Sommer 24
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Description
Book Information
Author Description
Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Kleist-Preis, dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Hölderlin-Preis, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2024 mit dem Thomas-Mann-Preis für seinen Roman »Das Alphabet bis S« (Roman, 2023). Bei Hanser erschien bisher außerdem »Dein Name« (Roman, 2011), »Über den Zufall« (Edition Akzente, 2012), »Große Liebe« (Roman, 2014), »Album« (Erzählungen, 2014), »Sozusagen Paris« (Roman, 2016) sowie seine Korrespondenz mit Natan Sznaider »Israel« (2023)und zuletzt »Sommer 24« (Roman, 2026). »Ayda, Bär und Hase« (2017) war sein erstes Buch im Kinder- und Jugendbuchprogramm des Hanser Verlags, es folgten »Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen« (2022) und »Zu Hause ist es am schönsten, sagte die linke Hand und hielt sich an der Heizung fest« (mit Illustrationen von Mehrdad Zaeri, 2025).
Posts
Anspruchsvoll und sehr aktuell
Ein Sommer, in dem die Welt immer mehr aus den Fugen gerät – unbarmherzige Kriege, unsägliche politische Debatten und immer passiert alles gleichzeitig, die Ereignisse im persönlichen Umfeld parallel zum Weltgeschehen und erschüttern unser aller Weltbild und Selbstbild – auch Navid Kermani ergeht das so. Alles hängt mit allem zusammen, das wird deutlich, private Ereignisse einerseits, das große Weltgeschehen andererseits. Aber er als freier politischer Schriftsteller versucht sich in Gesprächen, Reflektionen, Reisen zu orientieren und immer wieder das Versöhnliche zu finden, das ist erstaunlich, nicht von ungefähr wurde er bereits mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Als störend empfand ich allerdings die fehlende Gliederung im Text, es gibt keine Überschriften, keine Kapitel, nicht einmal gekennzeichnete Absätze oder ersichtliche Sinnabschnitte – ein einziger fließender Text, das machte mir das Lesen und Verarbeiten anstrengend. Trotzdem schafft Kermani es, die Widersprüche im Handeln der Menschen herauszuarbeiten, diese Gräuel und Grausamkeiten auszuhalten und trotzdem Nationen, Ethnien, Religionen… nicht vorzuverurteilen, sondern zu differenzieren und zu hinterfragen, das ist seine große Kunst. Ein kluger Autor mit einem anspruchsvollen Text, immer reflektierend, nie mit erhobenen Zeigefinger, sind doch Toleranz und Menschlichkeit für ihn Werte, die er immer und überall zu finden und zu wahren versucht.
Keine leichte Kost, aber lesenswert!
Mit "Sommer 24" liefert der vielfach preisgekrönte Schriftsteller und habilitierte Orientalist Navid Kermani einen anspruchsvollen Roman über unsere Zeit ab, gepackt in das Jahr 2024, ein Jahr des Umbruchs. Sein Freund Rudolf, selbst Holocoust-Überlebender, driftet politisch in die rechte Ecke ab, sympathisiert mit der AFD , verteidigt Israels Angriffe im Gazastreifen. Er wählt schließlich den Freitod. In USA besteht die Wiederwahl von Trump bevor, unterstützt von Elon Musk. Kriege rücken näher. Dazu kommt, dass sich seine Freundin von ihm trennt und ihn als Macho bezeichnet, aber auch sonst wird sein Leben durch eine von ihm selbst verfasste Geschichte heftig durcheinandergewirbelt. Der Roman ist keine leichte Kost, es braucht seine Zeit, ihn vollständig in sich aufzunehmen. Denn auf den 160 Seiten steht viel, und noch viel mehr zwischen den Zeilen. Mit messerscharfem Verstand analysiert Kermani nicht nur die Welt und die Politiker (dabei nimmt er unter anderem Bezug auf seine Rede vor dem Deutschen Bundestag), sondern auch sich selbst. Gibt es Möglichkeiten, auszusöhnen und zu versöhnen? Oder muss man einfach aushalten? Sprachlich gesehen ist der Roman ein Meisterwerk, lässt uns Kermani durch seine Sprache an seinen Gedanken teilhaben, dazwischen immer nimmt er auch Rückblick auf vergangene Ereignisse. Ein eindringliches Werk, das man sehr aufmerksam lesen muss! Ein Werk, das zum Nachdenken anregt! Ein Werk, das ich sehr gerne weiterempfehle! Ein Werk, das mich veranlasst, seine Lesung im März zu besuchen!
Ein kompliziertes Buch für eine komplizierte Zeit
Es gibt so Bücher, die lassen mich an meiner Intelligenz zweifeln. Heute erscheint das neue Buch von Navid Kermani: „Sommer 24“ - und nachdem ich dazu vorhin die Besprechung im @ksta_koeln gelesen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich das Buch richtig gelesen habe. 😂 Der Stadtanzeiger nennt es einen autofiktionalen Roman; ich hingegen war mir sicher, dass es kein Roman ist. Meine mich sogar zu erinnern, dass der Autor selbst im Buch schreibt, dass es explizit kein Roman sondern eine Art längerer Aufsatz sei. Autofiktional weiß ich auch nicht, für mich las es sich schon ziemlich autobiografisch… aber vielleicht heißt das auch nur, dass die Autofiktionalität herausragend gut gelungen ist. So aber worum geht es denn jetzt eigentlich. Der (vielleicht nicht, vielleicht doch) funktionale Erzähler reflektiert in einer Erzählung ohne Kapitel und klare Sinnabschnitte zu dem Sommer 2024 und bringt das politische und gesellschaftliche Weltgeschehen mit mehreren persönlichen Erlebnissen zusammen. Dabei gibt es einen radikalisierten jüdischen Freund, der den Freitod wählt, einen Alt-Linken Freund, der dem Empörungskult verfällt, eine wunderschöne Hochzeit und einen journalistischen Fehltritt des Erzählers im Umgang mit einem Missbrauchsopfer. Immer wieder wird Thomas Mann zitiert, man hört von Frühchen aus Äthiopien und regelmäßigen Bezugnahmen auf den Entstehungsprozess des Textes während man ihn liest. Ein kompliziertes Buch, zur Beschreibung einer komplizierten Zeit, sprachlich klar und mit wahrscheinlich vielen literarischen Bezügen und stilistischen Entscheidungen durchzogen, für die ich nicht lange genug oder das richtige studiert habe. Für wen ist das Buch was? Für politisch interessierte Menschen, die einen nicht ganz anspruchslosen Text suchen, über den man auf mehreren Ebenen nachdenken muss. Und ihn vielleicht auch 2 mal lesen. Ich glaube, das werde ich bei Gelegenheit auch machen.

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Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Kleist-Preis, dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Hölderlin-Preis, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2024 mit dem Thomas-Mann-Preis für seinen Roman »Das Alphabet bis S« (Roman, 2023). Bei Hanser erschien bisher außerdem »Dein Name« (Roman, 2011), »Über den Zufall« (Edition Akzente, 2012), »Große Liebe« (Roman, 2014), »Album« (Erzählungen, 2014), »Sozusagen Paris« (Roman, 2016) sowie seine Korrespondenz mit Natan Sznaider »Israel« (2023)und zuletzt »Sommer 24« (Roman, 2026). »Ayda, Bär und Hase« (2017) war sein erstes Buch im Kinder- und Jugendbuchprogramm des Hanser Verlags, es folgten »Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen« (2022) und »Zu Hause ist es am schönsten, sagte die linke Hand und hielt sich an der Heizung fest« (mit Illustrationen von Mehrdad Zaeri, 2025).
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Anspruchsvoll und sehr aktuell
Ein Sommer, in dem die Welt immer mehr aus den Fugen gerät – unbarmherzige Kriege, unsägliche politische Debatten und immer passiert alles gleichzeitig, die Ereignisse im persönlichen Umfeld parallel zum Weltgeschehen und erschüttern unser aller Weltbild und Selbstbild – auch Navid Kermani ergeht das so. Alles hängt mit allem zusammen, das wird deutlich, private Ereignisse einerseits, das große Weltgeschehen andererseits. Aber er als freier politischer Schriftsteller versucht sich in Gesprächen, Reflektionen, Reisen zu orientieren und immer wieder das Versöhnliche zu finden, das ist erstaunlich, nicht von ungefähr wurde er bereits mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Als störend empfand ich allerdings die fehlende Gliederung im Text, es gibt keine Überschriften, keine Kapitel, nicht einmal gekennzeichnete Absätze oder ersichtliche Sinnabschnitte – ein einziger fließender Text, das machte mir das Lesen und Verarbeiten anstrengend. Trotzdem schafft Kermani es, die Widersprüche im Handeln der Menschen herauszuarbeiten, diese Gräuel und Grausamkeiten auszuhalten und trotzdem Nationen, Ethnien, Religionen… nicht vorzuverurteilen, sondern zu differenzieren und zu hinterfragen, das ist seine große Kunst. Ein kluger Autor mit einem anspruchsvollen Text, immer reflektierend, nie mit erhobenen Zeigefinger, sind doch Toleranz und Menschlichkeit für ihn Werte, die er immer und überall zu finden und zu wahren versucht.
Keine leichte Kost, aber lesenswert!
Mit "Sommer 24" liefert der vielfach preisgekrönte Schriftsteller und habilitierte Orientalist Navid Kermani einen anspruchsvollen Roman über unsere Zeit ab, gepackt in das Jahr 2024, ein Jahr des Umbruchs. Sein Freund Rudolf, selbst Holocoust-Überlebender, driftet politisch in die rechte Ecke ab, sympathisiert mit der AFD , verteidigt Israels Angriffe im Gazastreifen. Er wählt schließlich den Freitod. In USA besteht die Wiederwahl von Trump bevor, unterstützt von Elon Musk. Kriege rücken näher. Dazu kommt, dass sich seine Freundin von ihm trennt und ihn als Macho bezeichnet, aber auch sonst wird sein Leben durch eine von ihm selbst verfasste Geschichte heftig durcheinandergewirbelt. Der Roman ist keine leichte Kost, es braucht seine Zeit, ihn vollständig in sich aufzunehmen. Denn auf den 160 Seiten steht viel, und noch viel mehr zwischen den Zeilen. Mit messerscharfem Verstand analysiert Kermani nicht nur die Welt und die Politiker (dabei nimmt er unter anderem Bezug auf seine Rede vor dem Deutschen Bundestag), sondern auch sich selbst. Gibt es Möglichkeiten, auszusöhnen und zu versöhnen? Oder muss man einfach aushalten? Sprachlich gesehen ist der Roman ein Meisterwerk, lässt uns Kermani durch seine Sprache an seinen Gedanken teilhaben, dazwischen immer nimmt er auch Rückblick auf vergangene Ereignisse. Ein eindringliches Werk, das man sehr aufmerksam lesen muss! Ein Werk, das zum Nachdenken anregt! Ein Werk, das ich sehr gerne weiterempfehle! Ein Werk, das mich veranlasst, seine Lesung im März zu besuchen!
Ein kompliziertes Buch für eine komplizierte Zeit
Es gibt so Bücher, die lassen mich an meiner Intelligenz zweifeln. Heute erscheint das neue Buch von Navid Kermani: „Sommer 24“ - und nachdem ich dazu vorhin die Besprechung im @ksta_koeln gelesen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich das Buch richtig gelesen habe. 😂 Der Stadtanzeiger nennt es einen autofiktionalen Roman; ich hingegen war mir sicher, dass es kein Roman ist. Meine mich sogar zu erinnern, dass der Autor selbst im Buch schreibt, dass es explizit kein Roman sondern eine Art längerer Aufsatz sei. Autofiktional weiß ich auch nicht, für mich las es sich schon ziemlich autobiografisch… aber vielleicht heißt das auch nur, dass die Autofiktionalität herausragend gut gelungen ist. So aber worum geht es denn jetzt eigentlich. Der (vielleicht nicht, vielleicht doch) funktionale Erzähler reflektiert in einer Erzählung ohne Kapitel und klare Sinnabschnitte zu dem Sommer 2024 und bringt das politische und gesellschaftliche Weltgeschehen mit mehreren persönlichen Erlebnissen zusammen. Dabei gibt es einen radikalisierten jüdischen Freund, der den Freitod wählt, einen Alt-Linken Freund, der dem Empörungskult verfällt, eine wunderschöne Hochzeit und einen journalistischen Fehltritt des Erzählers im Umgang mit einem Missbrauchsopfer. Immer wieder wird Thomas Mann zitiert, man hört von Frühchen aus Äthiopien und regelmäßigen Bezugnahmen auf den Entstehungsprozess des Textes während man ihn liest. Ein kompliziertes Buch, zur Beschreibung einer komplizierten Zeit, sprachlich klar und mit wahrscheinlich vielen literarischen Bezügen und stilistischen Entscheidungen durchzogen, für die ich nicht lange genug oder das richtige studiert habe. Für wen ist das Buch was? Für politisch interessierte Menschen, die einen nicht ganz anspruchslosen Text suchen, über den man auf mehreren Ebenen nachdenken muss. Und ihn vielleicht auch 2 mal lesen. Ich glaube, das werde ich bei Gelegenheit auch machen.








