Selim oder Die Gabe der Rede
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Description
Der eine will um jeden Preis ein großer Redner werden, obgleich ihm nichts schwerer fällt als das freie Sprechen. Der andere träumt von einem sorglosen Leben inmitten einer Schar von Freunden. Nichts scheint Alexander, den neunzehnjährigen Studenten aus Rosenheim, und Selim, den einundzwanzigjährigen Amateurringer aus der Südtürkei, zu verbinden - bis Alexander in Selim den geborenen Erzähler und seinen möglichen Lehrmeister entdeckt.
Book Information
Author Description
Sten Nadolny, geboren 1942 in Zehdenick an der Havel, lebt in Berlin. Für sein Werk wurde er unter anderen mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 1980, dem Hans-Fallada-Preis 1985, dem Premio Vallombrosa 1986, dem Ernst-Hoferichter-Preis 1995 und dem Weilheimer Literaturpreis 2010 ausgezeichnet. Nach seinem literarischen Debüt »Netzkarte« erschien 1983 der Roman »Die Entdeckung der Langsamkeit«, der in alle Weltsprachen übersetzt wurde und inzwischen zum modernen Klassiker der deutschsprachigen Literatur geworden ist. Seitdem veröffentlichte Sten Nadolny zahlreiche Romane, unter anderem »Ein Gott der Frechheit«, »Er oder ich« und zuletzt »Das Glück des Zauberers«. Für seinen Familienroman »Weitlings Sommerfrische« bekam er 2012 den Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag.
Posts
Ein ruhiger, intellektueller Roman über Sprache und kulturelle Begegnung – gedanklich stark, emotional distanziert und sehr entschleunigt.
Mit Selim oder Die Gabe der Rede legt Sten Nadolny einen ruhigen, gedanklich geprägten Entwicklungsroman vor, der sich über die ungewöhnliche Freundschaft zweier junger Männer entfaltet. Im Zentrum stehen Alexander, ein unsicherer Student mit dem Wunsch, ein großer Redner zu werden, und Selim, ein charismatischer Amateurringer aus der Südtürkei, dessen natürliche Erzählergabe Alexander fasziniert. Die Begegnung dieser zwei sehr unterschiedlichen Lebenswelten wirkt dabei überzeugend und organisch. Ihre Unterschiede sind nie plakativ gezeichnet, sondern entwickeln sich aus ehrlicher Neugier und gegenseitiger Beobachtung. Besonders stark ist der Roman dort, wo er kulturelle Kontraste nutzt, um Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und persönlicher Freiheit aufzuwerfen. Das zentrale Motiv des Romans ist eindeutig die Sprache. Nadolny zeigt sie als Machtinstrument, als verbindendes Element zwischen Kulturen und als Mittel der Selbstfindung. Selim erscheint dabei leicht idealisiert – fast mythisch in seiner Fähigkeit zu erzählen –, doch diese Überhöhung wirkt bewusst gesetzt und verleiht der Figur eine symbolische Tiefe, ohne sie völlig unrealistisch werden zu lassen. Die Dynamik zwischen Lehrmeister und Lernendem bleibt dabei interessant, weil sie sich immer wieder verschiebt und keine klare Hierarchie festschreibt. Emotional bleibt der Roman jedoch auf Distanz. Weder Alexander noch Selim entwickeln eine starke Nähe, sodass die Identifikation mit den Figuren schwerfällt. Auch der Erzählstil trägt dazu bei: sehr ruhig, entschleunigt und stellenweise so langsam, dass der Lesefluss ins Stocken gerät. Dadurch wirkt das Buch mitunter schleppend und fordert Geduld, ohne diese immer mit emotionalen Höhepunkten zu belohnen. Gedanklich hingegen bietet der Roman viel Raum zur Reflexion. Die Auseinandersetzung mit Sprache, kulturellen Unterschieden und Lebensentwürfen ist klar auf einer intellektuellen Ebene angesiedelt und lädt zum Nachdenken ein, auch wenn einzelne Passagen nicht nachhaltig berühren. Fazit: Selim oder Die Gabe der Rede ist ein leiser, anspruchsvoller Entwicklungsroman mit starkem thematischem Fokus auf Sprache und kulturelle Begegnung. Wer emotionale Nähe und erzählerische Dynamik sucht, könnte Schwierigkeiten haben. Leser*innen, die ruhige, intellektuell geprägte Literatur schätzen, finden hier jedoch eine nachdenkliche und fein konstruierte Geschichte.
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Der eine will um jeden Preis ein großer Redner werden, obgleich ihm nichts schwerer fällt als das freie Sprechen. Der andere träumt von einem sorglosen Leben inmitten einer Schar von Freunden. Nichts scheint Alexander, den neunzehnjährigen Studenten aus Rosenheim, und Selim, den einundzwanzigjährigen Amateurringer aus der Südtürkei, zu verbinden - bis Alexander in Selim den geborenen Erzähler und seinen möglichen Lehrmeister entdeckt.
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Sten Nadolny, geboren 1942 in Zehdenick an der Havel, lebt in Berlin. Für sein Werk wurde er unter anderen mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 1980, dem Hans-Fallada-Preis 1985, dem Premio Vallombrosa 1986, dem Ernst-Hoferichter-Preis 1995 und dem Weilheimer Literaturpreis 2010 ausgezeichnet. Nach seinem literarischen Debüt »Netzkarte« erschien 1983 der Roman »Die Entdeckung der Langsamkeit«, der in alle Weltsprachen übersetzt wurde und inzwischen zum modernen Klassiker der deutschsprachigen Literatur geworden ist. Seitdem veröffentlichte Sten Nadolny zahlreiche Romane, unter anderem »Ein Gott der Frechheit«, »Er oder ich« und zuletzt »Das Glück des Zauberers«. Für seinen Familienroman »Weitlings Sommerfrische« bekam er 2012 den Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag.
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Ein ruhiger, intellektueller Roman über Sprache und kulturelle Begegnung – gedanklich stark, emotional distanziert und sehr entschleunigt.
Mit Selim oder Die Gabe der Rede legt Sten Nadolny einen ruhigen, gedanklich geprägten Entwicklungsroman vor, der sich über die ungewöhnliche Freundschaft zweier junger Männer entfaltet. Im Zentrum stehen Alexander, ein unsicherer Student mit dem Wunsch, ein großer Redner zu werden, und Selim, ein charismatischer Amateurringer aus der Südtürkei, dessen natürliche Erzählergabe Alexander fasziniert. Die Begegnung dieser zwei sehr unterschiedlichen Lebenswelten wirkt dabei überzeugend und organisch. Ihre Unterschiede sind nie plakativ gezeichnet, sondern entwickeln sich aus ehrlicher Neugier und gegenseitiger Beobachtung. Besonders stark ist der Roman dort, wo er kulturelle Kontraste nutzt, um Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und persönlicher Freiheit aufzuwerfen. Das zentrale Motiv des Romans ist eindeutig die Sprache. Nadolny zeigt sie als Machtinstrument, als verbindendes Element zwischen Kulturen und als Mittel der Selbstfindung. Selim erscheint dabei leicht idealisiert – fast mythisch in seiner Fähigkeit zu erzählen –, doch diese Überhöhung wirkt bewusst gesetzt und verleiht der Figur eine symbolische Tiefe, ohne sie völlig unrealistisch werden zu lassen. Die Dynamik zwischen Lehrmeister und Lernendem bleibt dabei interessant, weil sie sich immer wieder verschiebt und keine klare Hierarchie festschreibt. Emotional bleibt der Roman jedoch auf Distanz. Weder Alexander noch Selim entwickeln eine starke Nähe, sodass die Identifikation mit den Figuren schwerfällt. Auch der Erzählstil trägt dazu bei: sehr ruhig, entschleunigt und stellenweise so langsam, dass der Lesefluss ins Stocken gerät. Dadurch wirkt das Buch mitunter schleppend und fordert Geduld, ohne diese immer mit emotionalen Höhepunkten zu belohnen. Gedanklich hingegen bietet der Roman viel Raum zur Reflexion. Die Auseinandersetzung mit Sprache, kulturellen Unterschieden und Lebensentwürfen ist klar auf einer intellektuellen Ebene angesiedelt und lädt zum Nachdenken ein, auch wenn einzelne Passagen nicht nachhaltig berühren. Fazit: Selim oder Die Gabe der Rede ist ein leiser, anspruchsvoller Entwicklungsroman mit starkem thematischem Fokus auf Sprache und kulturelle Begegnung. Wer emotionale Nähe und erzählerische Dynamik sucht, könnte Schwierigkeiten haben. Leser*innen, die ruhige, intellektuell geprägte Literatur schätzen, finden hier jedoch eine nachdenkliche und fein konstruierte Geschichte.




