, dass die Postmoderne keineswegs nur blutleere Idiosynkrasien liefert. Hier erzählt sich ein begabter Spinner die Seele aus dem Leib und hat dabei nur ein Ziel: Der Leser darf sich auch beim wiederholten Lesen nicht langweilen.
So vollgepfropft haben Moore und O'Neill ihre detailreichen Seiten, dass sich der Comicfan Jeff Nevins monatelang mit den Heften beschäftigt hat. Das Ergebnis sind nahzu 140 Druckseiten, die man im Netz unter der Adresse www.geocities.com/Athens/Olympus/7160/league1.html findet. Im Mai 2003 kommen diese Erkenntnisse als Buch heraus. Im Herbst startet dann die im vergangenen Jahr entstandene Verfilmung von Stephen Norrington ("Blade II") mit Sean Connery in der Hauptrolle in unseren Kinos.
Und schließlich sind die Teile zwei und drei der League schon in Arbeit. Schließlich erwähnt Moore selber bereits diese merkwürdigen Gasexplosionen auf dem Mars.
Lutz Göllner
Alan Moore (Text), Kevin O'Neill, Ben Dimagmaliw (Zeichnungen: The League Of Extraordinary Gentlemen, Band Eins. Aus dem Englischen von Gerlinde Althoff. Speed Comics im Verlag Thomas Tilsner, Bad Tölz 2003. 192 Seiten, 20 Euro, ISBN 3-936068-13-5.
Book Information
Main Genre
Comics
Sub Genre
European Style
Format
Softcover
Pages
192
Price
22.70 €



